9 1/2 Monate Dem. Rep. Kongo, 25.Dezember 2005 - 25.Januar 2006
Weihnachten 25. Dezember 2005, 15.00 Uhr
Es ist bewölkt, bei angenehmen 26°C… und es ist Weihnachten. Wie ich mir gedacht habe verbrachte ich von den letzten 19 Stunden zirka 8 Stunden in der Kirche, 7 Stunden mit Schlafen und die restliche Zeit mit „in die Kirche gehen“ jeweils die 3km auf die Yanga – Dorfseite…
Gestern Abend ging ich also mit all meinen kleinen und grossen kongolesischen Freunden in die Kirche ausser die Familie der kleinen July kam nicht. Weil es dicke Regenwolken hatte, war kein Mondlicht zu sehen und ich war auf meine Taschenlampe angewiesen.
Petrus meinte es leider nicht gut mit uns, ausgerechnet als wir auf dem Weg waren begann es zu regnen. Ich hatte einen Regenschirm, das nützte aber nicht viel, weil dort wo ich nicht vom Regen nass wurde, war ich schweissgebadet, da wir die letzten Meter rannten. Es war trotzdem lustig auf dem Weg, bevor es regnete sangen Mama Helene und Mama Angelique Lieder, welche die „Jungen“ nicht kannten, als es regnete rannten wir zusammen das letzte Stück „Esadi, esadi“ „schnell, schnell“ riefen wir. Es war verhältnismässig frisch und die Kinder, welche nass wurden, taten mir leid; „tshitshi“ = kalt sagten sie weil sie froren. Um 21.00 Uhr sollte die Messe beginnen, über eine Stunde warteten wir in der dunklen, nur von einer kleinen Fackel beleuchteten Kirche. Der Regen hörte einige Minuten nachdem wir ankamen bereits wieder auf, Petrus hatte uns also einen Heiligen- Abend- Streich gespielt. Dann um 22.00 Uhr liessen sie den kleinen Generator laufen und die Messe begann. Es wird viel gesungen während jeder Messe. Alle stehen auf und zwischen den Sitzreihen wird getanzt. Ich bin es mir ja bereits gewohnt und ich genoss die Friedlichkeit. In der Mitte auf dem Platz tanzten Mädchen von zirka 8- 14 Jahren in gleichfarbig gelb gemusterten Röcken. Auch Jungen im Alter von 12- 18 Jahren tanzten in weissen Umhängen, die haben das Taktgefühl im Blut. Als Instrumente gibt es leider nur trommeln und Glocken. Abbé Ngenge predigte ein Teil der Weihnachtsgeschichte, ich verstand natürlich fast die ganze Zeit nichts aber man kann ja in etwa erraten, was an einem heiligen Abend gepredigt wird. Erst um 1.00 Uhr war die Messe nach dem üblichen Abendmahl zu Ende. Für den Heimweg folgten wir Lodi, welcher uns mit der Fackel den Weg leuchtete…
16.10 Uhr
Heute stand ich um 9.00 Uhr auf, das Frühstück stand wie immer schon parat. Ich war noch nicht angezogen, da kam schon Louise und fragte ob ich krank sei. Die Leute stehen hier auf sobald die Sonne scheint und weil sie mich noch nicht draussen sah, dachte sie schon ich sei krank.
Ich ass mein Nutella- Brot, trank einen Schwarztee mit Zucker und Milchpulver, dann ging es ab in die Kirche. Heute kam auch die kleine July mit Mama Veronique und der ganzen Familie in die Kirche. Es hatte viele Leute in der Kirche, weil wir zu spät kamen hatte es keine freien Bankplätze mehr. Sofort wurde mir ein Korbstuhl gebracht. Das Programm sah etwa gleich aus wie gestern Abend, ausser dass zwischendurch noch zirka 12 Bebes und Kleinkinder getauft wurden. Um 14.30 Uhr kam ich erst zuhause an. Nun hatte ich etwas Zeit für mich zum schreiben und essen. Jetzt gehe ich Fussball spielen. Louise, Esonga und andere Mädchen wollen heute auch spielen… bin gespannt ob sie wirklich kommen werden!?
19.45 Uhr
Juhuii, dank Louise habe ich es geschafft! Die Mädchen sind hell begeistert, wir haben heute zum ersten Mal Fussball gespielt, nur die Mädchen und ich… und zwar nachdem ich das Fussballspiel mit den Jungs beendet hatte. Dann wurde es finster aber Weihnachten ist noch nicht fertig, die Jungs haben mich gefragt ob ich auch zu Papa Chamboyi käme „Tamtam“ tanzen, wie sie es nennen. Louise wird mich also jeden Moment abholen kommen, dann geht’s los!
Dienstag 27. Dezember 2005; 14.30 Uhr
Heute Abend oder morgen am Morgen soll Jean Nyeme zusammen mit Emile Onema, welcher heute von Kinshasa über Mbuji-Mayi flog, hier in Yanga ankommen! Vor einer halben Stunde ist ausserdem Schwester Jeanne aus Tshumbe in Yanga eingetroffen, sie will hier eine Woche Ferien verbringen. Seit morgens um 7.00 Uhr bin ich an der Arbeit. Weil ich gestern Jean sagte es können nicht alle Ferien machen, läutete Joseph wie üblich die Woche durch um halb sieben und um fünf vor sieben zur Arbeit. Deshalb musste auch ich als gutes Beispiel vorangehen und aus den Federn kriechen…
Es häufte sich bereits seit ich in Tshumbe war und über Weihnachten eine Menge Papierkram an, ich konnte es nicht mehr länger mit ansehen… ich kam richtig gut vorwärts heute und bin auch froh, dass die Leute der Schreinerei/Sägerei ihre Arbeit heute bereits wieder aufnahmen um das Dach der Sägerei und die Brücke Richtung Yanga- Dorf zu flicken. Heute wurde der ganze Tag Bretter gesägt. Jetzt ist gerade Papa François eingetroffen um sein fünftes und letztes Fass Benzin zu holen…
20.50 Uhr
Ich glaubte es kaum, nebst Schwester Jeane und dem Team von Papa François, kam mich der Bruder (wie sich bald herausstellte) vom Patrick, welcher die Daten beim Enrelement in den PC eingab, besuchen. So viel Besuch aufs mal in Yanga war ich mir gar nicht gewohnt und habe ziemlich den Überblick verloren, alle wollten etwas von mir, obwohl ich bei niemandem genau wusste wo er/sie hingehören oder herkamen! Papa François kam wie abgemacht das fünfte Fass „essence“ holen und wollte plötzlich noch zusätzlich ein Fass Diesel mitnehmen. Es gab recht heftige Diskussionen, weil ich nicht einverstanden war. Sorry, ich habe noch nie so eine schwachsinnige, unlogische und verschwenderische Organisation miterlebt. Wir setzten alles in Gang um Diesel zu organisieren… endlich fanden wir die Möglichkeiten 10 Fässer zu tauschen und werden eine Zeitlang arbeiten können. Nun wollen diese Herren welche für irgendeine Excellenz (ein Staatsminister) arbeiten ein Fass Diesel nach Tshumbe (wo wir sie herhaben) mitnehmen. Sie sagten mir, Jean Nyeme sei damit einverstanden, dies klang aber nicht sehr glaubwürdig, niemand hatte etwas Schriftliches in der Hand und über Preise oder so wurde noch gar nicht erst gesprochen. Da ich ja alles entscheiden muss (wenn es darum geht etwas Heikles zu entscheiden, ziehen alle auch Helene und Jean Takoy den Schwanz ein) suchte ich möglichst schnell eine für alle befriedigende Lösung und fand sie auch bald. Sie mussten mir schriftlich geben, dass sie mir ein Fass voll zurück erstatten werden, sobald ihr Schiff in Samangua ankommen wird. Weil wir ihnen die letzen beiden Male als sie je zwei Fässer Benzin holten bereits insgesamt 80l Diesel für die Rückreise aushändigten, gaben wir ihnen ein Fass mit 120l und sie werden uns ein ganzes Fass voll mit 200l zurück erstatten müssen. So ist ihnen für den Moment geholfen und wir haben kein Diesel verloren.
Dieser Pierre, der Bruder von Patrick, ich weiss jetzt noch nicht genau mit welchen Absichten er nach Yanga kam. Er filmte mich und meine Projekte, deshalb fragte ich ihn, was er nun mit dem Film machen wolle. „Den Leuten in Belgien zeigen, dass es im Sankuru- Gebiet auch Leute gibt, welche arbeiten und nicht alle nur nach Europa kommen um zu jammern wie arm doch die Leute im Kongo sind“ gab er mir zur Antwort. Er studierte 8 Jahre in Lausanne, schloss aber so wie ich es heraushörte nie ab, dann lebte er in Belgien und nun wolle er für immer in den Kongo zurückkehren. Als endlich alle weg waren, wurde es bereits finster… ich kam also nicht dazu mir Zeit zu nehmen für Louise, Esonga und die anderen Kinder, sprich Fussball spielen zu gehen und zum Karten spielen bin ich nun zu müde…
Mittwoch 28. Dezember 2005; 15.40 Uhr
Fünf Monate Kongo… schon vorbei! Ich musste bestimmt schon bald eine Woche den Garten nicht mehr giessen, weil es jeden oder alle zwei Tage regnet. Das finde ich natürlich super! Heute hat Schwester Jeane für mich Salate aus den Kistchen in den Garten gesetzt und wird mir in nächster Zeit noch mehrere Gartenarbeiten abnehmen, auch das finde ich freundlich und sehr praktisch von ihr. Na ja, ohne Arbeit und Hobbys wäre es mir in Yanga auch schnell langweilig.
Ausgerechnet jetzt ist ein kleines Gewitter über Yanga und Jean ist vielleicht schon mit dem kleinen Flugzeug in der Luft. Ich mache mir schon etwas Sorgen, kenne ja das Gefühl wenn einige Kilometer neben einem in der Luft ein Gewitter tobt.
Freitag 30. Dezember 2005; 15.40 Uhr
Jean musste mit Emile und zwei Schwestern, welche nach Wembonyama weiterreisten tatsächlich die Nacht in Losambo einem anderen Dorf verbringen, weil sie wegen dem Gewitter Mittwochabend nicht landen konnten. Als sie gestern zirka um 10.30 Uhr ankamen, waren sie total am verhungern und am verdursten… man hat sie in dem Dorf nicht wirklich gut bewirtschaftet. Die Leute haben nur gejammert, hatte mir Jean erzählt.
Wir gingen gleich an die Arbeit. Weil uns nicht viel Zeit bleibt, ist es recht hektisch und Jean kommt wieder einmal nicht dazu sich etwas auszuruhen.
Heute während des Mittag- Essens habe ich Palmwein probiert, schmeckt wie Essig! (Wie Wein, welcher nicht mehr gut ist; durchgefallen) Jean hat die Kinder im Wald wilde Beeren suchen lassen, Schwester Jeanne hat sie zum Dessert unter die Ananas und Papayas gemischt mhhh!
Ich erzählte Jean, dass ich einen Konverter nach Yanga nahm, leider sei aber die Batterie zu schwach. Er meinte ich solle ihn an der grossen Camionbatterie anhängen, welche wir fürs Phonie benützen und es funktionierte. So habe ich heute meinen Laptop zum ersten Mal mit Gratis- Sonnenenergie geladen, so cool. Jean hatte ausserdem die gute Idee; wenn wir drei Batterien mit zuwenig Säure haben, können wir daraus eine oder zwei machen, welche noch funktionieren. Papa Chamboyi wird also für mich morgen eine hoffentlich gute Batterie zusammenbauen, wäre super ökologisch!
Letzte Nacht starb ein Onkel von Jean Nyeme, deshalb wurde erst eine halbe Stunde später als normal zur Arbeit geläutet. Wenn hier jemand stirbt, gibt es auch eine Zeremonie. Diese unterscheidet sich aber stark von der Unserigen. Ein oder mehrere Tage wird der Tote betrauert. Einige Männer und Frauen, manchmal mit Palmblätter geschmückt rennen dann mit Indianergeschrei um den Sarg zu holen und tragen in zur Kirche. Dort findet die Abschiedszeremonie statt, danach die Beerdigung.
Samstag 31. Dezember 2005; 12.00 Uhr
Gestern ging ich wieder einmal Fussball spielen, Esonga, Louise und Henriette haben bereits etwas weniger Angst und spielten mit mir und den Jungs mit. Jean und Emile kamen zuschauen.
Ich finde, wir kamen schon richtig weit mit planen. Erstens planen Jean, die Direktion und ich die Versammlung mit den Dorfchefs für den 4. Januar 2005, zweitens die Prioritäten der Arbeiten fürs Jahr 2006 in Yanga selber. Emile Onema überprüft das ganze Medikamentenwesen um die Rentabilität zu überprüfen und um dem Krankenpfleger eine korrekte Buchhaltung bei zu bringen. Anhand von den Resultaten werde ich dann den Medikamenten- Nachschub organisieren…
Aus den Gesprächen mit Jean haben sich bereits neue Projekte ergeben, welchen ich mich annehmen werden darf. Zum Beispiel einen Entwurf zeichnen für das Spital, welches zwischen der Maternité und dem momentanen Behandlungsgebäude entstehen soll oder der Wiederaufbau des Spiel- und Sportzentrums, welches ich sehr wichtig finde.
17.50 Uhr
Der letzte Tag des Jahres 2005 endet hier im Kongo mit viel Regen. Weil es deshalb total bewölkt ist, bricht bereits die Nacht herein. Heute habe ich um 14.00 Uhr (bzw. 13.00 Uhr in der Schweiz) mit fast allen von meiner Familie übers Satellitentelefon geplaudert. Ich genoss dies natürlich…
Ja und nun bin ich bereit für das neue Jahr, es kann kommen!
Prosit Neujahr!
23.00 Uhr
Na ja irgendwie läuft es nicht ganz so wie ich es mir vorgestellt habe, Jean, Emile und Schwester Jeane waren so müde, sie sind schon ins Bett gegangen. Man hat hier nicht die Gewohnheit bis Mitternacht wach zu bleiben… Sitze nun mit meinem Doppelmunich alleine am Tisch, die Mücken fressen mich und ich denke an all die Schweizer bei denen jetzt (22.00 Uhr) die Party erst in der Aufwärmphase ist…
Jean hatte die Idee ich solle doch den Film zeigen welchen ich mitnahm, wir schauten also „Ice Age“. Leider verstand man nichts weil die integrierten Lautsprecher viel zu leise sind und ich keine Externen mitnahm. Vor dem Kino assen wir und nachher zündeten wir je so ein Flackerstäbchen an; solche, welche wir in der Schweiz manchmal am Weihnachtsbaum anzünden. Jean nahm sie von Christoph und Deborahs Hochzeit mit nach Yanga…
So geht also das so schnell alt gewordene Jahr zu Ende, Tschüss 2005!
Sonntag 1. Januar 2006; 9.30 Uhr
Ich sitze mit meinen zwei Mädchen in der Kirche. Esonga links und Louise rechts von mir. Es ist wieder einmal noch kein Mensch in der Kirche obwohl man die Leute informiert hat, dass heute eine Messe stattfinden wird und zwar mit Abbé Jean Nyeme Tese zusammen mit Abbé Albert Ngenge. Gleichzeitig ist dies hier das „Bonne année“ Fest, das ganze sollte eigentlich um 9.00 Uhr beginnen. Das Jahr fängt ja gut an; erstens hatte ich zuwenig geschlafen, weil ich vom Bier gestern Abend bereits um 7.00 Uhr auf die Toilette musste. Ich wollte also schnell aufs W.C. um dann weiterzuschlafen. Leider war das Badezimmer bereits von Emile besetzt. Bis er mit duschen fertig war, war ich natürlich hellwach und konnte nicht mehr schlafen. Nun sitzen wir in der Kirche und warten und warten. Draussen trommelt ein Mann und besingt das neue Jahr.
Montag 2. Januar 2006; 16.45 Uhr
Die Messe dauerte gestern bestimmt drei Stunden, Jean gab mir eine Art Bibel wo ich auf Französisch lesen konnte was sie auf Otetela predigten.
Heute bin ich wieder einmal relativ spontan in Tshumbe. Jean Nyeme, Emile Onema und ich kamen am Morgen um 10.45 Uhr an und benötigten knappe zwei Stunden. Das Ziel ist es auch heute wieder zurück zu reisen, trotzdem nahm ich vorsichtshalber frische Unterwäsche und Zahnbürste mit. Ohne Zwischenhalt bei Jeans Haus in Tshumbe besuchten wir zuerst die Uni. Die Studenten, das heisst vor allem die Studentinnen schrieen bereits meinen Namen, wir hatten das Gebäude noch gar nicht betreten. Jean versprach den Studenten/innen Schultische und alle jubelten. Das ist ja schön und gut aber ich mag keine Versprechen, welche vielleicht gar nicht eingehalten werden können. Na ja, Jean fragte ob sie denn bereits Sport treiben. Auch die Mädchen? Dann durfte ich erzählen, dass ich in Yanga mit den Jungs und auch mit einigen Mädchen Fussball spiele. Ich diene nun als Vorbild *grins*. Sport befreit, ich finde es gut, dass sich Jean so sehr dafür einsetzt, dass Sport getrieben wird. Nach dem Uni- Besuch hielten wir bei einer ordinären Lehmhütte. Dort wohnte eine von Jeans Tanten, welche wir kurz besuchten. Ich diente als Fotografin. Dann wollten wir die „briques“ Steine schauen gehen, welche man in Tshumbe nun auch produzieren würde. Es nervte selbst Jean, dass wieder einmal niemand die Initiative ergriff. Kein einziger Stein wurde bis heute gebrannt.
Um 12.00 Uhr kamen wir bei Luise im Haus von Jean an und weil es erst um 13.00 Uhr Mittagessen geben soll, entschied Jean, dass wir vorher noch schnell zu dem „eveché“ gehen um zu fragen ob nach dem Mittag die Möglichkeit bestünde online zu gehen. Während Chauffeur Wembushi und die zwei Hilfs- Chauffeure wieder einmal übten unseren Jeep anzustossen, hörten wir plötzlich ein lautes Geschrei und Gekreische. Eine Menschenmenge rannte unsere Strasse entlang und ich dachte man verfolge irgendein wildes Tier und alle hätten panische Angst…
Nein, wir wurden Zeugen eines traurigen Aktes; einige Männer schlugen mit grossem Knebeln auf einen Mann ein, welcher bereits am Boden lag. Jean ging zum Glück sofort dazwischen, die Schläger flüchteten und der Mann blutete aus Nase und Mund. Er konnte nicht mehr aufstehen und kroch an den Strassenrand. Inzwischen hatte Wembushi und Co. Unseren Wagen angestossen, eine Frau wusch dem Verletzten das Gesicht mit kaltem Wasser und wir fuhren anstatt zu den Abbés zuerst mit dem Mann ins Spital. Es wurden gleichzeitig noch zwei Freunde von unserem Verletzten eingeliefert. Das traurige ist, weshalb sie die Prügelei begannen. Ein Teil einer Familie wollte einen Verstorbenen ihrer Familie in sein Ursprungsdorf holen um ihn zu beerdigen. Weil er jedoch gar nie in diesem Dorf wohnte, weigerten sich die Angehörigen in Tshumbe. So fing der Streit an und artete dermassen aus. Blutvergiessen wegen eines Toten, c`est vraiment triste!! Bei den „paroisse“ angekommen, trafen wir gleich Abbé Pierre und er war wie letztes Mal so lieb und versprach für mich den Generator zu starten sobald ich zurückkommen und Zeit haben würde. Um 13.30 Uhr assen wir, danach ging ich mit Emile Onema E- Mails senden und empfangen. Ich schrieb einen Eintrag ins Gästebuch von der Kallnacher Eichenfuer 2006 – Homepage. Bin gespannt ob und welche Reaktionen ich darauf bekommen werde.
Dienstag 3. Januar 2006; 14.00 Uhr
Gut nahm ich das Allerwichtigste mit, wir übernachteten nämlich in Tshumbe. Gestern Abend als Jean mit allen Leuten fertig war, welche mit ihren Problemen zu ihm kamen, besuchten uns sämtliche Abbés, Freunde von Jean und wir tranken Whiskey und sprachen hauptsächlich über die sinnlose Prügelei und wie in Zukunft solche Vorgänge vermieden werden könnten. Abbé Lowa hatte gar nicht die gleichen Ideen wie Jean aber alle nahmen die Diskussion trotz dem ernsthaften Thema mit Humor. Heute Morgen musste ich bereits um 5.30 Uhr aufstehen, um 6.00 Uhr ging’s los Richtung Yanga. Einerseits war ich = Morgenmuffel sauer so früh aufzustehen anderseits war ich froh, weil ich die halbe Nacht fror – es hatte nur ein Leintuch und ich nahm keinen Pullover mit. Gott sei dank, auch die Rückreise verlief problemlos. Wir frühstückten zirka um 9.00 Uhr, etwas später besichtigten wir die Kühe und die verschiedenen Felder per Jeep. Wow bei uns zahlt man ein Vermögen für eine Rallye und ich fuhr hier gratis quer durch die Prärie, rundherum hohes Gras und Bäume, es war kein Weg zu sehen.
Mittwoch 4. Januar 2006; 10.00 Uhr
Mit „nur“ zirka 1 ½ Stunden Verspätung begannen wir die Versammlung mit den Dorfchefs, den Ingenieur- Agronomen Michel und Gilbert, Sektorverantwortlichen, Direktion COYA, Emile und Jean Nyeme. Es regnet in Strömen und wegen dem Regen welcher auf die Wellbleche rasselt muss laut gesprochen werden damit auch die ältesten Dorfchefs etwas verstehen. Wir machten zuerst einen Kreis, gaben uns die Hände und beteten. Nach den Begrüssungsworten sprach Jean, dass bei der letzten Sitzung während dem Jubiläumsfest viel analisiert wurde, nun wollen wir möglichst viel umsetzen. Momentan sind die zwei Agronomen am Zug, das heisst Gilbert, weil Michel zwar Otetela versteht, habe ihn aber noch kein Wort sprechen hören. Gilbert schreibt an die Tafel was alles angepflanzt wird oder angepflanzt werden könnte hier im Kongo. Nun werden diskutiert welche Probleme im Wege stehen um viele und ertragreiche Felder zu erstellen, Analyse „Wieso entstehen Probleme“ und Lösungen damit die Probleme gar nicht erst entstehen. Die wichtigsten Regeln sind; Einhalten der Trocknungszeiten des geschnittenen Krautes und Bäumen, damit alles gut verbrennt, das heisst im Februar muss mit dem Bestellen der Felder begonnen werden um im Juni die Felder abzubrennen, dann anpflanzen, Felder nur drei Mal benützen dann 3 Jahre wuchern lassen um wieder alles abzubrennen…
Um ins Detail zu gehen ist die Zeit zu knapp… die Agronomen werden jedes Dorf einzeln und regelmässig besuchen gehen um die Felder zu überwachen und Vorgehensweisen zu erklären. Schliesslich hat jedes Dorf mit anderen Problemen zu kämpfen; zum Beispiel „Wie bestelle ich die Felder, wenn kein Wald vorhanden ist?“
Donnerstag 5. Januar 2006; 00.20 Uhr
Vor- vorgestern bis gestern um zirka 17.00 Uhr war ich einer der unglücklichsten Menschen auf Erden, weil mir die „petit groupe“ der kleine Generator Adapter für Laptop, Satellitentelefon und Fotoapparat sowie den Drucker verbrannte. Seit gestern also eigentlich heute, weil ich ja noch nicht geschlafen habe, bin ich zum Glück wieder mehr als glücklich… Abbé Leopold sei dank! Er ist mein Held des Kongos! Leo hat alles in Gang gesetzt und es geschafft den Adapter vom Satellitentelefon – welchen es mir ja schon vor langer Zeit verbrannte – dem Pilote Jacques heute morgen mit zu geben, welcher bereits heute und nicht wie geplant morgen Jean und Emile abholen kam. Man war ich froh, der Adapter funktioniert, PC und Telefon kann ich zumindest wieder laden. Nie mehr werde ich diesen Scheiss- (Sorry) Generator laufen lassen.
Der Pilot Jacques überreichte mir nebst dem so wichtigen Adapter ein 5.5kg schweres Päckli. Ich feierte also heute/gestern am 4. Januar 06 Weihnachten. Dass ich von Nadia und Familie ein Päckli bekommen sollte, wusste ich aber es kam überraschend noch ein zweites zum Vorschein von Sändle und
Dies ist aber nicht das einzig positive, ich spielte am Abend mit dem Ingenieur Agronomen Gilbert Volleyball. Danach duschte ich und überass mich mit Pudding, weil wir ja für Jean und Emile auch zubereiteten. Später kamen die Agronomen Gilbert und Michel auf Bestellung zu mir. Es ist cool, Jean will mit einer Kaninchenzucht beginnen und Gilbert zeigte mir wie ein Stall nur aus Bambus und einigen Nägeln und kleinen Baumästen hergestellt werden kann. Jean will mir noch im Januar Kaninchen mitbringen, ok was will Jean nicht alles noch im Januar?! Ist nicht böse gemeint aber es lässt sich immer leicht viel sagen. Ich sprach mit den zwei Ingenieuren über die Probleme im Kongo, über unsere Projekte… es war interessant, deshalb muss ich es so spät am Abend noch festhalten. Zum Glück konnte ich die Beiden davon abhalten heute Morgen früh zurück nach Tshumbe zu reisen um vielleicht noch mit Jean Nyeme zu sprechen. Ich sagte ihnen, sie sollen bleiben, jetzt wo alle Chefs auf Platz sind, muss ihnen alles Wichtige erklärt werden um endlich mit dem „Projet agricole 2006“ zu beginnen!
Sie werden also morgen die Sitzung mit den Chefs ohne Jean fortsetzen und das ist gut so…
Donnerstag 5. Januar 2006; 18.00 Uhr
Ich bin soooo müde, die letzten Nächte habe ich mindestens durchschnittlich 2 Stunden zuwenig geschlafen. Ausserdem habe ich seit wir aus Tshumbe zurück sind Rückenschmerzen. Am 3. Januar nur am Abend gestern bereits am Nachmittag und heute seit ich aus dem Bett kroch. Der Schmerz ist zwischen Kreuz und Schulterblätter, es fühlt sich an wie ein Krampf, welcher sich nicht mehr löst. Nur wenn ich eine Weile still liege, verschwindet der Schmerz. Ich hoffe das geht bald vorbei, weiss nämlich nicht mehr wie ich vor dem Laptop sitzen soll, weil es in jeder Lage unangenehm ist…
Ich stand heute wie an einem normalen Arbeitstag auf und stand um 7.00 Uhr parat. Die Agronomen kamen sogleich bei mir vorbei und wir ergänzten einige vergessen gegangene Punkte bei meinen Notizen von unserer kleinen Sitzung gestern bis spät in die Nacht. Am morgen verweilten einige Dorfchefs stundenlang in einer Sitzung mit Daniel Soko- irgendwas und um 11.00 Uhr konnte Gilbert endlich mit der Sitzung fürs Landwirtschaftsprojekt beginnen. Er erklärte alles wie wir es gestern Abend besprochen hatten um so schnell wie möglich mit der Umsetzung zu beginnen. Vier Stunden Sitzung – Gilbert machte es wirklich gut, zum Glück waren nur 12 Gemeinschaften interessiert nun anzufangen. So mussten wir niemanden vor den Kopf stossen, weil 6 Gemeinschaften pro Ingenieur gerade noch zumutbar sind. Wir erstellten auf der Wandtafel einen Plan, welches Dorf wie viele Hektaren von welcher Kultur anpflanzen wird – so weiss ich wie viel Samen fürs Mais und Reis bei Jean bestellen muss. Danach skizzierte Gilbert ein Diagramm, wann welche arbeiten zu verrichten sein werden. Jean will mit allem gleich heute anstatt morgen gleichzeitig anfangen. Leider steckt viel Planung und Organisation dahinter wo gleichzeitig wichtigste Mittel wie Transportmöglichkeiten und Handwerkzeuge fehlen. Die Idee, dass ich hier eine Kaninchenzucht aufbauen werde, finde ich super interessant. Heute kam noch der „verlorene“ neue Krankenpfleger zu mir… Jean hatte wegen seinem für alle spontanen Abflug keine Sekunde Zeit für ihn! Er ist der Sohn von Otepa. Ich werde mir morgen Zeit für ihn nehmen…
Sonntag 8. Januar 2006; 14.50 Uhr
Es ist ein unheimlich ruhiger Sonntag, Mama Helene ist krank, deshalb stürmt niemand um mich herum, das Haus ist leer und abgesehen vom Dorfchef Jacques und vom neuen Krankenpfleger hat mich noch niemand gestört (genervt). Ich habe bis fast 9.00 Uhr ausgeschlafen obwohl ich gestern vor 22.00 Uhr ins Bett ging. Seit der Rückkehr nach Yanga mit dem Jeep leide ich unter Rückenschmerzen, mal mehr, mal weniger. Es kommt hinzu, dass ich viel sitze zum schreiben, das wirkt sich sehr schlecht auf die Rückenschmerzen aus. Wenn ich mich bewege zum Beispiel beim Fussballspielen verschwinden die Schmerzen nämlich oder auch die Nacht durch bin ich schmerzfrei. Es fühlt sich an als wäre ich total verspannt, hoffe dass es bald mal vorübergeht.
Ich bin bereits nervös, weil ich ja in weniger als einem Monat in die Ferien fahren bzw. fliegen werde und ich noch nicht weiss wie ich nach Kinshasa kommen werde (Helikopter, Flugzeug oder mühsamer Landweg)… Vorher gibt es aber noch viel zu tun. Nächste Woche habe ich geplant am Dienstag, spätestens am Mittwoch mit Dachlatten, Balken, Bretter für Türen, Schultischen für die Studenten und mit dem neuen Fenster fürs Badezimmer in Jeans Haus, nach Tshumbe zu fahren. Weil ich und Jean Takoy dann einige Tage abwesend sein werden, habe ich heute Morgen angefangen die Arbeiten für die anderen Sektoren während dieser Abwesenheit zu planen. Es ist sowieso keine gute Voraussetzung, wenn Jean und ich beide abwesend sind, der Respekt vor Papa Philippe und Papa Dominique ist einfach zu klein, das heisst die Arbeiter machen was sie wollen und das ist meistens nichts. Im Moment ist es sowieso schlimm, die Ferien waren nicht gut für die Arbeiter, alle haben sich versteckt und tagelang Alkohol getrunken, selbst Papa Jean Takoy ist seit der Abreise von Jean Nyeme völlig unfähig geworden. Das wird wieder Nerven brauchen morgen mit dieser faulen Bande ins Alltags- Arbeitsleben über zu gehen!!
Jean hat mir übrigens erzählt, dass es möglich ist mit der ordinären Post Briefe oder Pakete nach Kinshasa zu versenden. Die Eltern von Manuela haben es ausprobiert, alles kam heil in Kinshasa an und Jean brachte es ihnen nach Kananga. Jeans Adresse, gleichzeitig auch meine Adresse während meiner Kongozeit in Kinshasa lautet:
Abbé Nyeme Tese
En faveur de Sabine Mori
Rue Beya Mpumbu 56
Cité Salongo Bim-Sum
Kinshasa / Lemba
Rép. Dém. De Congo
(ebenfalls diese Telefonnummern auf die Briefe oder Pakete schreiben)
Tél: 0999917412 / 0815183534
Was mein Garten betrifft; viel zu spät kam der Moment als Agronom Gilbert mich über Düngungsmöglichkeiten informierte, welche ich hier zur Verfügung habe. Es gibt eine Pflanze, welche den Boden nährt, wie es bei uns in der Schweiz auch Pflanzen gibt, welche als Dünger unter die Erde gepflügt werden. Es ist ein bisschen zu spät, ich verschwende auch nicht mehr viel Zeit mit der Gartenarbeit, weil die Aussicht auf eine Ernte bis im Mai ziemlich aussichtslos ist. Ich geniesse die einzigen Pflanzen die Ertrag geben; Tomaten und Bohnen und auf das restliche Gemüse freue ich mich, wenn ich wieder in die Schweiz zurückkehren werde…
Montag 9. Januar 2006; 19.00 Uhr
Eigentlich habe ich ja jetzt gerade keine Zeit zum schreiben, weil ich noch den 4-seitigen Rapport der Sitzungen mit den Chefs schreiben muss oder will um Jean und den Leuten vom Unterstützungsverein zu senden… wenn ich es jetzt nicht mache müssen sie sich noch einige Tage gedulden weil:
Morgen geht es ab nach Tshumbe mit dem Camion, Tische bringen Dach fürs „Home“ der Studentinnen montieren, Türen fabrizieren und das Fenster im Badezimmer von Jeans Haus montieren. Es sieht so aus als wäre alles parat… heute Morgen und bis vor kurzem hielt ich es noch nicht für möglich, dass mir die Leute „folgen“ und so lange arbeiten bis das Camion beladen ist.
Die meisten Arbeiter hatten ja gute zwei Wochen Ferien; ich habe ja schon erwartet, dass die Meisten heute noch etwas träge sein werden aber dass heute Morgen gerade mal die Hälfte meiner lieben Arbeiter zur Arbeit erschienen, finde ich recht krass!??
Das Wochenprogramm wurde also bereits heute über den Haufen geworfen und meine Interpretierungskünste waren gefragt. Schnell musste ich entscheiden wie wer was. Weil wir für die Maniokernte noch keine schlauen Lösungen fanden, strich ich diese aus dem Programm und setzte die Leute ein alles für die morgige Reise vor zu bereiten, es waren natürlich wieder die Leute der Sägerei/Schreinerei welche am meisten „chrampfen“ mussten. Es brauchte meinerseits recht viel Energie alles zu organisieren, es ist unglaublich wie sich alle dumm stellen oder wirklich schwer von Begriff sind! Na ja es war hart für mich heute weil ich nicht wirklich fit bin, habe seit gestern Abend schrecklichen Durchfall. Zum Glück kein Fieber, ansonsten hätte man die ganze Wochenplanung um eine Woche verschieben können. So schwach ich mich auch fühlte, am Nachmittag schreinerte ich mit den lieben Berufskollegen das Badezimmerfenster für Jeans Haus in Tshumbe. Ich machte es selber, weil die Zeit alles zu erklären und eh zuschauen zu müssen (Weil sie es ansonsten drei Mal verkehrt gemacht hätten, ist böse aber leider war) hätte länger gedauert und noch mehr Kraft gebraucht. Es ist kein Wunderwerk geworden aber es erfüllt den Zweck und man muss bedenken, dass bis aufs grobe Zuschneiden alles Handarbeit war. Ich sägte wieder einmal seit langem von Hand, leider hatte ich keine Zeit es zu geniessen…
Die zuverlässigsten Leute beluden also just bis vor dem Eindunkeln das Camion obwohl es regnete, dies zeigte mir wie die Leute mich ernst nehmen und machte den Frust von heute Morgen wieder wett!
Dienstag 10. Januar 2006; 16.00 Uhr
Ich bin in Tshumbe, es läuft alles andere als gut. Gestern gaben mir die Leute vom Phonie völlig falsche Angaben; zum Beispiel sollten wir Wellbleche fürs Home der Studenten plus für ein Dach eines anderen Hauses der Grösse 9 x 6m mitnehmen, stattdessen sagte mir Papa Philippe es brauche 28 „tôles“. Zum Glück glaubte ich ihm dies nicht und liess 40 Stück aufladen. Ich weiss nicht wie man auf so eine Zahl oder Idee kommen kann?! Das Dammgerät für die Piste haben wir nicht mitgenommen - „es sei nicht so dringend“ Jean Nyeme hat es aber extra gestern noch per Phonie nach Tshumbe bestellt. Auch heute Morgen war es kaum zum glauben, ich stand um 6.00 Uhr auf damit wir um 7.00 Uhr losfahren können… super, hätte gut noch fast drei Stunden im Bett bleiben können. Die guten Leute haben das Camion beladen, das wichtigste, die Tische für die Universität haben sie nicht aufgeladen. Um 7.00 Uhr mussten sie also das Salz, welches sie am morgen früh bereits luden wieder abladen und die Tische aufladen. Um 8.45 Uhr fuhren wir los und genau 4h später kamen wir in Tshumbe an. Dies sei eine gute Zeit, wenn man bedenkt diese Strecke mit unserem uralten windschutzscheibenlosen Camion zurückgelegt gehabt zu haben (64km in 4h!). Die Strecke war natürlich mühsam… wie lange braucht man in der Schweiz für diese Strecke?
Auf den ersten paar Kilometern hatte ich kein Vertrauen zu diesem Camion und deshalb schreckliche Angst bei den ersten Löchern, steilen Ansteigungen oder Gefällen… es passierte zum Glück nichts und nun habe ich auch das Vertrauen ein wenig gewonnen in das unheimlich kräftige Mercedes- Camion!
Am schlimmsten fand ich, dass ich heute Morgen Papa Onokoko mit Hilfe meiner Liste fragte ob wir dies, dies und das aufgeladen haben und er sagte „Oui, oui, oui“, als wir abluden fehlten alle Balken… wieso sagt der Bursche ja und wieso studiert keiner, wieso ist allen alles scheissegal?
Das Badzimmerfenster für welches ich beim letzten Tshumbe- Besuch zusammen mit Emile Onema mit Hilfe einer Liane die Masse nahm (keiner hatte einen Meter) ist auch zu klein geraten. Ich habe wohl versehentlich die Dicke der Mauer bei der Höhe des Fensters abgezogen.
22.30 Uhr
Der Besuch von Schwester Jacqui, 35 Jahre alt vom Lubefu (kugelrund und stolz darauf) hielt mich heute Nachmittag davon ab weiter zu schreiben. Sie war beim 30 Jahre Jubiläum der COYA wie so viele andere im Service und habe mir schon einige Grüsse ausgerichtet, welche glaub nie bei mir ankamen oder ich habe es vergessen. Ist ja nicht so tragisch. Als Jacqui, welche hier in Tshumbe irgendwie glaub Ferien verbringt, sich verabschiedete kam gerade Ingenieur Michel an. Ich sagte ihm, dass die Leute aus der Schweiz mit unserem Programm einverstanden sind und er nächsten Freitag die erste Tour starten soll. Aimé kam wie gerufen, wollte ihm sagen Michel die 100$ zu geben um die Ersatzteile für sein (bzw. fürs Motorrad der COYA) zu kaufen. Aimé sagte das gleiche Ersatzteil, welches auch bei seinem Motorrad kaputt sei finde man in Tshumbe nicht und er habe es bereits mit Jean Nyeme bei Papa Gorge in Kananga bestellt. „Mist“ dachte ich „dann kann unser Programm bereits im ersten Monat nicht eingehalten werden“. Nachdem wie ja bereits der heutige Tag verlief, erstaunte mich nichts mehr. Aimé hatte dann aber die gute Idee das intakte Motorrad aus Yanga nach Tshumbe zu transportieren. So sollte der ersten Tour im Januar nichts mehr im Wege stehen, juhuii!
Das Programm für mich und die Arbeiter aus Yanga sieht nun folgendermassen aus: Morgen werden die Arbeiten für die Uni in Tshumbe soweit fertig gemacht und Donnerstagmorgen geht’s zurück nach Yanga. Donnerstag Nachmittag müssen die restlichen Tische gemacht und Holz für die Türen und Fenster gesägt werden damit Freitags alles auch das Dammgerät und das Motorrad nach Tshumbe genommen werden können. Sie werden jedoch „nur“ mit Papa Jean reisen; Erstens finde ich es nicht nötig mitzugehen, weil Papa Jean ja jetzt über die Arbeiten Bescheid weiss und zweitens bin ich nicht bereit so kurz aufeinander diese doch für mich sehr mühsame Reise nochmals auf mich zu nehmen.
Als ich heute mit Michel sprach, kamen die zwei Töchter von Dominique und Angelique Louise und Henriette zu mir, nachdem das Gespräch mit Michel vorüber war fand ich einige Minuten Zeit einige Worte mit den Mädchen zu wechseln bevor ich mit den beiden Louisen Abbé Lowa besuchen ging. Danke Louise Ambokawa, das war eine Superidee, wir unterhielten uns stundenlang wunderprächtig bis fast 22.00 Uhr. Dann brachte uns Abbé Lowa mit dem Jeep nach Hause obwohl er mit mir fast eine Flasche Rotwein alleine tranken. Ich wurde meinen Frust los und wir sprachen vor allem über die Schweiz und den Kongo; was haben wir dort was wir hier nicht haben und umgekehrt…
Er war einverstanden, dass „meine“ Leute die Fahrpiste erst am Freitag walzen kommen. Die Schreiner sind soweit, dass sie morgen bereits die Wellbleche annageln können. Safricas wird morgen den Rest des Fenster rausspitzen kommen.
Donnerstag 12. Januar 2006; 8.10 Uhr
Etwa 20 Kinder glotzen mich an, ich sitze vor Jeans Haus in Tshumbe. Eigentlich wollte ich schon lange los zurück nach Yanga fahren… Etwas war kaputt am Camion und nun fehlt öl, alle gingen auf den Markt oder sind noch bei ihren Familien, ausser Papa Jean und zu meinem Erstaunen Safricas ist noch keiner parat für die Reise! Das wird mir noch ein Theater geben, weil heute noch alle Tische, Tür – und Fensterrahmen gemacht werden müssen. Morgen wird Papa Jean mit den Holzigen zurück nach Tshumbe reisen müssen um alle Arbeiten für die Uni zu beenden die Piste zu walzen, Schwester Jacqui und Abbé Lowa die versprochenen Brillen geben usw.
Ich bin recht genervt, gut fahre ich bald in die Ferien… zwei Wochen Strand und Safari! Sun, Fun and nothing to do!! Mit meinen lieben Freunden aus der Schweiz, juhuii!!
Samstag 14. Januar 2006; 14.10 Uhr
Heute ist der Geburtstag von Renato Beer – Happy Birthday!
Ich glaube auch langsam an Geister oder besser gesagt an einen Schutzengel, unsere Reise nach Tshumbe verlief gut und zurück noch besser (in nur 3 ½ Stunden). Die Armen gestern blieben mit dem Camion während zwei Stunden in einem Loch stecken und erreichten Tshumbe erst als es bereits finster war, brauchten also zirka 6h!!
So mühsam diese Woche auch war, heute nach dem Mittag habe ich mit Mama Helene, Papa Dominique und Papa Philippe das Programm für nächste Woche geschrieben und wir haben sämtliche Probleme besprochen. Dabei mussten wir am Schluss wirklich lachen, weil wir total vom Thema abwichen und plötzlich von Familienproblemen und anderen Geschichten sprachen. Doch sind einige wichtige Sachen geklärt, welche einigen und auch mir schwer auf dem Herzen lagen; Wongudi Dominique Fils ist für immer suspendiert und muss die Yanga- COYA verlassen, weil er letzte Woche ins Depot eindrang und leere Manioksäcke, ein leeres Fass und vielleicht noch andere Sachen stahl. Sein Komplize war wahrscheinlich Yoohe Alphonse, auch er bleibt suspendiert bis er seine Unschuld beweisen kann… oder so. Papa Dominique war während meiner Zeit in Tshumbe bis gestern nie nüchtern. Ich habe ihm noch mal gesagt, dass dies nun ein Ende nehmen muss, ansonsten werde ich auch ihn mindestens für einen Monat suspendieren. Auch das Theater, dass immer die Fehler auf andere abgeschoben werden, will ich nicht mehr haben. Nun haben Papa Philippe und auch die anderen der Direktion hoffentlich begriffen, dass wenn einer von ihnen nicht fähig ist oder Fehler macht, man ihn nicht auslacht und bei den anderen die Story noch schlimmer erzählt, Nein! Als Führungsteam muss man halt auch mal in den sauren Apfel beissen und die Aufgabe des anderen zusätzlich erledigen um die Arbeiten nicht zu blockieren und um jene die gut arbeiten nicht zu bestrafen. Ich spreche ja bereits ein bisschen für die Zeit welche ich bald in den Ferien sein werde, habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie in dieser Zeit einigermassen anständig weiterarbeiten werden.
Was ich wirklich witzig finde ist, dass Papa Philippe mir vorschlug endlich einmal mit Papa Dominique und Mama Angelique zu reden. Bei uns nennt man so was Eheberatung! Papa Dominique, nein alle legen einen unheimlichen Wert auf meine Meinung, dass sie auch mit den allerpersönlichsten Problemen zu mir kommen. Das Ehepaar, die Eltern von Henriette, Louise, Faveur und weiteren Kindern, wird also morgen Abend zu mir kommen… bin ja mal gespannt; Von ihm geht das Gerücht herum, er habe Asamawo Mathilde als Geliebte und über Mama Angelique, sie schlage Papa Dominique. Ich denke ihnen schon nur zu helfen weil mal über alles geredet werden wird…
Wie schon geschrieben, kamen diese Woche viele unentschuldigt nicht zur Arbeit. 8 Arbeiter sind nun wie mehrmals vorangekündigt für den Rest des Januars gespickt. Wenn sie den Lohn nicht nötig haben, sollen sie zuhause bleiben. Ab 1. Februar kriegen sie nochmals eine Chance, wenn sie von da an keine unentschuldigten Absenzen mehr machen werden.
Mit vielen Arbeiten vor allem mit dem Bau des Hauses für die Kaninchen kamen wir kaum vorwärts, weil Soviele abwesend waren. Zum Glück habe ich Safricas aus Tshumbe mitgenommen, er ist gerade richtig ehrgeizig und hat heute bereits mit den Mauern für den Wiederaufbau der Reismühle begonnen!! Allgemein war ich heute mit „meinen Arbeitern“ zufrieden und habe ihnen das nach dem Appell am Mittag auch gesagt. Mal schauen was die nächste Woche so bringt…
Sonntag 17. Januar 2006; 20.50 Uhr
Meine erste Stunde „Eheberatung mit Mama Sabina“ ist vorbei. Ich habe mich ja recht geweigert mich in fremde Angelegenheiten einzumischen aber selbst Aussenstehende kamen zu mir und sagten ich solle Papa Dominique und Mama Angelique reden. Es ist wie ich gedacht hatte nur kamen noch einige Details zum Vorschein, welche die Situation erschweren. Ich wusste zum Beispiel nicht, dass Papa Dominique während elf Jahren auswärts wohnte und erst seit drei Jahren wieder mit seiner Frau zusammenlebt. Kein Wunder sind die Kinder skeptisch und Mama Angelique hat Angst, dass ihr Mann sie nochmals verlässt und sie damit nochmals verletzen wird. Durch die riesige Eifersucht, können die beiden aber nicht mehr normal miteinander umgehen, Mama Angelique sieht hinter jeder Ecke eine andere Frau und schlägt nach Aussage von Mama Helene Papa Dominique manchmal… hi, hi dieses Detail finde ich ja mal ganz was Spezielles!! Na ja ich sagte ihnen eigentlich nur einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen und hier, heute und jetzt zu leben. Papa Dominique sagte ich er solle so viel wie es nur geht in die Studien seiner Kinder investieren so merken sie, dass sie ihrem Papa doch noch wichtig sind… mal schauen was es nützt. Die beiden haben ziemlich genau das Alter meiner Eltern und es ist schon erstaunlich wie sie mir Vertrauen schenken.
Heute habe ich den ganzen Tag seit langem praktisch gearbeitet. Es ist Tatsache, dass wenn ich kurzfristig Resultate sehen will, muss ich hinter den Arbeitern stehen oder noch besser mitarbeiten. Das heisst, ich arbeite und muss gleichzeitig allen anderen dauernd Anweisungen geben was noch zu tun ist oder ihnen ein Werkzeug in die Finger drücken, sonst schauen sie lieber nur zu, was ja viel einfacher ist. So haben „wir“ endlich die Dachrinne mit Holz verstärkt, dass es „mein Fass“ fürs Duschwasser bei Regen schneller auffüllt. Die erste Konstruktion nur mit Blech war so instabil, dass sie beim ersten Windstoss versagte… es kam natürlich niemanden in den Sinn während der langen Zeit die Konstruktion zu ändern. Ausserdem installierten „wir“ zwei Solarpaneels zusätzlich auf der Direktion. Diese speisen nun eine grosse Lastwagenbatterie mit welcher ich durch den Konverter Laptop und andere Geräte, sobald sie geflickt sind, laden kann. Seit ich den kleinen Generator nicht mehr benutze, lebe ich zwar total ökologisch und bin auch stolz darauf, jedoch sind meine Arbeitsstunden nun begrenzt und sehr wetterabhängig. Wenn es Regnet mag es kaum den ganzen Akku des Laptops laden, mal schauen ob es mit den zwei neuen Paneels effizienter gehen wird. Mit dem ersten Paneel lasse ich unabhängig die kleine „trockene Batterie“ laden, damit ich abends wieder lange Licht haben werde.
Man, ich leide bereits drei Wochen unter Rückenschmerzen, welche immer nachmittags beginnen und sich wie ein Krampf anfühlen, der sich nicht löst. Ich frage mich ernsthaft was dass soll.
Das Verkehrte, von mir aus zumindest gesehen, ist, dass ich wie z.B. heute während des Fussballspielens schmerzfrei war und sobald ich wieder still stehe oder sitze, kommen die Schmerzen sofort zurück. Solange die Rückenschmerzen die Nacht durch verschwinden ist es noch einigermassen zum aushalten…
Was ansonsten die Arbeit betrifft, hoffe ich, dass die Holzigen bald die Uni- Arbeiten in Tshumbe abschliessen und zurück nach Yanga kommen werden. Safricas hat heute anständig weitergemauert… wobei sich Shungu Cosmas am liebsten zweiteilen können sollte. Sobald jemand fähig ist, sollte er überall gleichzeitig sein. Ich habe Shungu Cosmas Safricas zugeteilt, weil mir die Hilfsmaurer dauernd die Arbeit verweigerten und jammern kamen. Mit Shungu Cosmas bin ich sicher, dass die Arbeiten vorwärts gehen, auch wenn die Hilfs- „Jammeris“ zuhause bleiben. Das Erstaunliche daran ist natürlich, seit Shungu Cosmas in ihrem Sektor eingeteilt wurde, kommen auch die zwei Hilfsmaurer Omatoko Raphael und Omba Longayo Michel regelmässig zur Arbeit! Heute benötigte aber Papa Chamboyi jemanden dem ihm half die Kabel am Solarpaneel anzuschliessen, da stritten sich Safricas und Papa Chamboyi regelrecht um den fähigen Mann…
Heute sprach ich mit Jean aus Kinshasa; er sei heute angekommen, ich dachte er sei seit dem 10. Januar 06 in Kinshasa. Daran, dass er mir viele Fragen stellte, welche ich ihm eigentlich in den letzten zwei E- Mails geschrieben und somit bereits beantwortet hätte, merkte ich, dass er wieder unheimlich im Stress sein muss. Was die Möglichkeit anbelangt Ende dieses Monats gratis nach Kananga oder Kinshasa zu reisen anbelangt, habe ich leider Pech. Jedoch hat mich Jean informiert, es gäbe nun wöchentlich einen Flug von Kinshasa direkt nach Tshumbe und retour. Retour sei jeweils am Sonntag, dass heisst ich muss nun mit Aimé in Tshumbe organisieren, dass er mir für den 29. Januar 06 ein Ticket nach Kinshasa kaufen wird. Ei, ei, ei ich kann diese Ferien kaum noch abwarten, freue mich meeeeeeega!
Mittwoch 18. Januar 2006; 21.15 Uhr
Irgendein Arbeiter hatte den Mut mal einfach mit dem Krankenzettel zu mir zu kommen und um Geld zu fragen. Weil ich ja doch nicht so sein konnte und 600fc eigentlich kein Betrag ist, gab ich ihm das Geld. Zum Dank durfte ich nun der halben Arbeiterschar die Medis bezahlen, weil gerade eine heftige Husten und oder Durchfallepidemie durch Yanga hindurch fegte…
Ausser dass die halben Krank sind, hat sich bei der Arbeitsmoral der Gesunden leider nichts verändert. Der heutige überraschungs- Kontrollgang auf den Feldern war wieder wie ein Schlag ins Gesicht. Um 11.00 Uhr war kein Mensch mehr an der Arbeit. Ich hatte die Schnauze voll, von den Lügereien von Papa Philippe. Er hat den grössten „Schoggi- Job“, muss eigentlich nur kontrollieren und einen ehrlichen Rapport abliefern… es ist unglaublich aber es ist zuviel verlangt. Ich sagte ihm, er solle Zuhause bleiben bis Ende Januar und um sich Gedanken zu machen wie er in Zukunft arbeiten werden will. Danach kam er natürlich fast auf Knien angekrochen, „pardonnez- moi“ und „les travailleurs m`injures beaucoup“ usw. Er habe Angst von den Arbeitern; was soll ich mit einem Verantwortlichen, welcher Angst von den Arbeitern hat?
Wie ich heute Abend bereits an Walti vom Unterstützungsverein schrieb, sehe ich echt schwärzer als schwarz, dass hier nachdem ich abgereist sein werde, anständig, nein nicht einmal halbwegs anständig weitergearbeitet wird! Ich hoffe für alle Beteiligten, dass sich ein stationärer COYA- Chef finden wird, welcher noch vor meiner Abreise „den Laden“ übernehmen wird. Ansonsten muss sich der Unterstützungsverein ernsthaft überlegen nicht ein schweizerischer ehrgeiziger Nachfolger zu suchen, wie es für Manuela und Thomas auch notwendig sein wird?!
Das Camion traf heute Abend nach 19.00 Uhr ein, die Armen verbrachten wieder unglaublich viel Zeit auf der Strecke Tshumbe Yanga; 6h für 64km! Ich begrüsste rasch Papa Wembushi, Papa Jean und einige andere Zurückgekehrten, ging dann wieder zurück ins Haus. Anstatt, dass alle nach Hause gingen um sich endlich auszuruhen, brach ein heftiger Streit mit Gekreische aus und ich musste mich zwischen Mama Helene und Papa Yohe stellen um tatsächlich zu vermeiden dass er sie schlägt… Papa Yohe hat wohl erfahren dass er suspendiert wurde, dass ist jedoch kein Grund auf Mama Helene los zu gehen… ich konnte bisher noch nicht mit ihm sprechen, weil er wie vom Erdboden verschwand ohne ein Wort zu sagen… TYPISCH!!
Samstag 21. Januar 2006; 12.00 Uhr
Wow, nicht schlecht, es gibt doch einige Ausnahmen von Arbeitern, welche wirklich stark sind. Diesmal meine ich Papa Léonard, er ist Mechaniker in Tshumbe und kam mal schnell für eine Woche nach Yanga um das ältere Camion, welches glaube ich schon jahrelang nur herumstand und rostete, zu flicken; Seit gestern läuft es!! Heute gingen sie damit Sand und Steine für Safricas holen, weil das andere Camion nach Samangua fuhr um Wellbleche zu holen. Wenn Papa Léonard zurück ist, werden sie das alte neue Camion mit Salz beladen und nach Tshumbe fahren. Das Camion wird in Tshumbe für die Uni und für die COYA im Einsatz stehen.
Mit den Arbeiten am Haus für die Kaninchen geht es schleichend vorwärts… auch sonst harzt es sehr, vor allem wegen der fehlenden Schleifscheibe um die Sägeblätter zu schärfen. Weil extrem akuter Brettermangel herrscht, stahl irgendjemand die Bretter für das Sturzmodel der Rizerie. Es ist ärgerlich…
19.00 Uhr
Ähhh, ein stürmisches Gewitter wütet und macht mir schreckliche Angst. Ein Blitz hat ins Dach, in das Duschwasserfass oder direkt in die Stromkabel der Direktion eingeschlagen, so dass die Glühbirne hier im Bürozimmer funkte…!
Ich finde es gar nicht mehr gemütlich echt. Zum Glück haben Papa Antoine und andere Holzige gestern und heute alle Wellblechdächer kontrolliert und mit neuen Nägeln verstärkt; hoffentlich halten nun diesmal alle Dächer und es wird nicht wieder Schäden geben!? Die grösste Sorge gilt den Solarpaneels, hoffentlich wurden sie genug stark befestigt!
Ich habe Shungu Cosmas zum Glück noch aufs Dach geschickt um die Arbeiten von Papa Chamboyi und Omba Lazare zu kontrollieren. Er berichtete mir sie hätten für die Befestigung nur einer von vier Nägeln gegeben… ich glaub es kaum, es ist ein Wunder, dass die Solarpaneels nicht vom Dach fielen!! Selbst Papa Chamboyi, der ja immer die lauteste und grösste Klappe hat ist unfähig… total unfähig!!
Papa Wembushi kam mit dem Camion von Samangua rechtzeitig, nur einige Minuten vor dem Unwetter in Yanga an.
Dieses Unwetter verursachte nicht den ersten Adrenalinstoss heute…; ohne böses zu Ahnen ging ich am morgen in den Garten Bohnen ablesen. Ich wollte gerade nach einer komisch grossen Bohne greifen, merkte zum grossen Glück, dass es eine Schlange war, perfekt getarnt – grün wie eine Bohne. Ich sagte Mama Helene, dass es eine Schlange im Garten habe. Als sie sah wie nah ich dieser war begann sie zu kreischen ich solle langsam weggehen, sie würde mich beissen. Mama Dembo Adèle kam ihr den Kopf mit der Machete abschlagen. Ich fragte Mama Helene nachher ob denn die Schlange giftig sei. Als sie sagte nicht viele seien gefährlich aber diese besonders, begriff ich, dass ich heute in Lebensgefahr war. Diese Schlangenart provoziere die Menschen zwar nicht und seien auch selten (ausgerechnet in meinem Garten gibt’s natürlich die Seltenste!) aber wenn sie beisse, kann man daran sterben…
Später wollte ich noch ein Foto machen und die Frauen gingen die Schlange nochmals für mich suchen, sie hatten sie bereits weggeschmissen. Ich sagte, dass sei nicht die gleiche Schlange, begriff aber bald, dass diese Schlangen wie ein Chamäleon die Farbe wechseln kann und wie es aussieht macht dass der Körper auch noch wenn er bereits tot ist!
Dienstag 24. Januar 2006; 10.30 Uhr
Papa Wembushi unser Chauffeur ist voll im Stress, er muss eine mühsame Reise nach der anderen antreten. Mühsam sind die Reisen, wegen der dauernd schlechten Strassen. Nach dem Neujahr war ein Transport von Salz und zwei Transporte für die Arbeiten der Universität in und nach Tshumbe angesagt. Dann eine Reise nach Samangua um Wellbleche zu holen und vorgestern transportierte Wembushi mit seiner Equipe wieder Salz nach Tshumbe. Papa Lenard Lohonga nützte die Mitfahrgelegenheit um erfolgreich eine neue Transmission fürs geflickte zweite Camion zu suchen. Diese Transmission gab leider letzten Samstag während der Rückreise vom Holen von Sand, in dem 4km entfernten Dorf Lumbu, den Geist auf. Heute Morgen kam Wembushi mit seinem Camion aus Tshumbe zurück und Mama Helene wird die Equipe gleich auf dem Weg nach Samangua begleiten um Salz- Nachschub zu holen. Lohonga Leonard wird sie bis Lumbu begleiten und mit den dort seit Samstag Camion- hütenden Hilfschauffeuren das in Panne liegende Camion flicken.
Donnerstag werde ich mit dem Salz- beladenen Camion und meinem Feriengepäck nach Tshumbe um am Freitag über Kinshasa, Mombasa nach Nairobi in die Ferien zu reisen. Mehr als eine Woche muss ich für die Reise nach Kinshasa einplanen. Man weiss nie… ich kann mich bis am Tag des Abfluges nicht 100% darauf verlassen, dass dann auch wirklich ein Flieger von Tshumbe und Kinshasa fliegen wird. Es muss immer noch genügend Zeit bleiben um schlimmstenfalls mit dem Jeep bis Lodja zu reisen um von dort den Flieger nach Kinshasa zu erwischen.
Hinter der Direktion sind die Gruppe Djimbi fleissig am Bauen des Hauses für die Kaninchen wo wir mit der Kaninchenzucht beginnen werden. Ich werde bei meiner Rückreise aus den Kenia- Ferien die ersten Kaninchen aus Kananga mitbringen. Noch heute werde ich mit den Schreinern die ersten Ställe zusammenbauen, damit sie nach Muster bei meiner Abwesenheit weiterfabrizieren können und die Kaninchen ein Zuhause haben werden.
Safricas wird noch diese Woche mit den Mauern des Wiederaufbaus der Reismühle fertig und kann nächste Woche mit dem Sturz beginnen.
Ich finde es echt schwierig zu entscheiden, was ich alles in die Ferien mitnehmen soll… werde mal mit packen beginnen, dass ich dann auch wirklich nichts Wichtiges vergesse. Zum Glück kann man ja in dem touristischen Nairobi alles möglich kaufen.
Ich hoffe, dass die Schreiner bald fertig sind mit kleinen Dachlatten sägen damit endlich der erste Kaninchenstall zusammengebaut werden kann!!
Mittwoch 25. Januar 2006; 22.00 Uhr
Ich bin wieder einmal unheimlich nervös wie jedes Mal bevor ich reisen werde. Ganz besonders in diesem Fall wo ich ja morgen um Benzin zu sparen noch mal die 4stündige Reise mit dem Camion auf mich nehmen werde, weil Wembushi sowieso mit einer Ladung Salz nach Tshumbe fahren muss…
Hoffentlich werden wir keine Panne haben!
Kann es noch gar nicht richtig glauben, dass bereits ein halbes Jahr vorbei ist und ich in einigen Tagen nach Kenia fliegen werde…
So jetzt darf ich noch meinen restlichen Plunder zusammenpacken… dass ich mich auf diese kommenden Ferien freue ist keine Frage, auf die mühsame Reise könnte ich jedoch gut verzichten!
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