9 1/2 Monate Dem. Rep. Kongo, 16.April-27.Mai 2006
Ostern 16.April 2006, 9.15 Uhr
In einem Monat werde ich bereits in Kinshasa sein und bald an den Flughafen fahren um den Heimflug in Angriff zu nehmen… Leider habe ich noch keine Ahnung wie ich nach Kinshasa kommen soll, wahrscheinlich muss ich über Lodja reisen und wieder das Behördentheater über mich ergehen lassen.
Es ist Ostern!? – Heute wird ein ganz besonders heisser Tag, bereits um diese Uhrzeit ist kein Wölklein am Himmel zu sehen… Ostern im Sommer ist fast genau so komisch wie Weihnachten im Sommer.
Jetzt sehne ich mich nach Frühling oder irgendeiner anderen Jahreszeit (immer Sommer ist doch langweilig
sowie nach gefärbten Ostereiern, Schoggihasen *grins* und natürlich auf den gemeinsamen Tag mit meiner Familie.
Da Ingenieur nicht wie versprochen gestern zurück aus Lodja kam und mich wieder einmal mit allen Problemen alleine lässt (bin es mir ja gewohnt), habe ich mich vor allen Kirchengängen gedrückt und ziehe es vor noch so viel Ordnung wie möglich in die COYA zu bringen.
Gut ist heute die Sonne so kräftig, da kann ich aussergewöhnlich viele Stunden lang am Laptop arbeiten. Heute wird Abbé Pierre Ndjovu mich auf seinem Weg an den Hafen von Samanguwa (das Schiff der Methodisten sei endlich angekommen – somit auch unsere Dieselfässer) besuchen, wie er es mir bei meinem letzten Tshumbe – Aufenthalt versprach. Natürlich freue ich mich ihn zu sehen, mit ihm zu speisen und gleichzeitig ist es meine Chance seit 1 ½ Monaten den wohl viel zu lang geratenen Abenteuer Kongo 12 Bericht zu versenden…
Ostermontag 17. April 2006; 20.15 Uhr
Seit langem ging ich wieder mit Pepe joggen, meine Kondition ist lausiger als lausig! Pepe würde locker bereits drei Mal mit meiner Ausdauer mithalten. Der Regen hat teilweise 50cm (nicht übertrieben) tiefe Löcher in die Strasse gefressen… ich kann gut verstehen wieso Abbé Ndjovu mit dem Jeep 5 Stunden brauchte für den sonst 2-stündigen Weg von Tshumbe nach Yanga. Einerseits ist die Gewalt der Natur riesig anderseits besteht der Boden hier sobald nichts mehr darauf wächst nur noch aus Sand. Abbé Ndjovu kam also erst heute in Yanga vorbei, ass wie versprochen mit mir und ging mit Mama Helene weiter nach Samanguwa. Bis jetzt sind sie nicht zurück, das heisst sie werden die Nacht wohl in Samanguwa verbringen. Sie waren spät dran und es gibt viel Fracht auszuladen – das grösste Problem stellt uns jedoch wieder die Korruption – es ist nicht das Schiff der Kooperative und um unsere paar Fässer Diesel und etwas Zement abzuladen, fordert die Schiffsbesatzung 600$US. Abgesehen, dass wir momentan gar kein Geld mehr haben ist es eine riesengrosse Schweinerei! Ich weiss nicht wie Mama Helene mit dem Problem fertig werden wird und wann sie zurückkehren werden. Die Methodisten liehen sich unser Camion (mit Crew natürlich) für 400$US pro Reise hin und zurück Tshumbe Samanguwa. Das Benzin organisieren sie selber, wir verdienen also 2$ pro Kilometer, was ein guter Preis ist.
Mama Helene gab ich je einen Vertrag für Djondo und Djondo- Cité mit. Ich bin nicht mehr bereits einfach so Geschenke zu machen wie es die COYA viel zu oft getan hat. Ok, ich weigerte mich nicht den Chef für ihr „Droit coutumier“ „Sittenrecht?“ wie sie gewohnt sind Salz und Seife zu schenken aber ich knüpfte bei Djondo die Bedingungen an; mindestens mit 10 Assoziationen, mindestens 5 Hektaren Gemeinschaftsfelder pro Jahr zu bewirtschaften und für Djondo- Cité mindestens 5 Hektaren Land für den Maniokanbau zur Verfügung zu stellen. Da mich Ingenieur wie letztes Mal als er schnell wieder nach COYA zurückkehren wollte, versetzte, schrieb ich die Verträge so gut ich es mit meinem erworbenen Wissen über die Bräuche und mit meinem lausigen Französisch zustande brachte. Die einzige Sicherheit war für mich die Verträge mit Mama Helene durch zu gehen aber sie findet wie viele Leute hier schnell einmal etwas sehr gut.
Papa Dominique kam heute mit den Abbés nach COYA zurück, ich denke er ist noch nicht wirklich über den Berg so mager wie er aussieht. Seine Finger begannen bereits abzusterben und der Arzt verschrieb ihm ein absolutes Alkohol, Wein und Zigarettenverbot. Ich bin überzeugt, wenn er nur noch einmal zur Flasche greifen wird, würde man dies auch Selbstmord nennen können.
Es passiert viel auf ein Mal, ich kann es gar nicht fassen – heute ist Papa Otepa gestorben – es tut mir Leid für seine Familie. Ich wusste gar nicht, dass die Ärzte in Tshumbe ihm nicht mehr zu helfen wussten, er einen Naturheiler aufsuchte und bereits seit über einer Woche in Yanga Dorf war. Seine Krankheit bleibt allen ein Rätsel, er hatte einen aufgeblähten Bauch, ganz extrem und niemand brachte es weg.
Die Trockenbatterie gab vor einigen Tagen bereits den Geist auf (Eine von denen Peter Frech schickte – wieder einmal waren die Transportkosten viel zu teuer – Wieso Occasion Schrott in den Kongo schicken??) und Shungu Cosmas meinte es gut, flickte eine Camionbatterie zusammen damit ich wieder Licht habe. Leider ist die Speicherkapazität aller Batterien in Yanga (ich kenne mich zuwenig aus aber wahrscheinlich ist die Säurequalität schlecht) so schlecht, dass vorgestern und gestern um 21.00 Uhr das Licht ausging und heute dient mir seit 19.00 Uhr Kerzenlicht. So werde ich in den letzten Yanga Tagen noch meinen ganzen Kerzenstock aufbrauchen. Die grosse July wurde nach der Nachtmesse von Samstag auf Ostern fürchterlich von ihrem Vater verprügelt, weil er anderen mehr Vertrauen schenkte als ihr. Der Vater glaubte, dass July etwas mit dem Grosskind vom Chef Jacques (immer sind es Kinder vom Dorfchef, welche meine Mädchen belästigen) habe. Zum Glück nahm Mama Veronique, die Schwester von Mama Fatuma, July zu sich und ihrem Mann, Papa Kasongo nach Hause, ich weiss nicht wie es ihr jetzt gehen würde, wenn Mama Veronique nicht gewesen wäre. Es ist fürchterlich wie hier Gewalt von den Männern auf die Kinder und Frauen ausgeübt wird und niemand macht das Maul auf um sich zu wehren. July wurde rausgeworfen, der Vater sagte er würde sie jeden Tag verprügeln, wenn sie nach Hause zurück komme…
An Ostern lud ich die Leute der Direktion zum Essen ein und auch July. Am Abend sprach ich mit ihr, sie sagte, dass sie gar nichts von diesem Jungen wolle. Ich gab ihr 500fc, sagte ihr, dass ich ihr nur solange helfen könne wie sie mich nicht belüge (und wenn sie schwanger sei, könne ich ihr auch nicht mehr helfen) und war froh, dass sie erst einmal bei Mama Veronique wohnen kann. Heute Vormittag kam sie bei mir vorbei, gestern sagte ich zu ihr sagte, sie könne bis ich einen Studienplatz für sie gefunden habe, ein bisschen für die COYA arbeiten. July kam wie gerufen und ich übergab ihr meine angefangene Arbeit; mit Papa Gabriel zusammen den neuen Weg abzustecken und in 6metrigen Abständen am Wegrand Plätze für Palmen auszumessen. Im ersten Versuch war die Linie nicht gerade und die Distanzen waren mal 7 und mal 8 Meter. July lernte schnell, ich erklärte noch einmal und zeigte wie sie mit Hilfe der Stöcke eine Schnurgerade Linie ziehen kann indem sie einfach den ersten und letzen Stock anvisiert und Papa Gabriel die Stöcke nach ihren Korrekturanweisungen (ein bisschen nach rechts oder links!!) setzt. Beim zweiten Anlauf war die Arbeit beinahe perfekt und ich hätte es nicht besser gekonnt. Kurz vor dem Mittag begann es wie aus Kübeln zu regnen (Strassenkiller). Dank July hatte ich vorher noch Zeit die Verträge für die Dörfer zu dichten und zu drucken, später wäre aus dem drucken nichts mehr geworden, weil die Sonne sich bis am Abend nicht mehr zeigte (Energieproblem)
Dienstag 18. April 2006
Ich finde es gar nicht schön wie schnell die Zeit vorbeirast. Im Finanzbuchhaltungschaos kam ich heute einen grossen Schritt weiter. Vorher und gleichzeitig kümmerte ich mich um die Montage der Kaninchenställe und um die neue Strasse mit Palm-Allee…
Bei der Reismühle wurden heute auch die Abschlussarbeiten beendet und Shungu Cosmas mit Ngomo Pierre begannen in der „neuen Reismühle“ Ordnung zu schaffen. Mit Papa Cosmas, welcher in seiner Arbeit richtig aufblüht, was ich vorher nur bei Ingenieur Gilbert erlebte, habe ich die zukünftig sinnvollsten Installationsmöglichkeiten studiert. Wie es war, weiss Cosmas nicht, da er noch ein kleiner Junge war aber wie es werden sollte ist ja sowieso wichtiger. Zwei Reismühlen sind noch vorhanden und sollten nach Angaben von Papa Jean noch funktionieren. Zusammen mit einer grossen Mühle (Für Mais und Maniok) wurden sie mit einem separaten Generator angetrieben. Papa Cosmas bedauerte, dass dieser Generator kaputt sei, weil bei seinem Besuch vor ein paar Jahren Papa Paul aus Kananga abreiste, bevor er den Generator repariert hatte. Ich finde den Verlust dieses Generators nicht schlimm, weil die Mühlen Kosten- und Energietechnisch eh an dem grossen Sägerei- Generator angeschlossen werden müssen. Es fehlen also nur ein passender Motor und natürlich die Beschaffung einer grossen Mühle.
Gestern fuhr unsere Transport Equipe nach Samanguwa um Diesel und Zement zu holen, welches die Protestanten (Sitz in Wembonyama) auf ihrem Schiff für uns transportierten und dies endlich in Samanguwa ankam. Ebenfalls kam die Fracht für einen Händler aus Tshumbe an, welcher unser neues Camion für den Transport mietet. Weil die Strassen in so schlimmem Zustand sind, kam die Mannschaft spät abends zurück und sie brachten…
…meine zwei Kisten aus Kinshasa!! Ich glaubte nicht mehr daran, dass die Kisten mit vielen persönlichen Dingen von mir noch vor meiner baldigen Abreise eintreffen würde. Es ist schon so lange her, ich wusste nicht einmal mehr was ich einpackte…
Mama Helene half mir ausräumen. Alles war voller Käfer… so richtig ekelhaft!
Donnerstag 20. April 2006; 20.15 Uhr
Schon hatte ich das Gefühl so was wie ein Ende zu sehen in der Beantwortung der vielen Finanzfragen und Rätsel von Urs. Heute wurde ich aber des besseren belehrt – auch in Mama Helenes Buchführung ist nicht alles so klar wie es schien. Weil Jean Nyeme ihr verbot die Einnahmen von Salz- und Treibstoffverkauf für andere Dinge zu gebrauchen als für private Dinge von Jean und für die Direktion, führte sie einen Rapport extern und führte ihn im Jahresrapport gar nicht auf!
Jeden Tag vergeht schneller als der vordere und umso langsamer kommt es mir vor arbeiten die Leute von COYA… ich bezweifle sogar die unehrgeizig gesetzten Ziele zu erreichen…
Freitag 21. April 2006; 09.45 Uhr
Um unsere Fracht überhaupt vom Schiff laden zu dürfen, mussten wir 700$US bezahlen. Zum Glück hat ein Commerçant (Händler) aus Tshumbe unser Camion für drei Reisen Samanguwa – Tshumbe gemietet – wir hätten nicht genug Geld gehabt die 700$US zu bezahlen.
Mir kam gestern der Gedanke, dass Mama Helene und die anderen der Direktion zwar schon einen Ordner gesehen hatten, sagten (wie immer) dass sie wissen wie wichtige Dokumente sorgfältig zu ordnen seien aber eigentlich hat es ihnen noch niemand gezeigt. Heute holte ich einen Ordner und ein Register, beschriftete alles fein säuberlich, dann rief ich Mama Helene. Es war, wie ich dachte – Sie hatte noch nie vorher ein Blatt gelocht und auch noch nie den Zweck eines Registers erkannt. Mama Helen strahlte wie ein Meienkäfer als ich es ihr zuerst zeigt und dann sie selber ein Blatt falten musste um die Mitte der Löcher zu erhalten, das Blatt richtig in den Locher stecken, zum ersten Mal ein Blatt lochen und es im richtigen Registerabschnitt einordnen musste… auch das einordnen ist gar nicht so einfach, wenn man zum ersten Mal einen Ordner in den Händen hält – zuerst bis zum richtige Registerabschnitt blättern, bevor man den Ordner öffnet ansonsten fallen alle Blätter heraus… *grins*
Auf dem Weg ins Depot um den Ordner zu holen, sah ich ein kleiner Junge in einer grossen Pfanne sitzen. Sie diente ihm als Badewanne – es sah witzig aus aber eigentlich ist es nicht hygienisch in der Pfanne zu baden wo Mama später das Mittagessen zubereiten wird. Solche und ähnliche Eindrücke sehe ich täglich und viele schreibe ich wohl gar nicht auf obwohl sie speziell sind, weil ich mich bereits daran gewöhnt habe wie die Menschen hier häufig fast auf dem gleichen Niveau wie Tiere leben…
Samstag 22. April 2006; 10.00 Uhr
Louise ist gerade zu Besuch mit Merveille, der Tochter ihres älteren Bruders, welcher sich so bereits so lange in Kinshasa befindet, dass er seine Tochter noch gar nie sah. Ich bin K.O. verbrachte wohl die schlimmste Nacht in Yanga. Nein, zum Glück überfielen mich keine Ameisen… keine Ahnung was ich gestern erwischte – all paar Minuten rannte ich aufs WC und gleichzeitig musste ich erbrechen. Nun bin ich zum Glück ziemlich leer und der extreme Magenschmerz liess nach. Erstens habe ich kein Hunger und zweitens traute ich nicht mehr als zwei Münzentees zu mir zu nehmen…
13.40 Uhr
Mein Hungergefühl ist noch nicht zurückgekehrt, ass zwei Gabeln voll Reis und es fühlte sich nicht gut an also liess ich das essen bleiben. Ich telefonierte wie abgemacht einige Minuten mit meiner Mutter. Sie hatte mir gute Neuigkeiten was meine zukünftige Arbeitswelt betrifft!
Mama Helene hat seit gestern schreckliche Kopfschmerzen und auch arbeitsmässig hier in Yanga läuft es gar nicht rund. Die Sägeblätter müssen viel zu häufig gewechselt und geschärft werde. Daraus resultiert, dass einer der zwei Schleifscheiben nach wenig gesägten Baumstämmen bald durch sein wird und es kann einfach nicht effizient und annähernd rentabel gearbeitet werden. Papa Onokoko meint er sei etwas Besonderes – er streikte vorgestern einfach die Arbeit ohne auch nur einmal seine Probleme mitgeteilt zu haben. Von anderen musste ich erfahren, dass er erzählte es gab keine „prime“ nachdem das Dach der Schreinerei aufgerichtet wurde, nun sei auch die Resimühle aufgerichtet – jetzt sollen sie das nächste Haus aufrichten, das provisorische Freizeitzentrum. Er gehe in den Wald auf seinem Feld weiterarbeiten weil Mama Sabina bald abreisen werde ohne ihnen etwas zu geben. Ausserdem würden ja keine Wellbleche mehr für ihre persönlichen Häuser bleiben, welche ihnen Jean Nyeme schon lange versprach. Es ist so daneben wie er beginnt die anderen zum Streik anzustiften. Ich habe entschieden um den anderen Arbeitern zu zeigen, dass sie diesem Beispiel nicht folgen sollen, Papa Onokoko bis Ende Juni zu spicken, die Leute der Direktion waren natürlich einverstanden. Papa Jean konnte auch nicht verstehen wieso sich Papa Onokoko so verhält da ich es war den ihn vor der Anzeige und höchstwahrscheinlich vor dem Gefängnis bewahrte als er sich mit dem Dorfchef Jacques anlegte. Sowieso verstehe ich diese dauernde Bitten um Prämien nicht – Die Schreiner machen auch nur jeden Tag ihre Arbeit wie die Leute der anderen Sektoren auch wenn man bei ihnen die Arbeit besser sieht als beispielsweise bei den Strassenwärtern wo jeder Regen auch die beste Arbeit wieder vernichtet…
Mir schlafen wieder einmal die Hände ein.
Gilbert ist immer noch nicht zurück nach YOYA hier kommt man nicht ein Minute zu spät sondern eine Woche…
Seit gestern funktioniert der Kühlschrank nicht mehr, Petrol ging aus, das heisst es gibt nun noch hässliches lauwarmes Wasser mit Bach und Rauchgeschmack zu trinken. Vorgestern schlug der Blitz in der Direktion ein, ich bekam einen Riesenschreck. Etwas später erfuhr ich, dass zwei Schreiner vom Blitz getroffen wurden, zum Glück aber nur leicht verletzt waren. Der Blitz zerstörte ausserdem die Stromleitung – momentan erreicht der Strom des grossen Generators nur noch das Büro, wo Papa Cosmas bereits ein neues Kabel einzog.
Montag 24. April 2006; 21.45 Uhr
Bevor ich mich wie man sieht noch bis am Abend spät hinter die Lösungen des Finanzchaos machte, setzte ich mich für ein halbes Stündchen draussen auf die Bank – es ist eine wunderschöne Sternennacht; der Mond war noch nicht aufgegangen (Vielleicht ist auch Neumond?) gemischte Gefühle wechseln sich jeweils im Bauch ab und verschiedene Gedanken gehen mir durch den Kopf. Freue ich mich doch riesig in zwei Wochen und einem Tag die Heimreise anzutreten, trotzdem finde ich es irgendwie schade dieser kleine „unberührte“ Fleck Erde zu verlassen… ganz bestimmt werde ich zurück kommen!
Heute machte ich Inventar und Problemanalyse was die Schreinerei betrifft, morgen ist „Garage“ dran. Ich habe mich nebst den Finanzen noch ausgiebig mit Diesel- und Benzinzahlen beschäftigt. Die hier noch unverhältnismässigeren Treibstoffpreise zerbrechen mir den Kopf „wie kann das rentieren“ frage ich mich?! Es gibt an erster Stelle nur eins: Es müssen Leute nach COYA, welche rechnen können. Wie oft wurde zum Beispiel den Traktor und das Camion verwendet nur um Holz zu holen um Maniok zu trocknen… Die ganze Maniokernte kann bereits nicht mehr rentieren… aber es merkt niemand. Mir wurde erst seit kurzem so richtig bewusst, dass Papa Jean so schnell wie möglich seine Position an jemanden abgeben muss, der rechnen, schreiben und logisch denken kann – Papa Jean Takoy kann keines von den Dreien.
Anhand von Kubikmeterpreisen sollte zumindest Papa Philippe und Papa Dominique fähig sein, korrekte Brett – Bohlen- preise aus zu rechnen. Mit Zeichnungen und Beispielen werde ich auch dies noch in den letzten Tagen erklären…
Dienstag 25. April 2006; 23.30 Uhr
In zwei Wochen werde ich mich bereits in Lodja befinden. Weil ich voll im Stress bin sind meine Nächte verhältnismässig zu kurz. Heute hielt ich eine Krisensitzung mit Garage- und Transportverantwortlichen, Shungu Cosmas, Okandjo Paul, Papa Wembushi und mit Papa Philippe als COYA- Vertreter. Walti gab mir die sinnvolle Aufgabe zu ermitteln was wir mit den letzten 3 Fässern Diesel gemacht – für was wir den Inhalt verwendet haben…
Das Resultat ist niederschmetternd und erschreckend – es macht mich fertig; 200 Liter wurden in den grossen Motor der Sägerei gefüllt und man sägte damit Bretter, Dachlatten und Bohlen mit einem Verkaufswert (natürlich haben wir alles für die Konstruktionen der Reismühle, Kaninchenställe usw. verbaut und nicht verkauft) von 520$US; dieses Resultat ist nicht super aber einigermassen befriedigend. Das Problem liegt bei den restlichen 413Litern, mit welchen Traktore und Camions nur gerade 278km zurücklegten – normalerweise legt man mit 35 Litern gegen die 100km zurück. Ok es wurden Baumstämme geladen und wenn der Kran in Betrieb ist läuft das Camion natürlich die ganze Zeit, dies reduziert natürlich die Kilometer pro Liter Benzin im Durchschnitt. Trotzdem mit den 413 Litern hätten mindestens 1000km zurückgelegt werden sollen.
Innerhalb von 4 aneinanderfolgenden Tagen wurden während 3 Tagen 90 Liter in das Reservoir des neuen Traktors eingefüllt obwohl die Gruppe Kettensäge nur 3x 4 – 5 km entfernt von COYA Bäume sägen und aus dem Wald ziehen gingen. Ich weiss nicht was ich schlimmer finden soll, dass Shungu Cosmas einfach hirnlos literweise Diesel herausgab und ihm überhaupt nichts auffiel oder dass Omba Lazare obwohl ihm gerade den Prozess gemacht wurde, höchstwahrscheinlich zirka 60 Liter Diesel stahl; er lachte sich bestimmt ins Fäustchen! Ich habe ja bereits „Fiches“ Zettel für jedes Fahrzeug für jede Reise vorbereitet um in Zukunft einigermassen eine Kontrolle zu haben aber was soll man gegen das fehlende Vorstellungsvermögen von sämtlichen Direktionsmitgliedern und Sektorverantwortlichen tun??? Mit unserem Super – Koordinator wurden tausende $ versaut (er schickt wegen jeder Kleinigkeit Traktor in den Wald) weil er 1 und 1 nicht zusammenzählen kann…
Es geht nicht….
Wie sollen nun diese Verantwortlichen fähig sein ein Budget für die neuen fünf Fässer Diesel zu erstellen?
Ich bin mit meinem Latein definitiv am Ende.
Das einzige was ich noch machen kann sind Massnahmen treffen um einigermassen dem grossen Verlust entgegen zu wirken; verbieten dass die Gruppe “Tronçonneuse” Kettensäge mit dem Traktor in den Wald fährt nur um Bäume zu fällen!
Donnerstag 27. April 2006; 09.30 Uhr
Stundenlang grübelte ich und arbeitete das System aus um die Löhne anständig zu berechnen, weil vorher einfach pro Tag gezahlt wurde obwohl am Samstag nur bis 12- an den anderen Tagen bis 15.00 Uhr gearbeitet wurde. Manchmal wird ja halber Tag gearbeitet (wenn Aufgaben nicht erfüllt werden) und die Arbeiter verweigerten öfters die Arbeit wenn am 30. oder 31. des Monats die Löhne noch nicht parat waren zum auszahlen. Ich fand die Lösung indem nun die Löhne pro Stunde und vom 25. bis 24 des nächsten Monats bezahlt werden – ich erklärte das neue System und fragte ob dies akzeptabel sei. ALLE Mitglieder der Direktion waren einverstanden. Nun jammerten nach Aussage von Papa Dominique und Papa Philippe die Arbeiter und vor allem auch Papa Jean, sie wollen wieder nach altem System bezahlt werden. Ich bin gerade so wütend wie noch nie und echt froh COYA bald Tschüss zu sagen…
Papa Jean hat „sinerläbtig“ noch nie eine Kalkulation gemacht – er alleine ist mindestens zu 90% Schuld an den vielen grossen Verlusten durch die unsachgemässe Dieselkonsumation! Er begreift die Lohn- Kalkulation über Stunden nicht und hilft den Arbeitern hinter meinem Rücken dagegen zu protestieren. Ich finde keine Worte zu erklären was das bei mir auslöst – wie oft habe ich gesagt, wenn jemand ein Problem hat, soll er dies direkt mit der betroffenen Person besprechen und nicht hinten durch. Papa Jean Takoy „Der Koordinator“ (Dass ich nicht lache!!) ist so etwas von fehl am Platz aber es hat keinen anderen, den an seinen Platz gestellt werden könnte – alle haben Angst von den Arbeitern und wollen nur „gut Freund“ sein…
13.30
Vielleicht liegt es an mir, jedenfalls sind meine Nerven blank…
Die Schreiner nahmen ihre Arbeit erst jetzt wieder auf und dies auch nur weil ich zuerst Papa Jean zu Hause suchen ging und er die anderen zusammentrommeln musste. Papa Jean liess die Schreiner am morgen alleine; das Ergebnis ist wieder einmal eine Katastrophe. Anstatt die Türen auf richtige Grösse zu machen, sind alle zu gross und „demolieren der Kaninchenställe“ ist wohl nun treffender als „Montage der Türen für die Kaninchenställe! Ich habe Tränen in den Augen und von Papa Jean so etwas von „die Schnauze voll“!!
Für mich ist klar, dass mit diesen Nieten keine Schreinerei funktionieren werden kann. Ich frage mich ernsthaft ob Papa Jean schon immer so unfähig war oder ob er wirklich mit dem Alter alle sein Wissen und seine Berufsehre verloren hat – alles wird hingemurkst, dass es mir weh tut.
Ich Telefonierte mit Mami und Papi kurz nach dem Mittag um zu erfahren ob sie meinen Bericht über die Drittperson erhalten habe. Abbé Pierre Ndjovu kam nämlich gestern Abend spontan vorbei um in Samanguwa zum Rechten zu schauen und sagte mir, er habe die Nachricht wunschgemäss gesendet. Heute kehrte er bereits um 11.00 Uhr zurück und nahm meine Einladung zum Mittagessen an. So profitierte ich von dieser Stunde und gab Abbé Pierre eine Nachricht für Urs Osann mit. Alle Resultate über die Finanzen wird er also hoffentlich heute Abend erhalten, leider sind sie noch nicht vollständig und werden es wahrscheinlich nie werden.
Es ist verflixt, wir wollen die Leute hier entwickeln aber zuerst müssen sie zur Schule gehen um das Wort „Entwicklung“ zu studieren!! Vorher kann man mit diesen Leuten NIEMALS sinnvoll und effizient arbeiten.
Freitag 28. April 2006; 19.30 Uhr
Gestern Abend schaute ich mit Esonga, welche seit zwei Nächten zurück aus Tshumbe ist und Ingenieur Gilbert eine der DVD`s welche Mami spendete. Als wären die beiden Fernsehschlafen gewöhnt, schliefen beide nach zirka einer halben Stunde ein. Ich konnte das nicht verstehen, weil es doch unheimlich spannend sein muss zumindest für Esonga, welche zum ersten Mal in ihrem Leben einen Film sah. Esongas Mutter geht es gut, dies hat glaube ich bereits positive Auswirkungen, obwohl es gestern noch danach aussah als würde dieser Junge Yohe nie aufgeben sich ohne Esonga abzugeben, hat ihn ihre Mutter heute weggeschickt (vielleicht auch weil Gilbert ihr drohte, wenn sie Esonga nicht im Studium unterstütze, müsse sie das Geld für die Operation zurückzahlen). Esonga sagte mir, dass er nun Geld wolle für die Arbeit, welche er bereits als “Dote” für Esonga gemacht habe. Ich fragte die Summe, Esonga wird fragen gehen, bin ja gespannt was dabei herauskommt. Esonga ist im Moment wohl das fröhlichste und zufriedenste Mädchen in ganz COYA, das ist schön zu sehen! Heute hat sie mich unheimlich verblüfft – sie kam mich besuchen, nur mit einer Bluse und den von mir geschenkten Hosen bekleidet. Das ist echt mutig, ist sie doch das erste Mädchen, welches hier so herumläuft. Ich schenkte ihr noch ein passendes Shirt, weil die Bluse nicht zu den Hosen passte und sie lief stolz durchs Dorf als sie vom Holz und Gemüse holen zurückkam… Esonga trug die roten Hosen, welche ich Louise geschenkt hatte, sie haben bereits getauscht. Esonga sagte mir, dass Henriette auch Hosen haben möchte, zum Glück habe ich in Kinshasa drei Paar gekauft. In den nächsten Schulferien wird man also in COYA drei Mädchen mit einem gelben, roten und schwarzen Hosenpaar in Yanga rumstolzieren sehen und alle werden sich an Mama Sabina erinnern. Ich habe gehofft, dass ich eine kleine Veränderung in Sachen Emanzipation erreichen könnte, glaubte aber wegen den schwierigen Umständen nicht wirklich daran. Es freut mich richtig!
Trotz anti- Ameisen- Vorsichtsmassnahmen schafften es die KLV auf den Tisch und nisteten sich in meinem feinen Brot ein. Es ärgerte, grauste mich und der Appetit verging mir. Gleichzeitig widerstrebte es mir das ganze Brot weg zu werfen, jetzt wo ich sehe wie leid die Leute dran sind, welche Zuhause keine Vorräte haben und die dreimonatige Trockenzeit hat vor wenigen Tagen so richtig begonnen. Heute Morgen schaute ich das Brot zuerst skeptisch an, schnitt einen kleinen Streifen ab, grübelte jene kleinen Sch…ameisen, welche mir ins Auge stachen heraus und überwand mich schliesslich das Brot zu essen. Gilbert lächelte und sagte mir, dass ich am Mittag guten Appetit haben werde. Sie sagen dies hier im Kongo so…
Wenn ich noch einige Monate im Kongo bleiben würde, würde ich zuletzt wohl auch Raupen versuchen, igitt *grins*
Heute wurden die Kaninchenställe fast fertig, Papa Michel Omba Longayo montierte bereits die Futterkrippen in den neuen 14 Abteilen auf der rechten Seite und welche Freude – er schloss die unvermeidbaren Spalte (wegen der schiefen Wände) absolut perfekt ohne Hilfe meinerseits. Er kann kein französisch, ist aber nicht blöd, Papa Michel lernte, weil er mir genau zuschaute und es nachamte. Schade habe ich jetzt keine Zeit mehr, Michel ist der einzige junge Mann in der Schreinerei, der fähig ist noch dazu zu lernen, die anderen sind zu alt, faul und sturköpfig.
Esonga kam gerade, sie hat wirklich Fortschritte gemacht. Dies sah ich heute am Heft, welches sie mir zeigte. Esonga schreibt bereits so gut, dass ich die meisten Wörter auf Anhieb lesen kann. Sie lernte heute in Französisch „le mien le tien…“ usw.
Ausserdem fragte sie mich zuerst was weinen auf französisch heisse und sagte dann, dass sie fest weinen wird, wenn ich abreisen werde. Ob sie mit nach Tshumbe kommen könne bevor ich abreise? fragte sie weiter… Ich sagte vielleicht. Gilbert ist nach Tshumbe gereist, weil Ingenieur Michel irgendwie überhaupt nichts macht und ausserdem will Toss nach Tshumbe kommen für eine Formation mit den Abbés und der Kooperative Yanga betreffend Projekt Landwirtschaft. Michel hat noch mit keiner einzigen Assoziation angefangen obwohl er seit einem Monat täglich sagt: “Oui, demain nous allons commençer“. Er bringt mich auf die Palme und ich habe so meine Zweifel ob er wirklich „no dr Chnopf uftuet“. Wenn Gilbert nicht da ist, hat Esonga alle ihre Hemmungen abgelegt und schämt sich nicht mehr französisch sprechen zu versuchen – ok, es bleibt ja nichts anderes übrig, wenn sie mit mir sprechen will. Mit meinen Otetela und ihren Französischkenntnissen können wir nebst Hilfe von Gestik mit Händen und Füssen einander schon relativ viel erzählen.
So ich bin gespannt ob es Gilbert bis zum übernächsten Samstag zurück nach COYA schaffen wird und ob er einige Flaschen Bier wird auftreiben können. Am 6. Mai 2006 werden wir nämlich den Tag der Arbeit (von Montag auf Samstag verschoben) und meine Abreise zusammen feiern mit einem Fest wo es für alle zu Essen auf Kosten der COYA geben wird. Ich hoffe dass das Geld überhaupt für dieses Fest noch reichen wird!?
Samstag 29. April 2006; 23.30 Uhr
Morgen ist bereits der zweitletzte Sonntag in Yanga, zumindest für mich für unbestimmte Zeit.
Heute Morgen kam mir Mama Angelique flüstern, Papa Emmanuel, Sohn von Papa Philippe habe sechs Bretter gestohlen morgens um vier Uhr. Mama Helene fügte hinzu dass Papa Jean Bescheid und alle Direktionsmitglieder Bescheid wissen aber nichts sagen, weil Emmanuel Papa Philippes Sohn ist. Den ganzen Tag war ich sauer auf Jean Takoy. Den ganzen Tag überlegte ich nebst der Arbeit was wir in so einem Fall tun sollen…
Papa Joseph und Antoine zeigte ich wie die Röste in den Kaninchenställen herstellen und alle Türen gangbar machen. Die kleinen Kaninchen sind schnell gewachsen und nun im süssesten Alter. Die Kaninchen, Pepe und Nina verbrauchen 30 Tassen Reis pro Monat. Im Moment ist eine Tasse Reis bei 80fc sehr hoch, weil Reis rar ist. Das macht 2400fc. Wir wollen sowieso für die Schweinezucht Mais und Maniok anpflanzen, da finde ich es sinnvoll für die Kaninchen Reis anzupflanzen – so können unsere COYA Agrikultur- Arbeiter noch sinnvoll beschäftigt werden.
Esonga und Henriette spielten heute in ihren neuen Hosen Fussball und am Abend kamen die zwei Mädchen mit ihrer Freundin Marie, Tochter von Papa Onokoko zu Besuch. Sie schauten sich zuerst im Album von meinem Abschiedsfest, Fotos von Freunden und Familie an, dann schauten wir den zweiten Teil von Abraham fertig. Das heisst Esonga und Marie verschliefen wieder herrlich den halben Film. July arbeitet nun offiziell für die COYA, das heisst sie macht ein Praktikum bis die COYA ihr ein Studienplatz gefunden haben wird. Sie verdient 3$ im Monat – es ist nicht viel aber ihr Studium wird die COYA noch genug kosten.
Morgen kommen Ingenieur Gilbert mit Toss, dem Vertreter von Lothar Seethaler und Fastenopfer, aus Tshumbe nach Yanga…
…ich bin gespannt – obwohl mir für lange Gespräche eigentlich die Zeit davonläuft.
Montag 2. Mai 2006; 19.40 Uhr
Letzte Nacht schlief ich 2 ½ Stunden, trotzdem bin ich noch nicht müde. Die letzten 24 Stunden waren einfach zu interessant um müde zu werden. Es war Toss, welcher mich besuchte – ich diskutierte mit ihm von 21.00 Uhr bis 4.00 Uhr morgens und wir hätten noch stundenlang weiterreden, werweissen und Fragen stellen können. Wie ich bereits erwähnte ist Toss stellvertretend für Lothar Seethaler nach Tshumbe gekommen und es ehrt mich dass er nicht eher zurückreisen wollte bevor er mich in COYA besucht habe. Es ist zu lange her, als ich Toss in Kananga zum ersten- und einzigen Mal gesehen habe, konnte mich nicht mehr an sein Gesicht erinnern. Toss ist eine Ausnahme, er ist der erste Kongolese, welcher uns hilft sein Volk zu entwickeln, nebst Abbé Nyeme natürlich, er hilft mir… Wow!? Am Morgen machte Toss einfach frisch von der Seele eine Formation für alle Leute der COYA, er sprach brutale Tatsachen au, welche echt mal gesagt werden mussten. Hoffen wir wieder einmal, dass etwas in den COYA Köpfen hängen blieb.
Um 11.00 Uhr fuhren die zwei Ingenieure Abbé Ngenge, Toss und ich auf Yanga Seite und machten einen ähnlichen Wortkrieg – es hat sogar mir nochmals brutal die Augen geöffnet. Die Yanga Leute sind totale COYA Gegner und sprechen den gleiche Mist welcher ihnen „Oh anshi Jacques“ vorkaut! Die COYA Mitglieder fühlen sich beschissen, haben das Gefühl, dass nur die Leute der Direktion von der COYA profitieren und Chef Jacques sagte tatsächlich vor allen Versammelten „Die COYA Direktion sei Komplize der Diebe“. Ich hatte Lust ihm den Kopf umzudrehen. Wir haben eigentlich das Hauptproblem erkannt. Jean Nyeme hat keinen blassen Schimmer war hier abgeht. Jedes Mal wenn er für einige Stunden besuchen kommt spielen ihm alle ein Theater vor als wäre alles in Butter und kommen die Hand hinstrecken, weil er ihnen wie eh und je Geld geben wird!
Ich bin so froh, dass ich nun jemanden habe der mit mir die schwierige Aufgabe teilen wird, den Leuten in der Schweiz die verzwickte komplexe Lage zu erklären. Ich freue mich ihn vor meiner Abreise in Kinshasa zu treffen, zurück in der Schweiz werde ich ihn im July treffen.
Heute nach der Versammlung in Yanga Village, schenkten die Bewohner Toss ein Huhn und luden uns auf einen Becher Palmwein ein. Es war mit Abstand der beste den ich je trank, trotzdem ag ich den Nachgeschmack nicht. Sie schenkten viel ein und Frühstück war schon lange her – ich war etwas belämmert und dieser Aperitif machte richtig Hunger. Dann gab es verspätet Mittagessen „Reis, Huhn und Maniokgemüse“. Danach bereinigte ich einen kleinen Auseinandersetzung mit Michel, Toss sprach nacheinander mit Chef Jacques , l`Abbé und Gilbert, dann machte ich mit Toss eine Rundgang, zeigte ihm die Kaninchen und Ställe, Windschutzbäume, Reismühle, Garage und Schreinerei. Toss ist sehr sympathisch, intelligent und hilfreich, schade haben wir uns bei ihrem ersten Yanga Besuch verpasst und gestern/heute ging zu schnell vorbei.
Als Aime, Toss und Michel zirka um 16.30Uhr abreisten, unterhielt ich mich ein wenig mit Esonga, welche mir dauernd Sorgen bereitet wegen diesem Jungen.
Danach machte Gilbert ein Fussballtraining, es war cool, als hätten wir uns abgesprochen wechselte wir uns ab mit Übungen vorzeigen.
Öfters habe ich nun schon gehört „schade begreifen wir erst wo Mama Sabina abreisen wird… Jetzt hat Ingenieur dem Jungen das Kassettengerät und Mikro ausgeliehen um das Abschiedsfest vorzubereiten… das ist süss und gleichzeitig muss ich sagen etwas sentimentales zu fühlen.
Obwohl das Fussballspielen schon Stunden her ist und ich nur im Büro auf dem Bett liege und schreibe, läuft mir der Schweiss über Stirn und Wangen, es ist unglaublich „tüppig“
So jetzt werde ich mich mal draussen auf der Terrasse zeigen…
Donnerstag 4. Mai 2006; 21.30 Uhr
Heute war ich nochmals krank; Bauchschmerzen und Durchfall. Ich weiss nicht
Montag 8. Mai 2006; 18.30 Uhr
Der letzte Abend in Yanga ist angebrochen, morgen früh kommt mich der Jeep von Ma Mère Jeanne abholen. Heute habe ich den ganzen Tag gepackt und wie befürchtet wird es zumindest in Lodja Gepäckkilomässig ein Problem geben!! Die Stimmung hier in Yanga ist wie an einer Beerdigung, Mama Veronique kam noch mal vorbei und weinte beim Abschied. Für mich ist die Freude aufs Wiedersehen meiner Familie und Freunde stärker als Abschiedstrauer. Mama Helene liess den ganzen Tag den Kopf hängen und bemühte sich fröhlich zu sein, Gilbert kam von seiner Djondo Tour zurück und wollte lieber auch nicht schauen wie ich meine sieben Sachen zusammenpackte. Es gibt aber wahrscheinlich bis zur letzten Sekunde auch Leute wie eben gerade Emmanuel die zu mir kommen und folgendes sagen „Pardon, Maman Sabine, ça me fait mal au coeur que vous nous quittez, vous voulez me laissez comme ça sans me laisser un souvenir“. Das tut wohl eher mir weh, so wie einem armen Jungen, welchem ich T-Shirt und Pullover schenkte, anstatt dankbar zu sein kommt er noch nach Hosen fragen…
Dienstag 9. Mai 2006; 9.40 Uhr
An der Versammlung um 7.00 Uhr sagte ich allen zusammen auf Wiedersehen und gab jedem Arbeiter die Hand zum Abschied. Gilbert knipste noch ein Foto von den Arbeiterinnen der COYA zusammen mit, ich verteilte die letzten kleinen Geschenke. Bis auf die paar Kleider, welche ich wieder nach Hause nehme, habe ich alles verschenkt. Anstelle sich zu bedanken kommen die meisten Beschenkten nach noch mehr fragen… das tut weh aber bereits den Eltern hier hat niemand Manieren beigebracht, ich darf es ihnen also nicht allzu übel nehmen. Selbst der Dorfchef sagte an meiner Abschiedsfeier, er habe noch nicht gegessen, obwohl man bereits X- Schweine und Ziegen schlachtete – die Abschiedsfeier kostete Total 130`000fc bei einem Kurs von 420fc pro $US macht dies 288$US. Bis am Schluss habe ich kein Geld verschenkt und das ist gut so.
Jetzt streiten sich draussen auf der Terrasse alle um den Fall Esonga mit diesem Jungen, der sie bis heute nicht in Ruhe lässt… Papa Jean Takoy macht sich in die Hosen vor Angst und mich macht er noch in den letzten Minuten wütend. Die Sache mit Esonga zu regeln ist das Einzige um was ich sie bitte… und sie sind zu blöd und feige!!
Ich habe ein ganz schön schweres Herz, bin dann froh endlich hier weg zu kommen und bin Ma Mère Jeanne so dankbar, dass sie mir den Jeep sendet. Müsste ich mit unserem Jeep reisen, müsste ich zusammen mit Jean Takoy, dieser feigen Nuss, Papa Emile Lohonga, Papa André Ekenga reisen und darauf habe ich nun wirklich keine Lust.
Ingenieur Gilbert und Ma Mère Jeanne werden wahrscheinlich mit mir nach Kinshasa reisen, so lieb.
Die Nachricht am Phonie heute Morgen war ja der absolute Hammer; Emile Onema sprach uns 40$US zu um eine Abschiedsfeier für mich zu machen… *ha ha ha* dazu muss ich glaube nicht mehr schreiben…
Ich warte auf den Jeep… weiss gar nicht ob er schon auf dem Weg ist. Jetzt werde ich eine Woche lang die Zeit totschlagen, bis ich dann endlich in Kinshasa Richtung Paris Zürich einchecken gehen werden kann.
Donnerstag 11. Mai 2006; 8.00 Uhr
Meine fast einzige Arbeit bis zur definitiven Abreise ist warten. Ich warte auf den Jeep und Ma mère Jeane um endlich die zweitletzte mühsame Reise anzutreten – sechs Stunden Jeepfahrt nach Lodja. Vorgestern Abend machte Mutter Jeane nochmals eine Feier für mich hier in Tshumbe, ich ass gut (Teigwaren mit Poulet) und tanzte mit Ingenieuren und Abbés, es war wirtzig. Gestern litt ich sehr an den Nachwehen dieses Festes, habe wenig sowie schlecht geschlafen und hatte Nachbrand vom vielen Bier!
Louise hat fast die ganze letzte Zeit mit mir verbracht. Gestern spielten wir; Louise, Henriette, Faveur, Louise Ambokawa, ein anderer Junge und ich Memory, welches ich Louise Akotaka schenkte.
Der Chauffeur ist immer noch nicht da, es ist bereits halb neun Uhr…
19.00 Uhr
Die Reise nach Lodja dauerte sieben Stunden, wie wir eine Stunde lang steckenblieben. Ausserdem regnete es den ganzen Tag, was sonst selten vorkommt. Zum Glück ist die Reise nun vorbei. Dr. Robert ist auf Supervision und Marie – Jeanne immer noch in Kinshasa, deshalb wurde ich im Kloster untergebracht. Die Schwester gaben mir zum Glück ein Zimmer mit direktem Ausgang nach draussen, so fühlte ich mich hier bereits etwas wohler. Den ganzen Tag habe ich noch nicht gegessen, weil das Brot, welches ich aus COYA mitnahm leider schon schimmelte und ich es unterwegs wegschmiss.
Samstag 27. Mai 2006; 13.00 Uhr
Seit fast zwei Wochen bin ich wieder in meiner geliebten Heimat…
Um mein Abenteuer Kongo zu Ende zu schreiben, muss ich mich recht motivieren, weil es mit Arbeit – Auto – Sport - Wohnungsorganisation und sonstigem „Wieder ins schweizerische Leben einsteigen“ viel zu tun gibt.
Am Freitag 12. Mai 2006 hatte ich zum Glück ein Flugzeug (diese uralte Antanov kann man zwar kaum so nennen) und musste nicht mehr in Lodja ausharren. Nono empfing Jeane und mich am Flughafen. Gilbert hatte nicht die Möglichkeit nach Kinshasa zu reisen. Nono erzählte mir dass am Samstag Manuela und Thomas von Kananga kämen und am Abend direkt die Heimreise in Angriff nehmen würden. Der Gedanke wie schön es wäre mit den Beiden nach Hause zu reisen, liess mich nicht mehr los und die Vorstellung noch drei Tage länger in Kinshasa „umedshocke“ noch schlimmer. Ich schlug meine Idee mit dem Schweizerpärchen am nächsten Tag heim zu reisen Jeane und Emile Onema vor und am Samstagmorgen fuhren wir zum Büro der Airfrance. Ich war recht kribbellig und als die Dame hinter dem Schalter sagte es koste 150€ (190$) war ich sehr enttäuscht, fragte sie etwas verzweifelt ob man da nichts machen könne, dass ich vom Landesinnern kommen würde usw. Sie blieb immer noch bei den 150€, ich fragte weiter ob es den am Abend in dieser Airfrance keinen freien Plätze mehr habe. Dann sah ich, dass sie meine Tickets bereits umbuchte und sagte, dass ich nicht 150€ zahlen würde. Sie entgegnete mir „Möchten sie denn jetzt nicht, dass ich Ihnen helfe“, ich fragte: „Wieviel muss ich denn zahlen?“. Sie sagte, dass ich nichts zahlen müsse und ich hätte sie vor Freude umarmen oder Luftsprünge machen können. Dann informierte ich mich noch wie viel Kilos ich nun mitnehmen dürfe und was Übergewicht kosten würde. Danach ging alles ganz schnell; Gepäck wägen, nach Hause fahren, bereits wieder ausgepacktes Gepäck wieder einpacken, alles parat machen und mit Jeane noch zirka drei Stunden warten. Der letzte typisch kongolesische Schreck und noch ein letztes Mal ärgerte mich Emile Onema; 17.00 Uhr machten wir ab um an den Flughafen zu fahren. Eigentlich hätten wir den ganzen Nachmittag noch profitieren können über die Koopertive und deren Finanzwesen zu sprechen, Emile zog es jedoch vor nach Hause, sich ausruhen, zu gehen. Das konnte ich zwar nicht ganz verstehen aber akzeptieren. Als Emile mich um 17.30 Uhr immer noch nicht holen kam und sein Telefon nicht abnahm, machte er mich sehr wütend und ich war mir sicher, dass er den ganzen Nachmittag verpennt hatte. Genau so war es und ich musst mich zusammenreissen um ihm als er endlich eintraf nicht den Kopf ab zu reissen. Nono rief nämlich bereits zwei Mal an und wollte mir bereits einen anderen Chauffeur vorbeischicken, was ja sehr hilfsbereit und lieb war. Manuela und Thomas waren bereits fertig mit einchecken und warteten geduldig auf mich bis wir zusammen durch die Passkontrolle gingen. Das Einchecken und die ganze Heimreise liefen problemlos. Das grosse Airfrance- Flugzeug von Kinshasa nach Paris war zwar nicht voll aber die Viererreihen leider nicht leer, so war das Schlafen recht mühsam und ich kam mir vor wie Sit in „Eiszeit“. Über Zürich mussten wir noch im Warteraum Runden drehen und konnten die Ankunft vor lauter Spannung und Wiedersehensfreude kaum noch erwarten… (Mir hei chli afa spinne)
Wir landeten, fuhren recht schnell und weit, bis wir im Terminal B ankamen, bei der Gepäckausgabe sah ich nur meine Gotte und hoffte, dass meine Familie den Flughaben auch gefunden hatte…
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