9 1/2 Monate Dem. Rep. Kongo, 26.Januar-08.März 2006
Donnerstag 26. Januar 2006, 15.50 Uhr
Die 4 ½-stündige Reise mit dem Camion nach Tshumbe verlief bis auf meine Rückenschmerzen und, dass mein rechtes Bein dauernd einschlief gut. Um 12.30Uhr kamen wir an. Die Hilfschauffeure mussten die paar Tonnen Salz abladen, wobei sie jeweils 4Säcke à 20kg = 80kg! auf dem Kopf vom Camion zum Lagerhaus transportierten. Ich konnte bereits einige Punkte auf meiner ellenlangen Liste abhäkeln und bin sehr zufrieden. Zu meiner guten Laune tragen auch die vielen Leute (Ich glaube ganz Tshumbe kennt mich beim Namen) und besonders die Abbés bei, welche mich sehr freundlich begrüssten.
Nicht zu vergessen, dass ich heute Abend bei Abbé Lowa zum essen eingeladen bin, ok ein bisschen habe ich mich selber eingeladen. Ich schaue das als freudiger Beginn meiner Ferien an.
Um auf die Reise zurückzukommen; an einem der Dörfer welches wir passierten sah ich von weitem Palmen mit komischen Früchten, als wir näher heranfuhren, sah ich, dass es sich um viele hängende Vogelnester handelt. Ebenfalls unterwegs musste Wembushi mal anhalten damit ich in die Büsche, besser gesagt ins 2m hohe Gras pinkeln gehen konnte. Danach hatte ich zwar das Gefühl, es würde mich überall zwicken und jucken aber auf jeden Fall war es „sicherer“ als so ein ordinäres Dorf- Freiluftklo! *grins*
Vor der Abreise, es war „härzig“ schenkten mir Maman Angelique und Papa Dominique ein Huhn. Vorgestern schenkte mir die grosse July ebenfalls ein Huhn. In Yanga bin ich nun im stolzen Besitz von einem Hahn, fünf Hühnern und seit gestern sechs „Bibili“ welche das erste Huhn von der Primarschule ausbrütete!
Jean schrieb mir gestern ein E- Mail, es war höchste Zeit eine Antwort auf die Frage zu bekommen ob mich in Kinshasa jemand am Flughafen abholen wird. Er schrieb mir, ich solle ihn anrufen sobald das Flugzeug in Tshumbe sei. Tatsächlich anrufen! Vodacom funktioniert neuerdings und alle Tshumbenianer sind im Handy- Fieber obwohl es sich eigentlich hier wirklich niemand leisten kann!
Nachdem ich die kleinen Dinge erledigte ging ich mit Alphonse (Sohn von Philippe) und Dirk (Sohn von Kasongo Antoine) zu Fuss die Arbeiten bei der Uni Tshumbe anschauen und fotografieren. Gut gemacht! Nur bin ich enttäuscht, dass niemand in den neuen Zimmern wohnt. Zwei Studentinnen, welche bereits in der Uni wohnen, sagten mir, es fehlen noch die Betten und die heruntergehängten Decken. Ich sagte, dass sie nicht immer weiterfragen sollen und halt zu Beginn die Betten von Zuhause mitnehmen könnten. Wie oft hat Jean bereits gesagt man solle sich selber organisieren und nicht wegen jeder Kleinigkeit abwarten…
Ach endlich hat es ein bisschen geregnet und einige “Gredli” abgekühlt. Seit einigen Tagen ist es fast unerträglich heiss… ich fragte Alphonse ob dies normal sei. Er meinte, die kleine Trockenzeit habe begonnen, das ist die heisseste Jahreszeit im Kongo. Im Februar würde es nicht so oft regnen. Da habe ich eine gute Zeit ausgesucht für meine Ferien, nur meine Freunde aus der Schweiz wird die Ankunft in Mombasa wohl dann fast umhauen – so von der -5Grad kalten Schweiz zu hiesigen 35Grad!
Freitag 27. Januar 2006; 18.15 Uhr
Leider befinde ich mich immer noch in Tshumbe, es gab kein Flugzeug heute und auch für morgen habe ich noch keine Bestätigung. Momentan befinde ich mich bei den Abbés wo mir Abbé Pierre ab 17.00Uhr Internetzugang versprach. Abbé Jeanpierre weiss von nichts, mache jetzt aber alles um den Generator und auch die Konvektivität zu starten. Zwei Doktorinnen warten ebenfalls auf Internetzugang und wie sich durch ein Gespräch zeigte wollten auch die Beiden nach Kinshasa fliegen¨
Heute Morgen ass ich Schweizerisches Zwieback, welches ich mitnahm und ein kleiner Frelitta- Brotaufstrich, welcher ich Weihnachten aus der Schweiz geschenkt bekam.
.. Ach die Nacht war schrecklich, starker Regen und Sturmböen liessen mich kaum schlafen. Zusätzlich fiel wegen der Winde, Sand von der Decke ins Bett, was auch nicht gerade angenehm war.
Nach dem Frühstück startete ich bereits den Versuch ins Internet zu gehen, leider herrscht momentan Benzinmangel. Auf dem Weg zu den „paroisses“ traf ich Jacqui, sie unterhielt mich dann auch stundenlang. Zuerst begleitete sie mich Schwester Jeane besuchen, dann zu mir bzw. zu Jean nach Hause. Sie erzählte mir doch krasse Dinge, welche ansonsten alle geheim halten. Wir sprachen über Homosexualität und sie erzählte mir im Zusammenhang Geschichten von Mädchen in den Internaten. Auch wie der Abbé Curé von Lubefu halt im Versteckten mit irgendwelchen Mädchen schläft obwohl ja alle katholischen Pfarrer, Brüder und Schwestern dem Zölibat unterstellt sind. „Dachte ich es mir doch“!! Alle Menschen brauchen doch „Liebe“ – das Gefühl geliebt zu werden?! Ich bin überzeugt selbst der Papst ist oder war zumindest nicht immer heilig. Er ist ja auch nur ein Mann… *grins*
Hier läuft das Internet immer noch nicht und bald wird mich Louise Ambokawa holen um zu Abbé Lowa zu gehen.
Dort darf ich für die Herrschaften eine Tomatensauce zubereiten. Louise Ambokawa und ich gingen also vorher alle nur findbaren Zutaten für eine Tomatesauce auf dem Tshumbe- „Märet“ suchen und einkaufen. Ich bin überrascht wie viel ich bereits in Otetela verstehe aber die Tshumbenianer sind noch mehr überrascht wenn ich meine paar Sätze auf Otetela spreche!
Jean hat mich angerufen und gesagt falls es nicht klappen sollte mit dem Flug direkt nach Kinshasa käme mich Pilote Jacques mit dem kleinen Flugzeug holen. Ich werde also wahrscheinlich morgen reisen, weiss nur nicht wie und wohin!
Samstag 28. Januar 2006; 9.40 Uhr
Vor einem halben Jahr verliess ich mit vielen Abschiedstränen die Schweiz. Nun bleiben noch 3 ½ Monate auswärts, bevor ich in die geliebte Heimat zurückkehren werde. Obwohl ich nur zwei Wochen Ferien in Kenia verbringen werde, brauche ich mit der ganzen Reiserei wohl mindestens fünf Wochen. Es gibt kein Flugzeug heute, dass heisst es gibt kein Direktflug nach Kinshasa. Nach neuesten Informationen wird Pilote Jacques erst nächsten Dienstag das nächste Mal nach Kananga fliegen…
Zum Glück habe ich Bekanntschaft mit den zwei Ärztinnen gemacht, welche auch dringend nach Kinshasa reisen wollen. Vielleicht ändert Jacques sein Programm?!
Langweilig ist es mir eigentlich nicht – bei den Brüdern und Schwestern findet sich immer jemand zum plaudern. Ausserdem nahm ich Bücher und Französisch- Lehrmittel mit.
Am Abend:
Das Programm hatte sich schlagartig geändert, weil es auch mit Jacques keine Möglichkeiten gibt, reiste ich wieder einmal per Jeep und zwar nach Lodja. Ich darf zum 4. Mal bei Dr. Robert wohnen und die zwei Ärztinnen wohnen wie in Tshumbe auch hier bei den Schwestern.
Das Problem ist, dass es in Lodja kein Internet gibt, d.h. ich habe keine Möglichkeit die Schleifscheiben- Angelegenheit zu Ende zu organisieren!! Es wird also nur die teure Möglichkeit bleiben dass mir Peter Frech mindestens eine Schleifscheibe mit DHL zu senden wird.
Sonntag 29. Januar 2006; 11.45 Uhr
Ich habe schlecht geschlafen, weil es die Nacht durch drückend heiss war, blieb trotzdem bis 9.00Uhr im Bett. Als ich dann mit Marie – Jeanne zMorge ass rief mich Lis, die Doktorin an. Ich solle mit Doktor Robert sie beide holen kommen, ihr Chauffeur sei unauffindbar und es gäbe vielleicht die Möglichkeit mit den amerikanischen Protestanten zu reisen. Ich hatte keine Lust zu stressen, ass zuerst fertig und dann gingen Robert und ich zum „couvent“. Dr. Lis Lombeya fuhr bereits mit jemandem per Töff zu diesen Protestanten. Als wir auch dort ankamen, kamen uns gerade die Piloten mit dem Motorrad entgegen; es habe so oder so nur Platz für eine Person. Super, es war der Hammer als Dr. Lis uns entgegen kam, sie hatte bereits entschieden, dass sie reisen werde. So etwas Egoistisches habe ich selten erlebt aber es kümmert mich eigentlich nicht heftig. Ich hatte nur ein schlechtes Gewissen, weil Dr. Robert die Reise umsonst gemacht hatte. Nun kann ich meine Koffer wieder auspacken und werde wahrscheinlich definitiv am Dienstag reisen. Auch Josephine, welche eigentlich morgen mit dem Kurs in Tshumbe beginnen sollte kann heute nicht reisen.
Montag 30. Januar 2006; 22.00 Uhr
Ingenieur Gilbert kam mich gestern Abend besuchen, ich habe vor lauter Planabänderungen gar nicht mehr realisiert, dass sich Gilbert in Lodja befindet. Heute zeigte er mir seine Arbeiten das heisst er zeigte mir die Becken des „China Reises“. Ebenfalls lud er mich bei sich Zuhause auf ein „Bierchen“ ein und ich lernte seine Frau und die drei Kinder kennen.
Leider liefen wir so blöden Beamten in die Hände, welche eigentlich nur Geld wollten – für meine Sicherheit – bla, bla, bla.
Ich nervte mich und musste mich beherrschen nichts Falsches zu sagen. Wir besuchten dann auch Abbé Daniel, welcher mir morgen zum Glück am Flughafen beistehen wird, falls wieder alle Geld von mir wollen nur weil ich weisser Hautfarbe bin. Heute Abend kam Gilbert mit dem Drucker zu mir um zu testen ob dieser funktioniert. Er hat einen neuen Drucker mit USB Kabel gekauft und einen alten Laptop ohne USB Eingang, dass ist ärgerlich. Ich habe nun Steffu, meinem Bruderherz das Problem geschildert. Wenn er diesen findet und meinen Freunden aus der Schweiz mitgeben kann, könnte ich Gilbert sehr helfen und vor allem ihm auch eine Riesenfreude machen!
Dienstag 31. Januar 2006; 8.45 Uhr
Heute ist der Tag der Abreise nach Kinshasa und ich bin wie immer seit dem Vorabend nervös. Vor allem wollte mich Gilbert um 8.00 Uhr abholen kommen um noch einige fehlende Fotos zu knipsen. Danach wollen wir je einen bico-bello Rapport für BCECO und FAO vervollständigen. Diese werde ich auch den Leuten vom Unterstützungsverein senden, vielleicht kann man ja den Bericht mit den Fotos auf der www.yanga.ch WEB- Page zeigen?!
11.00 Uhr
Ich war mit Gilbert in der Stadt und kehrte mit den fehlenden Fotos, mit einer Büchse Nido Milchpulver, einigen Bananen und leider mit schlechten Neuigkeiten zurück…
Tag der Abreise? Heute? – tz, tz – der Flug wurde mal eben gestrichen, weil es zu wenige Passagiere aus Kinshasa hat. Jetzt bleibt vielleicht morgen die teurere Möglichkeit mit einem Frachtflugzeug zu fliegen ansonsten bleibt als letzte Möglichkeit der Freitag. Man, ich muss spätestens am Freitag nach Kinshasa!!
Mittwoch 1. Februar 2006; 9.00 Uhr
Um 7.00Uhr musste ich auf die Toilette, dann schlief ich tatsächlich noch mal ein und Gilbert und sein Arbeitskollege waren schon hier bei Dr. Robert eingetroffen. Es war ziemlich verwirrend, als ich ihre Stimme hörte, träumte ich gleichzeitig irgendwelches wirres Zeug wo auch Gilbert vorkam. Die Ungewissheit über meine Reise in die Ferien schickt mir bereits böse Träume!
Gestern war ein interessanter Abend nach dem frustrierenden Tag; Ich kaufte ein 150$ teures!! Billet bei CAA, welche mir zusicherten dass ich heute als einziger Passagier mit ihrem Frachtflugzeug über Kananga nach Kinshasa fliegen könne. Danach besuchten wir schnell Abbé Daniel und ich sprach einige Worte Deutsch mit dem Abbé, welcher in Österreich studierte, dann spielte ich Volleyball. Na ja das Niveau war tief und das Feld eine Katastrophe. Wir spielten 5 gegen 5 und es musste wohl wie damals in Yanga beim Fussball so sein, dass ich zwei Mal von den eigenen abgeschossen wurde. Häufig spielten die Jungs mit den Füssen, deshalb war es ein unkontrolliertes unpräzises Spiel! Es waren nur Jungs die spielten, ich sagte ihnen sie sollen auch mit den Mädchen spielen. Als Antwort bekam ich, dass dies von der Öffentlichkeit nicht akzeptiert werde.
12.00 Uhr:
Bravo, ich fuhr mit Gilbert in die „Stadt“ um bei Malila das Geld zurück zu fordern, da diese ja gestern den Flug annullierten und ich heute mit CAA fliegen würde. Der Malila Arbeiter schaute mich nur verblüfft an und sagte heute würde es keinen CAA Flug geben. Ich kochte innerlich und dachte „Das kann doch alles gar nicht wahr sein, wo bin ich hier eigentlich?“
Wir fuhren also zu CAA, wo uns die Mitarbeiter dort bestätigten es würde keinen Flug geben. Zuletzt fuhren wir zum Chef der CAA, bei welchem ich gestern das Ticket kaufte, er versicherte uns nach wie vor, dass es einen Flug geben wird.
Ich weiss also noch nicht Bescheid und es treibt mich nächstens zum Wahnsinn, so viel Pech!! Eigentlich will ich doch nur glücklich in die Ferien fliegen. Wenigstens habe ich hier Arbeit gefunden. Mit Gilbert arbeiten wir zusammen für das „projet agricole 2006“.
20.30 Uhr:
Ich bin immer noch in Lodja, das heisst auch der CAA Frachtflug wurde ausgerechnet in dieser Woche annulliert!
Gilbert hatte die gute Idee eine kleine Tour zu unternehmen, da es hier ja nichts Interessantes gibt und die Leute vom Volley das Netz noch nicht aufgespannt hatten. Er erklärte mir, dass sein Kollege sein Motorrad nahm während er schlief und er nun ein anderes geliehen habe. Als wir losfuhren merkten wir sofort dass es vorne einen Platten hatte. Super, dachte ich, in Lodja geht alles schief. Zum Glück hat Dr. Robert ein Motorrad und ich fragte ob wir dieses ausleihen dürfen. Robert war einverstanden und ich sagte zu Gilbert, dass ich fahren würde. Ich kickte es an und kehrte, er setzte sich hinten drauf und ich fuhr los. Da glaubte er mir erst, dass ich es ernst meine… *grins*. Ausser dass ich die Brille vergass und es eine Menge lästiger Insekten hatte, war es super und ich vergass für eine Weile den ärger mit den Kongolesischen Fluggesellschaften. Das Witzigste war, dass so doofe Beamte, von welchen ich ja bereits genügend kennen lernte die Brücke blockierten, natürlich wieder nur um Menschen zu ärgern und um Geld einzukassieren. Sie wollten meinen Führerausweis sehen, zufälligerweise hatte ich ihn bei mir und sie mussten mich passieren lassen. Gut ist nicht Gilbert gefahren, er hat nämlich gar keinen Ausweis und muss bei solchen Kontrollen jeweils etwas bezahlen! Da es hier keine Justiz gibt kann man ja auch niemanden anzeigen, deshalb ist es schwierig, dass mir die Leute von der einen Fluggesellschaft morgen das Geld zurück erstatten werden!?
Donnerstag 2. Februar 2006; 10.30 Uhr
Richtig ausgeschlafen und fit fühle ich mich heute trotz schlechtem Gefühl wegen der anhaltenden Ungewissheit. Eigentlich warte ich auf Gilbert um das Geld für das eine Flugticket zurück zu verlangen und zwar das teurere bei CAA. Nun ist wohl klar, dass ich erst morgen nach Kinshasa fliegen kann und somit keine Gelegenheit mehr haben werde ein Visa für Kenia zu besorgen. Emil Okitolonda versicherte mir jedoch, dass ich das Visa problemlos in Nairobi kaufen könne. Mir gefallen diese Aussichten gar nicht, kenn doch den Flughafen Nairobi nicht, hoffentlich finde ich da auch die richtigen Behörden!! Kenia Airways habe am Samstagmorgen offen, da kann ich dann die Platzreservierung machen und den Flug bestätigen lassen – wenigstens etwas! Nun hätte ich Zeit etwas Französisch zu lernen oder Otetela, bin aber überhaupt nicht motiviert…
Samstag 4. Februar 2006; 9.00 Uhr
Ich glaube es kaum, habe es tatsächlich noch nach Kinshasa geschafft. Es ging jedoch auch gestern nicht reibungslos, musste 6 Stunden am Flughafen in Lodja warten, hatte kein Wasser mitgenommen und auch nichts zu Mittag gegessen… Da Gilbert und Abbé Daniel am Flughafen waren und ich meinen MP3 Player dabei hatte, verging die Zeit relativ schnell. Um viertel vor 5 Uhr abends startete unser Flieger endlich. Es gab heftige Diskussionen weil sie für ein Flugzeug mit 50 Sitzplätzen, 70 Billets verkauft hatten… typisch Kongo, nur um irgendwie auf fiese Art und Weise Geld zu machen. Einige Passagiere sassen also während der 2 ¼ Stunden Reisezeit im Durchgang auf Koffern oder Frachtsäcken, unglaublich echt. Mein Name wurde zum Glück als erster aufgerufen und ich musste nicht um meinen Platz kämpfen. Den Sitz neben mir reservierte ich für Marie- José, welche einige Minuten später auch ins Flugzeug gelassen wurde. Für sie war es besonders hart solange in dem ihr fremden Lodja zu bleiben und ihre Arbeitskollegin reiste einfach egoistisch am letzten Sonntag mit den amerikanischen Methodisten ab! Während der ganzen Reise hörten wir Musik aus meinem MP3 Player, welche halbwegs den Motorenlärm übertönte. Mir wurde trotz Luftlöcher nicht schlecht, war eine gute Kombination die Anti- Schlecht Pille mit Bier runter zu spülen *grins*.
13.45 Uhr:
Ich fuhr mit Emile in die Stadt. Alles ist klar, der Flug bestätigt, morgen werde ich nach Nairobi fliegen, dort das Visa kaufen und dann weiter nach Mombasa fliegen…
Als wir aus der Stadt zurückkehrten ging ich im Internetcafé noch die Zahlungs- und Reservierungsbestätigung ausdrucken, damit sie mich dann auch ins Hotel reinlassen für die Nacht Sonntag auf Montag…
Es ist ein komisches Gefühl, ich werde übermorgen früh seit langem Freunde aus der Schweiz treffen!
Sonntag 5. Februar 2006; 9.00 Uhr
Dank der Hilfe von Nono, Jeans Flughelfer, verlief das Einchecken problemlos. Nun warte ich auf das Kenya Airways Flugzeug. Ich sitze im kleinen Flughafen Restaurant, trinke eine Cola und knabbere die unglaublich teuren Kokosmakarönli, welche ich gestern im „Peloustore“ kaufte. Erst gestern realisierte ich, dass der Rückflug auch am Sonntag und nicht wie gebucht schon am Samstag möglich gewesen wäre. Meine Freunde fliegen ja erst am Montagmorgen früh… umbuchen ist kompliziert und kostet 50$. Um nur einen Tag länger zu bleiben, werde ich dies nicht bezahlen. Jetzt gilt es wieder einmal einige Warte- und Flugstunden tot zu schlagen, ich werde erst um 19.30 Uhr in Mombasa landen…
Etwas später:
Ich bin im Paradies und es ist wortwörtlich im Himmel. Wieso? Es gab Mittagessen im Kenya Airways Flugzeug – feines Butterbrötli, Fisch, Salat und der Hammer zum Dessert war der Konfitüre- gefüllte Donat in Schokoladencreme. Nicht zu vergessen das Heineken – Bierchen und vorher zum Apéro ein Tomatenjus… es folgt nun ein feiner Likör…
Fliegerfood ist ja wirklich nicht das Beste was es gibt aber ich ass alles mit Genuss! Ausserdem ist der Flieger halbleer, ich tauschte zuerst die Reihe weil ich direkt über einem Flügel sass, habe nun traumhafte Aussicht und zwei Plätze für mich, super!!
Tatsächlich nahm ich eine Flasche abgekochtes Wasser mit, mein Gehirn hat bereits gelöscht, dass es an jedem „normalen“ Flughafen etwas zu trinken zu kaufen gibt. Es läuft ein Film, welchen ich nicht kenne und mein Englisch reicht kaum auch nur den Zusammenhang zu verstehen. Ich habe mich gerade mit einem Kanadier unterhalten, welcher nach Uganda reist. Jedes englische Wort musste ich in der hintersten Schublade meines Gehirns suchen gehen, so sehr war ich in letzter Zeit auf das Französisch fixiert. Er versicherte mir, dass es in Nairobi keine Probleme wegen des Visums geben wird.
18.50 Uhr (Schweizer Winterzeit und Kinshasa Zeit 16.50 Uhr):
Es ist schon zwei Stunden später – ein kurzer Tag heute, zumindest Gefühlsmässig. Was ich gerade erlebte, würde einem im Kongo garantiert nie passieren. Der Flug aus Kinshasa hatte natürlich Verspätung, was mich nicht verwunderte. Da ich noch kein Visum hatte, musste ich ein Blatt ausfüllen und Schlange stehen. Eine Frau sagte mir es sei bereits 18.00 Uhr, super dachte ich ironisch, weil mein Flug für 18.30 Uhr auf dem Programm stand.
Mein Pass wurde mir ausgehändigt, dann rannte ich die Treppe runter, fand zum Glück gleich mein Gepäck und fragte nach dem Weg. Zudem, dass ich schon spät dran war, musste ich das Gebäude wechseln. Etwa ein dutzend Taxichauffeure empfingen mich als ich das Hauptgebäude verliess. Als ich nach dem Flieger nach Mombasa fragte, zeigten sie alle in die gleiche Richtung, ich überquerte die Strasse und fand den Eingang zum Check-in. „Das Flugzeug sei bereits geschlossen, ich sei zu spät“ sagten mir die Dame und der Herr am Eingang. Ich musste zum Ticket Office den Flug für drei Stunden später umbuchen lassen. Da ich in Nairobi nichts verloren hatte, entschied ich mich trotzdem schon einzuchecken. Ich liess den Kopf ganz schön hängen. Die junge Frau, welche für den Check-in zuständig ist „het hurti schnäu aus gä“ und sie schmuggelte mich in letzter Sekunde und ohne Boarding Pass ins Flugzeug! Sie ist meine Heldin von ganz Kenya!!
Leider hatte ich nicht mal Zeit mich richtig zu bedanken und im Riesenstress fand ich kein einziges Wort in Englisch, es war die Hölle…
Ich befand mich nur einige Minuten im Flugzeug, welches bereits zur Starpiste fährt, jetzt geht’s los!
Ei, ei, ei, ich kann mein Glück noch gar nicht fassen, fand mich schon damit ab mindestens nochmals drei Stunden auf den nächsten Flug zu warten… Jupieeh.
Das Essen im letzten Flugzeug fand ich ja sehr lecker aber bin wohl einiges nicht mehr gewohnt, leide gerade unter heftigen Blähungen. Vielleicht ist es auch die Aufregung?
Der Unterschied Kenya aus der Luft zu sehen im Gegensatz den Kongo aus der Luft zu sehen ist extrem. So weit das Auge reicht ist alles braun und braun. Im Norden Kenias leiden viel Menschen unter Wassermangel.
19.00 Uhr
Zeitlich passt es gerade den Sonnenuntergang aus dem Flugzeug zu sehen und was sehe ich da… den Kilimandjaro… zum Glück sitze ich auf der richtigen, auf der rechten Seite um den berühmten Berg zu sehen! Manuela hatte ja bei unserem letzten Gespräch darauf hingewiesen mich im Flugzeug umzuschauen, ich werde garantiert den Kili sehen. Das habe ich vor lauter Reisestress total vergessen.
Meine Kongo- Vodacom ist nicht International-Roaming… Hmmm und das Orange Abo aus der Schweiz habe ich gekündet – es wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben als eine Sim- Karte in Kenya zu kaufen.
Montag 6. Februar 2006; 9.30 Uhr
In ein paar Minuten kommen meine Freunde hier im Beach Ressort Tropical Village an und ich bin nervös wie an einem Turnfest vor einer Übung. Der Unterschied wie ich die letzten sechs Monate lebte zu dieser Superluxuriösen Anlage ist krass und ich bin wirklich schockiert. Am meisten schockiert mich die Essenauswahl, die spitalweissen Betten und vor allem die Tatsache von lauter weissen meist italienischen Gästen umgeben zu sein…
Donnerstag 9. Februar 2006; 17.30 Uhr
Unser erster Safaritag im „Ostern Tsavo“ Park ist zu Ende, wir sind total erledigt aber bis jetzt waren die Ferien einfach perfekt. Na ja, klar war die Safari ein bisschen anstrengend aber ausgerechnet gestern Abend feierten Regula, Andreas, Martin und ich „ds strübschte“ Fest… so mit 1 ½ bis 2 ½ Stunden Schlaf um 5.00 Uhr aufzustehen war verd… hart.
Montag bis Freitag genossen wir am Strand im warmen Meer, holten uns die ersten Sonnenbrände, spielten Boccia sowie Volleyball gegen Abend, vor dem Duschen Apéro, nach dem Duschen Apéro und zum Mittag- und Abendessen gab es verschiedenen wirklich ausgezeichnet zubereitete Speisen am Buffet zur Auswahl, dazu ein feiner Haus- Rotwein…
Die Stimmung am Tisch ist jeweils so gemütlich, dass wir diesen jedes Mal als die Hinterletzten verliessen; Die Kellner hatten meist bereits alle anderen Tische fürs nächste Essen hergerichtet. Ausser der etwas kaputten WC- Spülung (wenn man weiss wie, geht’s) finde ich an der Zimmerausstattung und Hygiene überhaupt nichts auszusetzen…
Der heutige Tag wird für mich nebst dem natürlich sehr speziellen Anreisetag unvergesslicher als die anderen bleiben. Wir hatten Glück was das Sehen von vielen verschiedener Tiere betrifft – ein Löwe legte sich zwei Meter von unserem Jeep entfernt auf die Strasse – Zwei Grossen und einem kleinen Elefanten konnten wir zuschauen wie sie zuerst gemeinsam Wasser tranken und sich dann schön abwechselnd links und rechts mit Schlamm als Insektenschutz voll spritzten. Das Mittagessen gab es irgendwo mitten im Park. Typisch für Regula und mich, wurde dieses Essen zum speziellen Erlebnis. Als erster Gang durften wir Suppe holen, als Zweiter Salat. Dann als Hauptgericht nahmen sich alle vier Schweizer ein “gebräteltes” Poulet-plätzli dazu nach Lust und Laune Reis, Teigwaren, Kartoffeln, Gemüse und verschiedene Saucen. Die Männer brauchten etwas länger, weil auf der ganzen Reise „Ladys first“ streng eingehalten wird. Regula und ich setzten uns an den Tisch, wahrscheinlich verging keine Minute bis Regula unheimlich erschrickt. Zuerst erschreckte ich mich, weil sie so sehr erschrak, dann tauchen zwei graue Hände über der Tischkante auf, gleichzeitig drehe ich den Kopf und schaue mit einigen Zentimeter Distanz einem grossen Pavian in die Augen. Mir blieb das Herz stehen, zog nur meine Hände zurück, Regula stand so schnell auf wie noch nie, ich stiess einen Schrei aus und es ging eine Weile bis wir und auch die Kellner begriffen was geschehen war. Der Pavian schnappte sich mit den Händen Regulas Poulet-plätzli und einige Kartoffeln, stopfte sich alles in den Mund und verschwand blitzschnell wie er gekommen war…
Nachdem alle begriffen hatten, was gerade geschehen war, konnten wir uns kaum erholen vor Lachen!
Nach dem Essen gingen wir nochmals auf „Pirschfahrt“ wie unser kenianische Chauffeur zu sagen pflegte. Wir sahen vor allem noch haufenweise „Tic tic“ die kleinste Gazellenart. Die Nacht werden wir in grossen Zelten verbringen in welchen sich Dusche, WC, Bett, Möbel und elektrisches Licht befinden. Über den Zelten wurden vorher unabhängig Strohdächer auf Holzpfosten montiert.
Samstag 11. Februar 2006; 15.30 Uhr
Wir erleben so viel – ich komme definitiv kaum zum schreiben. Es wurde uns aber auch noch nie langweilig und ohne eigentlich Freizeit zu haben, sind die Nächte etwas kurz. Das ist gut so, wenn es nicht so wäre, würden wir wahrscheinlich jammern viel zu viel für diese Ferien bezahlt zu haben!
Heute sind wir im dritten und somit letzten „Lodge“ angekommen. Wir befinden uns im „Western Tsavo“ Park und haben Aussicht aus den Zimmern soweit das Auge reicht. Hauptsächlich möchten wir gerne noch Giraffen aus der Nähe, Nashörner und einen Leoparden sehen…
Gestern waren wir im Amboseli Park und übernachteten in Reihen Einzimmerhäusern. Bei allen Übernachtungsmöglichkeiten könnten die Tiere bis vor die Haustüre kommen wenn sie wollten. Im Amboseli Park gibt es tausende von Zebras, Elefanten, Gazellen und Gnus. Ausserdem sahen wir Löwen von weitem, Hyänen, Giraffen, verschiedene Vögel, zum ersten Mal Warzenschweine und für uns besonders war es zwei Nilpferde zu sehen, welche tüchtig Wassergras mampften. Heute hiess es schon vor sechs Uhr aufstehen aber es lohnte sich da wir vor dem Frühstück zum ersten Mal Hyäne und Schakale aber auch gerissene Gnus sahen.
Samstag 18. Februar 2006; 18.45 Uhr
Aus der Traum! Ich sitze wieder alleine – diesmal am Flughafen von Mombasa. Um 14.30 Uhr verabschiedete ich mich mit Tränen überströmt von meinen Freunden; es geht halt immer noch 3 Monate bis zum nächsten Wiedersehen!
Ich verbrachte die schönsten Ferien meines bisherigen Lebens eindeutig die letzten zwei Wochen in Kenya, dies machte den Abschied noch schwerer. Am letzten Tag der Safari, letzten Samstag, hatten wir das grosse Glück einen Leoparden zu sehen ohne ihn künstlich mit Fleisch an zu locken. Auch der Wunsch eine Giraffe aus der Nähe zu sehen wurde uns erfüllt. Montag, Dienstag und Mittwoch verbrachten wir am paradiesischen Strand, lasen, genossen das feine Essen, plauderten, spielten Boccia und am Abend Volleyball „Schweiz gegen Kenia“ oder so. Am Donnerstag machten wir die Blue Safari. Es lief nicht gerade so wie wir uns dies vorstellten; Der Chauffeur vergass uns vier Schweizer abzuholen, deshalb warteten wir eine Stunde beim Hoteleingang vergebens. Danach fanden wir uns schon ein bisschen damit ab, dass wir wohl von diesem Strand- Safariverkäufer verarscht wurden obwohl er einen seriösen Eindruck machte. Später kam er dann tatsächlich am Strand vorbei und schlug uns vor die Safari doch noch zu machen. Weil es die letzte Gelegenheit war stimmten wir zu, zogen uns schnell Kleider an stiegen in den Kleinbus, welcher nun bereit stand. Weil wir spät dran waren und riskierten, dass die Flut vor unserer Ankunft auf der Insel kommen wird, improvisierte der Organisator ein Spezialprogramm – wir fuhren mit dem Kleinbus so nah wie möglich an den Strand und liefen, anstatt mit dem Aussenbordmotorboot zu fahren, auf die Insel. Dort gab es wie für die „Normalteilnehmenden“ Reis an Sauce und feiner Fisch und Krabben zu essen, bevor die Insel durch Einsetzen der Flut langsam verschwand und wir mit dem Boot zurückfuhren. Am Morgen verpassten wir jedoch das Schnorcheln, welches wir nun nachholen wollten. Der Organisator Alex weigerte sich zuerst und sagte es habe zu viele Wellen. Als wir die Hälfte des Geldes zurückforderten, änderte er seine Meinung schlagartig – „es habe nicht so viele Wellen“. Also ging es ab ins Boot und einige Meter vom Strand weg konnten wir Schnorcheln. Für mich war es das erste Mal und als Nasenschnaufende musste ich mich ganz schön auf „durch den Mund schnaufen“ konzentrieren. Die Bedingungen waren ganz bestimmt schlechter als am Morgen. Die Flut wirbelte das Wasser auf und der Stand war auch viel höher; so sah man die bunten Korallen nicht wirklich. Auch die Auswahl der Fische war nicht riesig, trotzdem war das Abenteuer gut. Gestern war noch einmal ausspannen am Strand und ein letztes Volley mit den Kenianern angesagt. Heute Morgen nahm ich mit Regula nochmals an der Wassergymnastik teil obwohl ich noch von gestern Muskelkater hatte…
Jetzt warte ich aufs Flugzeug und meine nächste Aufgabe wird sein in Nairobi ein Hotelzimmer zu finden. Es wird Zeit an Bord zu gehen, die anderen Passagiere und auch ich werden langsam nervös.
Sonntag 19. Februar 2006; 07.00 Uhr
Nach vier Stunden Schlaf und einer halben Stunde zurück vom Hotel an den Flughafen Nairobi fahren, stehe ich in der langen Schlange, welche zum Check-in führt. Zum Glück hat es immer nette Leute, die mir weiterhelfen, wenn ich im weiteren Vorgehen nicht ganz sicher bin. Ausser dass ich unheimlich müde bin, läuft alles ganz gut… werde bald wieder bei meinen vielen kongolesischen Freunden sein…
12.00Uhr (Kinshasa) 14.00Uhr (Nairobi):
Ich liege auf dem Bett in „meinem Zimmer“ im Hause Jean in Kinshasa und versuche meine Gedanken zu ordnen. Es ist viel passiert die letzten Tage und es blieb keine Zeit die vielen Erlebnisse und Eindrücke zu verarbeiten. Gerade habe ich mit Jean telefoniert. Er wird Dienstag oder Mittwoch nach Kinshasa kommen. Ich habe also einige Tage Zeit mich von den Ferien oder besser gesagt von den Reisestrapazen zu erholen und Kraft zu sammeln um in den verbleibenden drei Monaten Kongo noch viel zu erreichen.
Montag 20. Februar 2006; 17.50 Uhr
Wieder einmal in Kinshasa seit gestern 10.30 Uhr! Ich traf aber die Stadt nicht an wie vorher, das Ministerium gibt Vollgas, die Stadt ist gereinigt worden, ein neuer Flughafen Ankunftseingang wurde erstellt und die Beamten dürfen einem nicht mehr das Leben schwer machen, wenn man in Kinshasa ankommt. Ich war baff als man mir den Pass stempelte ohne eine Frage zu stellen obwohl sie ja bestimmt wieder Gründe gefunden hätten. Es war das erste Mal, dass ich etwas von einem Staat und einer positiven Veränderung im Land spürte! Gestern war ich müde weil ich die Nacht in Nairobi nur vier Stunden schlafen konnte. Alles in allem kostete die eine Nacht 100$ und von Nairobi sah ich nichts weil es am Abend bereits und am morgen noch finster war. Das Flugzeug war zu meinem Glück wieder halbleer und ich breitete mich in der Mitte über drei Stühle aus, verschlief den ganzen Flug ausser den paar Minuten als ich fürs Frühstück geweckt wurde. Nono war am Flughafen obwohl es diesmal sogar ohne ihn möglich gewesen wäre einzureisen… Jean Paul fuhr mich nach Hause ins Salongo- Quartier. Ich war so müde, dass ich am Nachmittag ohne wirklich zu wollen einschlief. Gegen Abend gingen Helene und ich Emile Okitolonda besuchen. Seine Frau Cecile war leider Malariakrank und deshalb schwach und ungesprächig. Mit Emile plauderte ich stundenlang, trank zuerst Skoll, er Wein, dann gab es Abendessen und er wollte mich nicht gehen lassen ohne noch ein „Schlummertrunk“ zu nehmen. Er machte mir ein viel zu starkes Whiskey- Cola und füllte dauernd nochmals nach… wir hatten es also lustig und tranken etwas über den Durst. Heute musste ich mit Kopfschmerzen und Übelkeit büssen. Zum Glück musste ich im Gegensatz zu Emile heute nicht unterrichten!! Per Zufall habe ich heute von Emile Onema erfahren, dass Jean Nyeme eine Woche lang sehr schwer krank war mit viel zu hohem Blutzucker. Deshalb konnte er nicht mit Lothar Seethaler nach Yanga reisen und deshalb kommt er morgen nach Kinshasa um sich von Spezialisten untersuchen zu lassen. Ich bleibe nun einige Tage in Kinshasa um mit Jean zusammen nach Kananga zu reisen. Wie es Arbeitsmässig in Yanga aussieht werde ich noch eine Weile lang nicht erfahren… bin ja gespannt obwohl ich weiss mir nicht zu optimistische Hoffnungen machen zu dürfen!
Freitag 24. Februar 2006; 10.40 Uhr
Am Dienstag kam Jean wie angekündigt nach Kinshasa um, um wie ich lange nicht erfuhr, sich zu erholen und von Spezialisten untersuchen zu lassen. Während meiner Ferien war Jean schwer krank, verlor wegen Diabetes fast sein linker Fuss. Er redet es zwar schöner und weniger schlimm aber nach Angaben von Abbé Leopold, welcher während der kritischen Zeit bei Jean war, hatte dieser wirklich Glück. Nun muss Jean eine strenge Diät halten; kein Zucker und kein Salz. Er arbeitet schon wieder, ist zu pflichtbewusst und schaut zu wenig auf seine eigene Gesundheit. Am Mittwoch teilten wir uns auf um sämtliche Dinge gemäss meiner Liste für Yanga zu besorgen und zu erledigen. Jean fuhr mit Emile Onema los, kaufte Stromerkabel, Schweissgerät und Zubehör, Speiseöl, Schulutensilien und wollte die Motorräder für die Agronomen kaufen. Ich fuhr mit Jean-Paul und Hélène los zuerst um mit dem von Cilgia gespendeten Geld Medikamente und Reaktive für das Gesundheitszentrum in Yanga zu kaufen. Dann fuhren wir auf einen der schmutzigen Kinshasamärkte und ich kaufte Ohrringe und Hosen für Mädchen sowie 15 Trikots für meine Fussballspieler. Weil ich mit Helene unterwegs war, konnte ich alles sehr günstig einkaufen. Als wir vor dem Eindunkeln endlich zu Hause ankamen, packte ich noch sämtliche Kartons um Jean zu entlasten. Jean teilte mir mit, dass es für gestern Donnerstag nun doch nicht wie zuerst geplant einen Flug von Kinshasa nach Tshumbe habe. Ich zuckte nicht mal mit der Wimper so unüberrascht war ich von dieser plötzlichen Programm- Änderung!
Im gleichen Atemzug sagte Jean es habe die Möglichkeit nach Kananga zu fliegen um heute weiter nach Tshumbe zu reisen. Klar… Mittag ist längstens vorbei und Robert der Pilot hat noch nicht einmal den Flug bestätigt…
Das Essen und vor allem das Wasser hier kotzt mich so an! Zum Glück fand ich im Kühlschrank eine Flasche Cola was mich zwar sehr erstaunte aber mir heute das Leben rettete, egal wem sie eigentlich gehörte…
Samstag 25. Februar 2006; 20.50 Uhr
Der heutige Tag kommt mir sehr lang vor obwohl erst bald 21.00 Uhr ist. Er war viel passiert, ich musste früh aufstehen und habe alle Möglichen Erlebnisse mit verschiedenen Gefühlen gehabt. Gut ist morgen Sonntag, dann werde ich mir Zeit nehmen zu schreiben…
Bin ich froh seit dem 26. Januar wieder einmal länger als eine Woche sesshaft zu bleiben, habe es ziemlich satt aus dem Koffer zu leben! Ich hoffe, dass mich Pepe schlafen lässt
mehr dazu morgen…
Sonntag 26. Februar 2006; 21.40 Uhr
Drei Kälber sind während meiner Abwesenheit gestorben – es wurde mir erklärt, dass ein schrecklicher Niederschlag mit grossen Hagelkörner schuld sei, dem will ich aber noch auf den Grund gehen; Omole Daniel, der neue Krankenpfleger sitzt in Tshumbe im Knast, da weiss auch noch nicht was ich tun kann oder soll?; Viele der gepflanzten Windschutzstreifen- Bäumchen sind tot; Bei der Batterie in der Direktion lief die Säure aus; Die letzten paar Tage sind zwei Bebes gestorben, es finden laute Trauermärsche mit Tamtam (Trommelmusik) und verzweifelten Schreien von den Müttern und Familienangehörigen statt.
Nebst den Negativen gibt es zum Glück auch einige positive Punkte nach meiner vierten Ankunft in Yanga zu berichten; die Mauern mit Sturz der „Rizerie“ wurden genau nach meinen Plänen fertig gestellt, fehlt nur noch das Dach und Yanga wird auf den ersten Blick nicht mehr, wie vorher, an eine Ruine erinnern; Wegen meiner strengen Bestrafung für Papa Chamboyi und weil ich Mama Helene beauftragte mir jeden Fall zu melden, trank niemand während den Arbeitszeiten Alkohol; Unter anderem führte bestimmt auch dies dazu bei, dass die Leute der Direktion ihre Arbeit wirklich gut machten – die Wochen wurden jeweils am vorherigen Samstag geplant, Rapporthefte und Absenzliste sauber geführt und es gab keine ausartenden Konflikte…; Die Maschinen der Schreinerei wurden an ihren Platz gestellt; Haus der Kaninchen ist fast fertig, an den Ställen wurde weitergearbeitet und ein grosses Gehege wurde auch bereits angefertigt um die Kaninchen weiden zu lassen. Mit der Konstruktion des Hauses zur Aufbewahrung des Manioks wurde bereits begonnen.
Donnerstag reiste ich nach Kananga, nachdem am Mittwochmorgen noch die Rede war direkt nach Tshumbe zu fliegen. Am Freitag würde es gleich mit Robert am Morgen nach Tshumbe weitergehen. Ich war natürlich einverstanden, was hätte ich noch länger in Kinshasa machen wollen? Ich wusste kaum Zeit finden zu würden um Manuela und Thomas zu besuchen, ein kurzer Besuch ist aber viel besser als gar keiner, deshalb freute ich mich besonders darauf. Gestern wartete ich bis 15.00 Uhr auf Bestätigung des Fluges, bis mir Jean und nicht der Pilot, mit welchem ich am Morgen telefonierte, sagte es gäbe keinen Flug. Ich hätte die Schreiner besuchen und die Cafeteria anschauen gehen können, es war nicht schlimm einen Tag länger in Kananga zu bleiben, ärgerlich war nur, dass sie mir dies erst so spät mitteilten! Ich machte das beste aus dem Tag, nützte die Chance, fuhr mit Papa Paul in die Stadt sämtliche Teile für das COYA- Velo, ein Medi kaufen und nach grossen weiblichen Kaninchen Ausschau zu halten. Der Zufall wollte es, gerade als wir nach Hause fahren wollten, hielt und eine Ordensschwester auf. Jean gab dieser Schwester den Auftrag für ihn ein Hund für Yanga zu kaufen und ihn mir mitzugeben (Der Vorherige ist ja ohne Zeichen einer Krankheit vor etwas 3 Monaten gestorben). So fuhren wir gemeinsam zum Besitzer… ich traute meinen Augen nicht als ich sah wie klein diese Hündchen noch sind! Der Besitzer zeigte mir zwei Rüde- Welpen (Jean wollte unbedingt ein Männchen!) Ich schaute sie mir an. Beide waren nicht wirklich gesund, einer war grösser, stärker, viel weiss, wenig braun, für meinen Geschmack nicht hübsch gefärbt, der andere klein und auch etwas verletzt. Ich entschied mich für den Kleinen, wunderschön Gefärbten, was die Verletzung am Ohr betrifft, habe schliesslich gerade ich mehr Möglichkeiten diese zu behandeln. Ich habe noch nie ein Hund gehabt, stellte dem Besitzer eine Menge Fragen, vor allem was ich ihm hier zu Fressen geben kann bzw. muss?!
Er bekommt nun solange er so klein ist Milch aus Milchpulver mit Zucker drin, später kann man etwas Reis beimischen und auch wenn er gross ist besteht seine Hauptmahlzeit aus Reis und Essensresten…
Pepe war sehr schmutzig, habe ihn heute mit Seife gebadet. Es ging nicht aller Dreck weg – unter den Armen hat er so hartnäckige Dreckknöllchen. Behandelt wurde er auch nicht, der Arme hat riesige Würmer, gestern hat er drei heraus geschissen. Unser Veterinär, welcher verantwortlich ist für die Kühe hat ihm eine Spritze gegen die Würmer gegeben. Es blieb mir nichts anderes übrig als ihm zu vertrauen. Pepe ist sehr aufgeweckt und intelligent, einziger mühsamer Punkt – er pinkelt wo er gerade steht – wie ein Baby halt.
Pepes Körper ist momentan 20cm hoch und lang. Er rennt mir hinterher, will viel spielen, wenn er schläft bin ich überzeugt dass er träumt und in der Nacht fehlen ihm verständlicherweise seine Geschwister und Mutter, deshalb weint er ab und zu.
Wieso heisst Pepe, Pepe? In Kenya in den Ferien war ich am meisten schockiert plötzlich nur von Weissen umgeben zu sein! Ich hatte einen guten Draht zu den schwarzen Angestellten (typisch touristisch – leider), wahrscheinlich weil ich ihnen erzählte im Moment im Kongo zu wohnen und ganz besonders einer kümmerte sich niedlich um mich, schenkte mir sogar zum Abschied ein geschnitztes Warzenschwein. Er tanzte auch mit mir, brachte mich immer zum lachen und hatte wirklich keine Hintergedanken (ist schon älter, hat Zuhause eine Frau und drei Kinder), auch in Kenya sind die Schwarzen so fröhlich und liebenswert wie ich sie im Kongo kennen lernte. Jedenfalls hiess dieser Animator Pepe… als gute Erinnerung an ihn heisst nun mein „Baby“, welches wieder mal ganz niedlich neben meinen Füssen schläft, Pepe.
Mit einem Baby-Hund von zwei Monaten, fünf Kaninchen, der Schleifscheibe, vielen anderen kleinen Dingen und sehr müde, weil ich die vorderen Nächte kaum zum schlafen kam, landete ich also gestern mit dem kleinen Flugzeug von Pilote Robert in Yanga. Da ich über Kananga reiste und der Flug nach Tshumbe um einen Tag verschoben wurde (wen wundert’s?) hatte ich immerhin zwei Abende Zeit mich mit Manuela und Thomas auszutauschen, was natürlich nach so langer Zeit (seit September) sehr interessant war.
Omba Lazare, andere Arbeiter der COYA, Jugendliche und eine Schar Kinder kamen mich von der Flugpiste abholen, diesmal war der Traktor an der Reihe, weil sich der Jeep immer noch auf der Reise von Tshumbe nach Yanga befand um mich dort abzuholen (super Organisation!!) Bereits als ich aus dem Flugzeug ausstieg jubelten und winkten mir alle zu. Ganz besonders herzlich war die Begrüssung der Frauen als ich ins Dorf hereinfuhr – Sie tanzten vor Freude, das kann man sich kaum vorstellen!
Papa Chamboyi winkte mir auch ehrlich lächeln zu obwohl ich ihn ja vor der Abreise entlassen habe. Mama Helene erzählte mir er habe seit diesem Vorfall nie mehr Alkohol getrunken. Er sieht auch wirklich viel gesünder aus und sei mir sogar dankbar für seine Strafe…
Montag 27. Februar 2006; 19.10 Uhr
Oje ich habe gestern in meinem ersten Bericht an die Vereinsmitglieder der COYA in der Schweiz wohl zu früh gerühmt – „Papa Libe“ Okundji François und „Pape“ Takoy Wembalodjo Jean haben in meiner Abwesenheit Salz gestohlen und wurden vom Dienst suspendiert, Esonga hatte eine Schlägerei mit der Familie von Tokombe Antoine, an welcher der Lehrer François nicht ganz unschuldig ist. Ich weiss noch nicht alles was passiert ist während meiner Abwesenheit… um dies zu erfahren kündigte ich heute um 12.30Uhr eine Sitzung mit den Direktionsmitgliedern an. Mama Helene bat jedoch um Verschiebung bis sie vom Salzholen in Samangua zurückgekehrt sei. Bis jetzt ist das Camion noch nicht in Yanga angekommen, die Armen hatten wohl wieder einmal eine Panne und müssen die Nacht irgendwo in einem Dörfchen verbringen…
Am Morgen gleich nach der Versammlung wo alle ein lautes „Yaayoo“ Willkommen schrieen, behandelte Papa Leonard die Wunde oben auf Pepes Ohr, welche dauernd eiterte weil Pepe daran kratzte und es ist wirklich schon besser geworden.
Heute war ich den ganzen Tag damit beschäftigt den Arbeitern der Gruppe Djimbi und Holzbau zu zeigen wie sie am Haus, Ställen und Zaun für die Kaninchen weiterfahren müssen. Es ist bös zu schreiben aber ich habe schon fast vergessen wie wenig Vorstellungsvermögen die Leute hier haben und dass sie wirklich immer „Ja, ja“ sagen. Die Holzbauleute machten viele Fehler bei Arbeiten, welche ich erklärte und schoben die Schuld sofort dem Kollegen in die Schuhe; Die Leute von Djimbi vergassen bei der Unterteilung des Zaunes die Türen. Am Mittag ass ich Teigwaren-, Tomaten-, und grüner Salatgemisch. Die Tomaten und der Salat stammen aus meinem Garten. Obwohl der Kopfsalat keinen Kopf bildete schmecken die Blätter wie Salat. Salat und Tomaten wusch und rüstete ich selber weil Mama Helene wie schon geschrieben nicht da war. Ich brauchte fast eine Stunde aus Angst das Gemüse zu wenig gut oder mit dem falschen Wasser zu waschen. Bis jetzt geht es meinem Magen zum Glück noch gut
Am Abend erklärte ich mit Hilfe von Papa Philippe sechs Jungs mit Durchschnittsalter von zirka 9 Jahren „Mäuse würfeln“ eines der neuen Spiele, welche meine Freunde nach Kenya mitbrachten. Während des Erklärens spielten sie bereits, so wird ein neues Spiel am schnellsten begriffen. Den Jungs vom Fussball musste ich zum x-ten Mal erklären, dass zum Fussball auch die Wartung des Feldes gehört. Während meiner Abwesenheit wurde nur zirka drei Mal gespielt und das Gras ist bereits kniehoch!! Ich weiss noch nicht wie ich es drehen kann, dass das Feld nach meiner Abreise nicht gleich wieder verwildern wird?
Mittwoch 1.März 2006; 18.00 Uhr
Draussen sind die Kinder gerade am Boccia spielen, dies habe ich ihnen vorhin gezeigt. Die Schreiner sind kaum vorwärts gekommen bei der Arbeit an den Kaninchenställen heute!
Aber immer wegen des mageren Lohnes jammern, da sind alle stark.
Momentan findet gerade die Messe auf der COYA- Seite statt, ich machte noch am neuen Wäscheständer für draussen weiter um ihn morgen zu montieren. Wenn der Zaun für die Kaninchen und dieser neue Wäscheständer fertig sein werden, wird dies hinter dem Direktionshaus ein ganz neues Umgebungsbild geben.
Heute Abend kam mich Mama Veronique mit July und klein Fabien besuchen, welcher nun laufen kann. Sie war den Tränen nahe… es geht ihr wie leider so vielen Frauen hier in den Dörfern „beschissen“; Der Mann macht den ganzen Tag nichts, die Affen haben ihr allen Reis weg gegessen, July ist schlecht ernährt und Fabien hat Durchfall. Ich gab ihr einen Dollar um Medis für Fabien und etwas Seife und Salz zu kaufen aber indem ich ihr Geld gebe ist niemandem wirklich geholfen. Ich sage ihr sie solle ihren Mann zur Arbeit schicken, leider ist dass nur leicht gesagt.
Papa Baudouin und Papa Andre besuchten mich ebenfalls, weil sie auf dem Weg in die Messe waren. Sie waren hell begeistert, dass ich mit der Kaninchenzucht beginne und gratulierten mir. Das war natürlich eine schöne Aufmunterung für mich. Ausserdem gaben mir vor allem Papa André eine Menge Tipps in Sachen Ernährung, worüber ich doch so froh bin! Ich solle ihnen gekochtes Reis und auch gekochte Maniokblätter „Jesse“ füttern sowie die Blätter der oder auch die Süsskartoffeln selbst sowie die Blätter vom Zuckerrohr.
Für Pepe gaben sie mir den Tipp etwas Palmöl unter den Reis zu mischen so werde er schneller gross und stark.
Donnerstag 2.März 2006; 14.40 Uhr
Heute haben wir die neue Schleifscheibe und Schränkzange in Gebrauch genommen. Ich lernte die Schärfmaschine kennen für die Blockband- Sägeblätter. Mit dieser Maschine zu arbeiten braucht etwas Fingerspitzengefühl ansonsten kann man nicht viel falsch machen. Das Problem ist mehr das drum und dran; an den Führungsrollen wurde seit eh und je nichts gemacht. Wenn ich ihnen sage sie müssen ab und zu alles flicken und pflegen, dann bekomme ich ziemlich unfreundlich die Antwort von Papa Jean: „Es ist alles noch so wie es damals von den Schweizern installiert wurde, wir haben immer so gearbeitet“. Da könnte ich jeweils die Wände hochgehen, genau weil diese Rollen nicht mehr richtig drehen, das Blatt stehen bleibt und die Maschine mitten in den Zahn schleift. Weil ich bald in die Schweiz zurückkehre, versuche ich die Leute nun alles alleine machen zu lassen. Egal wie kompliziert sie sind. Klar nehme ich meine Aufgabe wahr und zeige sämtliche Verbesserungsmöglichkeiten, leider hören sie nicht zu oder vergessen viel zu schnell. Das heisst beim nächsten Mal passieren wieder und wieder die gleichen Fehler – viele Arbeiten werden zwei Mal gemacht.
Den Kaninchen habe ich heute gekochtes Reis und Gemüse gefüttert; „das tägliche Brot der Kongolesen“ und sie haben davon gefressen. Nicht viel aber sie haben davon gefressen. Ich schreibe das so, weil ich sehr erstaunt bin! Pepe habe ich heute zum zweiten Mal gebadet, er ist in dieser Woche bereits zusehends gewachsen, frisst bereits gekochtes Reis, hat keine Würmer mehr, die Wunde am Ohr ist fast verheilt – er ist ausser, dass er überall hinpinkelt ein richtig pflegeleichtes Hundekind!
19.30 Uhr:
Die Kaninchen haben alles Reis und Gemüse weggeputzt, was aber auch daran liegt, dass der Viehzucht- Verantwortliche, welcher heute an der Reihe war, wieder mal nichts zu Essen gegeben hat.
Ich spielte das erste Mal zurück in Yanga Fussball, es tat gut. Leider kommen die Mädchen nicht spielen.
Gestern kam mich Esonga besuchen, was sie mir mit Hilfe von Papa Shungu erzählte belastete mich sehr. Der Junge, den ich schon einmal wegschickte will oder hat Esonga bereits geheiratet. Ich sagte mit ihrer Mutter sprechen zu wollen, denn es ist sie diejenige welche ihre Mädchen so früh „verkauft“! Ich kann das nicht verstehen und möchte so gern, dass Esonga als einzige dieser Familie ein Studium machen kann und nicht als Mädchen von „ihrem Mann“ vergewaltigt wird, 10 Kinder gebären muss und das Leben lang mit nichts anderem beschäftigt ist als genug Essen für die Kinder zu suchen. Ich war gestern richtig niedergeschlagen, weil ich so wie es aussieht sogar im Falle von Esonga dieses schwere Schicksal nicht werde verhindern können…
Samstag 4. März 2006; 18.30 Uhr
Für uns Europäer ist so vieles einfach selbstverständlich. Gestern konstruierte ich einen einfachen Wäscheständer um die Wäsche zum trocknen aufzuhängen, es reichte um das ganze Dorf in Staunen zu versetzen. So etwas hatte noch keiner vorher gesehen, die Kleider wurden „normalerweise“ über halbfertigen Zäunen, Strohdächern, Bäumen usw. zum Trocknen aufgehängt.
Was meinen Geburtstag betrifft hat hier in Yanga, obwohl ich ihnen mein Geburtsdatum schon vor längerer Zeit mal bekannt gab, gestern niemand daran gedacht, es war ein Tag wie jeder andere. Ich sah aber auch noch nie jemanden in Yanga oder sonst wo im Kongo (ausser Manuela und Thomas
seinen Geburtstag feiern, viele wissen ihren Tag der Geburt gar nicht. Ausserdem hat man hier keine Möglichkeiten zu feiern, das Geld für besondere Nahrung und Fleisch fehlt und Geschenke können erst recht keine gekauft werden. Weil ich sozusagen gar nicht Geburtstag hatte, fühle ich mich also noch nicht wie 25ig *grins*.
Mit meinen Eltern telefonierte ich kurz übers Satellitentelefon, was natürlich jedes Mal etwas besonderes ist und einige Freunde und Verwandte sendeten mir ihre Glückwünsche zum Geburtstag via E-Mail. Dies waren für dieses Jahr die einzigen, deshalb auch die wertvollsten „Geschenke“ und der einzige Hinweis, dass gestern ein besonderer Tag war. Merci an alle die an mich dachten, war echt schön!!
Es hatte tatsächlich an meinem Geburtstag 10cm Schnee gegeben im Flachland – Zuhause in der Schweiz natürlich – ich verpasse einen äussert hartnäckigen und eisig kalten Winter. Diesen zu verpassen finde ich jedoch nicht weiter tragisch
Bereits ist wieder eine Woche vorbeigerast seit ich zurück in Yanga bin… Ich weiss nicht was in die Leute hier gefahren ist, seit etwas länger als vor meiner Abreise in die Ferien erwischten die Leute der Direktion oder der Dorfchef Jacques viele Diebe auf frischer Tat. Es handelt sich ausschliesslich um COYA- Mitarbeiter. Heute die Hilfsmaurer, vorgestern Yoohe und Wongudi Fils zum zweiten Mal obwohl sie bereits die Kündigung erhielten, während meiner Ferien wie geschrieben Okundji François und Pape. Jean Nyeme sagte der Direktion schon vor langer Zeit die Diebe nicht bei der Justiz anzuzeigen, sondern die Situation selber zu regeln. Weil die Bestrafungen anscheinend zuwenig streng sind (Papa Libe und Pape mussten das gestohlene Salz zahlen und je 10 Hühner an die COYA abliefern), werde ich zusammen mit der Direktion und Chef Jacques ein neues Reglement entwerfen und von allen Arbeitnehmern abstimmen lassen.
Schon lange schiebe ich diese Aufgabe ein neues Reglement zu schaffen vor mich hin, es gibt noch andere Punkte (zum Beispiel die Reglung mit dem Palmwein) neu zu regeln!
Wir sind kurz davor, dass uns wieder der Diesel ausgeht. Da sich in Tshumbe die Möglichkeit gibt bei „Ma Mère Eugenie“ Diesel zu kaufen, habe ich einfach entschieden dies zu tun. Den Preis von 400$ das Fass ist extrem hoch. Sie muss zuerst mit dem Preis heruntergehen, dann bin ich einverstanden 15 Fässer zu kaufen. Der leidige Punkt ist wie immer die Finanzierung. Ich hoffe, dass es noch etwas Geld in der COYA Kasse hat und dies auch in den Kongo transferiert werden kann?!
Denn wenn wir jetzt wegen Dieselmangel die Sägearbeiten nochmals einstellen müssen, wird die Reismühle nicht mehr zu meiner Zeit fertig wiederaufgebaut werden, was ich sehr schade finden würde.
Morgen werde ich eine Versammlung mit den Jungen und interessierten Erwachsenen abhalten… es ist so wichtig in Sachen Freizeit etwas zu tun, wenn auch die Vorraussetzungen nicht gerade ideal sind. Weder Zement noch gebrannte Steine stehen zur Verfügung um das ehemalige Freizeitzentrum wieder aufzubauen. Meine Idee ist, dass die Jungen und auch alle „Alten“ nach meinem Moto „Sport et Jeux pour les Jeunes et les Vieux“ nach der offiziellen Arbeitszeit an einem Abend die Woche und Samstag Nachmittag für den Wiederaufbau des Zentrums mit ordinären Baustoffen arbeiten werden. Es ist so wichtig Bücher, Spiele und Sport für alle zur Verfügung zu stellen. Schon nur den vielen Streitigkeiten, welche dauernd zwischen diversen Familien im Gange sind würden diese Angebote entgegen wirken, weil die überflüssigen Energien sinnvoll genutzt werden würden.
Pepe geht es gut, er wächst zusehends! Für die Kaninchen habe ich seit gestern Mama Jacqueline verantwortlich gemacht. Ich bin immer mehr davon überzeugt mit den Frauen zusammen zu arbeiten, mit den Männern wird das nichts. Die Frauen müssen zuhause alles erledigen und die Männer versaufen das bisschen Geld, welches sie verdienen! Deshalb sind es auch die Frauen, welche gewohnt sind viel Verantwortung zu tragen. Die ersten Tage als die Männer der Viehzucht die Kaninchen füttern sollten, versagten sie jeden Tag, gaben sich gegenseitig die Schuld (in dem sind sie ja bekanntlich stark) und ohne mich wären die armen Viecher schon verhungert. Mama Jacqueline jedoch gibt sich die grösste Mühe, ich bin echt froh und werde sie für ihren Einsatz noch tüchtig belohnen.
Montag 6. März 2006; 01.00 Uhr morgens
Mitten in der Nacht wurden wir angegriffen… sie kamen durchs Badezimmerfenster und Duschabflussrohr zu tausenden, etwas 60ig bissen sich an Pepe fest und sie erreichten bereits mein Bett.
Ich erwachte weil ich Viecher am Arm spürte, hauptsächlich aber weil Pepe unaufhörlich weinte und jaulte wie am Spiess. Schliesslich nervte ich mich so ab dem „blöden Hund“ *sorry* dass ich aufstand und ihm im Badezimmer wo er winselnd am Boden sass mit einer Socke eins an die Schnauze haute. Da begann es mich überall zu zwicken. Ich hatte Panik als ich merkte, dass alles von grossen roten Ameisen übersäht war. Laut schrie ich „Papa Shungu“!!, welcher Zuhause anstatt am Direktion bewachen war, ich flüchtete in den Essraum. Als Papa Shungu erschien war er natürlich zuerst völlig schlafsturm und sagte immer nur „présent“, „présent“ und seine Augen waren weit geöffnet. Als er sich dem Badezimmer näherte und die Ameisen auch ihn zwickten, begriff er sehr schnell was los war und holte zuerst Mama Helen zur Verstärkung. Sie las zuerst die x- Ameisen vom wort-wörtlich „Armen Hund“ ab, dann verbrannte sie mit brennenden Strohbesen den grössten Teil der Ameisen. Sie würden nun fliehen, sagte sie. Pepe darf ausnahmsweise neben meinem Bett schlafen und ich weiss nicht ob ich nach dem Schreckenserlebnis noch einschlafen kann?! Wäre Pepe nicht gewesen, hätten die Ameisen mich „gravement“ im Bett überrumpelt, dieser Gedanke ist scheusslich, mir gefällt es gerade gar nicht mehr hier!
Ich habe immer noch das Gefühl am Rücken und den Beinen Ameisen zu spüren und lasse überall Kerzen brennen. Der arme Pepe hat sicher einen Schock fürs Leben und einen bleibenden Schaden davon getragen, d.h. er wird das Badezimmer vielleicht nie mehr betreten. Seit einigen Tagen streifen tausende von diesen gefährlich roten Ameisen herum und Mama Helene sagte schon oft sie würden alles angreifen… Ihre und jetzt auch meine grösste Angst gilt den Kaninchen. Wenn wir einen Angriff nicht früh genug merken, werden sie die Kaninchen umbringen, gleich wie sie Pepe umgebracht hätten, wäre Mama Helene nicht gewesen.
Pepe träumt wieder einmal und gibt lange Seufzgeräusche von sich, so niedlich!
Montag 6. März 2006; 12.40 Uhr
Momentan ist Saison von Orangen, Mandarinen und Grapefruits. In der Schweiz ass ich noch nie eine Grapefruit, weil sie einfach zu sauer schmecken. Hier in Yanga sind Pink- Grapefruits gerade mein Standart Nachtessen. Die sind herrlich erfrischend!
Heute wurde endlich ein wichtiger Schritt getan; es gibt nun ein Depot für die Schaumstoffmatten, eines für Wellbleche und Bücher, eines für Nägel, eines für Salz und Seife, eines für Benzin und eines für Diesel. Im Raum der Bücher muss noch Ordnung gemacht werden, ich denke dies morgen zusammen mit Mama Helene zu erledigen.
Vorgestern frass sich der Rost bei meinem Duschfass durch und seitdem habe ich kein fliessendes Wasser mehr. Shungu Cosmas ist zum Glück sogar gestern zur Arbeit gekommen und hat mit der Reparation angefangen.
Hier als armes Mädchen zu leben, ist die Hölle. Esonga wurde von ihrer Mutter einem Jungen versprochen. Ich sagte Esonga, sich nicht vergewaltigen zu lassen, wahrscheinlich deshalb verprügelte der junge ungebildete Mann sie gestern. Zum Glück war Ndjokende Michel zur Stelle, welcher ihn weiter auf das Mädchen einzuprügeln. Esonga ist nicht einverstanden mit dieser Heirat, ist ja klar, sie ist höchstens 13jährig! Deshalb flüchtete sie gestern zu ihrer Tante. Nun erzählte mir Helene, dass der Junge sie über Nacht wieder in sein Haus geholt habe – ich weiss nicht wie ich ihr so helfen kann. Irgendwie ist es zu späht und ich konnte nichts tun, ich finde das schrecklich. Die einzige Lösung sehe ich darin, Esonga nach Tshumbe in die Schule zu schicken, leider hat sie dort keine Verwandten. Ich unterbreite den Vorschlag noch heute Jean. Es wäre super wenn sie bei Ambokawa Louise wohnen könnte!
Dienstag 7. März 2006; 20.00 Uhr
Mit Shungu Cosmas, Sohn des einstmaligen Maurer der Kooperative, habe ich als neuer Chef des Sektors Garage ein super Griff getan. Er hat letzten Sonntag die Terrasse der Direktion geflickt ohne, dass ich etwas sagen musste, mit Safricas baute er die Mauern der „Rizerie“ wieder auf, ausserdem installierte er heute bereits erfolgreich die Kreissäge und die Bandsäge in der Schreinerei. Er sagt es, wie dies die meisten anderen Arbeiter tun, nicht nur – durch sein grosses Interesse, kennt er sich wirklich im Sektor Elektrik, Mechanik und Maurerarbeiten aus. Ausserdem ist er ehrlich, wenn er nicht sicher ist, dann sagt er dies auch!
Dank der Schleifscheibe konnten wir heute mit sägen der ersten Balken für das Dach der „neuen“ alten Reismühle beginnen. Ich begann das noch letzte Chaosdepot der Maternité aufzuräumen. Immer noch kommen eine Menge abgelaufener Medikamente zum Vorschein, jedoch auch viele wichtige Bücher über Physik, Mathematik, Französisch, Englisch und Geschichten in französischer Sprache. Viele Dinge finden sich für ins zukünftige bzw. ehemalige wieder aufzubauende Freizeitzentrum. Der beste Fund heute war ein Plattenspieler, welcher noch wunderprächtig funktioniert. So wird denen, welche sich, wie es früher war, für das Freizeitzentrum Musik wünschten, ihr Wunsch erfüllt werden… Auch für mich ist es spannend die alten Platten zu hören, welche ich beim aufräumen der Direktion fand. Der Plattenspieler funktioniert natürlich auch mit dem Konverter, so kann ich während schönen Tagen mit Sonnenenergie von 11.00Uhr bis zirka 16.30Uhr „gratis“ Musik hören.
Es wird immer gemütlicher und perfekter hier in Yanga zu wohnen und zu leben… ich werde im Mai gehen, wenn es am Schönsten ist. Aber so soll’s sein!
Heute Abend wurde ich aussergewöhnlich positiv überrascht… klar gab ich mir am Sonntag Mühe für den Wiederaufbau des Freizeitzentrums zu werben und alle für diese so sinnvolle Sache zu motivieren – dass aber heute, am ersten Abend dieser Freiwilligenarbeit so viele erschienen und fleissig schon fast die ganze Fläche fürs provisorische Freizeitzentrum rodeten, damit rechnete ich in den schönsten Träumen nicht… das stellt mich sooo auf!!
Gestern überbrachte mir Mama Angelique einen Brief von Louise aus Tshumbe. Louise berichtete, ihr Examen geschrieben zu haben, nun an der praktischen Abschlussarbeit zu sein und auf die Resultate zu warten. Sie bedankt sich für meine Unterstützung. Es ist so schön, dass ich ihr diesen Abschluss des Studiums ermöglichen konnte. Da Emile Lohonga, unser Schneider oft krank ist und schon lange nicht mehr arbeitete, hoffe ich, dass Louise wirklich nach Yanga für die Kooperative arbeiten kommen wird. So hätten wir, die Kooperative, ganz bestimmt in diesem Bereich eine gewissenhafte Arbeiterin.
Ich hoffe nur noch für Esonga eine befriedigende Lösung zu finden und sie nicht dem schlimmen Schicksal überlassen zu müssen mit 12 Jahren schon heiraten zu müssen…
Es freut mich, dass sich in Entwicklungshilfe offensichtlich doch was tut; morgen kommt ein Arzt nach Yanga. Je zwei Frauen aus den umliegenden Dörfern sind ebenfalls nach Yanga bestellt worden. Nach fünf Jahren Aufklärungsversuchen durch Männer, versuchen die Ärzte es endlich mit Frauen. Sie wollen während zwei Tagen, die Frauen über Impfungen aufklären und ihnen aufzeigen, wie sie verhindern können bereits wieder schwanger zu werden, wenn sie noch am stillen des vorherigen Kindes sind. Ich finde es eine wichtige Aufklärung und wehrte mich nicht dagegen, dass für zwei Tage Verpflegung für die 28Personen von der COYA bezahlt werden sollen. „Es sei hier im Kongo so üblich“ meinte Papa Kasongo. „Na ja“ dachte ich mir „sie wissen schon wieso sie sich gerade nach COYA eingeladen haben“…
Mittwoch 8. März 2006; 20.00 Uhr
Ist heute Muttertag? Wenn nicht weltweit heute Muttertag ist, dann zumindest im Kongo – ich wünsche allen Müttern ganz einen schönen Tag und danke für die Arbeiten, welche alle Mütter tagtäglich für ihre Kindern leisten!
Ich höre alte verkratzte Platten, draussen regnet es – komme mir vor wie in einem alten Schwarzweissfilm! Arbeitsmässig geht, weil es eben regnet nichts ausser die „Hölzigen“ sind unter dem schützenden Dach der Sägerei und Schreinerei am arbeiten. Ich werde mich heute motivieren mit aufräumen im Depot der „Maternité“ weiter zu fahren. Ausserdem wollen wir endlich die Sitzung mit dem Dorfchef Jacques und der Direktion abhalten um die Bestrafungen für die verschiedenen Fälle von Diebstählen zu nageln. Herr Abbé Ngenge und Mama Veronique habe ich zu mir bestellt, damit wir mein Freizeitprogramm mit seinem Programm für die Repetition der Kirchengruppe abstimmen können und Mama Veronique um ihr vorzuschlagen Verantwortliche und Hüterin des neuen Freizeitzentrums zu werden. Sie muss aber einverstanden sein sich von ihrem Mann zu trennen, dieser lässt Mama Veronique alle Arbeiten alleine tun, ist als grosser Dieb weit herum bekannt und deshalb auf COYA- Seite gar nicht akzeptiert. Ich hoffe sie wird einverstanden sein mit der Arbeit und der Trennung vom Ehemann, es würde ihr Leben stark verbessern. 1. Ist sie sehr intelligent, spricht recht gut französisch und hätte mit der Arbeit im Freizeitzentrum eine bereichernde Arbeit. 2. würde sie von der COYA monatlich bezahlt werden, auch wenn es nicht viel ist, wäre es mehr als ihr Mann jeweils nach Hause bringen würde und 3. hoffe ich, dass sie es bei vier Kindern belässt, so könnte sie alle in die Schule schicken.
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