9 1/2 Monate Dem. Rep. Kongo, 10.März-16.April 2006
Freitag 10. März 2006, 20.00 Uhr
Der 8. März war nicht Muttertag sondern Tag der Frau. Meine Mutter hat mir diesen Tipp gegeben. Es ist schön wie ernst die Kongolesen in dieser Region diesen Tag nehmen – die Frauen bekamen alle frei um in die Kirche diesen Tag feiern zu gehen. Abbé Ngenge informierte mich beim Besuch am späteren Nachmittag, dass sie eine lange Messe abhielten und Rollenspiele aufführten, welche sich hauptsächlich um die Gleichberechtigung der Frauen und auch um Politik drehten.
Als die Frauen von der Kirche zurückkamen tanzten und sangen sie vor meiner Tür. Weil ich viel lieber Frauen Geld gebe, war es ein idealer Moment ihnen 2000fc (4$) zu überreichen. Sie bedankten sich und sagten am Abend zu mir tanzen zu kommen.
Mama Helene, Mbutshu, Jacqueline, Asamawo usw. etwa 20ig Frauen und mindestens ebenso viele Kinder kamen vor dem Eindunkeln vor die Terrasse der Direktion. Sie organisierten Lodi und Papa Lama, welche das Tam tam trommelten, später tanzten Mamas und Kinder auf der Terrasse der Direktion. Als Beleuchtung diente nur gerade eine Kerze, das gab eine zufriedene Stimmung. Es war echt schön und wohl sehr schwer vorstellbar welche Freude alle hatten als ich ihnen zeigte wie man bei uns tanzt… Ich versuchte von ihrem selbstgebrauten Schnaps, wähh so etwas Hässliches. Sie brennen den Schnaps aus Maniok und Mais, kein Wunder mag ich dieses Gebräu nicht da es eben aus Maniok gemacht wird.
Am Nachmittag sagte mir Abbé Ngenge ebenfalls, dass er für mein „Freizeitzentrum- Projekt“ Werbung machen wird und mich zu unterstützen wo er nur kann. Ich freute mich über seine so positive Reaktion. Am Abend spielte ich seit langem wieder einmal, zuerst mit der Hauswand - später mit den Kindern Volleyball. Da kam Mama Veronique mich auf meinen Wunsch hin besuchen. Papa Dominique informierte seine Tochter bereits über meine Idee sie als Verantwortliche für das Freizeitzentrum zu engagieren. Sie zeigt nicht besonders Freude, zuerst wusste ich nicht was sie von meiner Idee hält. Dann meinte sie aber einverstanden zu sein und fügte hinzu als ihr Papa Dominique die Botschaft überbrachte, habe sie regelrecht aufgeschnauft. Als ich sie direkt fragte, bestätigte sie mir auch, dass sie von ihrem Mann, welcher mir nie sympathisch erschien, geschlagen werde und er ausser Alkohol zu trinken überhaupt nichts machen würde. Sie sei also einverstanden ihn zu verlassen, auf die COYA- Seite zu zügeln und Verantwortliche für das Freizeitzentrum zu werden.
Gestern baute ich die kleinen Türen für die Kaninchen, damit sie sobald die Ställe fertig gebaut sind selbstständig ins Freie gehen können. Papa Jean und die Schreiner fanden meine Konstruktion lustig aber gut. Dank Papa Cosmas läuft sogar die Kreissäge, wichtigste Maschine der Schreinerei bereits. Die Maschinen sind in sehr schlechtem Zustand, zum Beispiel das Kreissägeblatt hat Unwucht.
Nach der offiziellen Arbeitszeit fand auf der Terrasse der Direktion die zweite Sitzung, im Gegensatz zum Mittwoch nicht nur mit der Direktion und dem Dorfchef Jacques statt, sonder auch mit allen Chefs der Sektoren. Der Chef Jacques ist so in seine Politik in Tshumbe vertieft, dass er zwar alle Fälle behandeln will aber er liess viel zu viel Zeit vergehen zwischen Tat und Prozess. Viele Diebe wurden vorübergehend von der COYA vom Dienst suspendiert (werden dies wahrscheinlich auch für immer bleiben) aber die Fälle sind nicht abgeschlossen und die Täter nicht anständig bestrafft, weil Chef Jacques die Dossier behandelt.
Abgesehen, dass Chef Jacques nur viel redet anstatt zu handeln, mischt sich er sich von mir aus gesehen zu sehr in COYA- Angelegenheiten ein. Er ist es beispielsweise, welcher unseren neuen Krankenpfleger von Yanga weghaben will und ihm einen Brief ohne Wissen der Direktion schrieb, er solle nicht mehr nach Yanga zurückkommen. Auch hat er mit Papa Barthelemy Onokoko ein Problem, dieser wiederum ist nun soweit, dass er die COYA freiwillig für immer verlassen will – wir verlieren vielleicht unseren Verantwortlichen des Sektors Schreinerei. Vorgestern machten wir eine Sitzung mit Chef und Direktion, gestern zusätzlich mit den Sektorverantwortlichen um eine Lösung für das „Diebstahl und Streitproblem“ zu finden. Weil die Verantwortlichen lernen müssen selber klar zu kommen, hielt ich mich gestern recht aus der Sitzung raus – es war zum verzweifeln. Für mich war das keine Sitzung; Chef Jacques liebt es wohl zu erzählen – er redet viel und sagt nichts. Auch hat er sich nicht wirklich auf die von ihm gewünschte Sitzung vorbereitet. Weil es so lange dauerte, vertagte ich die Sitzung auf heute 15.00 Uhr.
Ich leistete Vorarbeit indem ich eine COYA-Strafregister entwarf wo jeder Fall sauber in einem Ordner abgelegt werden wird – So wird jeder Dieb oder andere Verbrecher öffentlich und für immer bekannt, ich denke dies wird bereits sehr abschreckend sein! Ausserdem begann ich ein neues Reglement der inneren Ordnung zu entwerfen.
Allen müden Teilnehmern und mir zuliebe führte ich heute die Versammlung um bald an ein Ende zu kommen. Was die Diebstähle betrifft, stellte ich ihnen das neue Reglement sowie den Strafregisterordner vor. Zu meiner grossen Erleichterung, fanden alle Anwesenden meine Vorschläge sehr gut. Ich war mir meiner Strategie nicht ganz sicher, im Nachhinein bin ich wirklich stolz die richtigen Worte gefunden zu haben, damit sich Chef Jacques beruhigt und Papa Onokoko sowie auch dem jungen Krankenpfleger ihre Fehler und etwas schlechte Manieren vergibt. Morgen wird Yanga – Chef Jacques die COYA Seite verlassen wie es Jean Nyeme schon lange wünschte. Das ist gut so um nicht die COYA- Fälle mit den Dorfangelegenheiten zu mischen, was ja in letzter Zeit zu heftigen Diskussionen und Auseinandersetzungen führte.
Was die Diebställe anbelangt wollte ich Daten und Fakten über das weitere Vorgehen haben um endlich den Dieben den Prozess zu machen. Leider sind die meisten „malfaiteurs“ irgendwo – jedenfalls nicht mehr in Yanga, nur im Falle des gestohlenen Benzins wird nächsten Sonntag morgen um 9.00 Uhr (dass heisst wir werden so gegen halb elf Uhr beginnen…
den Übeltätern Ngandemema Jean und Omba Lazar den Prozess gemacht werden.
Was die anderen Fälle betrifft ist es an Chef Jacques die Diebe nach Yanga zu holen um auch ihre Fälle abzuschliessen. Ich bin froh, dass heute einiges geklärt wurde, was vielen auf dem Herzen lag und in den nächsten Tagen gehandelt werden wird um den Dieben ernsthaft Widerstand zu leisten und ihnen wo möglich ein Bein zu stellen.
Samstag 11. März 2006; 08.10 Uhr
Vorgestern begann es mit einem kratzen im Hals gestern kam Schnupfen hinzu, heute läuft mir die Nase und der Druck im Kopf lässt mich kaum denken. Viele Kinder und auch Erwachsene haben dauernd Husten und Schnupfen, nun hat es mich halt auch erwischt. Solange ich kein Fieber habe, ist es nicht so schlimm…
Gestern fand ein Schüler einen gestohlenen Balken auf dem Weg von der Schule nach Hause. Ich finde es schlimm wie skrupellos weitergefahren wird mit stehlen!
Heute werde ich das neue Reglement zu Ende schreiben und morgen muss es vor dem ersten Prozess von allen angenommen werden. Wir werden darüber abstimmen…
Sonntag 12. März 2006; 16.00 Uhr
Weil ich noch etwas krank bin und auch das heutige trübe Regenwetter führen dazu, dass ich mich nicht fit fühle und auch keine Nerven habe. Ausgerechnet heute kamen einige Besucher ab welchen ich mich wirklich nur nerven musste; Der Chef Jacques ist doch das Widersprüchlichste was mir je über den Weg lief, ausserdem kam mich Mama Veronique mit ihrem unsympathischen Mann Albert besuchen und dann als ich zufrieden im „Herr der Ringe“ vertieft war klopfte es schon wieder an der Türe. Irgend so ein „Heini“ fragte nach Papieren von Dieben… er wolle uns Infos aufschreiben… ich weiss bis jetzt noch nicht was er eigentlich genau wollte!! Er solle an einem Wochentag aber nicht am Sonntag nochmals kommen, im Moment kann ich ihm nicht helfen, sagte ich ihm und er liess mich zum Glück in Ruhe. Chef Jacques wollte ja heute den ersten Prozess durchführen und er versprach auch vorgestern auf die Yanga Seite umzuziehen. Von beidem geschah nichts – im Gegenteil; obwohl er seinen „Söhnen“ wie alle jüngeren Männer hier genannt werden, vergab, forderte er weitere Genugtuungsgeschenke (wie Schweine oder Ziegen) und wollte plötzlich den Prozess auf der Yanga Seite führen. Mama Veronique versetzte mich gestern – es wäre eigentlich ihr erster Arbeitstag für das Freizeitzentrum gewesen. Auf sie war ich heute gar nicht gut zu sprechen, Mama Jacqueline vergass gestern Abend wieder einmal die Kaninchen zu füttern und wie gesagt Chef Jacques raubt mir mit seinen leeren Worten meinen letzten Nerv!
Es gibt aber auch noch positives zu berichten; gestern trafen das neue Camion sowie der neue Traktor in Yanga ein und Papa Paul wurde allerherzlichst empfangen.
Ausserdem ass ich gestern Kartoffeln aus meinem Garten. Der Ertrag ist zwar mickriger als mickrig aber es gab immerhin 2-3 kleine Kartoffeln pro Staude. Die drei Reihen reichen gerade für drei Mittagessen. Die vorletzten Bohnen, welche ich auch gestern ablas liess Mama Mbutshu leider anbrennen. Im Moment gibt es wieder frisch geröstete Erdnüsschen, von welchen man kaum loskommt…
So jetzt gehe ich den Yanga Dorfchef nochmals höchstpersönlich auffordern endlich wie versprochen auf die Yanga Seite zu ziehen – ich kann die ewigen Diskussionen nicht mehr hören!
17.30 Uhr:
Chef Jacques hat doch noch angefangen, und ist daran Omba Lazar zu verhören. So hatte ich keine Möglichkeit mit ihm zu sprechen und ihn definitiv auf die Yanga- Seite zu verbannen. Eine Weile hörte ich zu wie Jacques vorging und ich schaute gleichzeitig zu wie die Kinder Fussball spielten. Dann spazierte ich mit Pepe einige Meter Richtung Lombo. Wieder ins Dorf zurückgekehrt, hielt sich der neue Krankenpfleger Daniel gerade bei einem Hausbesuch bei der Familie von Lohonga Emile auf. Er rief mich zu sich und was er mir über den Chef Jacques erzählte ist schlichtweg haarsträubend und gehört sich ganz bestimmt nicht für einen Dorfchef:
Allen Leuten aus Yanga- Seite empfehle er sich nicht mehr im Gesundheitszentrum der COYA bei Krankenpfleger pflegen zu lassen und wenn es stimmt was Daniel erzählte, geht nun der langjährige Krankenpfleger nach Yanga um die Kranken zu pflegen. Das ist eine Verschwörung, die Direktion wurde nicht informiert und der Auslöser sowie der Anführer ist Chef Jacques!
Ebenfalls kam ans Licht, dass Jacques mit seiner Familie Okitolowa Edouard grün und blau prügelte während meiner Abwesenheit, so dass er während mehrer Tagen in Obhut von Daniel bleiben musste. Kein Wunder erwähnte Chef Jacques dieses Verbrechen nicht – er hat eine Menge Dreck am Stecken!!
Ehrlich gesagt wird mir nun das ganze zu blöd… Ich bin echt froh in zwei Monaten die Heimreise antreten zu dürfen.
Montag 13. März 2006; 16.00 Uhr
Nach einem für mich ziemlich schlechten Tag war es wirklich das Bester was ich machen konnte mit Pepe joggen; bzw. spazieren zu gehen – er ist noch zu klein und hat zuwenig Ausdauer – so liefen wir nur die ersten paar Meter. Ich ging mit ihm bis zur Piste, was ja nicht weit ist. Trotzdem war ich froh zuhause anzukommen ohne dass mir Pepe vorher zusammenbrach. Es ist für mich schwierig zu spüren wie viel Pepe bereits aushält. Aber ich weiss, dass er nun müde ist und den ganzen Abend keine Energie mehr für Flausen im Kopf haben wird. So werde ich in Ruhe Fussballspielen gehen können oder auch noch weiter arbeiten, falls die Jungs nicht fragen kommen werden.
Wieso war der heutige Tag so schlecht? Es fing ja schon vorgestern Abend an: Ein Kalb ist gestern gestorben. Es wurde am Samstagmorgen zwar zu früh aber ganz und lebendig geboren. Die Verantwortlichen liessen es einfach liegen, liessen Stunden verstreichen ohne etwas zu tun und am Abend kam mich Papa Alphonse informieren: „Es sei am Morgen ein Kalb zu früh geboren, es habe nicht die Kraft aufzustehen und bei der Mutter trinken zu gehen. Nun seien bereits alle Arbeiter der Viehzucht nach Hause gegangen. Was er denn jetzt tun solle?“ Ich hätte ihn erwürgen können. „Wie kann man nur so saublöd sein – Wieso gingen alle nach Hause ohne sich um das Kalb und die Mama-Kuh zu kümmern?“ fragte ich mich und meine Wut mischte sich mit Mitleid mit dem armen Kälblein. Ich sagte er solle sofort alle Mitarbeiter seiner Gruppe zusammensuchen und halt die Kuh zum Kalb schaffen wenn das Kalb keine Kraft hat…
Heute brachten sie mir das tote Kalb, ich fand es schrecklich! Ich fragte Papa Alphonse nochmals was er denn getan hätte um ihm zu helfen. „Der Regen habe sie daran gehindert etwas zu tun“, bekam ich zur Antwort. Beinahe wäre ich explodiert vor Wut als ich mir das anhören musste und ich war völlig machtlos – es war zu spät. Ich schrie Papa Alphonse an, er sei unfähig, total unfähig. Er gab mir zur Antwort, ich solle einen anderen suchen, wenn er unfähig sei. „Jawohl das werde ich auch“ waren meine letzten Worte bevor er beleidigt abzischte…
Das Schlimmste ist, dass sie das Kalb essen werden, obwohl es ja schon ein Tag lang tot ist. Sie kamen mich fragen ob es in Ordnung sei das Kalb den Weisenkindern von Abbé Nyeme zu geben, so wie sie es gewöhnt seien… Als ich total schockiert reagiert fand Papa Philippe dies auch noch zum lachen.
Während ich in den Ferien war sind wie bereits einmal erwähnt drei Kälber gestorben, weil es lange regnete und grosse Hagelkörner vom Himmel fielen… Ich kann es kaum glauben aber es bleibt mir nichts anderes übrig. Ich sagte gleich bei meiner Ankunft sie müssten halt einen Unterstand bauen um so ein Unglück in Zukunft zu verhindern.
Sie fanden auch dies zum lachen, bis heute wurde noch nichts konstruiert…
Ich schrieb meinem Vater heute ein Mail um ihn nach seiner Meinung zu fragen, da er Landwirt ist und sich wohl am besten mit Kühen und Kälber auskennt. Ich bin mir sicher, dass diesem Kalb und auch die anderen vor ihrem Schicksal hätten bewahrt werden können…
Samstag 18. März 2006; 21.05 Uhr
Es ist wieder einmal sehr viel passiert innerhalb von nur 5 Tagen. Am Dienstag rief Jean Nyeme Chef Jacques, Abbé Curé Ngenge und Ingenieur Gilbert, welcher erst am Abend vorher in Yanga ankam, nach Tshumbe. Ich programmierte spontan um und die Leute von Garage mussten anstelle des Camions den Jeep warten. Am Montagabend diskutierten wir bereits viel und lange; es gibt so unendlich viel sinnvolles was mit Hilfe von COYA realisiert werden kann. Nach Mitternacht gingen wir ins Bett und am Morgen informierte mich Gilbert zuerst wie gewünscht was sie in meiner Abwesenheit machten und was beim Treffen mit Lothar Seethaler von Fastenopfer heraus kam. Dann fingen wir (zu)viele Planungen aufs Mal an, es brauchte viel Konzentration den Faden nicht zu verlieren und geduldig jeweils wie immer vielen Arbeitern Auskünfte, Infos oder Materialien zu geben. Zirka ab elf Uhr fand am Dienstag die verschobene Formation von einem Ärzte Team aus Tshumbe statt, welche ich mittlerweilen besser kennen lernte. Gilbert und ich folgten der Formation zirka während zweieinhalb Stunden, dann arbeiteten wir an unseren Projekten weiter und packten unsere sieben Sachen für die geplante Zweitägige Tshumbe- Reise. Um 16.00 Uhr fuhren wir los und kamen zum Glück ohne Panne vor eindunkeln in Tshumbe an. Jean rief mich am Abend an und sagte es habe eine Programm Änderung gegeben, die Antanov lande am Mittwoch nicht in Tshumbe, da wir jedoch bereits in Tshumbe seien, käme er mit dem kleine Flugzeug der Methodisten, deshalb solle ich ihm sagen, was er denn als erste Priorität mitnehmen solle da nur 50kg zur Verfügung stünden. Ich entschied mich für die Medikamente. Um die Mittagszeit kam Jean an, wir besuchten kurz in Universität, er sah zum ersten Mal unsere Schreiner- und Dachdeckerarbeiten für die Studenten und gratulierte mir. Vor dem Mittagessen teilte Jean Nyeme dem Pfarrer Albert Ngenge, unserem Yanga Dorfchef Jacques Omelunga und sowie den Agronom Ingenieuren Michel Djamba und Gilbert Emongo ihre vorbereiteten Arbeitsverträge für die offizielle geregelte Zusammenarbeit mit der Kooperative von Yanga aus. Ich bekam von jeder Vertragsart eine Kopie und alle bekamen erstens das Formular „Utilisation d`une mote de la coopérative de Yanga“ und „Fiche Route“. Jean Nyeme gab dann allen eine Stunde zum den Vertrag in Ruhe durch zu lesen und dann wolle er mit allen eine Besprechung abhalten und die Verträge auch gleich nachdem ich sie ausgedruckt hätte unterzeichnen. Nach erst zirka fünfzehn Minuten, rief uns Jean zum Mittagessen – alle wurden aus der Vertiefung in ihre Verträge gestört. Nachdem Essen entschieden wir die Besprechungen im B.D.O.M. abzuhalten
Daniel hatte erst die Möglichkeit am Mittwochmorgen mit Jean und Chef Jacques zusammen zu sprechen. Die Resultate dieses Gesprächs und den Problemen im Zusammenhang mit den Verträgen habe ich in einem separaten Protokoll festgehalten.
Auf der Rückreise aus Tshumbe kaufte ich in Menga eine kleine Katze, sie hat gerade zum ersten Mal ins Kistchen gemacht… so genial wie intelligent Katzen doch sind. Auch hat sie das Vertrauen zu mir bereits und schnurrt wie eine Weltmeisterin wenn sie gestreichelt wird…
Sonntag 19. März 2006; 21.20 Uhr
Klein- Nina hat sich bereits so an mich gewöhnt und klettert gerade auf meinen Knien herum, ihr Körper ist erst 17cm lang und 13cm hoch. Sie schnurrt ganz laut. Leider ist die Arme von Würmern befallen wie Pepe anfangs. Sie hat wohl die Nacht durch gelitten, am morgen war sie völlig verstört…
Der heutige Tag begann damit, dass ich müde war und um 8.00 Uhr einfach nicht aufstehen mochte. Ein bisschen später kam jedoch Gilbert fragen ob ich nicht wie abgemacht in die Kirche komme. Weil wir geplant hatten bereits die Chance zu nützen und die Menge Leute in der Kirche auszunützen um breit gefächert über das Freizeitzentrum und die vielen Vorteile zu informieren, raffte ich mich auf und ging in die Kirche ohne richtig gefrühstückt zu haben. Weil ich zu müde war um zu denken, vergass ich Geld mitzunehmen sowie auch Nastücher, um mir den Schweiss von der Stirn zu wischen. Leider vergass Abbé Ngenge, dass Gilbert vor allen Leuten sprechen wollte aber wenigstens kündete er eine Versammlung an. Ansonsten macht Abbé Ngenge wirklich einen guten Eindruck und könnte nachdem er durch den Vertrag mit der Kooperative motiviert ist uns in der Entwicklung der Menschen eine grosse Hilfe sein. Er mobilisierte bereits heute nach der Messe Frauen, welche für uns Maniok transportieren kommen sollen und als Lohn je ein prozentualen Anteil Maniok für sich behalten können…
Den Tag durch kamen Gilbert und ich eigentlich gar nie zur Ruhe. Gilbert hat unheimlich viel Energie; obwohl um 15.00 Uhr noch niemand an die Versammlung kam hielt er diese zirka um 18.00 Uhr trotzdem noch ab. André und Emmanuel waren an der Versammlung sowie alle von der Direktion. Gilbert war wohl gut im erklären – er riet den jungen Leuten, welche eh den ganzen Tag nichts machen, das Freizeitzentrum noch vor meiner Abreise fertig zu bauen um keine Probleme bei der Organisation, Programm und auch dem Einräumen und Inventar haben zu werden. Sie haben nun ehrgeizig das Ziel gesetzt morgen 100 grosse Stöcke im Wald zu holen und zu bringen – Dann muss das Terrain fertig parat gemacht werden und am Mittwoch wollen sie bereits mit dem Aufbau des obligatorischen Freizeitzentrums beginnen. Ich bin echt gespannt ob sie ihre Ziele erreichen… wäre ein Wunder.
Ich überliess die Versammlung Gilbert, weil er ja vor allem in Otetela erklären wollte und kümmerte mich ums Ausräumen aller Dinge, welche Jean aus Kananga nach Tshumbe sendete und wir mit nach Yanga nahmen. Viele bereits seit längerem ersehnte Dinge, wie Schweissgerät, Stromerkabel, Macheten und Schaufeln für die Strassen- Equipen, die Medikamente von Cilgia, meine Fussball- T-Shirts und Hosen für die Mädchen sind endlich eingetroffen. Esonga freute sich riesig über die Hosen, welche sie sich von sich aus wünschte. Veronique kam heute und nahm an der Sitzung teil, es ist also nun fast sicher, dass sie die Chefin des Freizeitzentrums wird. Ihrer Tochter und „meinem“ Mädchen, July, schenkte ich eines der Nagellack Fläschchen, welche mir Mami sendete – sie tanzte und sang vor Freude!!
Nachdem ich alles schön geordnet hatte und Stichworte fürs Programm für nächst Woche geschrieben, setzte ich noch den Vertrag auf um Abbé Ngenge Salz und Seife als Vorschuss für seine Lehrer zu geben – er wird das Geld bis spätestens 31. September 2006 zahlen müssen. Per E- Mail erinnerte ich Jean nochmals an die Laptops für die Ingenieure und auch an den Drucker, welcher ich wirklich nötig habe. Ich dankte ihm aber auch dafür, dass er wirklich fast an alles gedacht hatte – spontan kaufte er nämlich noch die Macheten, Schaufeln, Milchpulver und er schaffte es sogar mein Visum in einem Tag zu verlängern und mir mit der Antanov zurück zu senden.
Als es gerade eindunkelte, kamen die Versammlungsmitglieder mit Gilbert zur Direktion. Er müsse wissen wie gross das provisorische Freizeitzentrum werde um die Zahl der Stöcke festzulegen. Wir gingen auf Platz das eingefallene Gebäude messen; 16m x 7m. Auf Gilberts Wunsch werden wir das Provisorium 12m x 7m konstruieren. Morgen werde ich als erstes den detaillierten Plan zeichnen und auch mit Papa Jean zusammen den Standort des Hauses festlegen – heute wurden wir uns nicht einig. Als es bereits finster war und alle müde waren, beharrte ich noch darauf mit den Direktionsmitgliedern eine Sitzung zu halten um die Planung von nächster Woche anzuschauen und meine Ideen anzufügen. Papa Shungu musste also den kleinen Motor laufen lassen. Ich bin froh die Planung noch heute gemacht zu haben, die Wochenziele waren nämlich wieder einmal viel zu ungenau, locker und unvollständig. Danach assen wir Abendessen, fütterten die Tierkinder, nahmen die super erfrischende Dusche, Gilbert ist am lesen und ich am schreiben.
Montag 20. März 2006; Abend
Seit einer Woche ging ich zum ersten Mal wieder mit Pepe joggen – seit letztem Montag zirka genau um diese Uhrzeit als Gilbert in Yanga ankam, waren wir von morgens früh bis Abends spät am planen, organisieren und fast jeden Tag hielten wir Sitzungen ab.
Der reparierte provisorische Adapter funktioniert seit gestern Abend nicht mehr, dass heisst ich bin wieder einmal von der Umwelt abgeschnitten.
Ich werde Ätti nicht einmal zum Geburtstag gratulieren können morgen…
Nina hat irgendetwas gewittert und streunet nervös im Zimmer herum.
Pepe ist recht eifersüchtig auf Nina, es ist gar nicht so einfach mit den beiden. Sie haben sich noch nicht aneinander gewöhnt – Pepe will mit Nina spielen, sie hat panische Angst und beginnt wie wild zu fauchen und die Krallen zu zeigen.
Esonga kam mich wie fast jeden Abend besuchen. Dank dem, dass Gilbert mit ihrer Mutter sprach, wird der Junge, dem Sie Esonga versprach, diese endlich in Ruhe lassen. Ich werde ihm die Arbeit für das Haus zahlen, welches dieser Yohe für Esonga als „dote“ baute. Esonga macht Fortschritte in Französisch, trotzdem wird es wahrscheinlich nicht reichen die Prüfungen vom 5. Schuljahr zu bestehen. In Tshumbe kam mich Louise jeden Tag besuchen obwohl ich kaum Zeit hatte. Wir sprachen unter anderem auch von Esonga – Louise ist einverstanden, dass Esonga ab September in Tshumbe mit der Schule weiterfahren wird und bei ihr und ihrer Schwester wohnen wird.
Ebenfalls möchte ich die kleine July und die kleine Veronique (Pape`s kleinste Schwester), welche mich jedes Mal in die Kirche und retour begleitete, unterstützen.
Gilbert fuhr heute los um Morgen in Lodja anzukommen. Er will eine Woche seine Familie besuchen und nächsten Montag wieder zurück in Yanga sein. Danach haben wir vor gemeinsam die Tour durch die Dörfer zu machen. Am wichtigsten ist das Projekt Maniok am Lubefu in Djondo- Samanguwa. Wenn ich Gilbert wirklich auf seiner Tour mit dem Motorrad begleiten werde, werden wir in Lehmhäusern mit Strohdächern in Bettwanzenverseuchten Betten übernachten und auch das Trinkwasser wird mir nicht geheuer sein. So werde ich die künstliche Wasserreinigung sowie die Kaffeefilter wohl doch noch gebrauchen. Die Jungen wollen das provisorische Freizeitzentrum vor meiner Abreise fertig stellen. Ich glaube es noch nicht aber würde es super finden!
Um ihrem Ziel nicht im Wege zu stehen habe ich heute bereits den Plan fürs Zentrum gezeichnet.
Dienstag 21. März 2006; 20.00 Uhr
Ätti hat heute Geburtstag, da ich nicht kommunizieren kann, hoffe ich, dass er einen so guten Tag wie nur möglich hat!
So schade, dass ich ihm nicht gratulieren kann.
Nina hat gerade den ersten Gecko auf dem Gewissen, welchen sie unter hässlichem Geknirsch zerbeisst. Sie ist jetzt, obwohl sie noch so klein ist, bereits eine gute Jägerin und wird bestimmt bald die ganze Direktion mäusefrei halten. Der Regen hielt heute sämtliche Arbeiter bis Mittag von der Arbeit ab. Da die Leute der Direktion wieder mal nicht fähig waren SAE40 öl rechtzeitig zu bestellen, ist der grosse Motor sowie die Kettensäge blockiert. Die Schreiner konnten dank der neuen Schreinerei am Trockenen trotz Regen arbeiten und sägten alle Teile für 4 oder 5 Dreieckkonstruktionen für das Dach der Reismühle. Die Gruppe Djimbi produziert Futterkrippen für die Kaninchen. Papa Paul muss bereits das neue Camion flicken – der Kipper funktioniert nicht! Die Hilfschauffeure vom Jeep demontierten das Reservoir vom Jeep um es einmal gründlich zu reinigen und ich habe heute das schlechte Wetter und den Zwangs- Laptopfreien Tag genutzt um sämtlichen Papierkram in Ordnern ab zu legen und auf französisch zu beschriften. So werde ich alles fein säuberlich übergeben vor meiner Abreise.
Morgen wird Papa Gabriel rund um den Wäscheständer Gras aushacken dürfen damit ich werde Blumen säen können. Es braucht jeden Abend ein Machtwort meinerseits und Emmanuel muss (ads Füdle gstüpft) werden aber danach kommen erstaunlich viele fürs Freizeitzentrum arbeiten. Gestern hackten die Jungen mit Beilen die Bäume um, heute räumten sie alle äste weg und es halfen so viele, dass eine Riesenfläche bereits entgrast wurde und ich bereits die Ecken festlegte. Mama Helene kam heute wieder fürs Freizeitzentrum arbeiten – sie ist ein super einmalig gutes Beispiel. Morgen werde ich meinen gewünschten Standort fürs neue Zentrum allen Direktionsmitgliedern vorstellen. So wie ich es geplant habe würden wir das Haus für die Wächterin und Pflegerin (Mama Veronique) zwischen das Provisorium und das neu aufzubauende Freizeitzentrum bauen. Nach dem Aufbau des neuen Zentrums müsste das „Wächterhaus“ nicht neu gebaut werden.
Wegen dem lang anhaltenden Regen kommt Papa Damase Ndjate, der Ziegelspezialist erst morgen, was nicht so schlimm ist – so kann er nämlich eine Menge wichtiger Dinge wie SAE40 mitbringen und Abbé Ngenge hat Zeit fünf Männer für die Fabrikation von Ziegelsteinen zu finden. Ebenfalls an Direktor Baudouin übergab ich die Aufgabe eine Equipe zu stellen. Für die Ziegelsteine des neuen Freizeitzentrums werden weiterhin Emmanuel, Präsident der Jungen und Papa André, Chef der Fussballer in Yanga- Dorf verantwortlich bleiben.
Mittwoch 22. März 2006; 21.00 Uhr
Jean Nyeme sendete mir bereits vor einer Weile einen Radio, heute hörte ich das erste Mal „Deutsche Welle“ Es ist so schön ohne Konzentration einfach alles zu verstehen!
Ich staune darüber wie oft über den Kongo gesprochen wird. Auf BBC Southafrica, das Radio, welches ich öfters empfange, erstaunte es mich nicht sehr aber dass Deutschland über die bevorstehenden Walen im Kongo berichtet und 500 Soldaten senden wird, schockte mich doch recht. Ist wohl doch besser, dass Manuela, Thomas und ich vorher in die Schweiz zurückkehren werden. Öfters hörte ich über den Kongo, wenn es um die Sicherheit von Fluggesellschaften geht – leider führt der Kongo mit anderen von hinten.
Ich holte mir heute wieder mal Blattern an den Händen, weil ich beim Projekt „schöner wohnen“ *grins* selbst Hand anlegte. Ich half Papa Gabriel Gras aushacken im Viereck rund um den neuen Wäscheständer hinter der Direktion um die von Jean mitgebrachten Blumensamen zu säen.
Die Änderungen hinter dem Haus sind gewaltig und hoffentlich positiv überrascht wird Jean Nyeme sein, falls er wieder einmal nach Yanga kommen wird – ich legte einen Kompost an, daneben bauten wir das Kaninchenhaus, dann die grosse Weide in vier Teile unterteilt mit vier Eingängen für die Kaninchen direkt in ihre Ställe und daneben der neue Wäscheständer.
Da ja leider bekannt ist, dass die Kongolesen wie die Hühner ihren „Mist“ wegwerfen wo sie stehen; sei es auf dem Fussballplatz oder 20cm neben dem neuen Kompost!!, reichte es nicht Mama Helene die einfache Regel allen natürlichen Abfall auf den Kompost zu werfen, zu erklären. Bald hatte ich es allen erklärt – einzeln, höchstpersönlich; sie glaubten mir es erst als ich selber aufräumte…
Vor etwa einer Stunde kam Ndjate Damase, der Ziegelstein- Spezialist, welchen Ingenieur Gilbert und ich von Tshumbe nach Yanga bestellten, an. Sie kamen mit 60 Liter SAE40 und hatten mit dem grossen Gewicht eine sehr anstrengende Veloreise hinter sich. Morgen gehe ich also den Platz für die Ziegelsteinproduktion suchen – es ist cool, dass momentan in so vielen Bereichen endlich etwas geht.
Samstag 25. März 2006; 21.00 Uhr
Es ist Samstagabend, noch nicht späht, doch ich bin sehr müde. Mein Tag war sehr anstrengend und teilweise undankbar.
Bis aufs Einrichten der Kreissäge, erfüllte ich die heutigen Ziele. Der Tag begann wie „normal“ um 6.30 Uhr. Bei der allmorgendlichen Versammlung hielt ich eine Ansprache, Papa Jean übersetzte in Otetela. Ich sagte enttäuscht zu sein, dass die Arbeiter nicht zur Arbeit fürs Freizeitzentrum kommen würden. Wenn alle helfen, sei das provisorische Freizeitzentrum schnell aufgebaut usw. so forderte ich heute alle nochmals auf um 12.30 Uhr arbeite zu kommen.
Weil ich nicht so sein wollte, gab ich den Frauen heute den Auftrag während der Arbeitszeit alles Gras auszuhacken und den Platz fürs Zentrum sauber zu reinigen. Papa Gabriel musste mir helfen die Mauern 1:1 auf die Erde zu zeichnen. Mit Hilfe von einem langen Messband, welches ich beim aufräumen der Direktion fand und mir schon öfters nützlich war, kontrollierte ich mit Hilfe der Diagonale dass unser Freizeitzentrum im Winkel konstruiert werden wird. Alle Ecken markierte wir mit einem Stöcklein und spannten eine Schnur über Längen und Breiten um gerade Mauern zu erhalten. Ich ärgerte mich gewaltig als ich die Schnur zuerst bei Papa Poyi zuhause holen musste. Wie oft sagte ich , dass Werkzeuge und Zubehör nicht nach Hause mitgenommen werden dürfen. Es macht mich rasend, dass beispielsweise Papa Antoine einige Tage frei nahm, was ja nicht falsch war aber seit einer Woche sollte er wieder zu Arbeit kommen. Er habe zwei Sägen mit nach Hause genommen, sagte mir Papa Onokoko; vorwurfsvoller ginge es nicht – dabei ist er verantwortlich kein Werkzeug herauszugeben – nicht ich!
Um 11.00 Uhr ging ich mit Mama Helene und Pepe zu Fuss an den weit entfernten Platz wo Papa Damase mit der Equipe „cure“ Kirchhof, welche zwar zu spät und bereits mit Palmwein in ihren Flaschen aber am Morgen tatsächlich erschienen, begannen den Platz zu reinigen wo die „briques“ hergestellt werden sollen. Heute war einer der heissesten Tage, es war sehr anstrengend und auf dem halben Rückweg musste ich Pepe tragen, weil er nicht mehr konnte. Die Fünf haben gut gearbeitet.
Als wir zusammen um 12.30 Uhr nach Hause kamen (Damase zeigte mir noch eine zweiten Platz mit Erde von guter „Ziegelstein – Qualität“) erwartete mich nur Papa Jean. Den ganzen Nachmittag erschien nicht ein einziger COYA- Arbeiter um für das Freizeitzentrum zu arbeiten und Papa Jean maulte: „Wieso ich das Gebäude so weit weg vom Alten bauen wolle?“ Keine Sau rührt einen Finger aber maulen und besser wissen – genau das kann ich gut gebrauchen, dachte ich mir!!
Emmanuel, Doudou und fünf Jungs aus Yanga ist es zu verdanken, dass ich dieses Projekt heute nicht aufgab. Sie waren nämlich vom Mittag an fleissig am Pfosten parat machen und setzten bereits alle Eckpfosten und die 3m hohen Mittelpfosten, bevor es um zirka 15.30 Uhr zu regnen begann. Weil Papa Dominik schon lange krank ist lies er sich in Tshumbe untersuchen und Papa Philippe musste das Camion begleiten. So musste ausnahmsweise Papa Jean mit nur Mama Helene das Programm für nächste Woche machen und ich fügte Fehlendes hinzu…
Heute liess ich wieder einmal die Kaninchen ins Freie und weil ich beim transportieren und beobachten viel über den Zustand der Tiere sehe und spüre, darf ich zum Glück sagen, dass sie wachsen und sich somit an ihr neues Zuhause gewöhnt haben.
Mama Mbutshu buk gestern wieder einmal feines Brot für mich. Wie Manuela einmal etwas von Früchtebrot erzählte, probierte ich etwas Neues aus. Unter eines der Brote durfte Mama Mbutshu zwei klein geschnittene Bananen mischen nachdem der Teig aufgegangen war und bevor die Brote in den Ofen oder besser gesagt zwischen das Feuer geschoben wurden. Das Bananengebäck ist so grossartig gelungen, dass ich nicht heftig widerstehen konnte und so viel naschte, dass mir am Abend schlecht war
Im Moment esse ich nebst den feinen Pink Grapefruits eine Menge feine Orangen, Mandarinen, Passionsfrüchte (von denen ich vor meinem Afrika- Aufenthalt kaum den Namen kannte) und Bananen so gross wie es vorher die Leute aus Kinshasa und Kananga erzählten und ich es kaum glaubte. Ich bin immer noch über alle aus Tshumbe herausragende Welt abgeschnitten und es ist kein neuer Adapter in Sicht!
Montag 27. März 2006; 20.30 Uhr
Jean Nyeme hat ein Rendez- vous um 18.00 Uhr abgemacht, wie fast immer wenn er sich in Kinshasa befindet. Leider müssen wir immer indirekt über Tshumbe mit ihm kommunizieren, weil wir mit unserem Funk komischerweise Kinshasa nicht erreichen. Zum Glück hat sich Jean meines Problems angenommen und richtete mir aus, den in Kinshasa gekauften Adapter nach Lodja zu senden und Ingenieur Gilbert wird ihn mir bringen. Hoffentlich ist es ein Passender – ich sehne mich nach Kommunikation mit der Schweiz.
Esonga kommt mich jeden Abend besuchen, sie macht klitzekleine Fortschritte in Französisch. Sie beginnt zu fragen – was heisst dies oder das – so lernt man am schnellsten eine Sprache. Sie verabschiedete sich von mir, Mama Helene und Papa Jean waren gerade mit nach Tshumbe funken beschäftigt. Esonga war schon den ersten Tritt der Treppe runter gestiegen als sie ihren Mut zusammennahm, umkehrte um mir zu erklären dass dieser Junge Yoohe immer noch jeden Abend „Dikolo tshe“ zu ihr komme. Helene musste für mich übersetzen und es war sie, welche fragte ob Esonga nicht hier schlafen könne. Seit der Geschichte mit Doudou, dachte ich irgendwie gar nicht mehr daran Esonga bei mir unter zu bringen aber da Helene hinter dieser Lösung stand, war ich sofort einverstanden. Esonga ging nach Hause essen um dann die Nacht zum ersten Mal bei Nina, Pepe und mir in der Direktion zu verbringen.
Papa Philippe gesellte sich zu Papa Jean und Mama Helene ans „Phonie“. Die Türe der Direktion war am heutigen Abend lange offen und ich sorgte mich immer um Nina, welche frisch fröhlich auf der Terrasse rumstreunte. Als die Kommunikation beendet war, sah ich Nina nirgends und war mir sicher, dass sie zuletzt draussen war. Weil die Leute hier eh meine liebenswürdige Art zu Tieren nicht verstehen können, blieb ich ruhig, verabschiedete mich von Mama Helene und sagte mir zuerst in Ruhe im Haus zu suchen. Da sie aber nicht an ihrem Lieblingsplätzchen; im warmen Petrollabteil des Kühlschranks war, wusste ich bereits, dass sie nicht im Hause war und dachte bereits ans Schlimmste – Draussen regnete es seit 18.00 Uhr (Beginn der Kommunikation nach Tshumbe) in Strömen, nicht gerade das ideale Wetter für kleine Katzen um spazieren zu gehen. Als ich jeden Winkel vergebens abgesucht hatte und mir das sonst recht nervige Gemiaue bereits fehlte, kam gerade Esonga vom Essen zurück. Sie half mir suchen und schlug sogar vor trotz Regen bis zu Papa Jean nach Hause (vielleicht lief sie ihm nach Hause nach) suchen zu gehen. Ich war dankbar, drückte ihr Regenschirm und Taschenlampe in die Hände. Einige Minuten später kamen Esonga und die drei Direktionsmitglieder alle zusammen nach Nina suchen, dass war wieder einmal so typisch kongolesisch niedlich. Leider suchten wir vergebens und allen war ein Rätsel wo das kleine „Büsi“ sein möge. Ich liess den Kopf hängen, putzte mir die Zähne, Esonga und ich verschwanden in unseren Zimmern, ich zog mich gerade aus als draussen plötzlich ein grausames Nina- Weinen zu hören war. Ich rief Esonga und beide stürmten wir zur Türe um Nina quicklebendig in Empfang zu nehmen. Wo sie gewesen ist wird sie uns nie erzählen werden…
Mir fiel ein Stein vom Herzen – wie schnell man sich an etwas gewöhnt – sei es „nur“ ein verspieltes kleines Kätzchen?!
Dienstag 28. März 2006; 20.30 Uhr
Gestern lud ich Abbé Richard und Abbé Ngenge für heute zum Mittagessen ein. Bevor die Gäste eintrafen räumte ich den ganzen Morgen im noch chaotischen Depot auf. Ich hatte das Gefühl nie fertig zu werden. Morgen muss mir Maman Helene helfen und erst einmal Platz schaffen indem sie fünf Kartons mit abgelaufenen Medikamenten, total zerstörten Büchern und anderen von den Mäusen zerstörten Dingen verbrennen wird. Nur weil die Kartons mit den Medis viel zu lange unterwegs waren , hier in Yanga niemand wusste was mit den Kartons geschehen soll und sich ohne Anweisungen von Abbé Nyeme niemand getraute die Ware auch nur anzurühren hat die Cooya wohl tausende Franken in den Sand gesetzt – alleine schon die extremen Transportkosten!
Schreibmaschinen sind verrostet, massenhaft Einweg – Sachen wurden gesendet (so sinnlos) und dadurch, dass ausgerechnet beim Lagerraum der Kartons mit den vielen Schulbüchern das Dach bei heftigem Unwetter abgedeckt wurde, erlitten viele Bücher grobe Schäden, massenhaft Kartons mit allen Occassionsbrillen wurden völlig systemlos und ungeschützt gesendet…
Ich persönlich freute mich über ein zweites unversehrtes Puzzle. Zwei wurden leider nass und zerfielen, eines mit 1000 Teilen habe ich zusammengesetzt – war gar nicht so einfach, da es keine Vorlage gab auf welcher zu sehen wäre, wie das Bild am Schluss aussehen sollte. Da ich ein Puzzle – Fan bin, beendete ich es trotzdem während einer Woche jeweils am Abend bevor es eindunkelte. Puzzles erinnern mich immer an frühere Zeiten wo ich alleine oder mit meiner lieben Gotte Irene viele Puzzles zusammensetzte. Am Mittag, dass heisst typisch kongolesisch 1 ½ Stunden zu spät, kamen die Zwei Abbés. Abbé Richard ist der ehemalige Abbé vor Abbé Ngenge und wurde mit Gesang und Tanz unheimlich herzlich begrüsst. 2003 ging er für kurze Zeit nach Südafrika, jetzt arbeitet er fürs Ministerium in Kinshasa.
Um 14.00 Uhr assen wir Eponga la tshesse la nyama la ze = Reis, Maniokgemüse, Poulet und Antilopenfleisch sowie geräucherten Fisch. Also abgesehen vom Maniokkraut, war es wirklich nicht schlimm kongolesisch zu Essen, solange es von Mama Mbutshu und Mama Helene zubereitet wurde. Mama Mbutshu ist wohl eine der bestem Köchinnen im ganzen Kongo – schade gibt sie ihr Wissen nicht an eine junge Frau weiter.
Nach dem Mittag, besser gesagt es war bereits 15.00 Uhr ging ich persönlich mit Papa Philippe Bäume pflanzen. Durch den Besuch des Pfarrers Richard, fanden ab Mittag alle eine äusserst gute Ausrede und ausser in der Sägerei wurde wieder einmal nicht so gearbeitet wie ich es mir wirklich wünschte. Esonga steht neben mir, sie wird jetzt wohl jede Nacht hier schlafen – das wird dann besonders hart für sie, wenn ich gehen werde!
Zuerst hatte Nina panische Angst vor Pepe, dann spielte Pepe nur mit Nina, ich musste schauen, dass er nicht zu grob zum „kleinen Schwesterlein“ ist, heute sah ich, dass Nina danach zumute war und die Beiden zusammen spielten. Ich dachte nicht, dass Nina sich so schnell an diesen Hund gewöhnen wird.
Morgen sollte Gilbert, wenn alles wie geplant läuft direkt von Lodja nach Yanga kommen, mit dem ersehnten Adapter, welcher hoffentlich bitte funktionieren wird.
Sonntag 2. April 2006; 14.00 Uhr
Viel zu viel zu Mittag ass ich – fast ein ganzes Poulet mit etwas Reis. Ich weiss nicht ob ich so viel ass weil in der Geschichte, welche ich lese Frodo und Sam auf der Reise nach Mordor fast am verhungern sind oder weil ich an meine Familie dachte, die heute zu Ehren von Marcels Geburtstag Zunge an Kapernsauce mit Kartoffelstock assen… vielleicht hatte ich nur viel Hunger weil ich gestern fast nichts ass???
Mama Helene, Esonga mit ihrer kranken Mutter und dem kleinen Bruder, Chauffeur Papa Paul, Hilfschauffeure und ich fuhren gestern nach Tshumbe damit ich endlich mit meiner Familie telefonieren konnte. Unser Ätti ist am Mittwochabend gestorben, nachdem er eine Woche vorher 83 Jahre alt wurde. Donnerstag und Freitag weinte ich um ihn und fühlte mich verständlicherweise so alleine in Yanga wie noch nie zuvor obwohl Mama Helene und alle Mamas sich so gut um mich kümmerten wie sie nur konnten; Am Donnerstagabend, einige Stunden nachdem mir Papa Jean und Mama Helene die traurige Nachricht übermittelten, kamen viele Mamas, einige Kinder und Männer auf die Terrasse, beteten und sangen wie sie eine Trauerzeremonie gewöhnt sind. Sie hatten ein Recht zu sehen für wen sie beteten, ich zeigte ihnen so schmerzvoll es für mich auch war, das Foto von Ätti als es ihm noch gut ging und erzählte ihnen so gut ich es fertig brachte etwas über ihn. Danach machten sie ihr traditionelles „Tam Tam“ wie sie es selber nennen und tanzten dazu. Ich bin dankbar, dass mich die Coyanianer nicht in meinem Zimmer versauern liessen.
Für mich war wohl genauso schlimm wie die traurige Botschaft, die Tatsache, dass Grosvater ausgerechnet seinen letzten Geburtstag erlebte und starb als ich wegen des Ausfalls der Adapters wieder einmal von der Umwelt abgeschnitten war. Deshalb wurde mir die Nachricht durch Jean über Emile onema, Aime und schliesslich wie geschrieben durch Papa Jean Takoy und Mama Helene überbracht. Gestern hielt ich es nicht mehr länger aus auf den Adapter zu warten und auch Mama Helene wollte mir zu liebe, dass wir nach Tshumbe reisen damit ich mit meiner Familie sprechen könne. Dies tat ich gestern – zwei Stunden lang und sehr ausführlich sprach ich mit allen Familienangehörigen…
In den Stimmen am anderen Ende der Leitung hörte ich eine überraschende Erleichterung und bald erfuhr ich und es waren sich alle sogar Grosi einig, dass Ätti gehen durfte und nicht musste – es war kein wünschenswertes Leben mehr in den letzten Wochen.
Die Erleichterung ging wie ein Zauber auf mich über und eine grosse erdrückende Last viel mir vom Herzen umso länger ich mit allen von meiner Familie gesprochen hatte. Heute geht es mir also wieder erstaunlich gut, was sich an meiner Motivation zum Schreiben zeigt.
Gestern Morgen dachte ich noch, dass ich nun bis zur Rückkehr keine Berichte mehr schreiben würde…
Heute ist Sonntag, Mama Helene und Chauffeur- Crew habe ich wieder nach COYA geschickt während ich auf Gilbert warte, welcher morgen mit dem neuen Adapter (wie oft hiess es das schon!!) nach Tshumbe kommen sollte.
Esongas Mutter habe ich nach Tshumbe genommen um sich von Ärzten untersuchen und ziemlich sicher operieren zu lassen. Die Mutter kann nichts mehr heben, weil ihre Gebärmutter herausgedrückt wird.
Eine gesunde Mutter würde jedenfalls Esonga und ihre Brüder und Schwestern entlasten und Esonga könnte ohne schlechtes Gewissen ihre kranke Mutter in Yanga alleine lassen zu müssen, ihre Schule ab Herbst in Tshumbe fortsetzen und bei Henriette und Louise wohnen.
Weil es hier nirgends Strom hat, warte ich ab und hoffe dass die Abbés am Abend den Motor starten und es Zugang zum Internet haben wird.
Ingenieur Michel kam mich heute Morgen besuchen. Ich erzählte ihm von meiner Idee mir den Tshumbe- Studenten/innen eine oder mehrere Assoziationen zu gründen um die Reisbecken zu bewirtschaften und die Samen zu multiplizieren. Die COYA hat viel für die Universität getan und ausserdem könnte die Studenten mit dem Erlös des Reisertrags ihr Studium zahle. Um 15.00 Uhr werde ich mit Michel die Idee zum Verantwortlichen Abbé Curé Omelonga besprechen gehen…
Dienstag 4. April 2006; 23.00 Uhr
In Europa in einem „abnormalen Körper“ zur Welt zu kommen, ist sehr schlimm aber die meisten Europäer können es verstehen, besser gesagt durch Hilfe von Forschern erklären und die Leute werde trotz Behinderung akzeptiert und finden Gleichgesinnte.
Heute Abend nachdem ich vom Spitalbesuch von Papa Dominique und der Mama von Esonga, eigentlich schon genug schockiert und innerlich aufgewühlt gewesen bin, kam mich der Ehemann der ältesten Schwester von Louise besuchen und berichtete mir Schreckliches; Louise ist 23ig hat überhaupt keine Brüste und auch keine Menstruation. Vor zwei Jahren habe sie einen Monat lang jeden Tag eine Tablette geschluckt und die Brüste seien ein bisschen gewachsen – sobald sie aufhörte verschwanden sie wieder. Ich denke mal, das dies Hormontabletten waren und befürchte, dass Louise ausser der Stimme und dem äusseren Geschlechtsteil ein Mann ist. Oje wie soll die Arme damit klarkommen?
Die meisten Frauen wissen hier nicht einmal wie ein Kind entsteht (die kommen vom lieben Gott) – wie soll hier jemand eine derartige Laune der Natur verstehen?
Dieser Ehemann muss ein grosses Herz haben, mich nur zu besuchen in der Hoffnung ich könne Louise helfen. Ach, ich wünschte zaubern zu können…
Mittwoch 5. April 2006; 22.30 Uhr
Eine Woche verging seit Ätti von uns ging. Ich bin Mami dankbar, dass sie mir ermöglichte in der Kallnacher- Kirche beim Trauergottesdienst ein paar Abschiedsworte durch unsere Pfarrerin Frau Maurer vorlesen zu lassen, wenn ich schon nichts anderes für Ätti tun konnte.
Ansonsten wurde mir heute Abend bewusst wie sehr ich mich an das „einfache“ Leben hier gewöhnte. Weil es in Tshumbe kein Moskitonetz hat, surren mir die Mücken um die Ohren, was ich nicht ausstehen kann. Weil der Wasserfilter in Tshumbe kaputt ist (und mir natürlich nicht mitgeteilt wurde), wird das Wasser zwar abgekocht, bleibt aber schmutzig – jeder Schluck kostet Überwindung, was bedeutet, dass ich viel zu wenig trinke. Weil Ambokawa Louise das Mehl in Tshumbe den Insekten überliess, es keine Konfitüre zu kaufen gibt (von Butter spreche ich gar nicht erst) esse ich am Morgen frittierte Kochbananen pur. Es gibt in Tshumbe anscheinend nichts anderes oder besser gesagt die Leute kennen nichts anderes als Reis, Maniokgemüse und „poisson fumé“ geräucherter Fisch – Ich kann alle drei Sachen nicht mehr sehen, lebe hier hauptsächlich von Orange, Mandarinen, Bananen, Papayas und Passionsfrüchten. Weil ich heute um 8.00 Uhr beim B.D.O.M. abmachte um von ihrem Generator zu profitieren (Laptop laden) war natürlich kein „Frühstück“ parat, noch nicht mal heisses Wasser gekocht um mir den von COYA mitgebrachten Schwarztee mit Milchpulver und Zucker zu gönnen. Ich ass also ein Päckli „Clucose“ Biskuits, welche mir nebst den Früchten hier das Leben retten und war der Schwester in B.D.O.M. dankbar um zwei Gläser klares Wasser und einem gekochten Maiskolben, wenn er auch noch so fad war. Weil überall immer sparsam mit dem Treibstoff umgegangen werden muss, stellten sie im B.D.O.M. den Strom ab bevor meine Dokumente zum Drucken fertig waren. Da die Abbés zum Glück etwas später, am Mittag ihren Generator laufen liessen, ging ich vom B.D.O.M. direkt zu den Abbés und konnte das Verbrauchskontrolle- und Fahrzeugreglementblatt sowie die Samenvermehrungsverträge für die verschiedenen Arbeitsgruppen (Studenten, Jugendliche, Mamas, bestehende Assoziationen) in mehrfacher Ausführung ausdrucken. Abbé Pierre Ndjovu ist mir immer eine grosse und freundliche Hilfe, da bin ich ihm so dankbar! Um 15.00 Uhr ass ich erst meine Morgenbananen, welche mit Palmöl anstatt dem leichter magenverträglichen Küchenöl frittiert wurden. Zum Mittag hat mir Mama Ahondju Veronique Reis mit geräuchertem Fisch gekocht. Ich rührte es nicht einmal an, gab mich mit den Kochbananen und zwei Mandarinen zufrieden bevor ich an meinen vielen zwei Wochen lang liegen gebliebenen Texten weiter schrieb.
Gilbert traf anstatt wie versprochen vor dem Mittag erst um zirka 16.30 Uhr ein und bald darauf begann es zu regnen, drum bin ich immer noch in Tshumbe. Morgen möchte ich noch vom Internet profitieren, dann um 13.00 Uhr nach „Hause“ fahren. Gilbert wird mich wahrscheinlich einen grossen Teil der Strecke mit dem neuen Motorrad fahren lassen. Ich freue mich, habe aber auch Respekt und bin etwas nervös…
Was mein Luxustagesablauf in Tshumbe anbelangt – am Abend gibt es nur Kerzenlicht (jetzt gerade zum schreiben) und das Wasser zum duschen musste ich organisieren – zum Glück ist es im Badzimmer so dunkel, damit ich nicht sehe wie dreckig das Wasser ist. Zwei Mädchen füllten das Fass im WC- Zimmer für 500fc (1.5 SFr). Das Wasser ist nicht sauber und Mückenlarven schwimmen drin herum, es ist aber besser sich mit diesem Wasser zu waschen als verschwitzt und stinkig ins Bett zu gehen. Weil es keine dicke Decke hat erwache ich jeden Morgen weil ich kalt habe – und am Abend ist es zu heiss zum einschlafen…
Montag 10. April 2006; zirka 14.00 Uhr
Ich fuhr am Donnerstag tatsächlich den ersten und letzten Abschnitt des Weges nach Yanga und sammelte ungeheure Motorraderfahrung. Fast Tag und Nacht sassen Gilbert und ich hinter unseren Projekten und bereiteten uns auf die gemeinsame Supervision vor.
Wir kamen vor dem Mittag per Motorrad in Djondo an. Es war niemand informiert, weil es letzte Nacht regnete und deshalb unser Briefträger versagte. Hätte ich nicht einige angefaulte Bananen organisieren können, hätten wir noch nichts gegessen. Mein Zimmer im Lehm- Stroh- konstruierten Restaurant ist der absolute Hammer; zirka zwei auf zwei Meter gross, Lehmwände und Lehmboden, mit einem schrägen altersschwachen Tisch, einem Bett, welches wahrscheinlich zusammenkrachen wird und mit sonst nichts als einer geflochtenen Matte ausgestattet…
Auf dem Weg nach Djondo machten wir Halt in Lombo. Es war demotivierend zu sehen, dass angeblich 90 Mamas gerade mal knappe 50 auf 10 m ein „champs communautaire“ Gemeinschaftsfeld hergerichtet haben und zwar arbeiteten sie nur an einem Tag. Ich bin sicher, dass sie nur gearbeitet haben, weil ihnen gesagt wurde, dass Ingenieur und ich kommen werden. Ich hoffte, das COYA und Yanga ganz besonders schwer von Begriff seien und die anderen „Dörfer“ besser begreifen würden… dem ist überhaupt nicht so – auch im grossen Dorf Djondo wurde nicht viel gemacht. Ich verliere jede Hoffnung, dass sich die Leute überhaupt helfen und entwickeln lassen wollen. Seit 8 Monaten erklärten wir die gleiche Geschichte und immer heisst es „Elo, gnasso, eco dimena“ „Ja, verstanden, ist gut“ und dass sie arbeiten werden. Wir sprachen mit dem Chef Paul und der Mère Chef zirka zwei Stunden lang und die Ausreden hängen uns zu den Ohren raus! Weil ohne uns nichts gemacht wir überlegte ich mir wie die Zeit am sinnvollsten genützt werden könnte und beschloss den Leuten bis 17.00 Uhr Zeit zu geben alle zusammenzutrommeln und gemeinsam die Assoziationen zu bilden und morgen gemeinsam aufs Feld zu gehen und die „Tâches“ Aufgaben zu verteilen. Der Weg morgen aus Feld beträgt 12km – 3h zu Fuss. Ich bespreche gerade, dass heisst wir versuche zu besprechen wie wir zumindest das Maniok Projekts starten werden können – gerade kam die 3. Frau von Ngandemema Jean fragen ob sie mit uns nach COYA reisen könne – welche gute Idee zu dritt auf dem Töff mit zwei Taschen oder wie?? (zeigt wieder die schwache Vorstellungskraft der Mehrheit der Kongolesen)
Zirka 18.15 Uhr
Da wir bis Mittwoch hier bleiben wollen nutzten wir die Zeit um uns zu erkundigen ob Apepe und Djondo Cité bereit sind je eine Ha Maniok bewirtschaften wollen und können. In Apepe gibt es gerade mal 3 Häuser und so wie es aussah keine starken Leute und sowieso zu wenige. In Djondo Cité hielten wir zwar auch spontan aber recht effizient eine Sitzung mit den Einwohnern von zirka 15 Häusern und dem Vize- Dorfchef Jean ab. Sie stellten sehr kluge Fragen, vor allem ob den jetzt Jean Nyeme die Grundstücke am Ufer des Lubefus gekauft habe um nicht wieder Probleme mit Papa Daniel Soko-Ekondo zu kriegen. Nein wir haben das Grundstück nicht gekauft aber Papa Daniel gibt es uns gratis um zu bewirtschaften, entgegnete Gilbert. Nachdem wir auf all ihre Fragen so gut wie möglich Antworten lieferten, waren sie zufrieden und hatten die gute Idee gleich neben ihrem Dorf 1 Ha Maniok zu bewirtschaften und auch weitere Assoziationen hätten die Möglichkeit das Land neben ihrem Dorf zu bewirtschaften. Wir gingen den Platz besichtigen und Gilbert war begeistert weil dieser Boden sehr nahrhaft sei. Die Leute von Djondo Cité erklärten sich bereits für unser Maniok Projekt zu arbeiten und gleich morgen früh anzufangen um den weiteren Assoziationen ihren Platz zu zeigen. Wir fuhren um 17.00 Uhr los um mit Djondo die geplante Sitzung zur Bildung der Assoziationen zu bilden. Klar waren wir zu spät aber wie ich es angenommen hatte war auch um 18.00 Uhr noch fast niemand da.
Dienstag 11. April 2006; 20.30 Uhr
Der Chef Paul ist wie der Chef Jacques – er spricht zuviel, sagt aber nichts aus, sucht Probleme anstatt Lösungen und wenn es ums realisieren geht bleiben alle Zuhause. Gilbert und ich assen vor der Sitzung in einem kleinen Zimmer mit nur Kerzenlicht, Reis mit je zwei kleinen Stücklein versalzendem Fleisch. Ich trank immer noch mein Wasser, welches ich aus COYA mitnahm, weil das aufgetischte Wasser direkt aus der Wasserquelle stammt und das gekochte Wasser noch heiss war.
Die Sitzung begann wie immer viel später als geplant und ich weiss nicht wie ich es verständlich erklären kann – Gilbert erklärte nochmals das Projekt agricole wie er es bereits bei der grossen Versammlung in Yanga und vor einem Monat Lothar Seethaler hier in Djondo tat. Die Leute begreifen es nicht und ziehen es vor ihre Vetternwirtschaft weiter zu führen. Ganz Djondo hat eine halbe Hektare Land hergerichtet um Niebe zu säen. Das ist viel zu wenig und wird sie nicht befriedigen. Weil es zu spät ist (in drei Wochen beginnt die Trockenzeit) noch mit Herrichten und säen von Bohnen anzufangen, wollten wir frühzeitig organisieren um im Juli Reis zu säen. Gestern kamen aber wenige an die Versammlung und es gab nur Kritik, der Chef begann die ganze Zeit zu rechnen, sie haben Angst, dass die COYA alles für sich nehmen wird (alles nur Ausreden!) – so gab es keine einzige Assoziation welche für das Projekt agricole bereits zustimmte und Anzahl Gruppenmitglieder bekannt geben konnte. Auch als wir die 4 restlichen Assoziationen für das Maniok Projekt suchten, begann der Chef zu rechnen und arbeitete so total gegen uns! Nach zirka zwei Stunden wurde es mir zu blöd und Gilbert wusste auch nicht mehr wie dieser faule Haufen zu motivieren sein würde. So sagte ich dem Chef, er sei ein schlechtes Beispiel, mit seinem Verhalten stoppe er auch jene Leute welche Interesse haben. Für alle Anwesenden gab ich bekannt, alle Interessierten sollen heute Morgen bei unserem „Hotel“ *grins* erscheinen, wir gingen gemeinsam aufs Feld und würden die Verträge unterzeichnen. Gilbert und ich wurden schlecht beherbergt, zum Glück nahmen wir dünne „Mousses“ Matratzen mit. Als wir Wasser zum uns waschen wünschten, brachen uns ein Mädchen nach etwa einer Stunde in einer Plastiktragtasche zirka 4l Wasser. Ich habe mich noch nie mit so wenig Wasser gewaschen, beschränkte mich auf Gesicht, Arme und Beine. Mein Bett gehandelte ich mit „Craie magique » – Magischer Kreide (Anti- Insektizid) und ausser Mücken störte mich keine kleinen lästigen Viecher. Ich konnte nicht gut einschlafen aber schliesslich schlief ich bis um 6.45 Uhr durch. Gilbert diskutierte bereits mit der einzigen Gruppe junger Männer, welche sich für das Projet Maniok am Lubefu interessierten. Ich ass vom mitgebrachten Brot, mixte mir im Rest der COYA Wassers eine Zuckermilch, füllte die Flasche mit Wasser und weil ich nicht wusste wie lange es gekocht wurde behandelte ich es mit Micropur Keim-Abtötende wirkendem Mittel.
21.30 Uhr
Der heutige Tag war viel besser als ich es mir nach der gestrigen Pleite überhaupt noch zu wünschen gewagt hätte. Gilbert konnte also nur eine Gruppe bereits nach Djondo Cité senden, weil keine weiteren Interessierten erschienen. Obwohl er keine Assoziation mitbrachte kam der Vize- Chef nach Djondo – Cité und wollte nur wissen was wir ihm den nun geben würden- es ist Brauch dem Chef etwas zu geben. (unglaublich echt)
Nach meinem speziellen Frühstück (Gilbert ass überhaupt noch nichts) machten wir uns auf den Weg. Im Gegensatz zu gestern fuhr ich heute wieder die erste Strecke bis es mir zu viel Sand hatte und die Gefahr zu stürzen zu gross wurde. In Djondo – cité trafen wir die halbe Dorfbevölkerung tatsächlich wie gestern versprochen an der Arbeit. Eine rechte Fläche wurde bereits gerodet und es diente als Beispiel für die Gruppe aus Djondo, welche sich entschieden 2Ha zu bewirtschaften. Nach der Besichtigung, Arbeitsaufteilung und Programm, sprach ich einige Worte mit Gilbert und schnitt ihm mit dem ach so praktischen Sackmesser (Im ganzen Dorf gibt es keine Messer, nur Macheten) eine Ananas da er langsam am verhungern war. Im Gegenzug ass ich einige Bananen welche Gilbert am morgen als ich noch im bequemen Schlafsack (Danke Angelika!) lag, kaufte.
Ich schrieb einige wichtige Gedanken nieder, Gilbert hört etwas Radio und bald brachen wir auf nach Samanguwa am Ufer des Lubefus wo eine Gruppe von 7 Schweizern mit Abbé Nyeme vor acht Monaten eine unvergessliche Reise auf dem COYA Schiff antreten durften. Die Strasse war schrecklich, manchmal hatte es 10cm tiefen lockeren Sand über mehrere 100 Meter weit – Nicht gerade ideal für Fahrzeuge mit zwei Rädern. Papa Lambert unser Wächter, Salz- und Seifenverkäufer in Samanguwa, und ganz besonders seine Frau begrüssten uns unbeschreiblich herzlich. Ingenieur und ich schauten uns um und er zeigte mir, dass die von Jean Nyeme vorgesehene Stelle für das Maniokprojekt auf der anderen Seite im Primärwald sei wo es grosse Bäume hat und es deshalb schwierig ist in kurzer Zeit grosse Flächen zu roden um Maniok zu setzen bevor die Trockenzeit beginnen wird. Es ist also ganz gut, dass Djondo Cité direkt neben ihrem Dorf 1 Ha selber übernimmt 2 Ha von den Männern aus Djondo bewirtschaftet werden und noch weitere Hektaren zur Verfügung stehen werden. Wir haben nun mit 3 Ha angefangen – besser als nichts – und direkt am Fluss kann jederzeit mit roden begonnen werden um dann Ende Trockenzeit im Juli die Maniokstecklinge zu setzen oder eben zu stecken.
Weil wir nun das Projekt gestartet haben und wir nach jeder „tâche“ Aufgabe zahlen wollen, fanden wir die Lösung, dass Papa Lambert die Arbeiten kontrollieren und falls die Arbeiten erfüllt sind, bezahlen gehen wird. Leider vergass ich genügend Geld aus der COYA Kasse mitzunehmen um die ersten beiden Aufgaben Rodung und Bäume fällen zu bezahlen. Auch Papa Lambert hat nicht genug, deshalb wird Mama Helene jemanden senden müssen um Papa Lambert das nötige Geld zu bringen. Als wir alle buchhalterischen Blätter für Papa Lambert vorbereitet hatten, er bereit war uns zu helfen, wir aufbrachen wollten, erlebten wir die schönste Überraschung unserer bisherigen Supervision. Ohne etwas zu sagen und die Familie wirklich zu nichts verpflichtet war, luden sie uns zum essen ein. Zuerst stellten uns die Kinder einen kleinen Tisch (grosse Tische gibt es gar nicht in den Dörfern, die hätten in den kleinen Lehmhütten gar nicht Platz), zwei Teller und zwei Löffel (wohl alles war sie an Geschirr besitzen, weil sie selber meistens von Hand aus einem Topf essen). Ich war gespannt was es zu essen geben wird und war dann sehr positiv überrascht. Es gab Reis mit Aalen (lange dünne Fische 20 – 30cm lang) an Pili-pili- Sauce. Die Fische können ganz gegessen werden und sind wirklich gut. Hätte mir jemand diese Aale am Anfang der Reise aufgetischt, hätte ich mich geweigert sie zu essen. Nun war ich nicht mal mehr schockier die Fische ganz im Teller zu haben – einfach die Köpfe ass ich nach wie vor nicht. Das Pili pili war zwar wie bekannt sehr scharf aber es passte zu den Aalen. Das Trinkwasser (das heisst das Flusswasser) behandelte ich mit drei Tropfen Micropur und wie beschrieben wartete ich 30 Minuten um das Mittel wirken zu lassen. Ich traute der Sache gar nicht aber bis jetzt geht’s mir blendend.
Der Mama gab ich nach dem Essen 200fc und sie strahlte und sagte „Losaka, losaka, Maman. Auch wir bedankten uns. Gilbert und ich redeten noch über die vielen sinnvollen Projekte und gleichzeitig grossen Probleme des Kongos, dann suchte ich das stille örtchen auf; man kann es auch „Loch im Boden „ nennen. Sehr froh war ich, dass es diesmal nicht einbrach *grins*. Wir räumten unsere sieben Sachen zusammen um in Djondo Cité mit den zwei Assoziationen die Verträge unterschreiben zu gehen. Die zweite positive Überraschung folgte kurz vor der Abreise aus Samanguwa – die Familie schenkte mir ein Huhn. Ich wollte es nicht annehmen, weil es doch viel zu wertvoll ist für die arme Familie aber natürlich wäre ein Geschenk abzulehnen bestimmt viel schlimmer. Ich freute mich und zufrieden fuhren wir – Gilbert am Lenker, los. Abgesehen von meinen Fehlern im Vertrag, welche natürlich korrigiert wurden, verlief die Vertragsunterzeichnung in Djondo – Cité problemlos und auch jene Einwohner waren so lieb – waren wir nämlich schon wieder zum Essen eingeladen. In einem kleinen niedrigen Zimmer wurden wir bedient mit den gekochten Bohnen, welche Gilbert aus Djondo mitbrachte (wir wussten ja nicht ob jemand für uns etwas zu Essen zubereiten wird), Reis und Poulet. Auch dieses Poulet wurde mit Pili-pili- Sauce zubereitet. Es brannte heftig an Lippen und im Hals aber wenn bedenkt wird wie wenig Mittel die Köchin hatte, schmeckte es sehr gut…
Gestern gab es den ganzen Tag bis 18.30 Uhr nichts zu essen und heute in den kleinen Dörfchen wurden wir so freundlich aufgenommen…
Zurück in Djondo besuchten wir das einzige Feld der bisweilen undefinierbaren Assoziation. Eine halbe Hektare ist parat um Niébé zu säen. Auf dem Rückweg wurde ich von wütenden Frauen mündlich angegriffen. Ich hätte Salz versprochen und sei einfach ohne gekommen. Ich verstand sie obwohl sie Otetela sprachen und sagte die Wahrheit, nämlich nichts von diesen Versprechungen gewusst zu haben und fragte wer solche Geschichten erzählt habe. Sie sagten ihre Mère Chef. Na ja bald lächelten Mama Catho und Mama Anny wieder, als sie verstanden, dass ein Missverständnis vorlag. Ich nutzte die Chance und Gilbert übersetzte für mich. Ich riet den Frauen eine kleine Assoziation zu gründen mit ihren Nachbarn aus der gleichen Strasse und mit wenigen Leuten grössere Flächen anzubauen – der Gewinn würde riesig sein.
Gilbert musste sich die zwei Namen dieser Frauen aufschreiben, ich werde ihn nämlich später fragen ob er mit den Frauen nun eine kleine Assoziation gegründet habe…
Weil wir soweit mit Djondo und Djondo Cité abgeschlossen hatten, fuhren wir bereits heute wieder nach COYA und Mama Helene musste nichts mehr kochen, weil wir heute wirklich viel gegessen hatten.
Jeder für sich, werten wir nun unsere Eindrücke und Gelerntes aus dieser Reise aus und tragen es zusammen…
Mittwoch 12. April 2006; 16.00 Uhr
Die Zweitagesreise von vorgestern und gestern war so speziell und spannend, heute kommt es mir wie ein Traum vor.
Wir kamen gestern knapp vor dem Eindunkeln nach „Hause“, mit dem Wetter hatten wir die zwei Tage Glück, dass es nicht regnete (wäre nicht der Hit gewesen bei Regen in diesem verlotterten „Restaurant- Zimmer“ in Djondo zu übernachten). Gilbert schrieb ein ausführliches Resümee, welches für mich von Bedeutung sein wird um den Unterstützungsvereins Mitgliedern zu berichten wie faul die Kongolesen sind.
Heute wurde das Dach der Reismühle bis auf die Abschlüsse zuoberst auf dem Dach und Direktionsseitig durch Holz, fertig gestellt. Leider ist das Benzin wieder einmal alle und die Direktion war nicht fähig für aufs Camion der Abbes gestern einige Liter zu organisieren.
Wie leider von mir bereits befürchtet bekam das grösste und stärkste Kaninchenweibchen von ihrem Bruder Junge, weil sie nach dem Transport aus Kananga nochmals zusammen waren. Na ja immerhin gab es bereits den ersten Erfolg. Die junge Mutter machte kein anständiges Nest und weil es noch keine Röste in den Ställen hat, riskieren wir das die vier Jungen plötzlich im Urin liegen werden. Ich werde sie so schnell wie möglich umplatzieren.
Es hat anscheinend genützt, dass ich Chef Jacques letzten Sonntag unter Druck setzte (wie ein Kind behandelte, wie er es nennte). Ich sagte erst wieder mit ihm zu sprechen und ihn bei seinen Projekten zu unterstützen, wenn er nach Yanga Dorf umgezogen sei.
Tatsächlich wohnt er jetzt in Yanga und hat zusammen mit der Direktion sogar bis auf den Fall Otshudiowamba alle Diebstähle gerichtet. Die Strafe 30 bis 60 Bäume in 30 Tagen zu fällen ist so übertrieben, dass wahrscheinlich nicht ein Baum gefällt werden wird… aber jetzt kann ich mich nicht mehr einmischen – sagte ich doch immer sie müssen selber aktiv werden und nicht immer mich fragen.
Ich habe gerade festgestellt, dass es mir wahrscheinlich unmöglich sein wird die Powerpoint – Präsentation rechtzeitig zu beenden und nach Kinshasa zu schicken… Wäre schade aber ein Grund sie später allen Unterstützungsvereinsmitgliedern zu präsentieren, wenn ich meine Kommentare dazu abgeben könnte.
Mhhh Mama Mbutshu hat wieder einmal feines Brot gebacken. Zum Zmittag gab es für mich Teigwaren mit Wildschwein – war fein!
18.00 Uhr
Weil ich keine Mails mehr senden und empfangen kann, telefoniere ich in Zukunft zwei Mal pro Woche nach Hause damit mir Mami wenigstens die empfangenen Mails vorlesen kann. Ich bekam ein sehr langes Mail von Walti und der Inhalt war psychisch schmerzvoll. Es kann sein, dass ich mein genaues Abreisedatum ihm gegenüber erst im März nach meiner Rückreise aus den Ferien mitteilte aber das Rad dreht sich hier viel zu langsam, als dass die zwei Wochen mehr wirklich noch etwas bewirken könnten. Wieso ich die Schreinereimaschinen nicht früher getestet habe, fragt er weiter. Hätte ich sie selber anschliessen sollen unter freiem Himmel oder was?…
Ok ich schreibe jetzt nicht alle Details und versuche mich zu beruhigen. Ich denke die Unterstützungsvereinsmitglieder sind einfach sehr im Stress (Jean habe sein Visum für Europa noch nicht). Meine schlechten Nachrichten und Probleme stellen die Schweizerfreunde nicht gerade auf. Mich stellen sie auch nicht auf und seit dem Tod meines Grossvaters habe ich nicht mehr die gleich starken Nerven wie vorher. Niemand vom Unterstützungsverein hat mir kondoliert und sie können sich nicht vorstellen wie schwer diese Zeit war und wie viel Kraft es brauchte mich einigermassen wieder den komplizierten Entwicklungsproblemen zu zuwenden. Ich will mich auf keinen Fall mit den Leuten aus der Schweiz verkrachen, schliesslich ziehen wir am gleichen Strick und wenn wir nicht mehr anständig kommunizieren können wird den Leuten hier erst recht nicht geholfen.
Ich muss auch schreiben, dass ich die Arbeitsrapporte zu wenig exakt führte und deshalb Walti und die anderen vielleicht zuwenig genau informiert habe. Das tut mir leid und Ich hoffe auch wenn es noch so schwer ist dies in der Schweiz zu verstehen, erklären zu können wieso mir nichts anderes übrig blieb als die Prioritäten zu ändern oder Däumchen zu drehen, weil es im Bau – Sektor praktisch nicht vorwärts ging. Papa Jean Takoy gibt sein wissen nicht weiter und gleichzeitig beklagt er sich, dass gerade mal drei von den 7Leuten im Sektor Schreinerei/Sägerei wissen wie man nagelt und sägt, die Schreinerei kann nicht laufen, weil sämtliche Schutzvorrichtungen fehlen und ausser Jean Takoy niemand weiss wie die Maschinen bedienen – wie soll ich an ungeschützten lebensgefährlichen Maschinen Leuten zeigen wie sie zu bedienen sind, in der Sägerei wird zu wenig effizient gesägt usw.…
Ich werde ein Résumé schreiben mit allen Beobachtungen und meinen Verbesserungsvorschlägen.
Freitag 14. April 2006; 08.00 Uhr
Heute soll endlich das Dach der Reismühle mit allen Abschlüssen fertig werden und Shungu Cosmas hatte schon selbst die Idee einer grossen Dachrinne auf der Rückseite des Dachs anzubringen und das grosse Wasserreservoir zu flicken um eine Menge Maniok wässern zu können.
Heute wird mir ein Schreiner helfen die Krippen für die Kaninchen zu montieren und ich will mit ihm zusammen auch beginnen die restlichen Ställe zu montieren.
Gilbert hatte seine Tour umgeplant und wird zuerst die Dörfer Richtung Lodja formen, damit er für mich persönlich meine CD mit der Power Point Präsentation mit dem heutigen Flugzeug nach Kinshasa senden kann und Reissamen für die Multiplikation des Reises nach Tshumbe mitnehmen kann. Jean wird hoffentlich das Visum für die Schweiz noch bekommen und meine Präsentation mitnehmen um wie geplant am 30- jährigen COYA Jubiläum vorführen zu können. Auf der Rückreise wird Ingenieur Gilbert die Dörfer besuchen und für die Reis- Samenmultiplikation vorbereiten.
19.45 Uhr
Ich habe nachträglich Einträge in mein Abenteuer Kongo 12 eingetöggelet (eingetippt) und die Geschichte mit Louises abnormalem Körper beschäftigt mich sehr. Mit Ingenieur sprach ich während seines Aufenthalts in Yanga so Nebenbei ohne konkret zu werden oder Namen zu nennen über Minderheiten wie abnormale Körper oder im falschen Körper geboren zu sein. Vor allem interessierte mich wie die Leute hier damit umgehen. Wie ich befürchtete, ist es ganz schlimm; es gibt null Verständnis – diese Menschen werden gehänselt und bereits Frauen, welche keine Kinder kriegen können sterben in der Regel früh, weil die Bevölkerung sie sprichwörtlich fertigmachen.
Das heisst Louises Fall muss geheim bleiben, wie soll das möglich sein. Sie wird heiraten müssen und sicher werden sich die Männer bereits früher fragen wieso Louise noch nie etwas mit jemandem hatte…
Wie kann ich ihr nur helfen?
Samstag 15. April 2006; 14.15 Uhr
Da ich nur noch telefonieren kann, habe ich mit Mami heute abgemacht mich anzurufen um mir die Neuigkeiten mit zu teilen. Walti`s Mail hat sie mir vorgelesen – er schreibt, dass ich jetzt bestimmt noch viele Schreinereiarbeiten erledigen werde. Leider geht das nicht, weil wir wieder einmal auf Treibstoff warten…
Meine Mutter las mir auch vor dass Manuela und Thomas nun bereits vor mir in die Schweiz zurückkehren werden und Hedys langes Mail las sie mir vor. Merci Hedy… schade kann ich dir nicht mehr zurück schreiben aber ich freue mich auf unser Treffen, sobald ich zurück sein werde!
Morgen ist Ostern, das heisst es wären wieder wie an Weihnachten stundenlange Messen angesagt; heute Nacht und morgen am Morgen – ich werde mich drücken wie ich es gestern am Abend bereits getan habe. Es ist eh alles auf Otetela und ich kann die Zeit sinnvoller mit Arbeiten oder Französisch lernen nützen.
Heute Mittag ass ich die aus der Schweiz mitgebrachten Raviolis, ich bin daran meine Notreserven aufzufuttern, da ich diese zum Glück nicht mehr werde nötig haben.
Ostern 16. April 2006; 9.15 Uhr
In einem Monat werde ich bereits in Kinshasa sein und bald an den Flughafen fahren um den Heimflug in Angriff zu nehmen… Leider habe ich noch keine Ahnung wie ich nach Kinshasa kommen soll, wahrscheinlich muss ich über Lodja reisen und wieder das Behördentheater über mich ergehen lassen.
Es ist Ostern!? – Heute wird ein ganz besonders heisser Tag, bereits um diese Uhrzeit ist kein Wölklein am Himmel zu sehen… Ostern im Sommer ist fast genau so komisch wie Weihnachten im Sommer. Jetzt sehne ich mich nach Frühling oder irgendeiner anderen Jahreszeit (immer Sommer ist doch langweilig
sowie nach gefärbten Ostereiern, Schoggihasen *grins* und natürlich auf den gemeinsamen Tag mit meiner Familie.
Da Ingenieur nicht wie versprochen gestern zurück aus Lodja kam und mich wieder einmal mit allen Problemen alleine lässt (bin es mir ja gewohnt), habe ich mich vor allen Kirchengängen gedrückt und ziehe es vor noch so viel Ordnung wie möglich in die COYA zu bringen.
Gut ist heute die Sonne so kräftig, da kann ich aussergewöhnlich viele Stunden lang am Laptop arbeiten. Heute wird Abbé Pierre Ndjovu mich auf seinem Weg an den Hafen von Samanguwa (das Schiff der Methodisten sei endlich angekommen – somit auch unsere Dieselfässer) besuchen, wie er es mir bei meinem letzten Tshumbe – Aufenthalt versprach. Natürlich freue ich mich ihn zu sehen, mit ihm zu speisen und gleichzeitig ist es meine Chance seit 1 ½ Monaten den wohl viel zu lang geratenen Abenteuer Kongo 12 Bericht zu versenden…
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