14 März, 2008
von Sabine

9 1/2 Monate Dem. Rep. Kongo, 21.September-10.Oktober 2005

Mittwoch 21. September 2005, 22.00 Uhr

Ich habe heute bereits das zweite Bier getrunken, der Inhalt pro Flasche beträgt 72cl. Ich trinke mir Mut an für die morgige Reise nach Yanga und um heute schnell einzuschlafen…

Ich sollte einige Stunden schlafen können, wenn die Reise wie beim letzten Mal verläuft, werden wir Yanga erst übermorgen um 2.00 Uhr in der Frühe erreichen. Ich bin gerührt von den lieben Wünschen, welche ich von meinen Freunden und Familie erhielt, vor der Abreise in den Busch… Losaka, losakifula (Danke, vielen Dank)!

Jean hat mich heute Abend angerufen und mir eine gute Reise gewünscht… Jean ist momentan bei Mama Josy und am Samstag wird er an der Hochzeit von Manu und Sedi`s Vorgänger, Christoph und Deborah teilhaben. Weil er dann sowieso in die Nähe von Bern reist, wird er sich am Sonntag mit meine Mutter am Bahnhof Bern treffen, das freut mich sehr.

Die Nachtwächter haben ein hartes Leben, Paul legt sich jeden Abend auf ein ca. 30cm breites “Bänklein” um zu schlafen. Es ist schwierig ein Urteil zu fällen, er verdient wenigstens ein wenig Geld, im Gegensatz zu vielen anderen, welche keine Arbeit haben.

Ich glaube nun flüchten bereits die Mücken vor meiner hässlichen Bierfahne *grins*, es ist Zeit zum Zähneputzen und ab in die Heia!

Donnerstag 22. September 2005; 19.00 Uhr

Das ist ein Tag heute!

5.30 Uhr Tagwacht! Ich packte meine restlichen Sachen zusammen. Einige Minuten später war bereits Emil da und stresste mich unheimlich. Ok, ich habe so früh am Morgen auch noch keine Nerven, besonders an so speziellen Tagen. 6.30 Uhr fuhren wir mit viel zu vielen Gepäck- Kilos los nachdem ich mich von Mâmarie, Mama Angèle, Papa Paul und Papa Mathieu verabschiedet hatte. Wieder drei Stunden im stickig heissen Malila Airlift Check-in Gebäude zu warten, das ging ja noch. Weil sie heute viele Passagiere hätten akzeptierten sie jedoch nur 15kg Gepäck pro Person, meine Nerven! Wir warteten bis ganz am Schluss, ich musste mich bereits mit dem Gedanken abfinden mehr als die Hälfte meines Bagages in Kinshasa zu lassen. Sie akzeptierten dann wenigstens meine Laptoptasche und das Solarpaneel gegen Bezahlung von 3$ pro Kilo. Aus meinem grossen Koffer nahm ich noch den Kivu- Käse und etwas Unterwäsche heraus, weil Emil diesen per Luftfracht schicken muss. Ich reise momentan nur mit den Hosen und dem T-Shirt welche ich am Körper trage, komisches Gefühl. Zirka um 10.20 Uhr hob unser Flugzeug ab. Mir wurde wieder etwas übel. Ich fand heraus, dass es weniger schlimm war, wenn ich meine Augen schloss. Im Flugzeug teilte ich zwei Plätze mit einer Mama mit zwei kleinen Kindern und auf meinem Schoss trug ich noch meine 8kg schwere Laptoptasche. „Easy, ist ja nur für zwei Stunden“ dachte ich. Während des Fluges kamen noch zwei Abschnitte mit Luftlöchern, mein armer Magen. Zum Glück waren es kurze Abschnitte, ich erholte mich jeweils rasch wieder und die Landung habe ich glatt verschlafen! Erst als die Leute klatschten und kurz vor dem Ruck als die Räder aufsetzten, erwachte ich. Vor dem Flug lernte ich amerikanische und kongolesische Ärzte kennen, welche mit Jean`s Bruder Emil reisen. Mit Thibaut unterhielt ich mich super gut und er ist ein wahrer Gentleman, trug während der ganzen Reise nach Lodja mein Solarpaneel. Er ist Arzt, welcher vor dem Studium in Kinshasa als Mathematiklehrer gearbeitet hatte. Ich hätte ihn auf 30 Jahre geschätzt, er ist bereits 44jährig, ist verheiratet und hat drei mit anderen Kongolesen verglichen, noch junge Kinder 5, 7 und 9jährig. Er interessiert sich für verschiedene Berufsbereiche, kennt sich mit Solarenergie aus und zeichnete mir während des Fluges auf wie ich das Solarpaneel mit der Batterie und dem Laptop anschliessen werden müsste. Leider fehlt mir der benötigte „Power Inverter“ en français „convertisseur“, welcher 12 Volt in 220 Volt umwandeln kann. Der benötigte Konverter sollte mindestens 300Watt aufweisen und koste ca.200$.

 

Jedenfalls bin ich gut in Lodja angekommen und reiste spontan mit der Ami- Gruppe zu Robert, bei welchem wir bereits zwei Mal zu Besuch waren. Er ist sehr gastfreundlich und hat mir spontan ein Zimmer hergerichtet. Leider ohne Moskitonetze aber im Gegensatz zu Kinshasa hat es hier keine Mücken! Abbé Daniel ist für mich in Lodja verantwortlich und war etwas erstaunt, dass ich nicht mit ihm reiste. Er ist der Bruder von Emils Frau „Mama Cecile“. Heute Abend kurz vor dem Eindunkeln machte er mit mir eine Lodja- Stadtrundfahrt. Er ist wie seine Schwester äusserst liebenswürdig, wir fuhren zuerst zu Malila Airlift und fanden eines von den zwei verschwundenen Paketen. Juhuii mein Mehl ist wieder aufgetaucht… danach liefen wir über den Markt von Lodja, die meisten haben ihre Stände bereits abgeräumt und sind nach Hause gegangen. Der Markt sieht gleich aus wie jener in Kinshasa und Kananga, es werden ebenfalls die gleichen Produkte verkauft. Nur der Preis variiert… je weiter von Kinshasa entfernt, umso teurer werden die Produkte angeboten, logo! Danach gingen wir bei einem der Häuser der Diocese von Tshumbe ein Bier trinken und zum Schluss schauten wir uns noch die Procure von Lodja an. Dort traf ich Mama Henriette und Mama? (konnte mir den Namen nicht merken), sie werden morgen mit mir zusammen nach Yanga reisen. Das finde ich super, da werde ich unheimlich liebe Gesprächspartnerinnen haben.

Mit den zwei Ami- Doktors kann ich mich nur in Englisch unterhalten, weil sie kein Französisch und Englisch sprechen… Nun schlage ich mich nebst Französisch, Hochdeutsch und Otetela auch mit Englisch durch… sehr interessant aber anstrengend!

Thibaut hat mir erklärt wieso sie mit Amerikaner zusammen arbeiten. Ich glaubte mich verhört zu haben. Die Kongolesen wollen verständlicherweise gegen die in ihrem Land vorhandene Krankheit „Monkypox“ Krankheit ankämpfen. Zuerst muss die Krankheit erforscht werden, dies ist momentan die Aufgabe des Ami- Kongolesischen Ärzteteams. John Huggins und Jim Martins sind „Collonells of the US-Army“ im medizinischen Bereich tätig und kommen aus Fort Detrick USA, Anny Rimoin ist Prof. VCLA aus Los Angeles. Sie wollen die Krankheit wegen der Gefahr von Bioterrorismus bekämpfen… ja genau. Nicht schlecht, was ich alles für Leute kennen lerne!?

Emil Onema hat mich angerufen um zu fragen ob ich gut angekommen sei, sehr aufmerksam von ihm!

Samstag 24. September 2005; 20.30 Uhr

Um 8.00 Uhr wollte mich Abbé Daniel abholen kommen. Schliesslich wurde es 10.30 Uhr bis er kam. Er habe noch den verlorenen Karton gesucht, ihn aber leider nicht gefunden. Der Jeep war natürlich noch nicht beladen, das wäre bekanntlich zuviel verlangt im Kongo. Immer schön eins nach dem andern, möglichst langsam…

Um 11.00 Uhr fuhren wir endlich los. Nach 10km erreichten wir die seit einigen Tagen eingestürzte Brücke. Weil man diese nur noch zu Fuss passieren kann, wartete der Coopérative- Jeep auf der anderen Seite und das ganze Gepäck musste aus Abbé Daniels Jeep umgeladen werden. Nebst dem Gepäck befanden sich schliesslich 7 Erwachsene und ein Kind hinten im Auto. Warum die Zwei Schwestern nicht mitkamen, weiss niemand. Zwei Chauffeur- Boys klammerten sich hinten am Fahrzeug fest. Vorne teilte ich den Platz nebst dem Michel dem Chauffeure, mit einem 30jährigen Abbé weiss den Namen nicht mehr. Der Abbé hatte eine Basketballmütze und eine Sonnenbrille auf dem Kopf. Er sieht aus wie ein „Möchtegern“ obercooler Teeny aber nicht wie ein 30jähriger Abbé! Ausserdem sprach er sehr undeutlich, ich musste immer zwei Mal nachfragen. Anstatt, dass er dann deutlicher sprach, brüllte er mir ins Ohr… Als es mir zu blöde wurde, vermied ich es ein Gespräch anzufangen. Hinten im Auto sassen Jean Takoy (ich wusste bis heute nicht, dass er mich abholen kommt), Aimez und 5 andere Personen aus Tshumbe. Michel der Chauffeur ist eigentlich Mechaniker in Tshumbe. Jean Nyeme hat ihn als Chauffeur ausgeliehen für die Zeit, welche ich in Yanga verbringen werde. Er wird mir jederzeit als Chauffeur zur Verfügung stehen. Die Fahrt nach Tshumbe war den „patats“ entsprechend erträglich, die Zeit ging bei Tagesreise schneller vorüber als bei der letztmaligen Nachtreise. Wir fuhren mitten durch ein Gewitter mit heftigem Niederschlag und mussten einen Moment stehen bleiben bis der Regen nachliess. Später lag ein Baumstamm auf unserem Weg, welcher vom starken Wind umgeweht wurde. Ein paar gekonnte Axthiebe vom coolen Abbé wie von Michel und das „Bäumchen“ war beseitigt.

In Tshumbe nahm uns die „kleine Luize“ in Empfang und wie gewöhnt ca. 30 Kinder. Ich werde doch wohl eine Weile bleiben und nicht gleich weiterfahren? fragte sie. „pourquoi pas“ entgegnete ich, sie wäre frustriert gewesen, wenn ich ihr Angebot abgelehnt hätte. Dies wollte ich nicht also stiegen wir aus dem Auto. Ob sie eine Kleinigkeit zum Essen zubereiten dürfe, fragte sie als nächstes. „Oui, mais pas beaucoup“ entgegnete ich. Als das Essen bereit stand, war die Nacht bereits hereingebrochen. Jean Takoy erzählte mir, während dem Essen, dass sich ein Leopard aus dem Regenwald zwischen Tshumbe und Yanga aufhalte. Er habe bereits Ziegen von Yanga angegriffen und es wäre besser die Nacht hier zu verbringen. Mir war es recht.

Schmutzig ist gar kein Ausdruck fürs Badezimmer in Jean`s Haus in Tshumbe, er war wohl schon lange nicht mehr hier. Louize wärmte mir das Duschwasser, reichte mir ein Frotteetuch und das Bett war auch schön hergerichtet. Dies macht das Dreckbadezimmer wieder wett. Sowieso, jetzt gilt es, mich an einen niedrigeren Lebensstandart zu gewöhnen. Ich liege im Bett, bin gerade zeitlos bei Kerzenlicht am schreiben. Es gab einen heftigen Emotionsausbruch vom Chauffeur Michel, weil zwei Frauen mit Kindern mit nach Yanga fahren wollen. Er schrie das ganze Dorf zusammen „jedes Mal wollen diese Frauen mitfahren und bezahlen nichts!“ Für mich war die Situation prekär, weil es ein ökologischer Blödsinn ist mit halbleerem Auto nach Yanga zu fahren, ob sie nun bezahlen würden oder nicht. Von mir aus dürften die Frauen mit den Kindern mitfahren, sagte ich Michel. Er bekam erneut einen Wutanfall und schrie die Frauen auf Otetela an, ich verstand natürlich kein Wort.

Samstag 24. September 2005; 20.30 Uhr

Endlich Zuhause, in Yanga im Kongo meine ich, angekommen. Meine grosse Angst, dass ich bei meiner Ankunft in Yanga vor lauter Einsamkeit in ein tiefes Loch stürzen würde war zum Glück umsonst.

Heute Morgen in Tshumbe wollte mich „Soeur Luise“ bereits aus dem Bett holen als es kaum hell war und das Auto hatten sie bereits angeschoben (die Zündung ist im Eimer). Ich sagte ihr sie sollen doch bitte das Auto noch mal abstellen und ich wolle noch eine Stunde schlafen. Das ganze Dorf war jedoch bereits wach, mir kam es jedenfalls so vor. Jean erzählte mit so lauter Stimme, es war unmöglich nochmals einzuschlafen. Ich erhob mich langsam und überwand mich in der finsteren Höhle namens „WC“ die Zähne putzen zu gehen. Zum Frühstück gab es undefinierbaren Tee mit Zucker und Milchpulver aus dem „Büteli“. Die zwei Zutaten gingen sie extra für mich auf dem Markt von Tshumbe einkaufen. Ich war danach sehr positiv überrascht, sie machten sich unheimlich viele Gedanken, was ich in Yanga brauche. Wir gingen schliesslich noch Öl zum braten und etwas Milchpulver je für 10$ einkaufen. Der Arzt, mit welchem Luise zusammenarbeitet, kaufte mir einen riesigen Büschel Bananen mit ca. 30Stk., obwohl ich den Arzt nie zu Gesicht bekam. Vielleicht kann ich mich auch nicht mehr erinnern, am 30-jährigen Jubiläum von der COYA hatte es so viele Leute in Yanga. Zucker sei in Yanga vorhanden und ansonsten kam mir nichts in den Sinn was wir vergessen hätten. Ok, los ging’s! Am Morgen war nur noch die grosse Schwester von der Louise, welche ich letztes Mal in Yanga kennen lernte, mit ihren beiden Kindern „Fabien und July welche mitfahren wollte. Michel macht zum Glück kein Theater mehr und die drei stiegen ins Auto. Eine alte Frau kam ebenfalls noch mit. Die Strasse bzw. Bachbett war in einem schlechteren Zustand als ich bis anhin erlebte. Ich dachte einige Male „jetzt wird das Auto kippen“. Einmal war das Hindernis zu gross, Michel der Chauffeur musste zurückfahren und der Chauffeur- Boy versuchte eine Rampe zu schaufeln. Ich stieg aus um das „Malheur“ zu fotografieren. Als er das erste Mal Anlauf nahm kehrte es das Auto beinahe auf das Hinterteil und blieb wieder hängen. Ich war froh mich nicht im Auto zu befinden. Zirka beim 5. Versuch gelang es Michel endlich das Hindernis zu passieren. Ich hoffte das, dass das Auto keinen Schaden genommen hat. Es kamen noch einige Routenabschnitte wo ich mich mit aller Kraft an den Halterungen fest hielt, 1. aus Angst und 2. um nicht im Auto herumgeschleudert zu werden.

Bereits in der ursprünglichen Dorfseite angekommen rief es von allen Seiten „ya yo Mama Sabina“! Ya yo heisst Willkommen. Der Dorfchef begrüsste mich ebenfalls bereits auf der „Dorf- Seite“. Endlich bei Jean`s Haus angekommen freute ich mich über die Palmwedel- Dekoration rund ums Haus und über den lieben Empfang der Einwohner. „Mama Helene“ erkannte ich kaum wieder, erstens hatte sie eine andere Frisur und zweitens ist sie eine strahlende, fröhliche Person, wenn Jean nicht da ist. Ich bin glücklich, dass sie so herzlich ist. Die Verständigung ist wie ich bereits vermutete schwierig, weil sie wenig französisch versteht. Mama Helene hat mich bald gefragt was ich den Essen möchte. Ich fragte was es denn zur Auswahl habe, leider verstand sie das nicht. Die Köchin bereitete eine grosse Pfanne Reis, zwei Pfannen Fleisch, Maniokgemüse und Teigwaren zu. Oje, es hätte eine Familie mit 2 Kindern ernährt werden können. Ich sagte Helene, das nächste Mal nur entweder Reis oder Teigwaren sowie nur eine Fleischsorte zu zubereiten. Ich sagte ihr auch, dass ich das Maniokgemüse nicht gerne habe und es nicht esse. Auf meine Wünsche hin, versuchte Jean Takoy sofort nach unserer Ankunft den Kühlschrank in Gang zu setzen der Elektriker testete die kleine „Groupe“ und setzte sich bereits mit der Installation des Solarpaneels auseinander. Der Sanitärverantwortliche bekam ebenfalls gleich eine Aufgabe, die Dusche wieder gangbar zu machen. Ich konnte es kaum glauben wie eifrig sich alle an die Arbeit machten, nur für mich! Leider fehlen beim Kühlschrank aus echt unerklärlichen Gründen wichtige Teile, dass er raucht und unmöglich so benützt werden kann. Die kleine „Groupe“ welche nach Aussage von Jean gestern noch lief, funktionierte heute auch nicht mehr und der Sanitär schaffte es noch nicht die Dusche in Gang zu setzen. Glücklicherweise befand sich noch eine kleine „Groupe“ auf der Dorf Seite in der Kirche. Sie wurde damals beim grossen Fest für die Messe verwendet. Der Sanitär wird das mit der Dusche bestimmt auch noch hinkriegen, das ist nur eine Frage der Zeit.

Ich räumte den Inhalt der drei privaten Kartons aus. Helene musste die Vorratskammer ausräumen und reinigen. Ich räumte danach die alten und neuen Esswaren ordentlich ins Gestell und erklärte Helene jeweils welche Menge die Köchin für mich alleine in Zukunft zubereiten soll. Sie war sehr aufmerksam und ich denke, dass sie das meiste verstanden hat. Ohne etwas zu sagen wollten sie bereits Brot für mich backen, die Aktion scheiterte leider ebenfalls. Ich konnte die Hefe nirgends finden, wahrscheinlich befindet sie sich in der zweiten Fracht Kartons. Jean hatte für unseren letzten Aufenthalt Backpulver gesendet um „Beignets“ kleine Gebäckkugeln zu machen, nun gibt es morgen zum Frühstück „Gebäck“.

Mein „ehemaliges Zimmer“ habe ich zum Büro umfunktioniert und das Zimmer von Manu und Sedi wurde zu meinem Schlafzimmer. „Doudou“ wird während meiner Yanga- Zeit im gleichen Haus schlafen, damit ich nicht alleine bin. Sie haben wirklich an alles gedacht, ich kam seit meiner Ankunft nicht zum staunen heraus. Um 17.00 Uhr ging ich mit „Doudou“ und Helens kleiner Tochter „Otete“ baden. Wir gingen über einen schmalen Fussweg mitten durch den Wald zu einem Badeplatz, wo wir ganz für uns alleine waren. Es war fantastisch, ich sagte „Doudou“ bereits, dass wir jeden Abend werden baden gehen. Otete, welche etwa 4jährig ist hatte wie bereits viele andere Kinder unheimlich Angst vor mir, wegen meiner anderen Hautfarbe. Sie hat nun einige Monate Zeit sich an mich zu gewöhnen. Der Rückweg führte uns danach steil aufwärts. Von der Hitze und der Anstrengung war ich schnell schweissgebadet. Ich merkte wie es mir an Kondition fehlt, Doudou hatte einen rechten Zahn drauf obwohl sie Otete tragen musste.

Es ist bereits 22.15 Uhr, Zeit ins Bett zu gehen…

Sonntag 25. September 2005; 20.00 Uhr

Doudou sitzt hinter mir während ich schreibe. Papa Leki hat ihr ein Blatt Papier mitgegeben mit vielen übersetzten Otetela- Wörter. Morgen muss sie mir zeigen wer dieser Papa Leki ist, der sich diese Mühe für mich gemacht hat.

Ich habe sehr gut geschlafen und stand heute Morgen erst um 9.00 Uhr auf. Es waren die blökenden Schafe welche mich schliesslich aufweckten, ich frage mich weshalb sie immer vor meinem Fenster so laut blöken müssen!? Als Helene merkte, dass ich wach bin kam sie mich sofort fragen was ich zum Frühstück essen möchte. Ob ich Fleisch oder Eier zu den „Beignets“ essen möchte. Wow, ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen und stimmte den Eiern zu. Das Resultat überraschte mich positiv, Mama Mbutshu rührte Zwiebelringe unter die Eier und kochte so eine kleine feine Eier- Omelette. Mit etwas Aromat oder Paprika schmecken diese wirklich lecker. Die „Beignets“ mit Konfitüre schmecken unseren „Berliner“ ähnlich, ich mag sie aber auch mit Nutella oder Honig. Mit diesem Frühstück lässt sich die Zeit ohne Brot bzw. Hefe gut überbrücken. Die Hefe befindet sich in der zweiten Fracht. Leider habe ich den Abholschein für Abbé Daniel mit nach Yanga genommen. Morgen wird Papa Antoine der Krankenpfleger ihn nach Tshumbe mitnehmen und Aimez muss so schnell wie möglich organisieren das ihn jemand nach Lodja mitnimmt. Papa Jean meinte, dass die Malila- Mitarbeiter Emil Okita oder Abbé Daniel die Ware nicht geben ohne Abholschein! Sch… wieder einmal ein Missgeschick meinerseits!

Den Tag durch war ich beschäftigt mit Poster und Fotos aufhängen sowie Möbel reinigen und umstellen, damit ich mich in den Zimmern wohl fühlen werde. Am Mittag gab es nochmals das gleiche Essen wie gestern, Mama Helene hat die Menge noch nicht im Griff.

Nachmittags unterhielt ich mich mit Jean und Philippe. Dem Krankenpfleger übergab ich bereits die Medikamente der beiden Kartons welche angekommen sind. Philippe führte gleich Buch und schrieb Name und Menge auf. Sie machten dies gut. ich hoffe, dass Abbé Daniel in Lodja oder Emile in Kinshasa die Kartons finden, welche noch fehlen. Die Medikamente werden hier dringend benötigt!

Zirka 17.00 Uhr ging ich mit Doudou baden, diesmal kam Otete nicht mit dafür musste sie einen Eimer voll Wasser mit nach Hause tragen. Ich staunte nur, wie geschickt sie den steilen unebenen Waldpfad meisterte ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten…

Im Gegensatz zu gestern nahm Doudou eine Seife und ein Handtuch mit. Sie tauchte an den Grund des Bächleins und putzte sich mit dem Sand des Bachgrundes die Zähne. Gestern machte sie dies bereits und putzte ebenfalls die Zähne von Otete. Es gibt doch einige Dinge, an welche ich mich nie anpassen werde. Am Abend ass ich auf meinen Wunsch die restliche Suppe vom Mittag und mhhh lecker, 4- Fruchtsalat. In der Schweiz mag ich den Fruchtsalat aus der Büchse ja nicht besonders. Hier in Yanga ist der Salat aus Ananas, Papayas, Bananen und „Nymus“ Zitronen, welche etwas säuerlich schmeckt, süsser als der künstliche Sirup im Büchsenfruchtsalat! Über Frühstück und Nachtessen kann ich mich überhaupt nicht beklagen, mittags wird mir das Gemüse fehlen. In Kananga fand man wenigstens Kohl, Spinat und Auberginen, in Yanga gibt es nur echte Maniokblätter. Ich verzichte aufs Gemüse, weil ich den Maniok wirklich nicht essen kann. In Yanga gibt es Mais, dass heisst Mama Mbutshu wird für mich Fufu à la Mama Angèle zubereiten, dies ist die einzige Variante wo ich die Maniokwurzel bzw. das Maniokmehl essen kann.

Heute Abend telefonierte ich meiner Familie mit dem Satellitentelefon um Bescheid zu geben, dass ich gut in Yanga angekommen bin und das Telefon funktioniere. Stefan nahm den Hörer ab und Mami ruf mich später zurück, damit das Gespräch nicht auf Walti`s Rechnung ging. Mami traf heute Jean Adalbert Nyeme Tese am Bahnhof in Bern. Sie übergab ihm die gewünschten Artikel für mich und konnte sich eine halbe Stunde mit ihm unterhalten bevor sein Zug abfuhr. Das Satellitentelefon beendete unser Gespräch von alleine, weil ihm der Strom ausging. In Zukunft werde ich jeden Tag, wenn ich es nicht vergesse, das Satellitentelefon ab 20.00 Uhr, d.h. 19.00 Uhr Schweizer- Winterzeit aufstellen…

Montag 26. September 2005; 19.00 Uhr

Der erste Arbeitstag in Yanga ist vorüber. In der letzten Nacht habe ich schlecht geschlafen. Ich war nervös und ging spät ins Bett. Dann machte mich ein Schaf oder eine Ziege beinahe wahnsinnig, sie blökte bestimmt eine Stunde lang in voller Lautstärke vor dem Fenster des Schlafzimmers. Falls sie heute wieder so ein Theater macht, weiss ich was es morgen zum Mittagessen gibt *grins*.

Auf Mama Helene und Mama Bbutshu ist Verlass, das Frühstück stand um 6.30 Uhr parat. Zirka um 10 vor 7 Uhr warteten Jean, Philippe und Dominique bereits auf mich. Wir sprachen einige Worte zusammen und gingen danach zur allmorgendlichen Versammlung bei der Glocke. Zu Beginn sprechen alle zusammen ein Gebet, danach singen sie „das Yanga Lied“. Jean begrüsste mich dann offiziell und alle sagten im Chor „Ya yo Maman Sabina“, das war so herzlich, ich wurde leicht verlegen. Jean sprach in Otetela, gab das Programm für den heutigen Tag bekannt und Dominique machte Appell von allen COYA- Mitarbeitern. Plötzlich gab mir Jean das Wort, ich war so schockiert, mir kam für einen Moment kein französisches Wort mehr in den Sinn! Ich versuchte zu erklären, mich zu freuen hier bei ihnen zu sein und gerne der Kooperative helfen werde. Zu Beginn möchte ich die Verantwortlichen mit ihren Mitarbeitern kennen lernen und die Arbeiten kontrollieren, zum Beispiel einmal mit in den Wald gehen. Na ja, ich bin keine gute Sprecherin, schon gar nicht auf Französisch. Ich werde es in der nächsten Zeit lernen, weil ich es wichtig finde stets alle über Neuigkeiten zu informieren und nötigenfalls Erklärungen abzugeben. Yanga braucht eine transparente und möglichst einfache Organisation. Alle Verantwortlichen stellten sich mir danach der Reihe nach vor und ich war beruhigt, dass sie auch nervös waren. Alle sagen mir, dass sie sehr glücklich seien, dass ich da sei und das Dorf sei bei meiner Ankunft neu erwacht. Ich weiss nicht was sie von mir erwarten, mir geht es momentan etwas zu schnell, ich habe mich noch gar nicht richtig eingerichtet. Nach der „Morgenzeremonie“ ging ich mit Safricas den Stand seiner Arbeit anschauen. Die Plattform ist fertig und auf der Rückseite der Schreinerei stehen die Mauern 80cm hoch bis Anfangs Fenster. Immerhin der Anfang ist gemacht. Jean zeigte mir den Platz hinter der Sägerei, wo wir sobald die Frauen den Boden etwas plan gehackt haben, mit dem Dach beginnen werden. Ich finde Jean macht seine Arbeit als Kooperative- Verantwortlicher gut. Ich kontrollierte danach das Depot, ob sie nun den Treibstoff und das Salz getrennt lagern würden. Nein, leider hat sich noch nichts geändert. Ich sagte Jean, es sei ungesund das Salz so zu lagern und er beschwerte sich, dass vom Salz alles rostig werde. Aber um zu bestimmen, dass jetzt das Salz in einem anderen Raum gelagert werden müsse, dazu ist niemand fähig. Ich habe bereits mit Jean Takoy darüber gesprochen, die Leute hier müssen lernen sich und die Gemeinschaft zu organisieren. Es funktioniert ja bereits ein bisschen, Buchhalter und Sekretär nehmen ihre Arbeit sehr ernst und alle sind bereit etwas Neues zu lernen.

Ich schaute in jeden Raum vom Depotgebäude und fand bereits die Lösung für das Salzproblem. Alle Räumlichkeiten in ganz Yanga haben es dringend nötig aufgeräumt zu werden. Das gibt eine Menge Arbeit aber es ist wichtig und ich habe solange die Schreinerei nicht fertig ist noch Zeit mich um andere Dinge zu kümmern. Das grösste Problem bleibt wie in Kinshasa oder Kananga: „Wohin mit dem Abfall, insbesondere mit dem Altmetall und dem Plastik“. Man kommt immer auf die gleiche unbefriedigende Lösung ein Loch zu graben und alles was brennbar ist zu verbrennen.

Mama Helene sagte mir, dass Michel heute mit dem Jeep Doktor Emile Okitolonda, Jeans Bruder aus Lodja abholen gehe. Ich verfasste je einen Brief für Emil sowie für Jean und wies darauf hin, dass wir dringend den Motor für die Schleifmaschine benötigen um die Blätter der grossen Säge zu schärfen. Michel musste einige Minuten auf meine Briefe warten. Es war wichtig, wer weiss wann sich die nächste Kommunikationsmöglichkeit ergeben wird und über das Phonie gehen zu viele Infos verloren. Die zweite Fracht sei noch nicht in Lodja eingetroffen, ich mache mir echt Sorgen um die nun insgesamt vier Kartons und vor allem um meinen grossen Koffer. In diesem befinden sich eine Menge äusserst wichtiger Dinge.

Später auf dem Nachhauseweg vom baden im Bach, lernte ich das erste Baby Namens Mama Sabina kennen, seine grössere Schwester heisst Mama Josy. Das ist echt ein komisches Gefühl, wenn eine Mutter ihr Kind zu meiner Ehre tauft!

Morgen werde ich mit der Gruppe “Djimbi” in den Wald fahren „grumes“ nicht entrindetes Langholz holen gehen sowie Äste um „une clôture“ ein Zaun rund um Jeans Haus zu flechten. Ich finde es zu anstrengend während der Nacht blökende Schafe und Ziegen vor dem Fenster zu haben und tagsüber Kinder, welche die Nase bis zum Mückengitter hereinstrecken. Papa Boniface wird sich später darum kümmern, nach meinem Wunsch, innen am Zaun Sträucher und Blumen zu setzen. In Yanga ist soviel verbesserungsfähig, ich bin gespannt was ich in meiner Zeit hier erreichen werde. So, nun gehe ich Papa Shungu Didie sagen, dass er die „Groupe“ abstellen kann.

Dienstag 27. September 2005; 11.00 Uhr

Ich habe heute die Gruppe „Djimbi“ begleitet und bin aus dem Walde zurückgekehrt. Der Weg bis zu den „grumes“ ist mühsam, weil der Chauffeur mit dem uralten Mercedes- Camion nur ganz selten im zweiten Gang fahren kann. Es dauert ca. 40min bis die paar km in den Wald im Schritttempo zurückgelegt sind. Die Baumstämme haben sie bereits vor einiger Zeit gefällt, sie lagen abholbereit in einer Waldlichtung am Boden. Ein Seitenladen des Camions wurde runtergelassen und mit zwei Balken eine Rampe gebildet. Der Traktor zog danach die Baumstämme von der anderen Seite mit Hilfe einer starken Kette auf das Camion. Diese Arbeit ist gefährlich, es gelang nicht immer beim ersten Mal den Stamm aufs Camion zu zerren. Mehrmals rutschte einer der Rampenbalken ab und die Übung begann von vorne. Gegen das Gewicht dieser Baumstämme hat ein Mensch keine Chance. Ich hoffe dass nie jemand unter so einen Baum kommt.

Papa Kasende Andre fällte im Wald mit der Machete kleine Bäumchen. Damit wird er den Zaun um „mein Haus“ bauen. Ich trug die Äste aus dem Wald, dies war die einzige Arbeit wo ich mich etwas nützlich machen konnte. Im Wald staunte ich ab den Riesenameisen, Papa Jean warnte mich nicht mit diesen Tieren „zu spielen“, wenn sie einem beissen, schmerzt es den ganzen Tag.

Dienstag 27. September 2005; 19.00 Uhr

Doudou sitzt neben mir und ich beschäftige sie damit, dass sie mir Sätze in Otetela aufschreibt. Es ist schwierig mit jemandem Otetela zu lernen, der kaum Französisch kann. Auf dem Weg zum Bach kamen uns Papa Barthelemy Onokoko, Dominique Wongudi und Andre Ekenga entgegen. Sie haben extra für mich den ganzen Fussweg ausgebessert, weil sie bemerkten, dass ich jeden Tag mit Doudou baden gehe. Sie machen wirklich alles damit ich mich wohl fühle. Nach unserem Bad rannten wir heute nach Hause, weil ein heftiges Gewitter im Anmarsch war. Ich kam heftig ins schwitzen und ausgerechnet heute trug ich die unpraktischen “Schlarpen” an den Füssen. Schliesslich bevorzugte ich es barfuss zu laufen, die Einwohner fanden das unheimlich lustig…

Mittwoch 28. September 2005; 15.40 Uhr

Ein Hagel- Regen- Gewittersturm ist über Yanga hinweggefegt und riss die Dächer von Papa Jean Takoy, vom Depot der Krankenstation und vom Dach der Küche von Mama Mbutshu herunter. Der Wind in Yanga ist wie in Kananga gewaltig.

Jetzt einige Minuten später ist es wieder völlig windstill und unvorstellbar welches Unwetter wütete. Morgen müssen die Dächer repariert und alle anderen Arbeiten eingestellt werden.

Von den Gewitterwolken ist es bereits finster wie ca. um 17.30 Uhr und nach meinem Gefühl sollte es ebenfalls bereits viel später sein.

Ich habe Mühe in einem Haus zu leben wo es zwei Räume voller Gerümpel, Mäuse und Kakerlaken hat. Solange die Schreinerei noch nicht steht habe ich Zeit Jeans Haus aufzuräumen. Ich sortierte den ganzen Tag ca. 150 Brillen und fand eine Menge Dinge, welche uralt und längstens nicht mehr gebraucht werden. Mama Helene und die anderen stellen sich dauern quer, wenn ich etwas wegwerfen will. „Non, garder ça pour monsieur l`abbé!“ sagten sie. Schliesslich musste ich ein Machtwort sprechen, sie sollen mich in Ruhe meine Arbeit machen lassen. Ich fand nebst vielen alten stinkenden Dingen, Federbälle, eine schöne Weltkarte und andere brauchbare Dinge. Die Weltkarte ist super, ich habe sie gleich neben der Kongokarte aufgehängt. Jetzt kann ich nebst Französisch noch in Geografie aufholen. Früher in der Schule interessierten mich diese beiden Fächer leider nicht heftig. Schreinereiverantwortlicher Papa Barthelemy Onokoko durfte das von den Termiten zerfressene Regal im Depot flicken, er machte es gut. Im Depot fand ich grosse Blechkisten voller Reissverschlüsse und Knöpfe. Diese gilt es für mich in nächster zu erlesen, die halben haben nämlich die Mäuse gefressen, weil niemand darauf achtet, dass die Kisten immer gut verschlossen sind! Ich werde morgen wohl den ganzen Tag Reissverschlüsse erlesen

Papa Otepa und Papa Chamboyi installierten bereits eine Batterie, welche das Haus mit dem 12 Volt Lichtnetz speist. Barthelemy nagelte einen Rahmen zusammen, damit die anderen beiden morgen das neue Solarpaneel auf dem Dach installieren können.

Es macht mich nervös dass weder die verlorenen Kartons noch die neuen sowie mein grosser Koffer in Lodja eingetroffen sind. Morgen muss Helene versuchen Kontakt mit Kinshasa aufzunehmen, Emile Onema muss sich der Sache sofort annehmen…

Heute gab es zum Mittagessen Spaghetti frischer Fisch und was sah mein Glasauge… Kartoffeln! Ich freute mich zu früh, es waren Süsskartoffeln, welche nicht wirklich lecker schmecken. Die Frau, welche aus der Familie von Jean stammt brachte mir nebst den Süsskartoffeln, Mais. Diesen hat Mama Mbutshu für mich gekocht, im Gegensatz zu den Süsskartoffeln schmeckt er mir.

Nach dem Regen ist draussen alles nass, ich werde heute auf das Bad verzichten und die Dusche einweihen.

Mittwoch 28. September 2005; 19.30 Uhr

Wow, heute bin ich bereits zwei Monate im Kongo, die Zeit ging sehr schnell vorbei.

Seit heute habe ich eine funktionierende Dusche und Licht in den Zimmern. Ich verfüge über mehr Luxus als ich mir hier je träumen liess, suuuppeeer!!!

Das erste Mal fliessendes Wasser beim duschen seit ich im Kongo bin, es war wie im Traum.

Alphonse und Jean war heute Abend noch schnell zu Besuch. Ich wunderte mich bereits weshalb Alphonse heute Morgen nicht bei der Versammlung erschien. Er erzählte mir dass er in Menga war um den Leuten zu zeigen wie man einen Zaun für Kühe baut. Menga gehört zur Kooperative und sie werden 5 Kühe von Yanga bekommen. Alphonse inspizierte ebenfalls das Gras und die Wassermöglichkeiten auf dem ausgewählten Platz. Morgen werden sie in dem Dorf mit dem Zaun beginnen und wenn sie fertig sind können sie die Kühe abholen kommen. Unsere Tiere sind alle bei guter Gesundheit, was mich natürlich sehr freut. Jean Takoy ist ein bisschen niedergeschlagen weil ein grosser Teil seines Daches davonflog, was verständlich ist. Er fragte mich wo wir morgen beginnen die Dächer zu flicken. Ich sagte ihm, zuerst die Medikamente ins Trockene zu bringen, dann reparieren wir zuerst sein Dach. Die anderen Häuser, welche einen Schaden davontrugen sind schliesslich alle unbewohnt. Mama Mbutshu kann auch eine Weile unter freiem Himmel kochen, es wird morgen wohl nicht den ganzen Tag regnen.

Donnerstag 29. September 2005; 14.00 Uhr

Ich mache einen Rundgang um zu schauen wer um diese Uhrzeit noch arbeitet. Safricas ist mit seinen 3 Arbeitern am mauern. Die hintere Längsmauer ist fertig, sie haben mit der vorderen Längsmauer begonnen.

Papa Jeans Dach ist fast fertig repariert. Vier Männer nageln auf dem Dach und Jean sitzt im Schatten eines Baumes und teilt Befehle aus. Papa Kasende und Papa Gabriel arbeiteten an meinem Zaun. Papa Gabriel beendete seine Arbeit wie gestern bereits um 13.00 Uhr. Er erklärt mir jedes Mal weshalb er nicht mehr arbeiten könne, gestern war er müde und heute habe er keine Lianen mehr um die horizontalen Äste anzubinden. Er hätte auch mit den Pfosten weiterfahren können…

Ich sagte nichts, bis jetzt bin ich stille Beobachterin. Dies werde ich noch bleiben bis ich mit Jean Nyemes Haus und allen Depotaufräumarbeiten fertig sein werde. Solange ich nicht viel sage, sehe ich am besten, welche Leute von sich aus motiviert an die Arbeit gehen.

Donnerstag 29. September 2005; 16.00 Uhr

Doudou half mir eine Stunde lang Reissverschlüsse sortieren. Ich kam mir echt vor wie Aschenputtel mit den Erbsen: „die guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Krättchen…“ Schade habe ich keine Tauben, die mir helfen die Reissverschlüsse zu erlesen. Zum Glück habe ich eine fleissige Doudou. Zum Dank schenkte ich ihr eine meiner gekochten Maiskolben und ein Glas Wasser. Sie hatte eine Riesenfreude, Mama Helene gar nicht. Das geht sie jedoch nichts an, wann und wie ich Doudou belohne. Ich gebe niemandem Geld, dass müssen sie lernen. Fast jeden Tag kommt ein alter Mann oder eine alte Frau betteln. Sie warten vor der Tür, bis ich rauskomme. Mit den Händen zeigen sie zum Mund, dass sie gerne etwas zu essen hätten oder Geld um Essen zu kaufen. Es sind immer Leute, die kein Wort Französisch sprechen, deshalb ist es unmöglich ihnen zu erklären, dass ich lange Zeit hier bleiben werde und arbeite. Das ist sehr ärgerlich, ich muss ihnen dann einfach davonlaufen. Sie werden ja dann sehen, dass ich in einigen Monaten immer noch da sein werde. Niemand, nicht einmal Jean, sieht momentan, dass ich arbeite, weil ich im Haus aufräume, Zimmer reinige, Türen und Schränke repariere.

Donnerstag 29. September 2005; 19.15 Uhr

Nach dem vorhergehenden Text sagte ich zu Doudou: „Nous allons jouer du Badminton!“ Sie verstand mich nicht aber als ich ihr die Rackets zeigte war sie sofort hell begeistert. 6 Schläger fand ich beim aufräumen und zum Glück einige Reserve- Federbälle. Kaum das Haus verlassen, kam Papa Shungu mit einem alten Badminton- Netz und ein anderer junger Mann mit zwei Pfosten. In Windeseile stellten sie das Netz und zeichneten halbwegs ein Feld in den Sand. Es war cool, der erste richtige Sport im Kongo. Doudou und auch ich brauchten etwas Zeit um das Gefühl zu bekommen, dann wurde es ein richtig gutes Spiel. Leider spielten nebst uns nur Jungs, dass wird schwierig werden ausser Doudou noch andere Mädchen zu finden, welche sich getrauen werden in diese „Männerdomäne“ vorzudringen. Wenn es später darum geht Fussball zu spielen, weiss ich noch nicht wie ich das anstellen soll, die Mädchen und Frauen zu gewinnen. Zum Schluss wechselten wir noch Badminton- Partner und ich spielte gegen oder mit, je nach dem wie man es anschaut, Lodi. Doudou mit Fisi und Oyombo mit Yohe. Die Dusche danach war wieder grandios, fliessendes Wasser ist echt Gold wert. Ich habe in jedem Zimmer ein „Bründli“ mit fliessendem Wasser um die Hände zu waschen, es ist weltklasse!

Die Batterie ist leer, morgen muss bei erster Priorität das Solarpaneel montiert werden. Wenn man einmal Licht im Zimmer hatte fällt es schwer plötzlich wieder mit Kerzenschein vorlieb zu nehmen.

Samstag 1. Oktober 2005; 07.25 Uhr

Die Yanga- Einwohner frieren momentan. Es ist verhältnismässig frisch seit gestern als es um 14.30 Uhr zu regnen begann. Das Temperatur- Messgerät befindet sich im noch fehlenden Koffer. Ich schätze die Temperatur auf 23- 24°C. Über Nacht war selbst ich froh über mein Dachbett, welches ich von Zuhause mitnahm. Weil es heute bereits am Morgen regnet und samstags nur bis 12.00 Uhr gearbeitet wir, erwarte ich keine grossen Leistungen. Der Zaun um „mein Haus“ ist noch nicht fertig und wird aufs Wochenende leider nicht fertig werden. Die Montage des Solarpaneels ist heute gefährlich weil die nassen Wellbleche glitschig sind. Trotzdem wäre ich froh, wenn die Beleuchtung übers Wochenende funktionieren würde. Die Abteilung Garage und Djimbi machen heute den Service „faire la vidange“ am Camion. Papa Kasende geht mit dem Traktor „osongo wa tshitshe“ dünne Äste aus dem Wald holen für den Zaun.

Vor einer Woche bin ich nach Yanga zurückgekehrt. Die wichtigsten Namen und Verantwortlichkeits- Zusammenhänge kenne ich bereits. In Französisch konnte ich mich nicht steigern, der Lernkrimi sowie Grammatiklernmittel befinden sich leider alle in meinem grossen noch fehlenden Koffer. Mit den Aufräumarbeiten in Jeans Haus geht es vorwärts, jedoch langsam. Es braucht jedes Mal eine grössere Überwindung zwischen Mausescheisse „Sorry!“ Ordnung zu schaffen. Heute werde ich das Badezimmerfenster herausspitzen um mehr Licht und Luft im Raum zu gewinnen.

Samstag 1. Oktober 2005; 19.30 Uhr

Ich bin das erste Mal richtig sauer. Papa Shungu ist wohl der grösste Depp, den man sich vorstellen kann und er ist mein Nachtwächter. Er versteht mich nicht aber sagt die ganze Zeit „Oui“, das treibt mich in den Wahnsinn. Papa Chamboyi liess die „Groupe“ bereits vor dem Essen laufen. Ich erklärte ihm, dass ich erst essen sowie duschen will und noch keinen Strom brauche also stellte er die „Groupe“ wieder ab. Ich traute meinen Ohren nicht, als ich am duschen war stellte jemand den Generator wieder an. Ich trocknete mich ab, ging raus und fragte Papa Shungu, wer ihm gesagt habe den Generator zu starten. Er verstand kein Wort und sagte „oui oui“ „oui oui“… unglaublich echt.

Papa Jean sitzt auf dem Bänklein hinter dem Haus und diskutiert mit einer Frau. Ich erklärte ihm die Situation und er suchte Shungu um mit ihm zu schimpfen. Ich hoffe er hat nun begriffen, was ich meinte.

Ich habe heute das Badezimmerfenster herausgespitzt, Türen geflickt und mit Papa Jean die Lage der Schreinerei besprochen. Gestern montierten sie das Solarpaneel. Weil Ende Monat ist konnte ich zuschauen wie die Löhne ausbezahlt wurden.

Sonntag 2. Oktober 2005; 14.00 Uhr

Endlich habe ich einmal einige Minuten Ruhe, dass heisst es befindet sich im Umkreis von 15m kein anderer Mensch. Aus der Ferne höre ich jemanden Maniok oder Mais stampfen, Motorradgeräusche (Safricas fährt wie gestört in der Gegend herum), Kinderstimmen- und Geschrei, Grillen welche Tag und Nacht zirpen, Vogelgezwitscher, ein krähender Hahn mitten im Nachmittag und lästige Fliegen welche mir respektlos ins Gesicht fliegen.

Nachdem ich mich gestern ab Papa Shungu ärgerte, weil er so ungeschickt war und sogar noch mit dem Generator in der Hand umstürzte, spielte ich mit Papa Jean, Lodi, Doudou und Mama Angelique, der Frau vom Sekretär Dominique, Karten. Ich erklärte ihnen das aus der Schweiz mitgebrachte „UNO- Spiel“. Ausser Papa Shungu, begriffen alle die Regeln nach 2 bis 3 Spielumgängen. Es war lustig. Während wir spielten, kehrte Chauffeur Michel mit den vier fehlenden Kartons aus Lodja zurück. Ihnen ging nicht weit entfernt von Yanga das Benzin aus. Ein Boy- Chauffeur musste Nachschub holen kommen. Mit dem Motorrad transportierten sie 20l Benzin zum Jeep. Nun fehlt nur noch mein grosser Koffer. Um 22.00 Uhr gingen alle schlafen und ich räumte bei Kerzenschein bis Mitternacht die zwei grossen Kartons aus. Warum bei Kerzenlicht? Das Solarpaneel wurde gestern fertig montiert und an der Batterie angeschlossen. Die Batterie kann jedoch nicht viel Energie speichern. Die Energie reichte, dass ich Licht beim Essen und beim Duschen hatte, danach war die Batterie leer. Ich will mich nicht beklagen, bin sehr zufrieden mit meinem Luxus. Morgen wird sich herausstellen ob die Batterie von Peter Frech leistungsfähiger ist. Ebenfalls sollten mit den Kartons alle Teile eingetroffen sein um den Konverter anzuschliessen und damit den Laptop laden zu können. In den zwei kleinen Kartons befinden sich die restlichen Medikamente von Cilgia fürs Centre du santé, in den grossen Kartons sämtliches Handwerkzeug, kleines Schreinereizubehör, Akkubohrmaschine, Hängematte, Drucker, Verlängerungskabel, Batterie- Solaraufladegerät usw. Mir wird in den nächsten Tagen die Arbeit nicht ausgehen…

Heute Morgen ärgerte ich mich, bereits um 8.00 Uhr zu erwachen. Die Ziegen blökten und Papa Jean Takoys Stimme war wieder von weitem deutlich zu hören. Ich stand auf und schimpfte mit Mama Helene, wieso sie, Mama Mbutshu und Mama Regine nicht wie ich sagte erst um 9.00 Uhr gekommen und mich sonntagmorgens nicht in Ruhe liessen. Ich frühstückte um 9.00 Uhr und zwanzig Minuten später fuhren Michel, Jean, Doudou, Abbé- Lehrling Robert, Helene und Odete zur Messe. Die Messe hätte ich vergessen und es scheint mir unmöglich zu sein in Zukunft daran nicht teil zu nehmen. Alle erwarten und warten auf mich. Wenn eine Messe stattfindet, sieht mein Sonntagsprogramm in Zukunft wie folgt aus: 8.30 Uhr Frühstück damit wir um 9.00 Uhr zu Fuss in die Kirche gehen können. Ich finde es nicht angebracht in die Kirche chauffiert zu werden und ansonsten schaut man darauf Treibstoff zu sparen!. Die Messe dauerte 1 ¾ Stunden, dies kam mir lange vor, weil ich nichts verstand. Zuhause angekommen schrieb ich schnell das Omelettenrezept vom PC ab, weil ich momentan keinen Strom habe um es auszudrucken. Ja, ja in der Schweiz ist so vieles selbstverständlich…

Helene suchte mir alle Zutaten zusammen die ich brauchte um Omeletten à la Mami in der Schweiz herzustellen. Helene zählte 11 gross gehäufte EL Mehl ab, dazu mischten wir „Lotshibi lotoy la tshitshe“ einen kleinen Löffel Salz, 6 schweizerisch verhältnismässig kleine Eier und „Tikoho diata la tala otoyi dia achi“ ein Glas Wasser (3dl). Danach zeigte ich Helene, dass man das Gemisch rühren muss bis es keine Mehlklumpen mehr hat. Dann kam der für mich schwierige Teil, ich wurde echt nervös: Auf der schmalen Terrasse hinter dem Haus soll ich nun, in einer alten unförmigen Bratpfanne ohne Stiel auf dem Babula, Omeletten zaubern?! Zuerst nahm ich die Pfanne in die Hände um sie zu begutachten. Dies war ein Fehler, weil ich danach kohlrabenschwarze Hände hatte. Helene und Mama Mbutshu gaben gleichzeitig ein „Ehh“ von sich und Mama Helene rannte mir ein Tuch holen um die Hände zu reinigen. Ich fasste die Pfanne nur noch am Rand an… Als ich sie auf dem Babula positioniert hatte, konnte es losgehen mit der ersten Omelette, ich schüttete ein wenig Öl in die Pfanne. Ups, die Suppenkelle hatte ich vergessen um den Teig in die Pfanne zu schöpfen. Weil ich nicht weiss wie Suppenkelle auf Französisch heisst, sagte ich zu Helene „J`aimerais le machin q`on prend pour la soupe“ Sie verstand es und überreichte sie mir. Ich schöpfte 2 ½ Kellen Flüssigteig in die Pfanne und beobachtete mindestens genauso gespannt wie die beiden Mamas, was nun geschehen würde. Es geschah nichts, weil wir zu wenig Hitze im Babula hatten. Den Luxus wie in Kananga auf Holzkohlen zu kochen, gibt es hier nicht. Mama Mbutshu muss zuerst ein Feuer mit Holz machen und warten bis es Kohle und Glut gibt. Die Mamas holten mit kleinen Blechstücken als Schaufel, Kohlen aus den umliegenden Feuern um sie ins Babula zu füllen. Ok, nun ging es mit der Hitze und bald wendete ich die erste Omelette, d.h. ich versuchte es zumindest. Das Kunststück eine Omelette zu wenden, beherrsche ich auch in der Schweiz nicht. Bald wurde ich klüger und merkte, dass die Omeletten besser gelangen, wenn ich sie kleiner, mit nur einer Suppenkelle Teig, machte. Unter diesen Umständen Omeletten zu braten war ein herrliches Erlebnis. Ich werde mich mein Leben lang daran zurückerinnern! Mama Helene fand es super, dass ich ihnen das Zubereiten von Omeletten 1 zu 1 gezeigt hatte und ich sagte ihr, dass wir nächsten Sonntag wieder gemeinsam Omeletten braten werden. Ich ass sie mit eingerolltem Schweizerhonig, es war ein Gaumenschmaus.

Mit den Kartons ist die Hefe eingetroffen um Brot zu backen. Nun muss ich den Frauen ebenfalls zeigen wie man Brot backt. Erstens habe ich Angst, dass der Teig nicht aufgehen wird und zweitens habe ich keine Ahnung wie man ohne Backofen Brot macht.

Montag 3. Oktober 2005; 19.15 Uhr

Es regnet, donnert und blitzt wieder einmal draussen. Doudou sitzt neben mir und schreibt Otetela- Wörter. Der Montag neigt sich bereits dem Ende zu.

Mama Angelique, Papa Jean, Oyombo, Lodi, Doudou usw. sind bereits UNO- süchtig. Gestern spielten sie nach 22.00 Uhr noch eine Runde ohne mich. Ich bin froh, dass es heute regnet. So habe ich ausser Doudou meine Ruhe und Zeit zum schreiben.

Heute verräumte ich die Dinge aus den zwei grossen Kartons, flickte den Geschirrschrank und reinigte ein Teil des Buffets. Alle Zimmer und Schränke waren seit Jahren im Besitz von Mäusen, Spinnen und Ungeziefer. Mama Helen putzte jeden Tag das Besteck nochmals, welches am Tag vorher abgewaschen wurde, weil die Mäuse über Nacht im Schrank wüteten. Es grauste mich jedes Mal Löffel, Gabel und Messer zu benutzen sowie aus dem Teller zu essen. Morgen muss Helene den ganzen Schrank ausräumen, alles Geschirr und Besteck abwaschen sowie den Schrank innen heraus waschen.

Papa Chamboyi wechselte mit Papa Otepa die Camionbatterie mit der Solarbatterie von Peter Frech aus und schloss endlich das Licht im Korridor an, sie montierten den Schalter furchtbar. Ich habe momentan immer noch Licht, es scheint als wäre die Ocassion- Batterie noch in Ordnung. Das freut mich natürlich sehr. Leider haben wir den fehlenden Stecker um den Konverter an der Batterie anzuschliessen nicht gefunden. Ich muss also in Zukunft die kleine „Groupe“ laufen lassen um meine Geräte aufzuladen. Schade aber ich bin glücklich überhaupt eine Möglichkeit zu haben. Papa Onokoko und Papa Andre fertigten aus Holz nach meiner Skizze sechs Blumenkisten an, in welchen ich morgen, nachdem Papa Boniface sie mit guter Erde gefüllt hat, meine mitgebrachten Gemüse und Blumensamen aussäen werden kann. Mein Zaun ist immer noch nicht fertig, das Arbeitstempo im Kongo ist unglaublich laaangsaaam…

Zum Essen gab es heute Mittag Flädli- Suppe, danach „haricots“ Bohnen Wildfleisch, feines in Bouillon gekochtes Reis und am Abend die restliche Suppe und Fruchte- Eis. Der Kühlschrank ist eine Gefriertruhe, dass der Fruchtsalat zum Frucht- Softeis wurde, so cool! (Wort-wörtlich)

Ich funkte heute zum ersten Mal und zwar nach Kinshasa mit Jean. „C`est Kinshasa par la phonie“ riefen sie, ich solle kommen und mit Jean Nyeme sprechen. Ich hatte keine Zeit mich vorzubereiten, schon drückten sie mir das Ding zum hineinsprechen in die Hand, ich wusste nur dass ich drücken muss zum sprechen. Super, ich hatte keinen Schimmer ob nun am anderen Ende Jean sitzt und was ich sagen soll. Mama Helene und Jean sprachen vorher mit Jean- Paul auf Otetela. Häufig sind sie sich gar nicht bewusst, dass ich gar nichts verstehe. Na ja, bald hatte ich den Dreh raus und ich freute mich mit Jean zu sprechen. Auch mit dem Französisch geht es nun ganz gut, ich finde jeweils einen Weg etwas zu erklären. Es sassen etwa fünf Nasen um mich herum und lauschten wie ich mit Jean sprach. Sie fanden es unheimlich witzig, ich habe mich daran gewöhnt sobald ich ausser Hause bin nie alleine zu sein. Das ist aber auch schön, die Kinder rufen immer bereits aus weiter Ferne „Moyo“ wenn ich mit Doudou zum Bach gehe. Heute und die letzten zwei Tage konnten wir nicht an den üblichen Platz und gingen an den offiziellen Frauenplatz baden. Vorgestern war niemand anderes dort. Gestern und heute waren bereits eine Menge andere Frauen, Mädchen und Kinder am baden als wir kamen. Egal was sie gerade machten, sobald sie mich erblickten liessen sie alles stehen und liegen. Es gab nur noch eines: Schauen was die „Osungu“ Weisse macht… Sie hatten alle wenn überhaupt vorher schon einmal, bestimmt noch nie so viel weisse Haut gesehen. Die Mädchen und auch kleine Jungen vergassen den Mund vor staunen zu zumachen. Ich kann es kaum erklären, es ist unvorstellbar. Heute nochmals das gleiche Spiel, weil nicht die gleichen Frauen am baden waren. Ich stelle mir vor, mich ähnlich gefühlt zu haben wie sich die Affen im Zoo!

Dienstag 4. Oktober 2005; 19.15 Uhr

Nach der allmorgendlichen Versammlung holte ich mit Papa Gabriel „kete“ Erde um meine Holz- Blumenkisten aufzufüllen. Dann säte ich Blumenkohl, Erbsen, Tomaten, Zucchetti, Bohnen, Sonnenblumen, Wiesensalbei und Wiesen- Margeriten. Nächsten Sonntag bis Donnerstag sollten die Pflänzchen spriessen. Ich weiss nicht ob ich einen „grünen Daumen“ habe, meine Gartenbau- Erfahrungen halten sich in Grenzen. Es ist ca. 15 Jahre her seit ich als Kind in Mamis Garten ein kleines Beetchen hegte. Ich bin gespannt, welche Pflanzen bei diesem Klima und bei meiner Pflege wachsen werden. Nachdem ich die Samen gegossen hatte, suchte ich mir ein Platz hinter dem Haus um meine Hängematte aufzuhängen. Mit je sechs von vielen aus der Schweiz mitgebrachten „Stallschnüren“ von Papi, flechtete ich zwei starke Seile „cordes“ um die Hängematte mit Karabinerhacken an zwei Bäumen zu befestigen.

Gestern kamen zwei junge Ziegen zur Welt. Ich streichelte sie, die sind echt niedlich. Weil sie so klein sind haben sie noch keine Angst. Vielleicht gehe ich sie jeden Tag streicheln, dann werden sie zahm.

Mittwoch 5. Oktober 2005; 19.15 Uhr

Leider hat sich die Ziegenmutter mit den kleinen Gizzis einen anderen Platz gesucht und ich fand sie heute nicht mehr. Papa Dominique, der Sekretär schrieb gestern für mich das Yanga- Lied auf, welches wir jeden Morgen nach dem Gebet singen: Yanga, Yanga, Yanga, Yanga, Yanga, Yanga, Yanga; Toongakee kanga enende; Aha monga osuwa; Yanga ongee etetee, Yanga ongee etetee, Yanga ongee etetee, Yanga. Das Lied ist schnell erklärt: Yanga sei nicht faul, Yanga sei nicht schwach, Yanga sei stark. Letzte Nacht regnete es erneut, wieder hat niemand die Fässer bereitgestellt um Wasser zu sammeln! Ich kann es kaum begreifen, gestern diskutierten wir das Thema lang und breit und heute sind wir genau am gleichen Punkt angelangt, das kann ja nicht sein.

Die Versammlung zu Ende und ich kaum fertig mit der Besichtigung der Maurerarbeiten, fragte mich Helene wie immer was ich denn heute essen möchte. Danach stand „Brotbacken“ auf dem Programm. Wie bei den Omeletten zeigte ich Helene die Menge der Zutaten, des Mehls, des Salzes, der Hefe und des Wassers. Dann knetete ich die Masse bis es einen schönen Teig gab.

Es war witzig, Helene fragte mich mit erstauntem Gesichtsausdruck ob wir in der Schweiz tatsächlich den Teig auch mit den Händen kneteten. Als der Teig eine gute Konsistenz hatte, legte ich ihn in die grosse Alupfanne, Mama Mbutshu machte den Deckel drauf und stellte die Pfanne während einer Stunde auf ein Wellblech an die Sonne. Danach war er mindestens doppelt so gross, super! Dies war für mich ein Riesenerfolgserlebnis! Von nun an übergab ich den Teig und die Arbeit Mama Mbutshu. Sie knetete den Teig nochmals ca. 10 Minuten und strich mit einer Vogelfeder als Pinsel die Pfanne mit Öl, als Ersatz für Butter, aus und panierte sie anschliessend mit Mehl damit später das Brot nicht kleben bleibt. Aus dem grossen Teig formte sie 4 Brote, legte je zwei in eine Pfanne und überstrich sie ebenfalls mit Öl. Sie liess die Brote einige Minuten stehen und bereitete in der Zwischenzeit zwei Feuer vor. Mama Mbutshu`s Trick, die Brote auf dem Feuer zu backen, ist, wie ich später sah, nicht nur unter der Pfanne ein Feuer zu machen sondern ebenfalls auf dem Deckel der Pfannen um rundum Hitze zu erzeugen.

Mittwoch 5 Oktober 2005; 20.50 Uhr

Die Brote sind sehr gut gelungen und sie schmecken auch erstaunlich gut. Das nächste Mal mag es etwas mehr Salz leiden, die ersten Brote sind gar neutral im Geschmack. Zum Mittagessen gab es zuerst wie jeden Mittag Suppe, heute mit frischem Brot, mhhh!! Dann Wildfleisch und Teigwaren. Ich rechnete heute nach dem Mittag noch die Überstunden der Maurer Hilfsarbeiter aus um sie am Nachmittag wie versprochen auszuzahlen. Ich durchsuchte das ganze Büro nach einer toten Maus, weil es nach einem verwesenden Tier stinkt aber ich fand nichts, dies ist ärgerlich.

Um 15.15 Uhr, nach der offiziellen Arbeitszeit weihte ich endlich meine Hängematte ein. Hinter dem Haus zwischen zwei Bäumen mit einer idealen Distanz hängte ich sie auf. Ich hatte meine Ruhe, frische Luft und eine herrliche Umgebung. Die Abendsonne schien mir zwischen den Palmblättern durch ins Gesicht und ich schlug im Dixer einige Wörter nach, welche ich den Tag durch nicht verstand.

Freitag 7. Oktober 2005; 17.00 Uhr

„Morgen werde ich bereits zwei Wochen bei euch wohnen. Ihr seid ein sehr freundliches Dorf, losaka losaka!

Die zwei vergangenen Wochen war ich eine Beobachterin. Ich habe geschaut wie ihr arbeitet und eure Tage verbringt. Die Meisten von euch haben keine gute Art und Weise zu arbeiten. Oft während der Arbeitszeit arbeitet nur einer von der Abteilung und fünf schauen zu. Es ist nicht nötig, dass jemand zuschaut. Aber die grösste Enttäuschung ist, dass es Leute gibt, welche ihre Arbeit bereits um 12.00 Uhr oder 13.00 Uhr beenden. Ich habe kein Problem damit, wenn ihr am Mittag eine kleine Pause macht aber alle arbeiten bis 15.00 Uhr!

Jeder, Jede ist verantwortlich für seine Arbeit und für die Arbeit der Gemeinschaft.

Wir sind ein Team und das Zauberwort heisst Teamwork!

Alle haben das Problem mitbekommen, dass die Maurer zwei Mal vergessen haben Regenwasser zu sammeln. Wir arbeiten im Team für die Kooperative, warum hat niemand gemerkt, dass sie dies vergessen haben. Hätte jemand von euch, das Fass unter die Dachrinne gestellt, wäre er der Held des Tages gewesen.

Also, vergesst nicht, jeder, jede ist verantwortlich für ein gutes Funktionieren der Kooperative!

Danke für eure Aufmerksamkeit! losaka!“

Dies war heute Morgen während der Versammlung meine Ansprache in Französisch von Papa Philippe in Otetela übersetzt. Papa Kasende und Papa Gabriel, meine „Zaunbauer“ haben mich dazu getrieben die „Beobachterfase“ zu beenden. Gestern bauten die Beiden ein Dach um meine Gemüse- und Blumensamen vor starkem Regen oder Hagel zu schützen. Dies war Ok, jedoch beendeten sie ihre Arbeit um 11.00 Uhr als das Dach fertig war obwohl es noch eine Menge Arbeit gibt. Sie suchten Ausreden als ich sie zur Rede stellte. Es ist für mich offensichtlich, dass sie keine Lust mehr hatten weiter zu arbeiten.

Heute arbeiteten die Beiden zum Ersten Mal seit ich in Yanga bin bis 15.00 Uhr. Ab heute machen wir um diese Zeit nochmals eine Versammlung um gemeinsam die Arbeit zu beenden und um die Anwesenheit zu kontrollieren. Für uns Schweizer ist dieses System unvorstellbar aber mir kam keine andere Idee in den Sinn um das „Arbeitszeit- Problem“ anzugehen. Der Zaun ums Haus ist nach zwei Wochen endlich fertig und morgen kann Papa Boniface mit seinem Team „Agriculture“ den Boden ausebnen, schöne „kété“ Erde suchen und Sträucher pflanzen. Ich möchte zwischen den Sträucher vor dem Büro- und Schlafzimmerfenster Sonnenblumen setzen. Hoffentlich werden diese nächstens in den Kistchen spriessen!

Heute morgen fand ich endlich die tote verwesende Maus inkl. „Madli“ auf dem Schrank im Büro, der Gestank war unerträglich geworden. Die liebe Mama Regine entsorgte sie zum Glück für mich.

Safricas ist bald fertig mit den Mauern der Schreinerei, er benötigt Bretter für den Fenster- und Türabschluss oben. Deshalb sägten Papa Andre mit seinem Team gestern und heute Morgen bereits einige Bretter. Ich nutzte die Chance und lud die Akkus meiner Geräte auf. So brauchte ich gestern Abend die kleine „Groupe“ nicht und werde sie auch heute Abend nicht brauchen. Die Maurer fabrizierten zu wenig „briques“ und stellten gestern heute und werden morgen noch Neue herstellen. Safricas meint es fehlen ca. 300 Steine. Gestern und heute produzierten sie 130 Stück.

Freitag 7. Oktober 2005; 19.50 Uhr

Jeden Abend esse ich feine Früchte, ich werde wahrscheinlich eine Vitaminvergiftung bekommen *grins*. Ich bin momentan glücklich was das Essen anbelangt, am Morgen Spiegeleier und feines Brot mit mitgebrachtem Honig, Nutella oder Konfitüre, mittags abwechselnd Teigwaren, Reis oder Fufu mit Gummiadler (Hühnerfleisch), Schweine- Ziegen oder Schaffleisch, frischem oder geräuchertem Fisch, Kochbananen, Bohnen oder Mais. Abgesehen vom Gemüse, esse ich hier abwechslungsreicher als in der Schweiz.

Ich habe noch kein Kilo abgenommen, das ist wohl das deutlichste Zeichen, dass es mir auch sonst gut geht.

Es ist schon komisch überhaupt kein E- Mail- und Windows Messenger- Kontakt zur Schweiz zu haben. Ich sage mir dann einfach, dass es umso mehr zu erzählen werden gibt, wenn ich Familie und Freunde wieder sehe oder sich wieder einmal eine Möglichkeit ergeben wird zu e- mailen.

Samstag 8. Oktober 2005; 9.00 Uhr

Juhuii, die Bohnen und Erbsen mit angegebener Keimzeit von 5- 8 Tagen, keimen bereits heute am 4. Tag nach der Aussaht!!

Diese beiden Gemüse scheinen recht stabil zu sein, sobald der Garten bereit ist, werde ich sie direkt in die „Beetli“ säen. Als nächstes sollten die Zucchetti und der Blumenkohl keimen. Bei den Tomaten und Karotten muss ich mich länger gedulden, ihre Keimzeit ist mit 12- 14 bzw. 10- 14 Tagen angegeben. Ebenfalls bei den Blumen muss ich mich noch gedulden.

Am Mittwochabend als wir UNO spielten nahm eines der vielen zuschauenden Kinder die Schachtel um die Karten zu verräumen mit. Ich bat am nächsten Tag die Jugendlichen Kartenspieler, das „Schachteli“ zu suchen. Gestern hatten sie die Schachtel immer noch nicht gefunden, ich sagte wir werden erst wieder UNO spielen, wenn ihr die Schachtel zurückgebracht habt. Siehe da, heute Morgen lag die Schachtel auf dem Tisch! Ich habe das Gefühl Odete nahm die Schachtel und Mama Helene sagte nichts. Odete ist ein unglaublich verwöhntes Kind, sie ist auch die einzige im Dorf, welche dauernd weint. Die anderen Kinder wissen, dass sie mit weinen nichts erreichen also sind sie still.

Sonntag 9. Oktober 2005; 10.30 Uhr

Ich knipste ein Foto wie die „Orpheline“ von Abbé Nyeme Mama Helene  eine neue Frisur flechtete. Mamu, die „Orpheline“ hatte ihren 1 ½ jährigen Sohn „Abbé Nyeme“ (viele werden nach Jean Abbé Nyeme getauft) dabei. Als ich in die Nähe kam fing er an zu schreien wie am Spiess und wollte nicht mehr aufhören. Viele Kinder in diesem Alter haben Angst vor mir.

Heute keimten bereits alle Pflänzchen, ausser den Tomaten und Karotten. Den Bohnen kann man beim wachsen zuschauen, gestern keimten sie, heute sind sie 9- 10 gross. Papa Boniface wird wohl morgen zuerst den Garten präparieren müssen und danach mit der Umgebung des Hauses weiterfahren.

Helene ist wie ein kleines Kind, wenn es ums UNO- spielen geht. Gerade erklärt sie das Spiel der Mutter von Doudou, Mamu und deren Mann. Ich sagte ihnen später das „Fang mich“ Spiel zu erklären wo kleine Kinder wie Odete auch helfen können.

Ich bin froh, dass der Abbé Ngénge, Pfarrer von Yanga, nicht wie erwartet gestern von Tshumbe zurückkam und heute keine Messe stattfand. So konnte ich ausschlafen und hatte, bis Mama Helene, Regine und Mbutshu um 9.00 Uhr kamen, meine Ruhe. Jetzt ist es bereits wieder Zeit Omeletten zu machen…

Sonntag 9. Oktober 2005; 20.17 Uhr

Morgen kommt Abbé Nyeme, sagten mir heute Abend Mama Helene und Papa Jean Takoy in einer Seelenruhe. Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Er werde vor dem Mittag kommen und nur einige Stunden bleiben um dann nach Tshumbe weiter zu fliegen. Ich schrieb nun die Liste mit den Nützlichkeiten für Yanga, Fragen und Diskussionspunkten für Jean.

Es hat bereits seit einigen Tagen nicht mehr geregnet, deshalb ist es drückend heiss. Ich warte auf den nächsten Regenfall, damit die Luft sich abkühlt und damit sich das Fass, welches meine Bründli und Dusche speisst, wieder auffüllt. Momentan muss ich wieder mit der altbekannten Kübeldusche vorlieb nehmen, weil Papa Chamboyi und der Sanitär Françoise nach dem letzten Regen von mir den Auftrag bekamen, das Fass innen zu reinigen und danach mit einem Mückengitter zu schützen. So will ich verhindern, dass sich die Leitungen verstopfen werden. Ich ersetzte das Mückengitter an meinem Schlafzimmerfenster mit einem neuen aus der Schweiz Mitgebrachten und das alte ist noch gut genug um das Fass zu schützen. Damit erfüllte gleich zwei Zwecke, der Schutz der Wasserleitungen sowie keine Mäuse mehr im Schlafzimmer zu haben.

Montag 10. Oktober 2005; 10.45 Uhr

Wieder so nebenbei erfahre ich, dass Jean Abbé Nyeme erst morgen kommen wird. Na ja, wir sind ja im Kongo, ich glaube es wieder erst wenn ich es sehe…

Leave a Reply

XHTML: Du kannst folgende Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>