14 März, 2008
von Sabine

9 1/2 Monate Dem. Rep. Kongo, 09.-12.September 2005

Mittwoch 14. September 2005, 23.00 Uhr

Ich versuche gar noch nicht zu schlafen, bin etwas nervös, morgen gilt es ernst mit dem Flug nach Kinshasa. Ticket und Einladungsschreiben habe ich, es sollte eigentlich alles rund laufen.

Ich habe meinen MP3 Player aus dem Gepäck herausgesucht, höre Herbert Grönemeyer, Zuccero und all die schönsten Lieder, welche ich vor der Abreise aufgeladen habe.

Es kommen starke Emotionen auf, die vertrauten Musikstücke erinnern mich extrem an Erlebnisse, Gedanken und Menschen aus der Heimat. Ich habe noch gar nicht begriffen, dass der „Abschnitt Kananga“ morgen bereits vorbei ist.

Der Abschied heute Abend im Cybercafé von Manu und Sedi war nicht traurig. Wir haben viel zusammen erlebt, werden uns nach dem Abenteuer Afrika bestimmt wieder sehen und uns oft an diese Zeit erinnern!

Medar kam mich die letzten Abende jeweils um 21.30 vom Cybercafé abholen, damit ich nicht alleine im Dunkeln durch Kananga 2 nach Hause gehen musste. In der hell erleuchteten Schweiz kann man sich eine Stadt ohne Beleuchtungen nicht vorstellen, momentan sieht man den Weg nachts ohne Taschenlampe, weil der Himmel offen und der Mond etwas grösser ist. Vor drei Tagen als es regnete, war es auf dem Heimweg finster wie in einem „Chuefüdle“ *grins*. Ich stolperte, auf dem sandigen durchlöcherten Weg, nur so hinter Medar her…

Heute Morgen ging ich ein letztes Mal in die Schreinerei, musste noch eine Holzliste vorbeibringen für die Konstruktion des „paillotes“, welches kleiner als die anderen ist und ein Fehler korrigieren meinerseits. Silvan und Michel waren mächtig stolz, dass sie meinen Fehler bemerkt hatten, leider getrauten sie sich trotzdem nicht von meiner Holzliste abzuweichen und sägten die Stücke zu kurz ab. Ich bin bereits zufrieden, dass sie mitgedacht haben und vor allem, sie haben gearbeitet! Ohne meine Anwesenheit!

Der „Stromer“ François kam gerade bei der Schreinerei vorbei und zeigte mir stolz den Motor der Säge, welchen er endlich installiert hatte. Das neue Sägeblatt aus Kinshasa führte mir Felyx vor…

Es war niedlich wie sie sich am letzten Tag für „meine Arbeit“ bemüht haben. Wie viel sie von den Ratschlägen gespeichert und mitnehmen werden können, werden wir sehen… Jetzt muss ich aufhören zu schreiben ansonsten werde ich noch sentimental, vielleicht liegt es an der Musik. Ich kenne das laufende Stück nicht, ist eine Begleitung eines schönen Liedes aus der Sammlung Stefans, meines Bruderherz. Die schrecklich hoch quietschenden Fledermäuse sind wieder nachtaktiv, die hört man sogar durch die „Ohrstöpsel- Lautsprecher“!

Donnerstag 15. September 2005; 10.25 Uhr

Vor ein paar Tagen ein gleiches russisches Flugzeug (Antanov), mit welchem wir von Lodja nach Kinshasa flogen, abgestürzt. Jetzt macht mir das Fliegen doch etwas Angst. Gut ist heute schönes Wetter. Als das Unglück passierte, konnte der Pilot wegen des schlechten Wetters nicht landen und ihm ging der Treibstoff aus. Traurig. Vor einer Woche geschah ebenfalls ein schweres Unglück im Fussballstadion in Kananga. Das Spiel war zu Ende, Kinshasas Mannschaft hatte verloren. Die Fans konnten sich nicht beherrschen und prügelten sich mit den Sieger- Fans. Die Polizei setzte Tränengas ein und im ganzen Getümmel stürzte plötzlich eine Mauer des Stadions ein… es gab ca. acht Tote und einige Schwerverletzte.

Daniel fuhr wie abgemacht um 10.00 Uhr mit meinem Gepäck, Ticket, Bestätigung, Pass, etwas Geld für die überschüssigen Kilos und um die Mitarbeiter zu bestechen, damit sie die Koffer nicht öffnen müssen.

Ich hoffe, dass alles glatt läuft. Es ist schon ein komisches Gefühl eine Reise ohne Jean in Angriff zu nehmen. Wenn Daniel zurückkommt müssen wir für Jean noch die Arbeiten an den „briques“ fotografieren gehen, danach etwas essen und die Quittung für die 500$ welche ich Papa Nicolas gegeben habe muss er mir noch unterschreiben… Tschüss Kananga!

Donnerstag 15. September 2005; 13.50 Uhr

Ich sitze im Flugzeug, Gott sei dank! Daniel kam um 11.30 Uhr nochmals mit meinem Bagage zurück, weil es 70kg schwer war, das gäbe pro 40kg mal 2$ = 80$. Diesen Betrag war ich nicht bereit für „zu viele Kilos“ zu bezahlen und räumte den ganzen Kofferinhalt um. Sämtliches Nutella und Schokolade liess ich in Kananga und die Kleider von Jean habe ich in meinen Koffer gepackt um das Gewicht seines Koffers einzusparen. Nun war ich sehr gestresst, weil ich doch Angst bekam, dass ausgerechnet heute der Flieger einmal pünktlich sein könnte und schlürfte 2 Teller Suppen im Eiltempo runter. Vor der Abfahrt an den Flughafen, gingen wir für Jean die Fotos von der „briqueterie“ machen und bei Mama Angèle Dokumente abholen, weil sie jene nicht wie versprochen bei mir vorbeibrachte. Daniel flitzte nur so über die „patats“ und die Strasse, dass mir angst und bange wurde. Um 12.30 Uhr kamen wir am Flughafen an und ich war zum ersten Mal froh, dass der Flieger wieder einmal Verspätung hatte und noch gar nicht erst in Kananga gelandet war. Das Gepäck musste nochmals gewogen werden, ich konnte 15kg bzw. 30$ einsparen, immerhin! Klaus kam mit an den Flughafen, er erzählte und erzählte während der stressigen Fahrt, ich hatte leider keinen Kopf ihm zu zuhören. Er war erstaunlich herzlich beim Abschied und hatte Tränen in den Augen.

Jetzt fahren wir zur Startpiste… und los geht’s!

Cool, ich konnte die „paillotes“ von oben sehen, leider hatte ich den Fotoapparat nicht zur Hand. Abflug 14.05 Uhr, nicht schlecht, nur eine Stunde Verspätung! Die Mädels (Stewardessen) machen sich bereits auf den Weg Getränke zu verteilen.

Mhhh es gab ein feines Mini- Käsesandwich und ein Päckli Clucose- Biskuits zum Dessert. Ich überlegte mir ein Skol (Biermarke) zu trinken, weil Sinikka geschrieben hat Bier wirke desinfizierend, bestellte dann doch ein Fanta. Den Fensterplatz, welchen ich mir ausgesucht habe, befand sich direkt über dem Flügel wo es ein grösserer Zwischenraum zur vorderen Sitzreihe hatte. Ein Meter Beinplatz, wäre ideal für Sedi! Neben mich setzte sich eine weisse spanische Schwester, sie wohnt bereits 10 Jahre in Kananga und geht wieder einmal ihre Familie besuchen. Sorry, aber riechen tut sie schlimmer als zwei Afrikaner zusammen! Sie ist ein ziemliches „Beeri“, hat sich und dem Nachbarn auf der anderen Seite, ihr Fanta über das Jupe, bzw. die Hosen geschüttet. *grins*

Ich fühle mich sehr gut „über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“ freue mich Jean zu sehen und hoffe dass wir heute Abend Pizza essen gehen!?

Aus meinen Kopfhörern tönt gerade Wind of Change von Skorpions, wie oft habe ich dieses Lied vor einigen Jahren immer und immer wieder gehört.

Wir fliegen bereits wieder runter, hoffentlich steht Nono, Jean`s Flughelfer am Flughafen für mich parat…

Freitag 16. September 2005; 11.00 Uhr

Vor mir, im Hafen von Kinshasa, liegt das Boot, mit welchem wir von Samangua nach Kiela gereist sind. Ich sitze auf einer hohen Rampe, in Sicherheit von den neugierigen Kindern und den diebischen Strassenkindern und beobachte die Menschen mit gleichzeitigem Blick auf den Kongofluss. Eigentlich wollte ich heute eine Menge Dinge erledigen, es kam anders… Wie bereits früher beschrieben beträgt der Zeitunterschied Kinshasa Kananga 1 Stunde. Ich stellte aus mir unerklärlichen Gründen die Uhrzeit beim Wecker falsch um und stand eine Stunde zu spät auf. Es weckte mich natürlich niemand, sie wollten mich nicht stören, wenn ich mich noch etwas ausruhte. Ich merkte zuerst gar nicht was los war und fragte mich weshalb Jean`s Bruder Emil bereits so früh da sei. als Jean dann mit ihm zusammen völlig gestresst das Haus verliess, merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Ich solle essen und dann mit den anderen mitgehen, sie hätten keine Zeit mehr und gingen jetzt zu den Ministern. Es war mir überhaupt nicht recht und ich konnte Jean mein Missgeschick noch gar nicht erklären. Ich ass also alleine und gestresst ein Stück Brot mit Edamer Käse, trank zwei Tassen Schwarztee und ein Glas Wasser. Vom Rosé, welchen ich gestern mit Jean getrunken hatte, habe ich jetzt Kopfschmerzen. Mir ist nun ebenfalls klar geworden, dass Jean gestern von Emil seinem Bruder und nicht von Emil seinem Kollegen sprach. Ehrlich gesagt habe ich total den Faden verloren, mit wem ich in der nächsten Zeit nun was organisieren werde!

Nach dem frustrierenden Frühstück ging ich nach draussen und fragte was denn nun geschehen würde. Mama Veronique, Mama Louise und Mama Christine waren mit dem Phonie beschäftigt. Sie erklärten mir, dass wir zusammen an den Hafen fahren würden und Jean mich dann abholen komme… jetzt kommt Jean gerade mit Dido um die Ecke gefahren…

Samstag 17. September 2005; 18.40 Uhr

Ein langer stressiger Tag neigt sich langsam dem Ende zu. Gestern fuhr ich mit Jean noch zu Kenya Airways, juhuii unsere Ferien sind machbar, der Flug kostet 894$, ca. SFR1200.-. Auf dem Nachhauseweg gingen wir noch bei Air-France vorbei, leider hatte es zu viele Leute und wir keine Zeit zum warten. Ebenfalls zeigte mir Jean den „Michael“ Einkaufsladen, wo es zu vernünftigen Preisen Dinge für den Schweizergeschmack gibt. Abends waren wir bei Jean`s Bruder Emil zum Essen eingeladen, kamen natürlich zu spät, weil wir noch an den Hafen für Walti Fotos vom „arbre de transmission“ machen mussten. Beim Dessert konnte ich mir den Bauch mit Schokolade- und Vanille- Erdbeer- Pistache- Eis voll schlagen, dies war eine super Entschädigung für die Pizza, welche wir nicht essen gingen. Es war ein interessanter Abend, lernte Ute aus Aachen kennen und weiss nun, dass ich nächsten Donnerstag mit Emil bis Lodja werde reisen können. Er wird mir ebenfalls ein Hotelzimmer in Nairobi vom 18.-19. Februar 06 reservieren. Ich werde beim Rückflug aus meinen Ferien von Mombasa- retour nicht am gleichen Tag einen Anschlussflug nach Kinshasa haben.

Um ca. 22.00 Uhr kamen Jean und ich gestern nach Hause mit unserem Chauffeur Dido. Beide, vor allem er war sehr müde und musste für mich, weil der Buchhalter bereits nach Hause ging, noch die zwei „ordres de mission“ schreiben. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil er wegen mir noch nicht ins Bett gehen konnte. Diese beiden Zettel sind jedoch notwendig um mein Visum im Kongo zu verlängern und ein Visum in Kenya im Februar 06 zu erhalten. Jean ging ca. um 23.30 Uhr für einige Stunden schlafen, ich schrieb noch die Liste mit den Dingen fertig, welche vor meinem Abflug noch erledigt werden müssen. Das musste sein um sicher zu gehen, nichts Wichtiges mehr von Jean zu benötigen. Den neuen Drucker- Scanner – Kopierer installierte ich noch auf meinem Laptop um die Liste und die „ordres de mission“ auszudrucken. Unglaublich was so ein kleines Gerät alles kann! Um 1.30 Uhr ging ich mich duschen und legte mich danach ins Bett. Die Nacht war kurz, weil es mir wichtig war mit Jean zusammen um 6.45 Uhr zu frühstücken. Bevor er sich verabschiedete und Emil „son ami“ ihn zum Flughafen begleitete, schrieb Jean noch Anweisungen und Prioritäten für Angèle, Emil und mich. Ebenfalls kamen noch Mama Veronique und Louise zusammen mit Papa Emile zu einer kleinen Arbeitssitzung vorbei. Ich fühlte mich schon komisch als Jean uns dann verliess. Momentan habe ich das ganze Haus von Jean in Kinshasa für mich alleine, hatte jedoch so viel zu tun, dass mir nicht langweilig wurde!

Jean fuhr mit Emil davon und ich machte mich sofort an die Arbeit. Alle Kisten von mir muss ich sortieren, wichtige Dinge schicken wir mit dem Flugzeug 1.50$ pro kg, den Rest wird mit einem noch unbekannten Schiff die Reise nach Samangua antreten. Jean sagte dass dauere 3- 4 Monate, Emil sagte es könne auch 1 Jahr dauern, bravo! In einem Jahr befinde ich mich bestimmt nicht mehr in Yanga, dann nützen mir die Dinge aus der Schweiz herzlich wenig. Emil kam vom Flughafen nach Hause und sagte er wolle nun mein Ticket für den Flug nach Lodja kaufen gehen. Ich schaute mit ihm zusammen meine Liste, unser Programm an und sagte, wenn er schon in die Stadt fahre können wir auch gleich noch andere Sachen erledigen. Weil er mich beim Einkaufen brauche, fuhren wir gemeinsam in die Stadt, Papi kam auch noch mit um das Auto zu hüten. Als Emil das „billet d`avion“ kaufen wollte, gab es wieder einmal eine Überraschung, Wir müssten heute bis 17.00 Uhr die Fracht abliefern gehen, weil das Frachtflugzeug morgen fliege und nicht wie von uns angenommen am Donnerstag mit dem Passagierflugzeug. Emil fragte mich wie wir vorgehen sollen. Ich sagte wir versuchen soviel wie möglich heute abzuliefern und die restliche Flugzeugfracht soll mir dann Emil, Jean`s Bruder nach Tshumbe bringen. Emile wird einige Tage in Lodja bleiben und die zweite Ladung wird nächsten Sonntag eintreffen, das könnte klappen.

Wir kauften noch einige Kilos Teigwaren, Mehl und andere wichtige Dinge ein, welche ich in den ersten Tagen in Yanga haben möchte. Zu Hause angekommen packte ich die gekauften Sachen ein und räumte die Kisten vom Schiff um, so schnell ich konnte. Drei schauten zu und Emil gab dauernd noch Kommentare ab, das benötigte viele Nerven!

Der Strom ist ausgegangen und ich sitze im Finsteren. Weil sämtliche Insekten vom Licht angezogen werden, ist es sehr unangenehm vor einem beleuchteten Bildschirm zu schreiben. Ich hoffe, dass der Strom zurückkommen wird, möchte unbedingt ins Cybercafé E- Mails senden und empfangen gehen.

In der Hektik heute Nachmittag hatte ich die Werkzeugkiste eingepackt ohne die Kreuz- und Torx- Schraubenzieher herauszunehmen. So wird es mir viel nützen, dass der Akku- Schrauber noch da ist um die Kisten zu zuschrauben. Das passiert, wenn nur eine Person von ca. 1000 bei der Arbeit mitdenkt und nicht nur zuschaut!

Emil fuhr um 16.00 Uhr mit unserer „fret“ los, das wird ein teurer Spass werden, wir denken 500$ reichen nicht. Ich bin gespannt auf seinen morgigen Bericht. Nach der Ein- und Umpackaktion ass ich schweissgebadet die von mir gewünschten Spaghetti mit Auberginen und Hackfleisch, anschliessend ging ich duschen. Mâmarie sagte ich hätte so viel gearbeitet ich solle dann nach dem essen schlafen gehen. Die Leute machen im Kongo nachmittags Siesta… dies bin ich mir nicht gewohnt. Nach nur einer Stunde Schlaf bin ich erstens schrecklich müde und zweitens kann ich dann am Abend nicht mehr schlafen.

Hmmm wir haben immer noch keinen Strom, muss wohl im Finsteren eine Kerze suchen gehen…

Sonntag 18. September 2005; 16.45 Uhr

Die Hitze ist wirklich gewöhnungsbedürftig und der Gedanke, dass es noch heisser und die Luftfeuchtigkeit noch mehr steigen wird unvorstellbar. Mama Angèle kam vor etwas mehr als einer Stunde hier in Salongo Quartier bei Jean`s Haus an. Wir assen dann gleich zusammen, wie ich das am Donnerstag mit Jean gemacht habe. Ich muss insgeheim lachen, die liebe Mâmarie hat mich gestern Abend gefragt ob sie mein Bier trinken dürfe aber ich dürfe Papa Emil nichts sagen. Falls er fragen würde solle ich sagen, dass ich es getrunken habe. Ich sagte ok, weil ich Mitleid mit der Frau habe. Vor wenigen Sekunden erwischte ich sie jedoch als sie sich gerade wieder ein Bier aus dem Kühlschrank nahm… Ich wollte für mich das Sprite holen, welches ich am Morgen noch im Kühlschrank sah. Es war weg, ich fragte Mâmarie ob sie es genommen habe. Sie ging nicht auf meine Frage ein, sagte nur verlegen „Papi va acheter quand il est retour“. Ja, ich habe eine kleine Diebin im Hause. Sie nützt es grausam aus, dass Jean nicht mehr da ist. Ich weiss noch nicht ob ich ihm von den Vorfällen erzählen werde. Ich habe sie gefragt ob meine Kleider gewaschen seien, sie sagte nein sie hätte keine Seife. Das bringt mich echt auf die Palme, ich fragte weshalb sie nichts gesagt habe. Die Antwort: „Je ne sais pas“. Bravo, nun ist ganz bestimmt fertig mit Bier, das ist eine Schlamperei echt!

Die Fracht gestern kostete 370$, ich bin froh, dass es noch keine 500$ kostete. Die Schreinereiartikel sowie die Solarartikel sind ja noch nicht inklusive.

Der Strom kam gestern Abend nochmals zurück aber ich war so müde, dass ich um 10.00 Uhr ins Bett und nicht mehr ins Cybercafé ging. Leider habe ich wieder etwas erwischt, was sich gar nicht gut auf meine Verdauung auswirkte. Morgens um 5 reichte es mir ganz knapp noch auf die Toilette…

Ich schlief nochmals ein und blieb bis halb zehn im Bett. Es war bereits so heiss, dass ich wieder schwitzte nur vom liegen.

Jetzt ist gerade der Neffe von Angèle ist zu Besuch gekommen, die beiden sitzen auf der einen Seite neben mir und sprechen in Lingala zusammen, auf der anderen Seite läuft ein Fussballspiel im Fernseher, welchen Angèle angestellt hat. So kann man sich super auf den Text konzentrieren. Zum Glück ist es ein kurzer Besuch und beim Fernseher habe ich die Lautstärke auf 0 gestellt…

Um 10.00 Uhr frühstückte ich dann mit Papa Emile, danach ging er Tennis spielen und ich schrieb den Tag durch acht E- Mails. Wenn er zurückkommen wird, muss ich unbedingt ins Cybercafé gehen solange wir Strom haben. Schliesslich habe ich nur noch 3 Tage Zeit E- Mails zu schreiben, dann beginnt die Zeit ohne direkten Kontakt in die Schweiz… wenn man vom Teufel schreibt… nein es kam Jeanpaul nicht Emil, leider. Nun habe ich Jeanpaul gefragt ob er mit mir ins Cybercafé komme. Er ist nicht begeistert, weil heute wohl sein freier Tag ist. Das ist mir jedoch heute egal…

Montag 19. September 2005; 19.30 Uhr

Mama Angèle und ich sitzen wieder einmal im Finstern, weil sie den Strom abgeschnitten haben. Ihr ist nun langweilig, der Fernseher läuft nun mal nicht ohne Strom. Ich war gerade parat um ins Cybercafé zu gehen, Meine Mutter in der Schweiz wartet dringend auf ein Mail von mir und ich hoffe Antwort von Walti und Peter erhalten zu haben.

Heute Morgen assen wir nach der von mir vorgegeben Zeit um 7.30 Uhr Frühstück, dann schaute ich mit Papa Emile das Programm durch, welches in der Stadt zu erledigen sei. Wir führten Buch über die Ausgaben und kalkulierten den heutigen Tag. Um ca. 9.00 Uhr fuhren wir los, zuerst in die Procure um mein Visum in der RDC zu verlängern. Die verantwortliche Schwester hatte natürlich Urlaub und die Stellvertretung war ausser Hause. Als nächstens fuhren wir zur Kenianischen Botschaft und wieder hatte ich keinen Erfolg. Ein Visum ist längstens 3 Monat gültig, ich könne also das Visum für den Monat Februar 06 frühestens Ende November 05 anfordern. Papa Emil beruhigte mich nachdem wir das Büro verlassen hatten, es gäbe kein Problem, ich könne das Visum auch erst zwei Tage vorher beantragen. Es wird mich sowieso 50$ kosten und die Mitarbeiter sind bestimmt „scharf auf die Kohle“. Als nächstes fuhren wir zur Kenya Airways, dort konnte ich zum Glück das Ticket für meine Ferien im Februar kaufen. Anschliessend fuhren wir zum Büro der Air France um das Datum meines Rückfluges in die Schweiz vom 27. Oktober 05 zu verschieben. Falls ich es im Kongo so lange aushalten werde, komme ich am 17. Mai 06 morgens um 9.00 Uhr in Zürich Kloten an. Ich will doch die Hochzeit von Sinikka nicht verpassen und auf die Eichenfuer in Kallnach bin ich bereits sehr gespannt!

Während ich den Flug umbuchte kaufte Emil Tintenpatronen für den Drucker, welche hier die gleichen Wucherpreise habe wie in der Schweiz. Als nächstes gingen wir in den teuren Supermarkt und kauften Hefe um in Yanga Brot backen zu können, Joghurts, Käse, Äpfel, Currygewürz, TUC Crackers usw. damit ich mich noch zwei Tage in Kinshasa verwöhnen kann. Danach gingen wir Passfotos machen, das war ein interessantes Erlebnis. Hinter der Eingangstüre zahlt man 1800fc für 4 farbige Passfotos, dann erhält man einen Zettel mit Nummer, wie bei uns neuerdings auf der Post. In der Hinterkammer hat ein Fotograf seinen Arbeitsplatz. Während ich darauf wartete, dass meine Nummer aufgerufen wird, konnte ich zuschauen wie der Fotograf jene, welche vor mir an der Reihe waren abknipste. Er rief dann „999“dies war meine Nummer, ich gab Emil mein Kitchener und setzte mich auf einen hohen Stuhl (Bar-Stuhl). Ich solle meinen Kopf noch etwas anheben, „knips“ und das Bild war im „Kasten“. Ich könne das Bild ab 16. Uhr oder morgen abholen kommen bei vorweisen des Zettels, welchen ich mitnehmen musste.

Danach fuhren wir zurück zur Procure und die verantwortliche Schwester war bereits wieder ausser Hause. Emil rief sie an und fragte wie das nun mit der Verlängerung meines Visums vor sich gehe. Leider müssten sie meinen Pass ca. eine Woche bei sich behalten. Nun warte ich bis Jean nach Yanga kommen wird. Er muss dann meinen Pass nach Kananga mitnehmen um das Visum dort zu verlängern. Es wird schon eine Lösung geben…

Der nächste Punkt auf unserem heutigen Programm war der Markt Zikida um die Hobelmesser, Handsägen und Handhobel zu kaufen. Emil kriegte Panik als die vielen Leute uns beinahen die Autotüren einrannten. Ich fand es ziemlich verkehrt, mich brachten die vielen gleichzeitig durcheinander sprechenden Männer nicht aus der Ruhe. Ich war bereits mit Manu und Sedi bei unserem zweiten Aufenthalt in Kinshasa auf diesem Markt, damals verliessen wir sogar das Auto. Emile zuliebe öffnete ich das Fenster der Autotüre nur einen Spalt um mit dem „Marktchef“ zu verhandeln. Für die zwei Handhobel wollte er 50$, ich lachte ihn nur aus und sagte ihm höchstens 20$ zu geben. Für die Handsägen mit stabilen Holzgriffen einigten wir uns schnell auf 4$ pro Stück. Die Hobelmesser kaufte ich nicht. Er kam nicht weiter runter als 30$ pro Stück, ich hätte ihm 15$ pro Stück bezahlt. Als wir losfahren wollten verkaufte er mir die Hobel plötzlich doch für 20$, ich war unheimlich froh in Kananga die Preise studiert zu haben, ansonsten hätte ich ihm viel zu viel für die Handhobel bezahlt.

Auf dem Nachhauseweg kauften wir noch 20kg Nägel mit einer Länge von 5cm, 2 grosse leere Kartonschachteln und Skotch Klebeband um die Schachteln gut zu verkleben. Die Nagelverkäuferin wog jeweils 1kg nach dem anderen, verschiedene Frauen brachten 50iger Nägel aus allen Himmelsrichtungen. Es dauerte bestimmt 20min um 20kg Nägel zu kaufen, bis die arme Frau schliesslich den Preis in Dollar umgerechnet hatte, sie tat mir richtig leid als Emile sie beschimpfte, weil sie so lange brauchte. Bei den Kartonschachteln schlugen sich die Verkäufer beinahe die Köpfe ein. Beim Einladen der Kartonschachteln wollte mir eine Frau unbedingt ihre Brote verkaufen. Sie kam immer weiter runter mit dem Preis und wollte nicht verstehen, dass ich bereits Brot eingekauft habe…

Ca. um 14.30 Uhr kamen wir zuhause an, ich war froh die Einkaufstour heil überstanden zu haben. In Kinshasa fühle ich mich nicht besonders wohl, die ganze Stadt ist staubig von den Autos aufgewirbelten Staub und es stinkt nach Abgasen sowie nach an jeder Ecke verbranntem Plastik. Mâmarie kochte für mich Kartoffeln und für Mama Angèle „Fufu“. Dazu gab es Schweinefleisch, Spinat und den restlichen Fisch von gestern. Endlich konnte ich von der Maniok-Mais-Mehlgemisch-Pampe kosten. Es ist ziemlich geschmacklos, mit dem von mir mitgebrachten Ketchup lässt es sich gut essen!

Montag 19. September 2005; 21.15 Uhr

Ich liege bereits im Bett. Nachdem ich mit „Papi“ vom Cybercafé zurückgekehrt bin, duschte ich mich. Automatisch wusch ich mir das „Antibrumm“ vom Leibe. In Kinshasa sind die Mücken unerträglich, da gibt es ohne Antibrumm nur eins: Flucht unters Moskitonetz!

Mâmarie sieht in voller Lautstärke Fernseher und trinkt wieder mal das angefangene Bier aus dem Kühlschrank. Morgen muss sie mir die Liste zeigen von den Dingen, welche sie heute zum Essen gekauft hat. Papa Emile hat ihr 10$ gegeben und ich bin mir sicher, dass sie versuchen wird uns zu betrügen. Die Frau ist nicht ehrlich, das ist traurig aber wahr…

Dienstag 20. September 2005; 22.10 Uhr

Heute sind die Mücken nicht so aggressiv wie gestern, drum sitze ich noch auf dem Balkon und Mama Angèle liegt auf dem Sofa vor der Glotze. Heute habe ich die zweite Ladung fürs Flugzeug nach Lodja parat gemacht. Walti hat mir gestern die Packliste von Peter Frech per E- Mail gesendet. Leider erleichterte es die Suche nach den Batterien zum Solarpaneel nicht, im Gegenteil es verwirrte mich nur. Die Kisten waren gar nicht oder mit anderen Nummern angeschrieben. Papa Paul (der Chauffeur, welcher uns heil von Lodja nach Yanga fuhr über 10`000 patats), Papa Migael, Papa Mathieu und Papi räumten 3 Kisten aus bis wir schliesslich in Kiste Nr. 5 anstatt wie nach Peters Liste in Nr. 8 die gesuchten Batterien fanden. Wegen des grossen Gewichts, packte ich nur eine in die Flugzeugkisten. Es macht mir etwas Kummer das Solarpaneel mit dem Flugzeug zu senden, weil es in den gekauften Kartons keinen Platz hat. Wir werden es so gut wie möglich Polstern und in Karton packen. Lassen es die Frachtmitarbeiter jedoch fallen, wird es bestimmt zerbrechen! Ich werde glücklich sein, wenn die ganze Fracht heil die Lange Reise nach Yanga wird überstanden haben wird. Emil kam nur kurz vormittags vorbei also ging ich mit Papi und Angèle „à pied“ ins Cybercafé. Auf dem Weg mussten wir mitten durch eine Abschiedszeremonie gehen, weil die Familienangehörigen den Leichnam im Sarg mitten auf die Strasse und rundum Stühle für ca. 70 Personen hinstellten. Über dem Sarg und den Stühlen wurden zum Schutz vor Regen kleine Zelte, wie wir in der Schweiz für Aussenstände bei Beachpartys verwenden, angebracht. Aus einem Lautsprecher tönt laute, überschlagende kongolesische Musik bereits seit zwei Tagen. Es war nicht angenehm einen Meter neben dem Sarg und mitten durch die Trauergesellschaft zu gehen.

Bevor wir ins Cybercafé gingen, probierte Ich noch das Satellitentelefon aus. Dies war eine gute Idee, Jean liess nämlich das Stromnetzkabel im Wohnzimmer am Boden liegen und Mami hat bei der Angabe der Satellitentelefon- Nummer die zwei letzten Zahlen vergessen… egal, die Hauptsache ist das telefonieren funktioniert. Als wir vom Cybercafé nach Hause kamen probierte ich ebenfalls den Beamer aus. Man kann ihn per USB- Kabel verbinden und mein Laptop hat mir bestätigt die Hardware erkannt zu haben, sie könne benützt werden. Leider findet der Beamer kein Signal und ich bin mit meinem Latein am Ende. Vielleicht können mir Manu oder Thomas morgen einen Rat geben, ich werde sie evt. versuchen anzurufen.

Ich bin schon gemischter Gefühle, heute habe ich einigen Freunden und der Familie vielleicht für längere Zeit als mir lieb ist, das letzte Mal eine E- Mail geschrieben…

Mittwoch 21. September 2005; 18.35 Uhr

Ich würde leugnen zu sagen nicht nervös zu sein, wegen meiner langen Reise morgen.

Heute packte ich noch die Kisten, welche mit dem Schiff reisen werden, damit ich sie nach Emils Wunsch mit einem Schloss zuschliessen und die Schlüssel mit nach Yanga nehmen kann. Die zweite Fracht wog 162kg und kostete 242.5$. Ich war mit meiner Schätzung von 120kg grob daneben. Emile telefonierte vor einigen Minuten mit Abbé Daniel aus Lodja, welcher meine Fracht in Empfang genommen und noch nehmen wird. Von unseren ersten acht Paketen, hat er bereits zwei nicht gefunden. Die Nr. 1 beinhaltet das Mehl um in Yanga Brot zu backen und die Nr. 5 sind irgendwelche Medikamente, welche Cilgia gekauft hatte. Emile meint, dass sie die Pakete bestimmt noch finden werden.

Er ist bereit nun mit mir ins Cybercafé zu gehen… tschüss bis bald!

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