14 März, 2008
von Sabine

9 1/2 Monate Dem. Rep. Kongo, 23.November-23.Dezember 2005

Mittwoch 23. November 2005, 16.45 Uhr


Ich befinde mich im „petit porteur“ kleinen Flugzeug, welches mir schon nicht geheuer war als Jean damit in Yanga ankam. Nun ist es mir noch viel weniger geheuer! Einige Kilometer auf meiner rechten Seite herrscht ein Gewitter, in den Angst einflössenden, grossen, schwarzen Wolken sieht man ab und zu ein Blitz und unter uns Wald soweit das Auge reicht. Im Flugzeuginnern ist der Motorenlärm so laut, Gehörschütze wären kein „Seich“. Es stinkt nach Diesel und Afrikanerschweiss, die Luftfeuchtigkeit ist aber auch kaum zum aushalten. Es drückt den kalten Angstschweiss zu allen Poren raus!

Ich sitze neben dem Gepäck, es wurde soviel eingepackt wie nur irgendwie ins Flugi gezwängt werden konnte. Mir war es recht, entgegen meinen Befürchtungen, dass ich wahrscheinlich wieder das halbe Gepäck in Kananga lassen werden muss, konnte ich alles mitnehmen bis auf ein Bidon Diesel. Wir flogen gerade über den Sankuru- Fluss, welchen ich bereits bei der Reise nach Kananga aus dem Helikopter sah. Vor mir sitzen ein „Pasteur“ Pfarrer und ein „Enseignant“ Lehrer, zuvorderst neben dem Pilot Jacques sitzt Professor Lokele. Er kam mit Professor Okenge am Mittag aus Kinshasa in Kananga an. Die Zeit bis wir um 16.00 Uhr endlich abflogen warteten wir zu dritt im Warteraum des Flughafens Kanangas. Es war der Geburtstag von Professor Okenge, er sagte dies jedoch erst als alle unsere Biergläser bereits leer waren. Die Beiden waren gute Gesprächspartner und im Gegensatz zu anderen hier im Kongo erlebten Wartezeiten ging Diese schnell vorbei.

Mittwoch 23. November 2005; 20.00 Uhr

Juhuii, ich habe die Reise, welche 1h 25min dauerte gut überstanden und bin endlich wieder Zuhause, zumindest in meinem Kongo- Zuhause. Als wir landeten waren ausser ein paar Kindern noch niemand bei der Landepiste. Als ich ausstieg, hörte ich wie Papa Wembushi gerade das Camion startete. Der Pilot lud mit Alphons, einem der Brüder von Elisabeth meine sieben Sachen aus dem Flugzeug. Jacques, der Pilot war extrem spät dran, weil wir in Kananga solange auf das Flugzeug von Mbuji-Mayi, in welchem sich der Lehrer und der Pfarrer befanden, warten mussten. Sie hatten heute noch vor nach Tshumbe, Wembonyama und zurück nach Kananga zu fliegen. Aha! Einer nach dem anderen traf bei der Piste ein. Alle winkten, strahlten und sagten „Ya yo“ „bienvenue“. Das Camion war bereits voll beladen mit Kindern, es hatte kaum Platz für mein Gepäck. Nein, es war natürlich kein Problem und ich freute mich so herzlich begrüsst zu werden. Jean Takoy erklärte mir dann, dass sie das Phonie den ganzen Tag offen liessen. Weil das Solarpaneel in Kananga kaputt und die Batterie in noch schlechterem Zustand als in Yanga ist, wie ich mit eigenen Augen gesehen hatte, konnten sie nicht viel von Mamangoi erfahren. Das letzte was diese mitteilte war, ich käme erst am Donnerstag also morgen nach Yanga. Dies erklärte natürlich sofort wieso mich niemand mehr erwartete. Als sie das Flugzeug hörten waren sie alle ziemlich verblüfft und mussten schnell in die Gänge kommen. Ich hatte wirklich Glück, dass wir heute noch flogen und 120kg Gepäck mitnehmen konnte. Ich hatte wirklich Angst als wir starteten, weil es bereits viele grosse weisse Gewitterwolken über am Himmel hatte. Nach Aussage des Piloten brauchten wir 13min länger als normal für diese Reise, weil wir wie schon geschrieben um ein Gewitter herumfliegen mussten. Es war wirklich gefürchig auf sich auf der Höhe der Gewitterwolken zu befinden und die Blitze zu sehen. Den Donner hörten wir zum Glück kaum, weil die Motoren so laut brummten. Als wir in eine dicke Wolke hinein flogen und eben wie bei dickstem europäischen Herbstnebel einen Moment lang nichts mehr sahen, war mir sehr unheimelig zu Mute! Mit dem Camion im Dorf angekommen, winkten mir Papa Kasende, Papa François, Papa Chamboyi usw. freudig zu, auch Mama Helene lächelte wie noch nie. Während sie mit Mama Regine (Mama Mbutshu ist leider krank) Omeletten zubereitete, welche ich mir bereits gestern am Phonie wünschte, schaute ich mir den Garten an. Leider traf ich an was ich befürchtete. Die Zucchettis sind alle eingegangen und die Gurken werden wahrscheinlich folgen. Das einzig erfreuliche ist, dass ich in den nächsten Tagen die ersten Bohnen werde essen können. Das zweite Frustriende, nebst den leiden Pflanzen ist, dass eine Maus im Schlafzimmer wütete, sie ass fast eine ganze Seife auf. Gut habe ich noch Einige auf Lager. Im Gegensatz war die erste richtige Dusche seit drei Wochen so schön! Ich fühlte mich wieder einmal richtig sauber. Danach konnte ich auch wider in bequeme Kleider schlüpfen, welche mir in Kananga fehlten. „Oh“ jetzt läuft im MP3 Player gerade das U2 Lied „With or without you“. Bei diesem Lied kommt mir meine Wohnung in Studen und die Chili Bar in Schüpfen in den Sinn! Item, Mama Helene schenkte ich eine Halskette und Ohrringe sowie Odette ebenfalls Ohrringe, sie hatten natürlich Freude. Jetzt habe ich schon eine Stunde geschrieben, wobei meine Gedanken mich zwischendurch abhielten. Phuh, morgen steht mir ein anstrengender Tag bevor; Lagebesprechung mit der Direktion, weiteres Vorgehen bestimmen, die Präsentation über die Lage und längerfristige Organisation neu aufrollen, mich um anfallende Probleme kümmern und mich um die Nähmaschine für Louise kümmern. Ich freue mich wieder eine sinnvolle Aufgabe zu haben, meine Comics müssen leider mindestens bis zum Wochenende warten. So jetzt lese ich noch ein bisschen „Kongofieber“, mittlerweilen weiss ich ja auch wie Redmond O`Hanlon auf diesen treffenden Titel für sein Buch gekommen ist.

Donnerstag 24. November 2005; 11.15 Uhr

Letzte Nacht habe ich wenig geschlafen, erstens ging mir noch Vieles durch den Kopf und zweitens war es drückend heiss. Das ist ein Tag heute! Dank den 80 Liter Diesel aus Kananga, konnten die Leute der Sägerei / Schreinerei beginnen Dachlatten zu sägen. Die Dachbalken sind alle montiert, wenigstens etwas haben sie in meiner Abwesenheit gemacht. Ich kümmerte mich hauptsächlich um meinen Garten und um die Blumen rund ums Haus. Aimé muss mir morgen meinen Drucker aus Tshumbe zurückbringen und andere Dinge. Nun muss ich das Blatt für die Wochenplanung machen für die kleine Direktionssitzung heute um 12.30 Uhr. Danach werde ich mit Helene das Maniokfeld besuchen gehen. Dort sollten alle Leute von „Agriculture“ „Djimbi“ und ein Teil der Leute von „Garage“ arbeiten—ich bin ja gespannt wie viele Leute ich antreffen werde. Nachher will ich mit Mama Helene Pudding machen, welchen ich heute Abend zu dem feinen Yanga- Fruchtsalat essen möchte… Ja ich habe noch einiges vor heute…

Donnerstag 24. November 2005; 20.20 Uhr

Ich habe den Tag so erlebt wie ich ihn vor dem Mittag plante. Ausser dass ich gut gegessen habe, gibt es aber überhaupt nichts Positives zu berichten, deshalb lasse ich es für heute.

Freitag 25. November 2005; 14.30 Uhr

Gut habe ich gestern nichts geschrieben, der heutige Tag ist viel erfreulicher. Zuerst muss ich schreiben, dass ich heute die ersten Bohnen aus dem Yanga- Garten zusammen mit versalzenen Salzkartoffeln gegessen habe. Es war trotzdem super lecker. Die Kartoffeln nahm ich aus Kananga mit. Um auf den heutigen Tag zurückzukommen was die Arbeit betrifft, habe ich wie gestern versucht alle Arbeiten und Projekte zu überwachen und kontrollieren. Am morgen früh schaute ich wie viele Dachlatten in der Sägerei angefertigt wurden und führte wohl zum x- ten Mal ein Rapportheft ein, welches Ahoka Joseph führen werden muss. Ich frage mich ernsthaft wie ich einen anständigen Preis pro m3 Holz ermitteln soll ohne Anhaltspunkte zu haben!? Es weiss keiner wie viele Bäume mit der Kettensäge gefällt wurden, weder wie viele „grumes“ in der letzten Zeit gesägt wurden. Ich kann nur alle Angaben über Holzmengen schätzen. Wenigstens die Kosten für Benzin und Diesel wurden erfasst. Aus der Schweiz muss ich die Kosten für die Abschreibung der Fahrzeuge fragen. Im Gegensatz zu gestern, besuchte ich heute die richtigen Felder um zu schauen wo der grösste Teil der Leute arbeitet. Das Feld mit dem Maniok, welcher schon lange hätte geerntet werden sollen, ist so weit entfernt, wir gingen 2h durch die brennende Hitze. Also zwischendurch dachte ich nächstens würde ich tot umfallen, es fühlte sich an wie früher nach dem 1000m Lauf! Bergauf ist die Hölle aber der Ausflug lohnte sich schon nur, weil ich zum ersten Mal wild lebende Affen sah!

Freitag 25. November 2005; 21.20 Uhr

Als ich heute Nachmittag an meinem Bericht weiter schrieb wurde ich dauernd abgelenkt. Ich habe zum Beispiel vergessen zu schreiben, dass Papa Boniface Makatshi, welcher den grössten Teil meines Gemüses mit zu viel Dünger vergiftete, während meiner Zeit in Kananga die Kündigung einreichte. Er sei nach Tshumbe gegangen, weil er in Yanga zuwenig verdienen würde… er nahm alle Rapporte mit und gab seine Aufgaben nicht wie es „sich gehört (zumindest in der Schweiz)“ an einen neuen Verantwortlichen weiter. So schaute ich heute Morgen zum Projekt „Anpflanzen neuer Bäume als Windschutz“ und gab die Aufgabe der Pflege an Papa Gabriel weiter. Es ist eine gute Arbeit für einen alten Mann, welcher keine schweren Arbeiten mehr machen kann. Fünf der vierzehn Bäume, welche ich seinerzeit mit Papa Boniface pflanzte sind noch am Leben, neun neue Bäume wird Papa Gabriel am Montag suchen gehen müssen um neu anzupflanzen. Ebenfalls muss er um jeden neu angepflanzten Baum ein kleiner Zaun bauen um die Bäumchen vor den Geissen, Schafen, Schweinen und Hühner zu schützen sowie jeden Tag das Gras (welches in unheimlicher Geschwindigkeit wächst) rund um die Bäumchen ausreissen. Vor einigen Minuten habe ich zwei Verträge ausgedruckt, dass sich die COYA einverstanden erklärt Louise Akotaka, eine Nähmaschine bis zum Ende ihres Studiums zur Verfügung stellen wird. Morgen müssen Jean, Philippe und Dominique unterschreiben und zwei Teenager werden noch am morgigen Tag die Nähmaschine per Velo zu Louise nach Tshumbe transportieren. Sie wird Augen machen! Louise hatte nämlich schon Angst ich hätte sie vergessen… So, die wichtige Sitzung mit allen COYA- Mitarbeitern, welche schon zwei Mal verschoben werden musste, werde ich morgen Vormittag vorbereiten. Es wird schwierig werden den Leuten den Ernst der Lage klar zu machen…

Samstag 26. November 2005; 15.10 Uhr

Was bin ich froh, dass der heutige Tag vorbei ist, zumindest was den Arbeitsteil anbelangt. Meine Sitzung mit Arbeitern dauerte von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr. Drei Stunden anstrengende Sitzung, nicht nur für mich, hier ist sich keiner gewohnt so lange still zu sitzen… Ich bin jedoch froh diese Sitzung gemacht zu haben, konnte vieles sagen und erklären was sehr wichtig ist. Als erstes machte ich Appell. Danach ging ich die Liste nochmals durch und fragte jede/n Arbeiter/in ob sie gerne für die COYA arbeiten und auch weiterhin für die COYA arbeiten möchten. Ich fand es wichtig dies zu tun, für die Arbeiter und auch für mich. Die Person mit dem Namen, welchen ich aufrief stand auf und sagte „oui“ oder „oui, j`aime le travaille“. Danach stand die momentane Situation als erster Punkt auf meinem Programm. Es gibt immer sehr viele Absenzen, ich sagte ein für alle mal, keine unentschuldigten Absenzen mehr zu akzeptieren, jene die sich nicht daran halten werden riskieren die Kündigung. Ebenfalls versuchte ich zu erklären, dass die Leute aus der Schweiz nicht mehr länger bereit sind Geld zu spenden ohne, dass hier in Yanga auch nur ein fc umgesetzt wird! Beim zweiten Punkt meines Programms sagte Ich, alle sollen über die folgenden Fragen nachdenken, welche ich ihnen stellen würde; Von wo kommt das Geld um eure Löhne zu bezahlen?; Welche Möglichkeiten haben wir um Geld zu verdienen? Ich fand es auch angemessen zu erklären wozu die Rapporte notwendig wären, welche niemand führte und dass sie mir nun das Leben schwer machen, weil ich ohne Angaben korrekte Rechnungen machen müsse… Als dritter Punkt stellte ich die neue längerfristige Planung allen vor und erklärte wozu dies nötig sei; frühzeitiges Beschaffen von Materialien, Aushilfe von Leuten aus anderen Sektoren, Kein „zielloses Arbeiten“ mehr, durch Zeitvorgaben müssen sich die Arbeiter motivieren in anständigem Tempo zu arbeiten usw. Als vierter Punkt füllten wir gemeinsam ein Blatt aus, um längerfristig planen zu können. In einer Spalte musste Papa Dominique alle anstehenden Arbeiten, welche ich bewusst mit allen Leuten der betreffenden Sektoren suchte, aufschreiben, in die andere alles (nur allerwichtigstes) Material, welches ich hoffe in Kinshasa noch aufs Schiff laden zu können… Am Schluss sagte ich noch, dass wir definitiv die Arbeit auf den Feldern per Aufgabe akzeptieren und dass die Schlüssel für Garage, Sägerei und Jeep jeden Abend bei der Direktion in den Briefkasten geworfen werden müssen. Öfters waren bereits Arbeiten blockiert, weil jemand den Schlüssel mit in den Wald mitnahm. Ich bin mir bewusst, dass die Arbeiter übers Wochenende bereits viel wieder vergessen werden aber es bleibt bestimmt auch Einiges hängen. Durch die vielen wichtigen Informationen, wird in Zukunft auch niemand mehr mit der Ausrede durchkommen, er hätte dies oder jenes nicht gewusst. Ich sitze gerade in meiner Hängematte, aus der Ferne höre ich Donnergrollen. Bevor ich meine Hängematte aufspannen konnte musste ich ein neues Seil aus Papis Stallschnüren „zöpfle“. Es hat tatsächlich jemand während meiner Abwesenheit eines der Seile geklaut. Ich werde am Montag ein Kopfgeld aussetzen um den Übeltäter zu finden.

Samstag 26. November 2005; 19.15 Uhr

Den grössten ärger machen mir wahrhaftig die kleinsten Viecher, KLV – Kleine lästige Viecher! Seit ich in Yanga bin, habe ich x- neue Stiche von mittelgrossen Bremsen, kleinen schwarzen Mücken und Fliegen. Sie stechen mich hauptsächlich in die Füsse und in den Ar… problemlos stechen sie durch Socken und Hosenstoffe hindurch. Dies ist der Grund, weshalb ich bereits unter mein Moskitonetz flüchtete. Heute Abend mache ich überhaupt nichts mehr, habe sogar Esonga, welche mit mir sprechen wollte gerade einen Korb gegeben. Gestern Abend habe ich schnell meine Mutter übers Satellitentelefon angerufen um Bescheid zu geben, dass ich zum dritten Mal gut in Yanga angekommen bin. Abbé Leopold ist am Mittwoch direkt von Kole nach Tshumbe gereist, 9h Jeepfahrt von Kole nach Lodja und die üblichen 6h Jeepfahrt von Lodja nach Tshumbe! Er sprach heute mit mir übers Phonie. Eigentlich wollte er mich heute besuchen kommen und bis morgen in Yanga übernachten. Nun hat er seinen Besuch auf morgen verschoben. Ich habe Angst, dass er es sich nochmals anders überlegen wird, weil er wohl oder über mit dem Motorrad nach Yanga wird reisen müssen. Nachdem wir in Tshumbe vor fast vier Wochen mit dem Motorrad vom Helikopter- Landeplatz bis zu Jeans Haus fuhren, teilte er mir höchstpersönlich mit, dass er nicht gerne per Motorrad reise. Ich hoffe seine Neugier und sein Ehrgeiz werden stärker bleiben als der Horror vor der Motorradfahrt. Von den ungewohnt langen Märschen Donnerstag und gestern hatte ich heute Muskelkater, dass mir jeder Schritt wehtat.

Sonntag 27. November 2005; 18.30 Uhr

Nach meiner vorherigen, zweiten Rückkehr nach Yanga, schenkte mir Esonga ein Huhn. Vor einiger Zeit als ich die Primarschule besuchte, schenkte mir der Direktor Baudouin ebenfalls ein Huhn und heute Abend schenkte mir der Dorfchef Jacques ohne besonderen Grund ein Huhn und ein Hahn. Ich bin nun im stolzen Besitz von drei Hühnern und einem Hahn, das finde ich köstlich und echt süss von den Geschenkgebern! Helene hat erstaunlich schnell begriffen, dass ich die geschenkten Hühner nicht essen will sondern die Gewinnung der Eier bevorzuge. Der Hahn wird wahrscheinlich zum Weihnachtsbraten werden. Heute durfte ich nebst der Stunde, welche mich Jean vor einiger Zeit besuchte, die ersten Besucher begrüssen, es war ein Supertag! Abbé Pierre, Abbé Leopold und als grösste Überraschung kam mich bereits Professor Lokele besuchen. Er reiste mit mir zusammen letzten Mittwoch mit dem kleinen Flugzeug und erzählte mir wie auch er Angst hatte als wir gerade auf die riesigen schwarzen Gewitterwolken zu flogen. Die Drei, Aimé, Jeanpierre und ein „Aidechauffeur“ kamen um 13.00 Uhr bei uns an und brauchten für die 56km 2 ½ Stunden. Es wunderte mich nicht, ich kenne ja die schlechten Strassenverhältnisse. Abbé Leopold rauchte eine Zigarette fragte, wie fast alle fragten, wie es mir gehe. Obwohl er sich in Kole befand, durchs Buschtelefon ist die „Malarianeuigkeit“ schnell bis zu ihm durchgedrungen. Wir sprachen über Verschiedenes, als die Zigarette durch war, setzten wir uns zu einem Apéro- Bier auf die Terrasse und schon klingelte Mama Helene zum Essen. Für die Tatsache, dass es „Kongofood“ gab, war das Essen nicht übel, keine Steine im Reis und so. Während dem Essen erzählte hauptsächlich Leo von seinen Reisen und Arbeiten in Kole und Tshumbe. Nach dem Fruchtsalatdessert schaute ich mit meinen Besuchern meinen Gemüsegarten, Fussballfeld und Schreinerei an. Danach ruhten sich Abbé Pierre und Professor Lokele aus und Leo war so lieb und kümmerte sich um sämtliche elektronische und elektrische Probleme. Es ging also endlich etwas, leider klappte noch nichts wirklich. Es ärgert mich eigentlich gar nicht, habe mich daran gewöhnt, dass hier selten etwas auf Anhieb klappt. Um E- Mails übers Satellitentelefon senden zu können, hat Leo alles erfolgreich installiert und konfiguriert. Um beim Namen und Passwort sicher zu gehen, rief ich Walti an, welcher heute zum Glück Zuhause war. Er war recht verblüfft, freute sich aber über unser Gespräch. Es ist gut möglich, dass das Internetkonto bei „inmarsat“ nicht mehr aktiv ist. Leo wird dies bei nächster Gelegenheit abklären. Um Filme mit dem Videoprojektor zeigen zu können fehlt mir das nötige Kabel und für den Gebrauch des Konverters lässt sich die Ocassion- Batterie nicht genug laden. Es ist jedoch alles vorbereitet, ich muss also nur noch auf eine taugliche Batterie warten. Leo musste ein Kabel machen, gut nahm ich ein Ersatzkabel sowie ein Stecker mit. Heute war mir nicht nur Leo eine Hilfe, Prof. Lokele bereitete gerade eine praxisnahe Aufgabe für seine Studenten in Tshumbe vor. Sie müssen eine Art Wirtschaftlichkeitsstudie erstellen über den COYA- Standort Yanga. Die besten Arbeiten will er mit am Schluss zeigen. Ausserdem will er mir im Januar einen fähigen Studenten schicken, welcher eine anständige Buchhaltung aufbauen soll. Im Gegensatz zu Abbé Leopold, bei welchem ich nun weiss, dass es seine Versprechen hält, weiss ich bei Prof. Lokele noch nicht ob alles nur heisse Luft war. Nach einem letzten Glas Bier brachen meine lieben Besucher auf Richtung Tshumbe. Es ergab sich die Möglichkeit ein Fass Diesel aus Tshumbe mit zu bringen und die Nähmaschine mit Tisch und Trettpedal für Louise mit zu nehmen. Obwohl das E- Mailen übers Satellitentelefon noch nicht funktioniert war der Tag ein grosser Erfolg Am Morgen war ich froh noch etwas Zeit zu haben um Jean einen Brief zu schreiben und die Liste noch zu ladender Dinge der verschiedenen Sektoren aufs Schiff bei zu fügen. Leo wird am Dienstag zurück nach Kinshasa fliegen und Jean den Umschlag höchstpersönlich überreichen. Es ist nicht klar ob Jean noch die Zeit und die Möglichkeit haben wird alle oder wenigstens ein Teil der Güter noch aufs Schiff zu laden. Wenn es nicht klappen wird, so werde ich es wenigstens versucht gehabt haben!

Dienstag 29. November 2005; 7.40 Uhr

Ziemlich genau um 7.00 Uhr (Normaler Arbeitsbeginn) begann es zu regnen und es hat bis jetzt nicht aufgehört. Heute wird also nicht viel passieren, auf jeden Fall nicht, was die Arbeit betrifft. Gestern spielte ich zum ersten Mal in Yanga Fussball. Die Jungs sind es wirklich nicht gewohnt mit Mädchen zu spielen, sie nehmen kein bisschen Rücksicht. Dirk, einer meiner Gegenspieler war furchtbar, zuerst knallte er mir mit seinem Kopf voll in meine rechte Wange bei einem Kopfballversuch, etwas später spielte er mir den Fussball an die Stirn. Ich wurde mehrmals abgeschossen, ich hatte das Gefühl sie machen es extra, kann es mir zwar fast nicht vorstellen. Doudou, welche in der Gegenmannschaft spielte wurde von den eigenen Spielern über den Haufen gerannt. So schnell gebe ich aber nicht auf, den Gefallen tue ich ihnen nicht…

Dienstag 29. November 2005; 7.40 Uhr

Es war schon bald 10.00 Uhr als die Leute ihre Arbeit heute aufnahmen. Es reicht nicht, dass der Regen aufhört, man muss dann noch mindestens eine halbe bis zu einer Stunde warten… Ich arbeitete bereits im Büro, versuchte aufzuschreiben welche Angaben ich benötige um einen realistischen m3 Holzpreis aus zu rechnen. Ebenfalls repetierte ich einige Formeln um Baumstämme und Brettvolumen auszurechnen. Papa Kasende muss nun alle sich noch im Wald befindenden Baumstämme zählen und Papa Dominique muss recherchieren wie oft die Leute mit dem Traktor in den Wald fuhren um Bäume zu sägen. Zum Glück hat Papa Wembushi mitgedacht und konnte mir mitteilen, dass 106 Baumstämme aus dem Wald geholt wurden, 54 liegen noch neben der Sägerei so wurden also bereits 52 Baumstämme gesägt. Am Samstag teilte mir Jean mit, dass man eine neue Schleifscheibe haben sollte um die Sägeblätter schärfen zu können. Wieder einmal typisch, sie haben erst gemerkt, dass eine neue Schleifscheibe benötigt wird als diese am Anschlag war! Bis zum Mittag war ich im Garten mit Bohnen fürs Mittagessen ablesen, säen von neuen Erbsen und Bohnen, Schnüren spannen wo die älteren Erbsen hinaufklettern können und mit auflockern der Erde um die kleinen Salatpflänzchen beschäftigt. Zum Mittagessen gab es also Bohnen mit Kartoffelstock, es war sehr gut. Gestern liess ich mir wieder einmal etwas Neues einfallen, es gab Mais – Teigwaren- Salat, mhhh. Mama Mbutshu ist am Brot backen und Mama Regine am Kleider bügeln – Ich werde total verwöhnt. Theoretisch könnte ich jetzt wo ich hier bin mit zirka 200$ im Jahr leben wie eine Königin. Es kommt für mich natürlich nicht in Frage, ich könnte nicht für ewig auf meine Familie, Freunde, Ausgang, Kino, Glace usw. verzichten. Papa Boniface, Papa Gabriel und Papa Mathieu fabrizieren Körbe um das geerntete Maniok nach Hause zu transportieren. Mama Eugenie sagte an der Sitzung letzten Samstag, man müsse Körbe kaufen… zum Glück fragte ich ob man nicht selber Körbe herstellen könne. Ich weiss nicht wieso hier niemand selber auf diese Idee kam; Lianen suchen, bearbeiten und Körbe flechten sind ideale Arbeiten für unsere COYA- Oldies oder für die ganze Gruppe Djimbi, wenn keine wichtigeren Arbeiten anstehen! Heute Morgen bekam ich von Mama Regine 3 Maiskolben geschenkt und am Abend von Mama Angelique 3 Maiskolben und eine melonenartige Frucht. Gestern habe ich von der unbekannten Frucht versucht, als Mama Helene eine für sich zubereitet hatte, ich bin mir nicht sicher aber es könnte eine Sorte Kürbis sein. Ich freue mich immer riesig über solch sinnvolle Geschenke! Es ist Erntezeit und einige Frauen haben frei eingegeben um auf den eigenen Feldern zu ernten. Alle haben im Moment eine Menge Nahrungsmittel zur Verfügung, deshalb bekomme ich etwas davon ab. Heute wurden alle Dachlatten montiert, Papa Jean und die Sägerei/Schreinerei- Leute sind jetzt bereits mächtig stolz, dass die Schreinerei bald soweit fertig ist. Ich muss Jean Nyeme unbedingt mitteilen, dass es nun an der Zeit ist Celesten oder einen anderen sehr fähigen Stromer nach Yanga zu schicken…

Freitag 2. Dezember 2005; 8.40 Uhr

Seit ich zurück in Yanga bin, bin ich voll dran… komme kaum zum schreiben. Weil ich so viel verschiedene Ideen und anstehende Aufgabe im Kopf habe, habe ich in der letzen Zeit Einschlafschwierigkeiten. Dazu kommt natürlich die Hitze, welche das Einschlafen auch nicht gerade erleichtert. Gestern schluckte ich eine Baldriantablette und schlief auch bald ein, leider war um 00.30 Uhr fertig mit schlafen. Ein Gewitter hielt sich sicher ¾ Stunden direkt über Yanga auf und es regnete wie aus Kübeln. Das Donnergrollen war so laut, ich glaube da konnten nicht einmal die Afrikaner mehr schlafen. Gestern wurden die Löhne ausgezahlt und heute Morgen gab ich jeder/m die/der den ganzen November ohne Absenzen gearbeitet hatte einen Dollar und jenen mit nur einer Absenz ½ $. Die Freude bei jenen etwas erhielten war gross, der Neid der Anderen ebenfalls! Mama Helene will Pudding zubereiten, weil sie noch nicht so sicher ist, rief sie mich um zur Sicherheit nochmals zu zuschauen…

Freitag 2. Dezember 2005; 20.00 Uhr

Als ich unter der Dusche stand hörte ich von allen Seiten Kinder wie Wölfe heulen. Aha, der Mond ist wieder einmal zu sehen. Als ich dieses Heulen zum ersten Mal hörte wusste ich nicht was los war und fragte Papa Jean. Es sei eine Gewohnheit der Kinder, sobald sie den Mond sehen wird losgeheult… Die Projekte, welche momentan laufen sind sehr interessant für mich, weil ich keine dieser Arbeiten vorher kannte: Maniokernte, Bau des Maniok Trocknungshauses, Flechten von Körben für Maniokernte und das Herstellen von Haken, Beilen und Macheten. Gestern hatte ich das Fenster von Jeans Badezimmer wie in „meinem“ Badezimmer grösser gemacht um Licht herein zu lassen. Heute durfte Papa Otepa auch die Dusche in diesem Badezimmer herrichten. Weil er keine passende Duschbrause mehr auf Lager hatte, bastelte er selbst eine. Ich war positiv überrascht die Dusche funktioniert wunderbar. Morgen will ich mich um die Montage einer Vorhangstange kümmern. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Jean Weihnachten in Yanga verbringen wird, deshalb bin ich dran, ihn mit einer bico bello hergerichteten Innenausstattung seines Hauses zu überraschen. Falls er nicht kommen wird, werde ich echt enttäuscht sein. Ich müsste mich wirklich fragen, wen es eigentlich interessiert was ich hier mache!? Die kleine Mama Ester, einige Monate alt, Tochter vom Nachtwächter Papa Shungu hat seit zirka zwei Tagen Fieber. Ich habe sie heute angeschaut, die Arme, sie glüht richtig. Sie haben ihr Kokosmilch gegeben, dass solle helfen. Es hat nicht geholfen und Shungu hat am zweiten Tag vom neuen Monat bereits kein Geld mehr um Medikamente zu kaufen. Es ist traurig, dass er seinen Lohn, obwohl das Mädchen ja bereits vorgestern krank war, für andere Sachen ausgegeben hat! Ich gab ihm 100fc um wie er bettelte noch zwei Medikament- Ampullen kaufen zu können, dem Mädchen zuliebe. Papa Gabriel musste gestern beginnen meinen Garten zu erweitern, heute halfen ihm zwei junge seit gestern neue COYA- Mitarbeiter und die Drei kamen Kongo- verhältnismässig schnell vorwärts. Morgen müssen sie den Zaun fertig machen und einen Teil des Gartens bereits mit Mist herrichten, damit ich übers Wochenende Kartoffeln und Blumenkohl pflanzen kann. Von jetzt an heisst es wie meine Mutter sagen würde „Vögeli friss oder stirb“ Nun pflanze ich alles in den Garten, es hat keinen Sinn mehr mit den Kistchen. Wenn es jetzt nicht wächst werde ich sowieso nicht mehr in den Genuss des Gemüses oder Salates kommen, weil ich vorher zurück in die Schweiz reisen werde. Wie bei der Sitzung letzen Samstag angekündigt, werden keine unentschuldigten Absenzen mehr akzeptiert. Ich habe diese Geschichte seither so oft erklärt und meine Bemühungen scheinen endlich Früchte zu tragen. Heute kam Wongudi Dominique zu mir, fragte für morgen „conges“ und schenkte mir zwei Maiskolben. Ich weiss bald nicht mehr, wann ich all dieses Mais essen soll *grins*. Gestern fragte Papa Wembushi für 5 Tage frei. Wir schauten ob jemand für ihn in dieser Zeit die Verantwortung über die Produktion der Werkzeugherstellung übernehmen könne. Da sich nach seiner Aussage Papa Otepa auskennt, wurden seine Freitage akzeptiert. Morgen werde ich Papa Dominique und Philippe zeigen wie man die Löhne richtig ausrechnet, ihre Rechnungen sind nämlich ziemlich falsch. Ausserdem muss endlich angefangen werden immer samstags die folgende Woche zu planen und einmal im Monat die 3Monateplanung zu kontrollieren, erweitern und wenn nötig anzupassen. Gestern spielte ich eine Stunde UNO mit Ngembe Kombe Albert, danach suchte er einige Freunde und fragte so niedlich ob ich ihnen den Fussball geben könnte. Er spricht kaum französisch und wenn er etwas haben möchte sagt er immer: “J`ai tellement besoin de jouer UNO-„ oder „le ball“ Ich gab den Ball, er war aber nicht zufrieden; ob ich nicht spielen komme, fragte er. Dank ihm überwand ich mich nochmals einen Versuch zu starten mit ihnen Fussball zu spielen, obwohl mir mein Kiefer vom letzten Mal immer noch weh tut… Es waren nicht die gleichen Spieler und auch einige kleinere Jungs durften mitspielen, ausserdem war ich mit Dirk, dem Grobian in der gleichen Gruppe. Es war wesentlich besser als das erste Mal, hat richtig „gfägt“!

Sonntag 4. Dezember 2005; 11.30 Uhr

Den Europäern, welche einige Jahre im Kongo lebten, kann man nicht vertrauen. Abbé Leopold sprach gestern mit mir übers Phonie aus Tshumbe. Das war ja grundsätzlich nicht falsch aber er sollte doch sein Dienstag in Kinshasa sein und Jean den Brief von mir übergeben haben. Jetzt ist das Schiff ohne meine bei Jean bestellten Dinge losgefahren. Dies ist, das erste, zweites sagte er mir gestern mich heute um 8.00 Uhr zu informieren, wahrscheinlich käme er heute vorbei um das E- Mail übers Satellitentelefon ein zu richten. Wir liessen das Phonie bis Mittag laufe, ohne Nachricht von Leo zu erhalten. Um 11.30 Uhr teilte uns ein Abbé mit, dass Leo nach Lodja – Kinshasa abgereist sei. Was soll ich dazu schreiben? Gestern gab ich Papa Antoine Kasongo einen Umschlag mit Brief und Diskette mit nach Tshumbe für Abbé Pierre Ndjova. Er hatte mir ja bei seinem Besuch angeboten für mich E- Mails zu senden und Neue zu empfangen. Ich hoffe, dass es klappen wir, bin gespannt auf Neuigkeiten. Vorgestern Abend bekam ich einen Buckel am rechten Oberarm und dachte so ein Miststück von einer Mücke oder Bremse hätte mich gestochen. Gestern Morgen war aber der Buckel riesig und verschlimmerte sich gegen den Mittag. Die Stelle schmerzte, war feurig heiss und ich fühlte mich schwach. Weil Papa Antoine am Morgen wie geschrieben nach Tshumbe abreiste, zeigte ich den Buckel dem Laboranten Leonard Omelonga. Wie vorher bereits Papa Jean, Philippe und Dominique, meinte er dies sei der Anfang eines Abszesses. Ich fühlte mich so hilflos, hätte laut heulen können. Obwohl mir Papa Leonard Antibiotika verschrieb, damit gar nicht erst ein Abszess entstehe, hatte ich die schlimmen aufgeplatzten Abszesse von einem unseren Strassenbauer Michel vor Augen und stellte mir mich bereits mit einem entstellten Oberarm vor. Heute ist die Schwellung bereits viel kleiner geworden, da bin ich aber echt froh! Es hat zwei Tage nicht geregnet. Weil ich den Garten zwei Mal am Tag giessen muss bei dieser Hitze, sind sämtliche Wasserfässer leer. Zirka um 16.00 Uhr Abbé Leopold sei noch in Tshumbe, er habe so viel zu tun, deshalb kam er nicht ans Phonie. Gespräche übers Phonie sind ja schlimmer als der Kallnacher Dorfklatsch *grins*, da weiss man auch nicht was man glauben darf. Leo würde sich melden, falls er nach Yanga käme.

Dienstag 6. Dezember 2005; 10.35 Uhr

Gestern habe ich zum Ersten Mal ein Erdbeben bewusst miterlebt. Die Scheiben zitterten und die Lampen wackelten. Weil der Boden unter den Füssen bewegte, fühlte es sich an als wäre mir schwindlig. Als ich Helene fragte ob sie „Es“ bemerkt hätte, antwortete sie mit „Non, quoi“. Heute sagte sie mir, es hätten wohl alle das „tremblement de la terre“ bemerkt, nur sie nicht. Gestern und heute durfte ich beobachten wie man hier Holzkohlen herstellt und Werkzeuge selber schmiedet. Für die Herstellung der Holzkohlen werden dicke äste und Bäume zersägt, in ein grosses Loch vergraben und mit Erde zu gedeckt. Einige Löcher werden seitlich offen gelassen um Luft hereinzulassen. In der Höhle werden die Holzklötze nun angezündet und das mottende Feuer verwandelt das Holz in Holzkohlen. Um äxte, Hacken, Beile und Macheten zu schmieden haben Papa Wembushi, Ngomo usw. mit Hilfe eines Velorades und eines Windrades (Ursprünglich zum kühlen eines Fahrzeugmotors verwendet) ein keilriemen- angetriebenes System entwickelt. Durch eine Röhre wird unterirdisch Luft in den brennenden Holzkohlehaufen geblasen. So wird grosse Hitze erzeugt um die zu schmiedenden Teile zum glühen zu bringen. Schreiner und Sägerleute haben heute mit den Wellblechen begonnen und morgen Abend wird wahrscheinlich tatsächlich das Dach der Schreinerei fertig werden. Heute nach dem Mittag mache ich eine Sitzung mit der „Direktion“, ich bin ja gespannt wie sie reagieren werden, wenn ich sie ins kalte Wasser schmeissen werde. Das Dach wird fertig und alle Gerüste abgeräumt aber wie weiter? Da macht sich nämlich wieder keiner Gedanken!

Mittwoch 7. Dezember 2005; 14.30 Uhr

Endlich seit fünf Tagen regnet es wieder einmal, sämtliche Fässer waren leer; jene um die Pflanzen im Garten zu giessen, jenes um zu duschen, selbst das Fass um die Toilette zu spülen. Heute mussten Jungs und Mädchen für mich am Bach Wasser holen gehen, sie tragen 20l Wasser auf dem Kopf! Ich ärgere mich gewaltig, heute ist doch tatsächlich der Koordinator Papa Jean Takoy besoffen! Supervorbildlich…

Freitag 9. Dezember 2005; 21.30 Uhr

Gestern wurde das Schreinerei- Dach fertig und heute wurden alle Gerüste entfernt. Das Haus ist gut gelungen aber ich bin noch nicht besonders glücklich, es gibt noch ein langer Weg, bis endlich einigermassen geschreinert werden kann… Maschinen und Arbeitsplätze einrichten, Strom anschliessen (möglichst von einem Fachmann), Die Hobelmaschine muss geflickt werden und die anderen Maschinen sind auch alle in sehr schlechtem Zustand. Sägeblätter und die Beschaffung von Diesel bleibt weiterhin ein Problem! Am Mittwoch regnete es leider wieder nicht richtig, heute sind wir also bereits eine Woche ohne Regen… es ist mühsam immer Wasser organisieren zu müssen und am Abend ist es 27 Grad heiss, ich kann kaum einschlafen. Ansonsten geniesse ich aber den für mich einmaligen Dauersommer!

Samstag 10. Dezember 2005; 09.30 Uhr

Die Gruppe „Elevage“ macht gerade „traitement“ bei den Kühen, ich habe sie zur Weide begleitet. Damit man den Tieren die Spritzen geben kann, jagen die fünf Männer die 21 Kühe, Rinder, Stiere und Kälber in einen schmalen Durchgang. Die Kühe wissen jeweils was ihnen blüht und sträuben sich hinein zu gehen. Nach dem dritten oder vierten Anlauf gelang es endlich die Tiere ein zu pferchen. Sie musste die Spritzen über sich ergehen lassen und zum Schluss wurden sie mit dem „pulvérisateur“ Zerstäuber gegen Zecken behandelt. Danach werde ich die Kühe mit Emile und Alphonse zusammen zu dem Bach begleiten wo sie trinken können. Heute Morgen war es echt mühsam mit Mama Regine, sie ist sehr schwer von Begriff und vergisst ebenso schnell Dinge, welche man ihr sagt. Bereits gestern verstand sie trotz dem, dass ich mehrmals Andre zum übersetzen holte nicht wirklich! Sie kochte Wasser ab, was richtig war, leider goss sie es tatsächlich zum Flusswasser im Fass im Badezimmer, welches ich nur um das WC zu spülen verwende. Weil es mehr als eine Woche nicht mehr regnete füllten sie für mich Flusswasser ins Fass mit dem Duschwasser. Das Flusswasser wirkt sich mit all seinen Mikroben und Würmern nicht gut auf meine aufgekratzten Mückenstiche aus. Ausserdem habe ich Angst Hakenwürmer, Infekte oder nochmals ein Abszess zu riskieren. Deshalb muss Papa Otepa das Fass des Duschwassers leeren und mit Seife anständig waschen. Ich will kein Risiko eingehen und werde nur noch mit Regenwasser oder abgekochtem Flusswasser duschen.

Samstag 10. Dezember 2005; 21.13 Uhr

Ich könnte Papa Otepa erwürgen, er hat mich schön reingelegt. Ich fragte noch ob ich die Dusche auch durchspülen müsse, er sagte nein, wenn ich alle anderen Wasserhahne offen lasse passiere nichts. Klar, ich stand in das Duschbecken und freute mich auf das kühle Nass. Es regnete wieder einmal richtig und die Fässer füllten sich. Ich schloss die Augen und liess das Wasser über Haare und Gesicht laufen, plötzlich merkte ich, dass fast kein Wasser mehr kam. Ich öffnete die Augen und hätte schreien können vor entsetzen. Ich war von zuoberst bis zu unters braun… voller Rost… igitt, igitt!! In diesem Notfall duschte ich mich noch einmal mit dem Wasser aus dem WC- Spülfass, Hauptsache der Rost wurde von meinem Körper entfernt! Kein Wunder, dass ich mich im Moment nicht wirklich sauber fühle. Als ich trocken und angekleidet war, entfernte ich die Brause und musste mehrere Kübel voll raustransportieren, bis endlich durchsichtiges Wasser aus der Öffnung kam… Es schüttelt mich richtig, wenn ich an den Moment denke. Na ja es war echt bitter aber ich habe etwas gelernt dabei.

Sonntag 11. Dezember 2005; 15.45 Uhr

Als ich erwachte, musste ich mit Schrecken zwei Buckel hinten je an den Oberschenkeln feststellen. Sie juckten zum Glück „nur“ und schmerzten ansonsten nicht. Das heisst es hat mich etwas gestochen und es sind keine Abszesse. Trotzdem habe ich seit ich mir den Gefahren hier im Busch bewusst bin, sehr grossen Respekt. Diese Buckel brachten mich dazu, mich heute pieksen zu lassen vom Laboranten Papa Omelonga, Papa Kasongo befindet sich immer noch in Tshumbe. Léonard Omelonga stach besser als der Grobian in Kananga oder vielleicht war es auch nur Glück, dass er nicht so viele Nerven traf. Die frischen Bluttröpfchen konnte er gleich auf kleine Würmchen „filaires“ untersuchen und fand zum Glück nichts. Ich wollte auch gleich wissen ob sich noch Mikroben von Malaria in meinem Blut befinden. Deshalb drückte er noch zwei weitere Tropfen Blut aus meinem linken Mittelfinger. Diese musste er zuerst trocknen lassen und ich war erstaunt aber froh über seine Neuigkeiten, dass er keine Mikroben entdeckte. Ich machte es mir nachmittags in der Hängematte gemütlich, es ist etwas dunstig, so sind 28 Grad (am Schatten gemessen) angenehm. Doudou kam bald zu mir und ist daran für mich ein Tischtuch zu sticken. Das ist echt lieb und ich bin stolz auf sie wie sie über ihren Schatten sprang. Einige Minuten später kam Esonga zum zweiten Mal zu Besuch. Beim ersten Mal vor dem Mittag schenkte ich ihr die von ihr gewünschten „Sabattas“ Schlappen, welche Helene für mich in Tshumbe kaufte. Ebenfalls schenkte ich ihr wie gestern der kleinen July Ohrringe von meinen. Weil Esonga so gelangweilt zwischen Doudou und mir stand, fragte ich Doudou ob sie Esonga zeigen wolle wie man Tischtücher stickt. Sie war einverstanden, ich schenkte beiden eine neue Handnadel, nun sitzen sie eng bei einander am Boden und sticken. Echt friedlich! Die Frauen hier sind eindeutig weniger nachtragend als Schweizer- Frauen, können aber genauso gut mehrere Dinge gleichzeitig tun. Die Männer können dies wie in der Schweiz auch hier nicht. Jean ist ein echter Scherzkeks, gestern liess er uns durch Louise aus Kinshasa ausrichten, die nächsten Arbeiten, weil ja die Schreinerei aufgerichtet ist, seien den Wiederaufbau der Reismühle und die Reparationen in der Primarschule. Für den Wiederaufbau der Reismühle warten wir auf Zement und für die Reparationen an den Schulen benötigen wir Holz. Weil der Schleifstein der Schleifmaschine durch ist kann aber leider momentan nicht gesägt werden. Ich habe diese Probleme Jean heute per E- Mail mitgeteilt, ebenfalls, dass wir halt mit verstärkten Arbeitskräften hinter die Maniokernte und die Pflanzung eines neuen Maniokfeld gehen.

Montag 12. Dezember 2005; 19.30Uhr

Der heutige Tag war ein guter Tag. Ich erlaubte mir den ganzen Tag im Garten zu verbringen war echt „ä chrampf“ und mit den vielen Insekten braucht es echt Nerven. Ich schaute natürlich zwischendurch ob die Arbeiter anständig „schaffe“. Gestern Abend spielte ich wieder mit den Jungs und mit Doudou Fussball, es war ein gutes Spiel. Nach dem Spiel sagte ich, dass man nicht nur spielen könne sondern auch das Feld pflegen müsse. Sie sollen alle zusammen heute das Gras schneiden und dürre Palmblätter aus dem Weg räumen, vorher wird nicht gespielt. Ich gab Emanuel die Verantwortung. Tatsächlich heute um 16.00 Uhr standen sämtliche Jungs vor der Türe; sie wollen Spielen, sie seien fertig mit der Arbeit. Ich ging also heute wieder aufs Fussballfeld. Sie haben gearbeitet, zwar nicht perfekt aber es war doch eine Unterschied zu sehen. Zuerst spielen wir jeweils im Kreis um warm zu werden. Da hat man zwischendurch Zeit einen Handstand zu machen. Es hat einige sportliche Talente, zwei Jungs machen tatsächlich Rondat- Flicflac. Ich zeigte ihnen Handstand- Stehen und eine Hebefigur vom Teamaerobic, alle Kinder und Jugendlichen akzeptierten mich nun, weil sie sehen, dass es bei uns Frauen gibt die „das“ auch können. Ich hoffe das einige Mädchen nun auch bald den Mut haben werden, sportlich aktiv zu werden. Carlos kann einen Spagat und Kasende (der jüngste Sohn vom alten Kasende) machte aus dem stehen die Brücke. Das sind Dinge mit denen ich mithalten kann und die kleinen Kinder am Spielrand schrien „Mama Sabina encore une fois!“ Ok sie schrien es natürlich auf Otetela und die älteren übersetzen für mich. Es ist cool, so halten mich die Jungen Yanganianer fit! Ich half Kasende aus der Brücke das Bögli zu machen und alle lachten lauthals, weil es so witzig aussah… Hätte fast vergessen zu schreiben, dass ich das erste Goal vom Abend schoss! Ok, es war schon Glück dabei aber das ist es doch immer. Meine Gruppe war heute stärker, wir siegten mit 3 zu 0 *grins. Gestern verlor meine Gruppe mit 0 zu 1. Durch den Sport ist meine Kondition bereits viel besser geworden und am Abend lässt es sich trotz der Hitze schneller einschlafen.

Donnerstag 15. Dezember 2005; 11.30Uhr

Vorgestern hatte Papi Geburtstag und gestern Regula, nochmals happy birthday für die Beiden! Ich habe mir erlaubt am 13. Dezember Papi und gestern ebenfalls Regula anzurufen. Ich hoffe die Leute vom Unterstützungsverein verzeihen mir die Kosten, welche ich verursachte… Heute war wieder Zeit Maniok zu ernten und in Wasser ein zu legen. Maniok muss 2 Tage im Wasser eingelegt werden, am Dritten wird es herausgenommen und im Manioktrocknungshaus auf Gestellen, darunter Feuer getrocknet. So ergibt sich der Rhythmus, dass jeden Montag und Donnerstag Maniok auf den Feldern geholt wird, in den Tagen dazwischen werden neue Felder vorbereitet, gehackt und neue Maniokstecklinge gesetzt. Auf dem Feld, auf welchem der Maniok geerntet wird wollen wir nachher Mais und Kürbisse säen. Die Gruppe der Tronçonneuse stellen aus Baumstämmen Futterkrippen für die COYA- Kühe her, eine äusserst interessante Arbeit. Mit Mama Okako Jaqueline, Mama Dembo Adèle und natürlich mit Mama Helene habe ich heute den ganzen Morgen endlich die ganze Küchenkammer ausgeräumt. Ebenfalls alles aus der Küche und dem Wohnraum wurde auf die Terrasse befördert und ordentlich geputzt. Die Mäuse haben einige der Suppenbeutel die Hefebeutel und vor einigen Tagen den Mehlsack angefressen. In den alten Teigwaren befanden sich Milben und kleine schwarze Käfer… es war hässlich. Nun habe ich alles ordentlich in den mausesicheren Schrank geräumt und in die Kammer kommen ausdrücklich nur noch Dinge welche sicher nicht angefressen werden können wie Kübel, Flaschen und Dosen. Gestern habe ich ein weiteres Zimmer total aufgeräumt, jetzt fehlt nur noch ein Zimmer. Mama Regine ist daran das Zimmer von Jean aufzuräumen, es wird zwar nicht perfekt sauber werden aber seine privaten Sachen aufzuräumen ist nun wirklich nicht mein Bier. Es hat wieder einmal nur so ein bisschen geregnet, nach dem gestrigen Hitzetag, haben die Leute, das Reis auf den Feldern und mein Garten jedoch einen anständigen Regen nötig!

Sonntag 18. Dezember 2005; 11.30Uhr

Ich habe die Ehre beim Beginn der Demokratie hier im Kongo dabei zu sein. Nachdem sich die Leute vor einigen Wochen einschreiben mussten, konnten sie heute zum ersten Mal abstimmen gehen. Politik ist auch hier nicht mein Ding aber wenn ich es richtig verstanden habe wird heute darüber abgestimmt die neue Verfassung anzunehmen oder abzulehnen. Ich begleitet Mama Helene auf die Yanga Dorfseite wo die Abstimmung im Büro des Direktors Baudouin der Primarschule stattfand. Ich fragte Helene was sie den abgestimmt habe. Sie sagte mir, dass sie nicht genau verstehe um was es gehe und sie die Verfassung ja gar nicht kenne, deshalb habe sie nein gestimmt. Die Bevölkerung wurde also gar nicht richtig informiert, ich finde es vernünftig etwas was man nicht kennt abzulehnen. Klar ist es schwierig die Bevölkerung im Busch zu erreichen und zu informieren, trotzdem es ist die Aufgabe des Staates aber auch in dieser Beziehung ist dieser Staat alles andere als vorbildlich!

Sonntag 18. Dezember 2005; 19.30Uhr

Je suis deçue… Ich bin enttäuscht, Jean Nyeme wird über Weihnachten nicht nach Yanga kommen. Es macht mich schon etwas wütend aber hauptsächlich bin ich enttäuscht, enttäuscht und enttäuscht. Jean kann doch sonst so ziemlich alles organisieren, er hat ziemlich gute Beziehungen und eine gewisse Macht in diesem Land. Für mich heisst das, dass er gar nicht nach Yanga kommen will, er könnte bestimmt, wenn er wollte. Schliesslich ist er seit einigen Tagen in Kananga. Ich hoffe, dass er sich wenigstens für Manu und Sedi Zeit nehmen wird… So denke ich, dass ich ja seine Präsenz gar nicht nötig habe, es reicht mir schon wenn er mir einen fähigen Stromer schicken wird und alles so wichtige Material. Bald werden fünf Monate vergangen sein, er nahm sich genau eine Stunde Zeit für mich, besser gesagt für seine COYA. Ich muss mich echt fragen wie viel ihm sein Lebenswerk eigentlich noch bedeutet?! Heute Abend werde ich ihm diese Gedanken noch mitteilen… Die Leute hier können echt froh sein, dass diese Arbeit hier für mich so eine grosse Herausforderung darstellt und ich momentan die Ruhe und Friedlichkeit in diesem Dorf richtig geniesse, ansonsten wäre dies wohl jetzt der Punkt um „dr Bänggu häre ds schiesse“!

Montag 19. Dezember 2005; 18.50Uhr

Die Schwestern sind bereits eingetroffen, der „évêque“ liess sich auf Yanga Seite noch aufhalten. Ich freue nicht über diese Belagerung von Jeans Haus! Momentan ist wohl der Mentalitätsunterschied sehr stark spürbar. Es war wieder typisch heute, Helene fragte mich ob ich um 18.00 Uhr mit Jean Nyeme übers Phonie sprechen wolle. Ich sagte ihr dass ich ihm nichts zu sagen habe, weil ich alles per E- Mail schrieb aber wenn er etwas habe sei ich da. Jean bestand auf das Rendez- vous und kam dann doch nicht ans Phonie…

Dienstag 20. Dezember 2005; 15.00Uhr

Regen habe ich mir gewünscht, bekommen habe ich letzte Nacht ein Furcht- einflössendes Gewitter. Zuerst konnte ich bis 2.00 Uhr morgens nicht einschlafen, weil es heiss war mit hoher Luftfeuchtigkeit und ich war unerklärlich nervös. Endlich schlief ich ein… um 5 Uhr war aber fertig geschlafen, es blitzte, donnerte, regnete aus Kübeln und es ging ein heftiger Wind von der gefährlichen Seite her. Ich rechnete wirklich bereits halbwegs damit, dass diesmal das Dach der Direktion mit samt Solarpaneel und Antenne des Satellitentelefons davon fliegen würde. Als das Unwetter etwas nachliess, schlief ich ein. Es regnete bis zirka 9.00 Uhr, deshalb wurde um halb und um sieben Uhr gar nicht erst zur Arbeit geläutet. Ich ass um 7.30 Uhr mit dem Bischof Frühstück, dann zeigte mir Jean das verheerende Ausmass der Verwüstung. Richtung „Yanga- Village“ ist eine ganze Palme auf ein Lehmhaus gestürzt. Zum Glück ist diese nicht in sich zusammengefallen, es hätte Tote gegeben. Sämtliche Wellblech- Dächer wurden beschädigt; Generator- Haus, Sägerei, Krankenzentrum und Garage. Als der Regen aufhörte versammelten sich alle Arbeiter vor dem Direktions- Eingang um den Bischof zu begrüssen. Alle gingen vor ihm auf die Knie, es kam mir wieder einmal vor wie in einem Film! Danach mussten alle Arbeiter mit anpacken um die Verwüstung auf zu räumen und beginnen die Dächer zu flicken. Die planmässigen Arbeiten wurden lahm gelegt. Mein Garten war natürlich auch kein erfreulicher Anblick, sämtliche Bohnen und Sonnenblumen waren umgeknickt, Salat und Rüebli vom starken Regen platt gedrückt. Wo ich konnte, band ich die Pflanzen hoch und befreite Einige von der Erde. Ich werde sehen wie viele überleben werden. Seit letztem Samstag spriessen die Kartoffeln aus Kananga, bin gespannt ob sie dann auch Kartoffeln bilden werden. Heute war also kein erfreulicher Tag ausser die Gespräche mit dem Bischof sind interessant und für was mein Französisch betrifft sehr lehrreich. Dauernd stosse ich ohne zu wollen im Gespräch auf Glaubensfragen. Dann wird es schwierig. Ich habe was Religionen anbelangt keine Ahnung. Gestern fragte er mich in welche Richtung ich denn protestantisch sei. Ich wusste vorher gar nicht, dass es nebst den reformierten Protestanten noch viele Andere gibt… Heute machte er die Messe um 17.00 Uhr und warf somit mein Fussballprogramm über den Haufen. Na ja ist nur für diese Woche. Es ist schon erstaunlich wie schnell ich mich bereits an „mein“ wöchentliches Programm gewöhnte. 22.00 Uhr Die angehenden Schwestern Alice und Veronique, beide Jahrgang 1983, spielten heute mit Jasskarten eine Art „Bauernkrieg“. Ich hörte wie ihnen Papa Shungu von den Spielen erzählte, welche ich mitbrachte und wie es sie interessierte. Also spielte ich mit den Beiden heute Memory und morgen dürfen sie UNO lernen.

Donnerstag 22. Dezember 2005; 12.00Uhr

Zweiter Platten eine halbe Stunde nach dem Ersten! Wir befinden uns noch nicht einmal auf halber Strecke Yanga – Tshumbe. Die ganze Aktion ist wieder einmal typisch kongolesisch… zirka um 8.00 Uhr teilte Jean per Phonie mit, dass er heute nach Tshumbe und zurück nach Kananga reisen würde. Jean Takoy und ich sollen uns auf den Weg machen. Ich hatte nach der Geschichte der letzten Reise mit Mama Helene und Papa Philippe von Anfang an kein gutes Gefühl. Wir sind noch nicht auf halber Strecke und Wembushi und die zwei „Aide- chauffeures“ müssen bereits zwei Pneus kleben! Ich hoffe, dass wir ankommen werden bevor Jean wieder abreisen wird! Louise kam gestern aus Tshumbe, sie hat wie die Schüler und anderen Studenten über Weihnachten – Neujahr Ferien. Sie bedankte sich nochmals mehrmals bei mir, dass sie nun ihr Studium mit Nähmaschine und allem was dazu gehört beenden werden kann. Bereits letztes Mal als Louise nach Yanga kam, reiste ich nach Tshumbe. Manu und Sedi reisen heute noch oder sind schon in Kigali ihrem Ferienziel angekommen. Sie haben eindeutig heute das grössere Los gezogen! 18.00 Uhr Ziemlich nach genau einer Stunde war der Pneuschaden behoben und wir fuhren weiter. Vor dem letzten Dorf vor Tshumbe kam uns Aimé mit dem Motorrad entgegen. Jean liess uns bereits suchen. Er fuhr einige Meter hinter uns her, Ende Dorf knallte es; drittes Mal „plati“! Es war klar, dass ich die Reise hinten auf dem Motorrad von Aimé fortführen würde, vorher musste ich jedoch noch auf die Toilette. Wir fragten beim letzten Haus dieses Dorfes ob ich ihre Freiluft- Toilette benützen dürfe. Man gräbt ein tiefes Loch, lässt eine kleine Öffnung und baut rundherum ein Bambus oder Palmblätterzaun. Ich betrat das WC, da erlebte ich das zweite hässliche Erlebnis im Kongo nebst der „Rostdusche“. Ich war zu schwer für die Konstruktion brach mit beiden Beinen durch die Erde ins Loch und landete auf dem Hintern. Zum Glück im Unglück fiel ich nicht ganz ins Loch und verlor auch keinen meiner Schlappen!! Der Schreck sass mir in allen Gliedern… Endlich in Tshumbe angekommen war Jean schon in Aufbruchstimmung. Er brachte Sägeblätter und für mich Milchpulver, Käse usw. mit. Ausser einem zusätzlichen Abenteuer ergab die Reise nicht viel Sinn. Er gab Jean und mir das Datum für die Sitzung mit den Dorfchefs bekannt und gab etwas Geld um Nahrung für diese zwei Sitzungstage zu organisieren. Wir begleiteten Jean zum Flugplatz, da traf erst unser Jeep ein. Ich gab Jean 20$ für Elisabeth in Kananga. Auf dem Flugplatz arrangierte Jean schnell mit Papa François (war mir vorher unbekannt), dass dieser mit mir morgen nach Yanga reisen wird um 5 Fässer Treibstoff zu holen. Kann also morgen mit einem neueren Jeep nach Yanga reisen, während die anderen mit dem reifenpannengefärdeten Jeep zuerst nach Wembonyama einen Auftrag erledigen werden müssen. Vom Flugplatz zurück knallte es wieder und wir hatten den 4. Platten. Ich ging zu Fuss weiter. Freute mich bei den Abbés wieder einmal online zu gehen. Leider hatte es ausgerechnet heute fast keine Internetverbindung. Um 20.00 Uhr werde ich mein Glück noch einmal versuchen gehen. Bald wird es wohl Abendessen geben. Die Leute in Tshumbe sind enttäuscht, dass ich morgen wieder abreisen werde, irgend so ein Clown hat übers Phonie verbreitet, dass ich über Weihnachten in Tshumbe sein werde!!

Freitag 23. Dezember 2005; 20.50Uhr

Aloci, Esonga, Louise und deren Schwester Henriette kamen mich gerade besuchen,… Ich hatte also wirklich Glück heute, erstens konnte ich am Morgen bei den Abbés endlich alle E- Mails meiner GMX- Adresse lesen und mit Papa François nach Yanga fahren. Kurz nach meiner Ankunft in Yanga verliess uns der Bischof. Mama Mbutshu, Mama Regine und Mama Helene tanzten fast vor Freude als ich ankam, sie dachten ich sei nach Kananga gereist. Ich freute mich, weil sie sich so sehr freuten! Ansonsten war es wieder einmal frustrierend, sobald ich weg bin (und diesmal war ja auch Jean Takoy gleichzeitig weg) hat es kein denkendes Gehirn mehr in Yanga. Kein Trinkwasser im Kühlschrank und das Fass fürs Dusch- und Händewaschwasser war leer… das sind die zwei ziemlich wichtigsten Dinge, welche fehlten! Na ja es ist halt auch für Helene, welche verhältnismässig vielseitig ist zuviel gleichzeitig die Abreise vom Priester und meine Ankunft zu organisieren und er ist wohl nebst Jean der einzige der hier in der Rangordnung (welche wirklich wie bei uns in der Schweiz im Hühnerstall herrscht) über mir steht. Ich bin froh wieder zurück zu sein, die Reise war ja nicht gerade für viel und mir tun die anderen leid, welche ja noch unterwegs sind!! Wie oft werden sie wohl noch Pneus flicken bis sie in Yanga ankommen werden. Weihnachten naht und ich fühle mich komisch; die erste Weihnachten ohne Familie…

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